Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 41 (11.10.1901)
- Date
- 1901-10-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr, 41 Seite 67» Vr. BlvrN Wochenschrift. Ein jüdischer Gottesmann, der in dieser Zeit in Babylonien lebte, sah dieses Meteor am Völkerhimmel aufleuchten, lenkte die Augen seiner Glaubensgenossen auf seinen strahlenden Glanz, prophezeite im Namen Gottes seinen weltumfassenden Plänen einen glücklichen Erfolg, begrüßte ihn als den Gesalbten des Herrn und feuerte seine Volksgenossen für seine Unternehmungen an, die sich ihm mitLiebe und Vertrauen anschlossen. „So spricht der Ewige zu seinem Gesalbten, zu Coresch" ruft er aus: „den ich bei seiner Rechten fasse, um ihm Völker zu unterwerfen, die Banden der Könige zu lösen, ihre Thüren und Thore zu öffnen, ich schreite vor dir her, um die Krümmungen zu ebnen, kupferne Thore will ich zerbrechen und eherne Riegel zertrümmern. Ich gebe dir die Schätze der Finsterniß und die Kostbarkeiten der Verborgenheit, damit Du wissest, daß ich, der Ewige es bin, der dich beim Namen ruft, ich, der Gott Israels". (Jesajas C. 45.) Bei der - Eroberung Babylons hat höchstwahrscheinlich die jüdische Bundesgenossenschast nicht wenig mitgewirkt. Was unter der babylonischen Herrschaft trotz mancher Bemühungen nicht gelang, das fing jetzt an, theilweise sich zu verwirklichen. Cyrus erließ einen Befehl, daß es den jüdischen Bewohnern seines Reiches gestattet sei, nach Jerusalem zurückzukehren und dem Gotte Israels dort einen Tempel zu erbauen. Das Schreiben lautet: „So spricht Coresch, der König von Paras: alle Reiche der Erde gab mir der Herr, der Gott des Himmels und er befahl mir, ihm einen Tempel in Jerusalem, was in Jehuda liegt, zu erbauen. Wer unter Euch ist, der zu seinem Volke gehört (mit dem möge sein Gott sein), der ziehe nach Jerusalem in Jehuda und erbaue einen Tempel dem Herrn, dem Gotte Israels, das ist der Gott, der in Jerusalem weilt." (ll Chronik. 36. 23. Esra 1. 2—4.) Eduard Meyer, der die in aramäischer Sprache geschriebenen Edicte für echt erklärt, bezweifelt die Echtheit dieses Briefes, weil er in hebräischer Sprache abgefaßt ist (Meyer, Die Entstehung des Judenthums S. 5); allein er trägt alle Spuren der Echtheit an sich. Schon die Bezeichnung Gottes als den „Herrn des Himmels" weist mit Bestimmtheit auf seine Authenticität hin. Herodet (V. 131) berichtet, daß die Perser keine Götterbilder hatten. Den Persern, die einen Dualismus von Gottheiten haben, Ahriman und Ahuramazd ist der letztere der Höheren. Derselbe ist ein Schützer der Reiche und hat seinen Sitz im Himmel. In einer Inschrift von Bisitum sägt Darius von sich: „Ich befahl nicht zu verehren was Gumata, der Magier bekannt hatte, ich habe wiederhergestellt Tempel und Verehrung des Schützers des Reiches ".(Vergl. Julius Lippert, Allgemeine Geschichte des Priesterthums, 2. Band, S. 323.) Wenn Cyrus sagt: „Alle Reiche der Ecde gab mir der Herr des Himmels", so stimmt das vollständig mit seiner religiösen Vorstellung von der höchsten Gottheit überein. Diesen Gott muß er nicht mit dem Gott Israels identificiren, den er für den Gott hält, der in Jerusalem wohnt. Denn obwohl Ahriman und Armudz als Götter von den Persern verehrt wurden, so nahmen sie noch die Existenz von sieben anderen Göttern an (ibiäeni S. 329). Und den Gott Israels mögen sie für einen dieser Gottheiten angesehen haben. Daß dieser ihm befahl, ihm einen Tempel zu erbauen, ist nickt etwa so zu verstehen, daß Cyrus eine unmittelbare Eingebung Gottes erhalten habe, sondern daß ihm dieser Befehl bekannt gemacht wurde. Vielleicht war es derselbe jüdische Prophet in Babylon, der seine Siege weissagte, der ihm im Namen Gottes den Befehl, einen Tempel ihm zu erbauen, knndthat. Auch hing es mit der religiösen Anschauung der Heiden überhaupt zusammen , einer jeden Gottheit, selbst wenn sie fremd war, ihren Cultort zu errichten, damit sie vor ihrem Zorn geschützt werden. So befiehlt Darius später, den Tempel in Jerusalem zu errichten, „damit man bete für das Leben des Königs und seiner Kinder", TMm "N^> (Esra 6. 