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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-11 · 41 (11.10.1901) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
41 (11.10.1901)
Date
1901-10-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 41 Seite 678 _ Or. Bloch's Bezeichnung hinzufügt: n'ban p Krumm iTöro (Nehemias 8. 9 und 10. 3.) Nehemias, der Tirschata, der Sohn Chachalja's. Wer war Tirschata? Wer war sein Stammbaum? Welchem G -schlechte gehörte er an? Was waren die Motive und die Ziele seiner Handlungen? Welche Stellung nahm er in dem neubegründeten jüdischen Staate ein? Um diese Fragen beantworten zu können, ist es nothwendig, sich die letzten Vorstadien des Exils und die ersten Stadien der Rückeinwanderung, sowie deren Ursachen und begleitenden Momente zu vergegenwärtigen, bei deren Darstellung die biblische und auch rabbinische Literatur in Betracht gezogen werden muß. Als der babylonische Eroberer aus dem Innern Asiens immer mehr nach Westen vordrang, fand er das Land Juda als einen patronymisch regierten Staat. Obwohl ein König an dessen Spitze stand, war die Herrschaft thatsächlich in den Händen von Vätern, welche die Oberhäupter der Herrenstämme, und der Kriegerkaste waren. Auf ihren Schlössern und Burgen wohnten die Herren, auch in den Städten nahmen sie ihren Sitz, während die dienenden Stämme auf den Feldern, auf dem Lande lebten. Die Erdscholle war dem Namen nach unveräußerliches Eigenthum derer, die sie im Schweiße ihres Angesichtes bearbeiteten, von deren Ertrag sie vielleicht den Kriegerstämmen für deren Schutz gegen allerlei Feinde einen Theil entrichteten. In Wirklichkeit aber gehörte der Boden den Herrenstämmen, die ihren Bauern und Knechten die Krume zur Nutznießung nach Willkür überließen und sie auch ihrer persönlichen Freiheit nicht selten beraubten. (Siehe Jeremias C. 34,9). Die Herren- und Kriegerstämme, wiewohl geringer an Zahl als die übrige Bevölkerung, waren diejenigen Volksschichten, welche bei einem Kriege mit einer fremden Macht einzig und allein in Betracht kamen. Bei dem Herannahen der Heersäulen Nebukadnezars waren sie nichts weniger als muthlos. Gewohnt, das Kriegshandwerk zu üben, in beständigem Kampfe mit benachbarten Stämmen verwickelt, hielten sie sich für befähigt, eine fremde Invasion abzuwehren. Sie setzten daher den feindlichen Angriffen hartnäckigen Widerstand entgegen. Auch war die Zahl ihrer Kriegerschaaren ansehnlich genug, um einen 'günstigen Ausgang erhoffen zu können. Nur spärliche Berichte sind uns über dieses Ringen erhalten, aber wir ersehe» aus ihnen, mit welcher Zähigkeit dieser Kampf von Seiten der jüdischen Kriegerstämme, zu denen in allererster Linie die königliche Familie gehörte, geführt wurde. Dreimal nahmen sie den Kgmpf mit dem sieggewohnten und an Zahl ihnen überlegenen Feind auf. König Jehojakim schloß nach einer erlittenen Niederlage mit Nebukadnezar einen Vasallenvertrag, den er nach drei. Jahren brach. Unter seinem Sohne König Jehojachin erfolgte die Belagerung Jerusalems durch Nebukaduezar. Er eroberte die Stadt, während der König sich gefangen gab. Der Großkönig führte alle Helden des Heeres, zehn Tausend an der Zahl, in die Gefangenschaft, sil, Könige C. 24.) „Die Helden des Herres", das sind die Blüthe der jüdischen Ritterschaft, die die angegebene Zahl kaum überschritt. Auch das übrige Kriegsvolk, siebentausend, exilirte er (ibidem). Mit den siebzehntausend Kämpfern war ungefähr das Gros der Herrenstämme erschöpft. Nur das niedrige Landvolk blieb zurück .(ibidem) pan DJ? nb"i nbn “iKtM Kb Unter dem „niederen Landvolk" sind die Hörigen und der dienende Bauernstand gemeint. Die dritte Erhebung geschah unter dem König Zidkijahu, unter dem Jerusalem wiederum in Belagerung gerieth. Der König und alle Kriegsleute, von Hungersnoth bedrängt, durchbrachen des Nachts die Stadtmauern und entflohen, wurden aber von den belagernden Chaldäern eingeholt. Stadt und Tempel wurden verbrannt, den Rest der Kriegerstämme exilirte der Befehlshaber Nebuseradan. Aber das niedrige Volk ließ er im Lande zurück als Ackerleute und Weinbauer n^a-ob DYno an vkiwi pan nbnai caabi (II, Könige C. 25). Der ungebrochene kriegerische Trotz der jüdischen Adeligen ließ die babylonischen Machthaber mit - Recht befürchten, daß sie auf der Lauer sein werden und die erste beste Gelegenheit zu einer neuen Schilderhebung ergreifen werden. Obwohl es weder im Jntereffe noch in der Art der Babylonier war, Völker aus ihrem heimatlichen Boden herauszureißeu und in fremde Gegenden zu verpflanzen, so sahen sie es als eine Staatsnothwendigkeit an, die jüdischen Herrenstämme von ihrem Boden zu entfernen, wollten sie nicht einen Herd des Aufruhrs in dem ganzen Gebiete jenseits des Euphrats schaffen. Die Exilirung, obwohl radical durchgeführt, ward aber von den Eroberern nur als eine zeitweilige gedacht, die bei sichtbarer Beruhigung der Gemüther wieder