Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 40 (4.10.1901)
- Date
- 1901-10-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 40 Br» Blvch's Wochenfchrm. Seite 689 Berlin. Der deutsche Kaiser hat an das Comitß für die Abgebrannten in Wischten auf die telegraphische Dankrede desselben fürdie hochherzige Spende von 10.000 Mark folgende drahtliche Antwort, datirt Potsdam, 4. September, gesandt: „Ich danke bestens für den freundlichen Segensgruß. Ich habe mich gefreut, zur Linderung der dringendsten Noth unter den vom Brandunglück Betroffenen beitragen zu können, und hoffe, daß das Comitä durch Spenden barmherziger Nächstenliebe in den Stand gesetzt werde, den in ihrer w.irthschaftlichen Existenz bedrohten Unglücklichen noch weitere Hilfe zu spenden. Bezeichn. Wilhelm." Das hiesige ComitS für die Abgebrannten in Wischten hat im Verlaufe von wenigen Tagen die verhältnißmäßig hohe Summe von über tausend Mark — außer Kleidungsstücken und Wäsche — aufgebracht. Es ist als besonders lobenswerth anzuerkennen, daß an der Spende für die vom Brandunglück so schwer betroffenen, größtentheils armen jüdischen Leute sich auch unsere christlichen Mitbürger in hervorragender Weise betheiligt haben. Rabbi Jizchak Elchin in Niederland, der Rabbiner des abgebrannten Grenzstädtchens, läßt in der „Hazefirah" die Nachricht von der großartigen Unterstützung bestätigen, welche Kaiser Wilhelm U. und Czar Nikolaus den schwer betroffenen Bewohnen» des Ortes gewährt haben. Außer der Spende von 10.000 Mark in baar läßt Kaiser Wilhelm täglich 500 Pfund fertiggebackenes B.rod in das Städtchen hinüberbringen. Ferner gelangen täglich unter Aufsicht deutscher Beamten große Mengen koscher geschlachteten Fleisches zur Vertheilung. Jassy. In der Kammersitzung vom 19. Juni d. I. anläßlich der Debatte über die Auslieferungs-Convent on mit Oi sl.rreich-Ungarn, hat Herr Ministerpräsident Sturdza dem Herrn Mille, der eine Lanze für die Juden brach, einen Einzelfall Kirschen heranziehend und breittretend, geantwortet, daßchie nichtnaturalisirten Einwohner des Landes, also die Juden, nur als Schützlinge und Unterthanen, nicht als Bürger anerkannt sind, so daß sie sich nicht der Rechte als Bürger erfreuen können und einem fremdem Staate auf Verlangen ausgeliefert werden müssen. Diese Erklärungen des Ministerpräsidenten sind sehr charakteristisch. Die Frage von Nore judaico, der häßlichen Schwurform, die in der ganzen Culturwelt unbekannt ist, die hiesigen Juden belästigt, ihnen bei einem Eid um Mein und Dein Waschungen, Vermummungen, Flüche und Chicanen aller Art auferlegt, steht wieder auf der Tagesordnung. Bereits vor mehreren Jahren hat Herr Dr. Beck Gutachten von mehreren Rabbinern gesammelt, Schriftsteller wie Schwartzfeld, Braunstein, Lippe dagegen geeifert und manche Rabbiner in Jassy, Verlad u. Ä. die Theilnahme an diesem Schwur verweigert, wozu sie aber durch Auferlegung von Geldstrafen gezwungen wurden. Jetzt hat wieder ein Feldzug gegen Nore judaieo begonnen. Einige Rabbiner schreiben dagegen, Dr. Nacht in Focsani, unterstützt von seiner Gemeinde, lehnte die Theilnahme an diesem Schwur ab. Rabbiner Dr. Niemirower, Jassy, predigte zu Kol-Nidre dagegen und auf seine Aufforderung haben dasselbe die Rabbiner von Bukarest, Botoschani u. A. gethan. Wie es heißt, soll die Regierung eine Enquete in dieser Frage anstellen. Wien. („Oesterreichisch-Js ra e l i t isch e Union".) Die außerordentliche Generalversammlung der „Ocsterreichisch-Jsraelitrschen Union" findet wegen des auf den 5. Ocwber fallenden jüdischen Feiertages erst S a m st a g d e n 12.0 c l o b e r, halb 8 Uhr Abends, in Khuner's Restaurant, t., Adlergaffe 6, statt. Wien. Samstag den 5. October l. I. (8eÜ6mirti Azereth) findet im Tempel, XV., Turnergasse 22, aus Anlaß des 25jährigen Vorstands-Jubiläums des Herrn Cultusvorstehers G o t t l i e b T a u ß i g und des Tempelvorstehers Samuel Steiner ein feierlicher Festgottesdienst statt. Beginn des Nussapii-Gebetes 9 Uhr. Wien. (Medicinische Rigorose n.) Der Unterrichtsminister hat für. die im Studienjahre 1901/1902 abzuhaltenden Rigorosen nachbenannte Functionäre der Wiener Universität ernannt: Hofrath H. N e u m a n n und zu dessen Stellvertreter Hofrath Moritz Kaposi. EB. Wien. (Berlobungsfeier.) Frl. Alice Lederer, Tochter des durch feine humanitäre Wirksamkeit und industrielle Thätigkeit bestbekaünten Herrn Gottlieb Lederer, in