Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 41 (11.10.1901)
- Date
- 1901-10-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 41 Or. Vlvch'e WockienschML Seite 875 nicht von einem rumänischen „Eultur"volk sprechen, sondern seine Feder muß sich dagegen sträuben, den König dadurch verantwortlich erscheinen zu lassen, daß man ihn den Erzieher dieses Volkes nennt. So wird die Lobhudelei zur Beleidigung. Nein, der König ist nicht der Erzieher dieses Volkes. Wir selbst halten ihn für viel besser, als es seine Schmeichler thun und sagen die Wahrheit, wenn wir behaupten, daß es ihm trotz ehrlicher Bemühungen in 35jühriger Arbeit noch nicht gelungen ist, dies Volk zu erziehen. Er konnte es militärisch organisiren — aber erziehen? Nein! Aus seinen eigenen Schriften kann man es herauslesen, daß er nicht im Stande war, Volk und Minister zur Anerkennung ihrer Pflichten zu bringen, die niedrigen Jnstincte, die dieses Volk und seine Vertreter zur ärgsten Unduldsamkeit, zur Verfolgung von Andersgläubigen, zur Entrechtung der eigenen Laudeskinder, zu Gewaltthätigkeiten, zu Mord und Brand trieben, zu beseitigen oder auch nur niederzuhalten. Die Rumänen sind in der Barbarei werblieben, ja, ihre Gesetze sind in den 35 Jahren barbarischer geworden. Und dies Volk soll „die Cultur nach dem Osten tragen?" In der That hat auch wieder die Geschichte den Beweis geliefert, daß Rumänien auf seine Nachbarländer nicht den 'geringsten Einfluß in vorteilhaftem Sinne ausgeübt hat und daß es weder nach Jiitlen noch nach Außen auf eine höhere ethische Stufe gelangt ist, oder Andere zu höherer Stufe geleitet hat. Es muß deshalb mit aller Entschiedenheit gegen die Schmeicheleien und Speichelleckereien protestirt werden. Die Wahrheit gebietet, zu sagen, daß Rumänien wortbrüchig ist, daß es barbarisch vorgeht, daß es rückständig ist in jeder Beziehung und daß es nicht die Achtung verdient, welche ihm submissest unterbreitet worden ist. Ministerialrats Ggan. „Budapesti Naplo" meldet aus Ungvar, daß in Angelegenheit des Regierungscommissärs Egan, der vor Kurzem angeblich durch einen Unfall gestorben ist, eine sensationelle Wendung eingetreten sei. Egan war bekanntlich auf 200.000 fl. gegen Unfall versichert. Die betreffende Versicherungsgesellschaft hat nun eine eingehende Untersuchung des Falles einleiten lassen. Die Untersuchung ergab, daß Egan einen Selbstmord begangen hat. Dies beweisen die Aussagen des einverno'mmenen Gewehrsachverständigen und das Sectionsprotokoll. Die Untersuchung wird nach der Richtung hin fortgesetzt, welche Gründe Egan zum Selbstmorde veranlaßt haben. Egan hatte in mehreren Reden offen seine antisemitische Gesinnung proclamirt. Sein am 20. September erfolgtes plötzliches Hinscheiden erregte allgemeines Aufsehen. Von befteundeter Seite wird uns geschrieben: Wir haben den Tod eines Mannes zu verzeichnen, der sich mit einem gewissen Aplomb in die Oeffentlichkeit als Judenfeind eingeführt hat und an dessen Auftreten die Antisemiten dies- und jenseits der Leitha große Hoffnungen geknüpft haben. Nun ist er von Erden gegangen, ohne daß auch nur der geringste Erfolg sich als bleibende Erinnerung an seinen Namen knüpfen würde. Ob er durch Selbstmord geendet oder ein Zufall sein Leben abgekürzt hat, wie später officiell bekannt gemacht wurde, wissen wir nicht. Wir hätten aus vielen Gründen gewünscht, daß ein umfassender Bericht über den Tod dieses Mannes veröffentlicht worden wäre und man sich nicht mit einem kurzen Satze, in welchem der Zufall als ein zweifelloser hingestellt wurde, begnügt hätte. An den Tod dieses Mannes haben die antisemitischen Lügenmäuler so viel Verleumdungen ■ gegen die Juden geknüpft, daß wir schon aus diesem Grunde den berechtigten Wunsch hegen müßten, es solle ein authentisches Protokoll über seinen Tod der Oeffentlichkeit