aufgehoben werden könnte. Die Güter der jüdischen Adeligen dürften als confiscirtes Staatsgut erklärt worden sein, welches je nach den gebesserten politischen Verhältnissen theilweise oder ganz den ursprünglichen Besitzern zurückgegeben werden sollte. Als äußerste Grenze der Restituirungszeit dürfte wohl eine Generation gedacht oder vielleicht sogar bestimmt worden sein, weshalb die Propheten mit Bestimmtheit die Zurückführung der Exilirten nach Verlauf' von damals bekannten Epochen verkünden, was auch pünktlich und genau in Erfüllung gegangen ist. Die Rückkehr ins Vaterland machen die Seher von der Besserung der Gesinnung und des Lebenswandels abhängig, was selbstverständlich eine unerläßliche Bedingung war, da ohne dieselben die Eroberer sich kaum zu einer Licenz der Rückkehr verstanden haben würden. Es ist daher sehr begreiflich, daß der Prophet Jeremias den verbannten Adeligen den Anschluß an das babylonische Weltreich als ein wirksames Mittel der Erlösung empfiehlt. „Suchet das Wohl der Stadt, wohin ich euch vertrieben habe, betet für sie zu Gott, denn in ihrem Heile ist auch euer Heil enthalten. nibiv n« iw-lNi nab ,t.t naibrcn 'n i b« mm lbbsnm na» nsn« Trban n»K *vrn nib» (Jeremias C. 29, 7.) Schon früher hat er im Aufträge Gottes für den Frieden mit den Chaldäern plaidirt, was aber bei den kampfgierigen Kriegerstämmen ohne Erfolg blieb (ibidem C. 27,12—19). Die zurückgebliebenen Bauern, „das niedere Landvolk", waren jetzt, wenn nicht freie Herren, doch uneingeschränkte Besitzer der ihnen zugewiesenen Aecker und Weinberge geworden. Ihre Hörigkeit hörte auf und nur Staatsabgaben und Umlagen wurden von ihnen gefordert, deren Eintreibung durch königliche Beamte geschah, welches aus der Analogie mit der späteren persischen Verwaltung, die theilweise dem Beispiele der babylonischen folgte, mit hoher Wahrscheinlichkeit geschlossen werden kann. (Esra C. 4, V. 12.) Eine vierte Erhebung, die ein Mitglied der Königsfamilie, Namens Jsmael, mit den versprengten Heeresobersten unternahm, wobei sie den Statthalter Gedaljah ermordeten, die ebenfalls fehlschlug, endigte mit der freiwilligen Auswanderung des ganzen Volkes nach Egypten. (König II. C. 28.) Darunter ist aber nicht etwa die ganze niedere jüdische Landbevölkerung zu verstehen, sondern nur alles Volk, welches in dem Bezirke des von den Babyloniern eingesetzten jüdischen Landpflegers sich befand. Die große Maffe der niederen oder dienenden Stämme blieb in Juda sowie ihre Schicksalsgenossen im Reiche Israel, dem späteren Samarien. In Babylonien wurde den jüdischen Herrenstämnnn Landbesitz angewiesen. Sie genossen ausgedehnte Freiheit der Bewegung und wurden von den babylonischen Herrenstämmen (denn auch in Babylonien gab es Kriegsstämme und dienende Volksschichten) wenn auch nicht als ihres Gleichen, doch ihrem adeligen Ursprünge entsprechend behandelt. Auch besserte sich das Verhältniß der jüdischen Exulanten zu den chaldäischen Siegern zusehends. Der gefangene König Jehojachin wird von dem Großkönig Emil Merodach begnadigt. Er läßt, ihm einen Thron in der babylonischen Residenz errichten und verleiht ihm eine Apanage (Jeremias C. 52). Manche der Exulanten gelangten wohl am babylonischen Hofe zu Ehren und Würden. Auch Vermögen und Reichthum wurden manchen zu Theil. Nach einer Ueberlieferung soll noch Nebukadnezar selber jüdische adelige Jünglinge zu Pagen haben erziehen lassen (Daniel C. 1). Dieses geschah in der Absicht, um die jüdischen Herrenstämme den babylonischen herrschenden Familien zu nähern. Auch mag der Gedanke zu Grunde gelegen haben, durch eine Versöhnung der unterjochten aristokratischen Kreise eine Zurückführung derselben in ihr Stammland zu ermöglichen, um ihnen die Regierung des Landes unter babylonischer Oberherrschaft zu übergeben. Dieses mochte mehr den Interessen der Babylonier entsprochen haben als eine Regierung ihrer Statthalter, die ohne jeden Stützpunkt im entlegenen Lande auf ihre kleine Besatzung angewiesen waren und bei einem Kriege mit einem benachbarten Feinde erst die Truppensendungen aus dem weit entfernten Centralpunkt abwarten mußten. Indessen wollte trotz mancher sichtlichen Besserung die Versöhnung zwischen den jüdischen Herrenstämmen und den Babyloniern nicht vor sich gehen. Mochten die Eroberer noch so sehr ihnen entgegenkommen, mochten die Propheten ihnen noch so sehr ins Gemüth reden, das Herz der Juden war zu tief verwundet, der Stolz derselben war zu sehr verletzt, als daß sie freiwillig die Hand zum Frieden bieten konnten. Auch schien es ihnen gar nicht rathsam, die babylonischen Machthaber mit ihrer Kraft zu unterstützen. Denn schon waren deutliche Zeichen des Verfalles ihrer Macht sichtbar, schon stieg am Völkerhorizonte ein neuer Stern auf, zu dem die unterjochten Nationen hoffnungsvoll emporblickten. Cyrus der Perser hieß dieses aufgehende Gestirn.

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