Firma Lederer & Wolf in Wien, hat sich mit Herrn Richard Perutz, in Firma Brüder Perutz in Prag, verlobt. Den Brauteltern, die hochangesehenen Patrizierfamilien entstammen, sind anläßlich dieser Familienfeier aus den weitesten Gesellschaftskreisen Sympathiekundgebungen zugekommen. EB. Wien. (T r a u u n g.) Am 13. d. M. findet im Tempel der Turnergasse die Trauung des Frl. Elsa B e e r. Tochter des Bezirksschulräthes Herrn Salomon Beer, mit Herrn Karl R o b i t s ch e k, Procuristen der Firma Herrmann Beer's Sohn, statt. Wien. (Verein zur Verpflegung jüdischer B r u st k r a n k e r a u s dem Lande.) Wir erhalten nachstehende Zuschrift: „Der Vorstand des „Vereines zur Verpflegung jüdischer Brustkranker ans dem Laude" ist dem Herrn Eduard Beer für dessen Tempelspende von fünfundzwanzig Kroi'en zu Dank verbunden. Diese Spende erfüllt deshalb mit besonderer Befriedigung, weil sie den Verein um ein Atv n dem laug ersehnten Ziele näher bringt: Der Erricht, ng des dringend erforderlichen eigenen Heims zur Verpflegung der vielen Hunderte von brustleidenden Glauben ' genossen. Der Vorstand glaubt der zuversichtlichen Erwart! n; Raum geben zu dürfen, daß das angeführte Beispiel l;lreiche Nachahmung finden wird, im Interesse des Vereines, insbesonders aber im Interesse der jüdischen Brustkranken, sür die ein modernes, medicinischell Anwrderungen entsprechendes Krankenheim zu errichten das langjährige, eifrige, bisher jedoch aus Mangel der erforderlichen Mittel vergebliche Bestreben des Vereines ist. Der Vorstand des „Vereines zur Verpflegung jüdischer Brustleidender aus dem Lande. Dr. Adolf H o f f m a n n. Frau Regieruugsrath Gintl-Fröhli ch. Wien. Wie alljährlich wurde auch Heuer in den Localitäten der israelitischen Kinderbewahranstalt an den hohen Feiertagen ein feierlicher Gottesdienst veranstaltet, welcher unter der Leitung des Herrn Tirectors Max Fischer einen würdigen Ver lauf nahm. Als Prediger fungirte dienial der Rabbinatscandidot Herr caud. phil. Emil Krakauer. Derselbe hielt am ersten Roschhaschonohtage und am Jomkippur sormvollenOrte Predigt welche auf alle Zuhörer mächtigen Eindruck übten. Der Prediger wurde allseitig beglückwünscht. Wien (Todesfall.) Vorige Woche verschied im hohen Alter von 86 Jahren Frau Katharina Schlesinger. Schwiegermutter des kaiserl. Rathes Max Schiss: eine durch ihre Wohlthätigkeit und Herzenseigenschafteil ausgezeichnete Dann-. Wien. (Kaiser Franz I o s e f s - F e r i e n h e i m). Heute (Freitag den 4. d. M.) findet aus Anlaß des Namenfestes 2x Majestät des Kaisers um Uhr Nachmittags im Festiaale des lli. Kaffeehauses (Pertl) für die Zöglinge des „Kaiser Franz Josefs' Ferienheim" eine Kinderfestjause statt. Die aus den Feriencolomeii heimgekebrten Kinder werden sich in Declamation und Gesang produciren und die Knaben Proben ihrer militärischen Abrichtung vorführe, Das Arrangement der musikalischen Vorträge hat Herr Professor Ladislaus Ungar in liebenswürdigster Weise übernommen. Mitglieder, Kinderfreunde, sowie Kinder als Gäste herzlichst willkommen! Wien. Wie verlautet, wird der Bethansverein „Montefiore" auf Anregung seines Vorstandes eine für das sociale Leben unserer Großstadt höchst wichtige Gründung eines Wohlthätigkeitsvereines, der den Zweck haben soll, solche Mitglieder hiesiger jüdischer Vereine welche ohne ihr Verschulden den lausenden Vervflichtungen d,;; Vereinen gegenüber nicht Nachkommen können, die entsprechenden. Zahlungen zu leisten, um sie vor dem Verluste ihrer Mirgliedschasl oder etwaigen beanspruchenden Begünstigungen zu schützen. Tie Vcrberathungen werden eifrigst im Schoße des Vorstandes gepflogen. Budapest, 25. September. (Karl Goldberger de B u d a), der Senior der hochangesehenen Patrizierfamil e Goldberger de Buda, ist heute Mittags im 89. Lebensjahre nach kurzem Leiden verschieden zum tiefstem Schmerze seiner Kinder, zum aufrichtigsten Bedauern seiner zahlreichen Verehrer und aller Jener, denen der Verewigte ein Gönner und Wohlthäter gewesen. Der nunmehr Verblichene, vormals Chef der bekannten Großindustriellenfirma Samuel F. Goldberger u. Söhne. ■ welcher Eigenschaft er eine Zierde der vaterländischen Juduslr:e war, lebte seit nahezu einem Vierteljahr-Hundert in vollster Zurückgezogenheit und übte in ausschließlicher Bethätigung ferner Humanitären Gesinnung nur mehr Werke der Wohlthätigkeit. Ec war lange Zeit Präsident des Heiligen Vereins und zahlreicher