übergeben werden. Allerdings sind die Lügenmäuler jetzt verstummt und man kann wohl darin den besten Beweis erblicken, daß sie ihre infamen Verdächtigungen, die nur ihrer verworfenen Gesinnung entsprungen waren, nicht aufrecht halten konnten. Da aber die Lügen einmal ausgesprochen waren, so könnte es geschehen, daß ein späterer Geschichtslügner aus diesem Sumpfe schöpfen und zufällig oder absichtlich die rectificirende, jede fremde Schuld ausschließende Darstellung übersehen würde — die Angriffe gegen die Juden liefern hiefür zahlreiche Beweise — so hätte eben auch diesen zu befürchtenden künftigen Lügnern durch eine solche protokollarische Thatbestands-Aufnahme der Mund gestopft sein sollen. Insoweit -dies nicht genügend geschehen ist, halten wir es für unsere Pflicht, hier ausdrücklich festzustellen, daß die antisemitischen Lügenblütter ihre ursprünglich gegen die Juden gerichteten Beschuldigungen angesichts der officiellen Constatirung nicht weiter aufrecht gehalten haben. Es steht also zweifellos fest, daß kein fremdes Verschulden den Tod des Ministerialrathes Egan verursacht hat. Nach einer officiellen Behauptung hat ein Zufall das Leben dieses Mannes vorzeitig geenbigt Wir widersprechen natürlich nicht. Aber die erste Version sprach von Selbstmord und sie klang uns sehr plausibel. Wir kennen weder die subjektiven Eigenschaften des Ministerialrathes Egan, noch seine materiellen Verhältnisse. Wir beurtheilen ihn objectiv nach seinen Handlungen, und da erscheint er uns als ein von einer Wahnidee befangener Mann, der voll ehrgeizigen Strebens ist und vermeint, ein großes Werk zu vollbringen. In Verfolgung seiner „Idee" stößt er auf Hindernisse. Statt aber diese der falschen Richtung zuzuschreiben, die er eingeschlagen hat, und den unrichtigen Voraussetzungen, von denen er ausgegangen ist, sieht er sich von Feinden umringt und coustruirt sich eine Art jüdischer „Maffia", die angeblich seine Wege kreuzt, seine Bemühungen vereitelt, seine Entdeckungen vernichtet. Er gelangt auch dann nicht zur Erkenntniß seines Jrrthums, als ihm ein tadelloser, verläßlicher Beamter beigegeben wird, der die Verhältnisse nicht durch dm krankhaften Blick Egan's, sondern mit nüchtern gesundem Auge betrachtet und auf Grund objectiver Prüfung zur Überzeugung gelangt, daß Egan von einer Wahnidee besessen ist. Katholische und «katholische Pfarrer stehen nach der Ausgeburt seiner Phantasie mit den Juden im Bunde und Alle vereinigen sich, um sein „Lebenswerk" zu vereiteln. Nach mehrjähriger Thätigkeit hat er nicht den mindesten unbezweifelbar feststehenden Beweis für die Hypothesen erbringen können, die sein krankhaftes Gehirn construirt hat, so daß man wahrlich behaupten dürfte, daß Zeit und Geld und Kraft, die daran gesetzt waren, vergeudet sind — wäre das nicht Grund genug für den Selbstmord eines ehrgeizigm Menschen? Bei mißtrauischen Menschen könnte es wohl auch Verdacht erregen, daß Ministerialrath Egan sein Leben auf so hohe Summen versichern ließ. Wir sind aber nicht mißtrauisch, wir construiren daraus keinen Beweis, nicht einmal eine Vermuthung für den Selbstmord und lassen Herrn Egan infolge eines Zufalls gestorben sein, wie es officiell festgestellt wurde. Für uns ist nämlich die Person des Herrn Egan eine Nebensache. Wäre er im Bette gestorben, wie er am Wege sein Lebensende gefunden hat, es bliebe sich vollständig gleich. Nicht sein Tod, sondern der moralische und factische Zusammenbruch des von ihm begonnenm Werkes, die Verfolgung der Juden im nordöstlichen Winkel Ungarns, ist das entscheidende Moment. An diesem Zusammenbruch kann nicht mehr gezweifelt werden. Den Gedanken, diese armen, unter den kümmerlichsten Verhältnissen lebenden, mit ihren nichtjüdischen Ortsgenoffen den schweren Kampf gegen die Unwirthlichkeit der Natur und die Unftucht--