10.) Diese Gattung von Briefen war im persischen Reiche gebräuchlich. Abgesehen von denen, die von Darius und Artoxerxes an die Juden erlassen wurden, ist ein ähnlicher in griechischer Sprache erhalten, den Darius I. zum Schutze eines Apolloheiligthums erlassen hat. In Magnesia am Meander ist sein Ursprung. Zur Zeit der Römer ist er in Stein gehauen worden. Er enthält die Willensmeinung des Königs der Könige Dareios an delr persischen Vogt Gadatas, der Gewächse, aus der Gegend jenseits des Euphrats in den königlichen Garten angepflanzt hat. Er zwang die Gärtner des in der Nachbarschaft sich befindenden Apolloheiligthums, dabei Frohndienste zu verrichten. Auf die Klage, welche die Letzteren führten, b fi'hlt Darius, ihnen gerecht zu werden, wobei er sich auf die bei den persischen Herrschern geltenden Grundsätze in Betreff fremder Religionen beruft: „Durch dein Thun zerstörst du Einrichtungen, die aus meiner Gesinnung gegen die Götter erfließen. Du mißverstehst die Absichten meiner Vorgänger gegen den Gott, der den Persiern die volle Wahrheit gesagt hat". Dieses bezieht sich wahrscheinsich auf ein günstiges Orakel, welches die Priester des Apollo dem Cyrus zukommen ließen. Cyrus verlieh dem Apolloheiligthum ein Privilegium, von Steuern befreit zu sein. Der Text lautet: BaötXsvq ßaotXtcov Aagüoq 6 'Yoxdömco Faddzcu öovXcoi xade Xtyet. 5 flvvfrch'Ofuu os xcöv tiicöv tjiixaytudxcov ov xaxci ndvxu izti&ctgxeivöxt (j'ev yccg xvjv bfirjv txjioveiq I» -yjyv, xovq lligav Evcpgdxov xdgnovq Im xu xcaco xijq /loictQ UiQi] xaxarpvxtvcov, eJtcuvcö orjv jcgöd-toiv xcd 15 6t« ravzä ooi xdotxcu ytydXi] ydgiq ßaotXtoog oixcp. oxi de xryv vjrsp {Xiöivfiov didO-EGiv dcpavi&iq, öaioco 20 ooi (trj tiexa* ßaXofjtvcoi jiüQiiv rjdixrjfitvov &vtuov. cpvxovgyovq ydg hgövq ’toöXXcovoc cpögov ejrgaoosg xcd ydigav 25 oxajiavtvtiv ßißT}X.ov IjtixaoOEc, dyvooöv siimv ngoyovcov Etq xov fttov vovv, oq Jltgoaiq eiJiE . . Cyrus mag, wie dem griechischen Heiligthum, aus Dankbarkeit für die glückverheißende Prophezeiung des babylonischen jüdischen Sehers diesen Privilegiumsbrief den Juden ertheilt haben. Daß der Brief hebräisch abgefaßt ist, zeigt nicht für seine Unechtheit. Er war, wie die übrigen Edicte, persisch abgefaßt und aramäisch übersetzt. Der Berichterstatter, der aber für hebräische Leser schreibt, überträgt den aramäischen Text ins Hebräische.*) Mit diesem Briefe war aber nur der allererste. Anfang zu einer Restituirung der jüdischen Exulanten, welche Serubabel führte, gemackt. Das Werk Cyrus, welches sich nur auf die Erbauung des Tempels beschränkte, wurde von Artaxerxes fortgesetzt. Esra, der Schriftgelehrte und Priester, erhielt die Erlaubniß. mit einer großen Zahl die Rückeiuwanderung anzutreten, welche er unter großen Mühen vollführte. Mit ihm beginnen die Umrisie des neuen jüdischen Reiches sichtbar zu werden. Denn dasselbe war nicht etwa eine Fortsetzung des ersten jüdischen Staates, sondern ein ganz neues auf anders gearteten Grundlagen errichtetes Gemeinwesen. Treffend charakterifirt dieses ein Ausspruch des jerusalemischen Talmuds: „Euere Väter mußten nicht bei ihrer Besitznahme des Landes das Joch der Fremdherrschaft tragen. Auf Euch aber lastet das Joch der Fremdherrschaft. Euere Väter waren selbst von den Priesterabgaben vierzehn Jahre befreit, Ihr aber habt, dieselbe bei Eurem Betreten des heimischen Bodens zu entrichten. Euch verpflichtet." vnrri mabü bis nn'by rrn *6 -pn-aK “pmawa “pTn. pT anal rep t -im6 ny irn'nre vb -prrcK rravv bis usbsv "vyu llrim'nm nnc»3® (Jers. Schebiit C. 6, H. 1). Ein anderer Ausspruch stellt die Einwanderung der Eroberung des Landes durch Josua gleich. jrwy 'v'2 jriN'2 wprt jnw.T 'v'2 p-iKTib (Schebuot 17). Die zurückgekehrten Exulanten nahmen, von ihren ehemaligen Gütern Besitz. Die Herrenstämme kehrten zu ihren alten Rechten zurück. Zweimal wird dieses ausdrücklich bezeugt. Bon der Expedition, die Serubabel führte, heißt es: „Und es ließen sich die Priester die Lewiten, einige vom Volke, die Sänger und die Thorhüter in ihren Städten, und ganz Israel in ihren Städten nieder. (Esra 2. 70 Nehemias 7 73).. Von der Gola, die Esra brachte, heißt es: „Und es kehrte Jeder wieder nach Jeresalem und nach Juda in seine Stadt zurück. (Nehemias 7 6.) (Fortsetzung folgt.) *) Der Brief gehört nicht dem Verfasser oder Redacteur des Esrabuches an. sondern dem Autor der Chronik, wo er sich wörtlich am Schluffe derselben befindet. Er wurde nur von dem Ersteren als Einleitung bestätigt. Dieser Umstand veranlaßte Don Jsak Abrabanel .31t der Annahme, daß der Verfasser der Chronik auch der des Buches Esra ist. (Siehe Einleitung seines Commentars zum Buche Samuel.) Diese Meinung wnrde von späteren Bibelforschern und Commentatoren acceptirt, ohne ihn zu nennen. Die Chronik wurde im hebräischen Idiom geschrieben und auch dieser Brief hebräisch den Lesern vorgetragen. Die Documente des Buches Esra, welche doppelsprachig (persisch und aramäisch) ausgefertigt wurden, wurden aber in dem Original respective in der aramäischen Recension mitgetheilt. (Siehe Mayer a. a. O. S. 1?).