Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 40 (4.10.1901)
- Date
- 1901-10-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 668 Nr. 40 Brom s WoärrEaM Dr. Schmiedl's, daß er im 81. Lebensjahre sei, „da sind Sie ja noch sehr rüstig." Der Monarch, dessen gutes Gedächtniß sprichwörtlich ist, wußte sich lebhaft daran zu erinnern, daß Dr. Schmied! den Kaiser im Jahre 1866 auf der Reise in Mähren in Proßnitz. wo seinerzeit Dr. Schmiedl als Seelsorger wirkte, begrüßt habe. Dr. Schmiedl wurde sodann huldvollst entlassen. Königswart. Am 20. October d. I. findet in Königswart eine wohl nur selten vorkommende Jubiläumsfeier statt; cs bandelt sich nämlich um die Feier eines Schulmannes, des Herrn S a l o m o n Spatz, der durch 60 Jahre sich mit großem Eifer und unermüdlichem Fleiße dem Unterrichte der Schuljugend widmete und dabei dennoch auch derzeit trotz seines hohen Alters von 82 Jahren sich einer seltenen geistigen Frische und voller körperlicher Regsamkeit und Gesundheit zu erfreue» vermag. Herr Spatz kann mit gerechtem Stolze aus seine ruhmreiche Vergangenheit znrückolicken, auf eine große Zahl seiner ehemaligen Schüler, welche heute im staatlichen Leben angesehene und achtbare Stellungen einnehmen und die bei ihm den ersten Schulunterricht genossen. Aus Königswart allein, woselbst er am längsten als Lehrer wirkte, gingen u. A. als seine ehemaligen Schüler hervor: Die Wiener Landesgerichtsräthe: Tr. S. Sachs. Dr. Josef Löwner. Dr. Moriz Hösner und Dr. David Hösner (in Korneuburg). der Hof- und Gerichts- Ai vocat Dr. Alexander Kohn, sowie mehrere Architekten, Fabrikanten und der derzeitige Rabbiner in Königswart, H?.rr Dr. Löwy. Der Jubilar S. Spatz glaubte' sein 60jährig> s Lehrerjuviläum nicht besser feiern zn können, als in der Weise, daß er sich an die Spitze einer Sammlung von Beiträgen des Pens i o n.s fondes für jüdische Lehrer Böhmens stellte. Hierbei zeigt sich recht deutlich, in welch' hohem Grade Herr Spatz auch bei seinen christlichen Mitbürgern in Königswart beliebt ist. Diese Stadt, welche sowohl in den Landtag als auch in den Reichsrath einen "alldeutschen Abgeordneten entsendet, bewies bei dieser Gelegenheit sich gerade als höchst judeufreundlich. Während nämlich die derzeit durchgehends sehr ärmliche jüdische Bevölkerung Königswarts nur geringe Beiträge zu obigem Fände zu leisten vermochte, spendeten Sr. Durchlaucht Fürst Paul von Metternich, sowie Se. Hochwürden der Herr Pfarrer von Königswart, ferner der Villenbesitzer Herr Broda, sowie mehrere andere christliche Bürger ansehnliche Beiträge zu obigem Zwecke, eine Thatsache, welche in den weitesten Kreisen verbreitet zu werden verdient und wofür den ebleu Spendern besonderer Dank abzustatten ist. AZ Zur Wiener Schächthetze. Bielitz. Sehr geehrter Herr Redacteur! Dieser Tage las ich in einer' Wiener Zeitung, daß der Wiener Magistrat den Beschluß gefaßt bat. an den Stadtrath heranzutreten, um das rituelle Schächten der Thiere, ohne vorherige Betäubung, zu verbieten. Man sieht, daß die Rettung des kleinen Mannes in Wien vollzogene Thatsache ist, nun kommt jetzt die Rettung der Ochsen und Büffel an die Reihe, um deren Schmerzen beim Schächten zu lindern. Um was es sich hier in erster Linie handelt, wird jeder unbefangeneLeser leicht errathen. Dem Juden eins am Zeug zu flicken. Das Märchen vom Ritualmord will nicht mehr ziehen, nun wird in das alte abgeleierte Werkel eine neue Walze eingelegt und ein neues Couplet unter dem Titel: „Ochsen'chmerzen" hernutergeleiert. Vielleicht haben die Ochsen selbst pclitionirt, um vor dem Schächten mit einer Hacke den Ochsenschädel eingeschlagen zu bekommen. Wer weiß cs?! Ich würde eine humanere Betäubung der Ochsen vor dem Schächten beantragen und hoffe, daß die Herren Antragsteller sich zufrieden geben werden. Mein Antrag lautet: Jeder zu schächtende Ochse, Stier oder Büffel ist vorerst in den Rathhauskeller zu führen, durch je 10 Liter Markersdorfer oder Stinkenbrunner zu betäuben und dann erst zu schachten. Es wäre d.inn beiden Theilen geholfen und das Schädelcinschlagen entfiele von selbst. Das wäre der humanste Vorgang und das Brüllen der Ochsen würde ein Ende nehmen. Wenn Jeder nicht nur die Zeitungen von Vergani, Wahner, .Pater Opitz, wie auch unser gedrucktes „Vaterland", sondern auch reichsdentsche Zeitungen lesen würde, würde man finden, daß sich im Deutschen Reiche Gelehrte uub Sachverständige, nebenbei bemerkt, solche von arischer Abstammung, gesunden haben, welche das rituelle Schächten der Thiere. als die humanste Art bezeichnet haben, ferner, daß die deutsche Militär-Verwaltung dem Fleisch von geichächteten Thieren zur Eonservenbereitung wegen seiner längeren Haltbarkeit jenem von gekeulten Thieren den Vorzug gibt. Das wissen die Herren nicht, oder wollen es einfach nicht wissen. Ich will nicht persönlich werden, aber es gibt in Wien Antisemiten, welche sagen werden, daß sowohl die deutschen Gelehrten und Sachverständigen, wie auch die deutsche Militär-Verwaltung aus lauter Juden bestehen, zumindest von der Alliance israelite bestochen, im ärgsten Falle aber Judenknechte sind. Es heißt, daß mit 40 Jahren 7-r Mensch die volle Vernunft besitzt. Bei manchem Menschen aber, und wenn er Methusalems Alter erreichen sollte, tritt dieser Fall nicht - ein. Ich wette Hundert gegen Eins, daß, indem jetzt für Ritualmordmärchen Schonzeit zu sein scheint, der Ritualmord-Fabrikant und Talmudkenner im Urtext seine Hand bei diesem Anträge im Spiele hat. Was soll denn der Mann jetzt beginnen? Der kleine Mann ist vollständig gerettet, die Gasmesser sind fertig, er kann doch nicht als vacirender Ritualmord-Fabrikant feiern. Nun muß der Ochs herhalten. Ich komme zum Zwecke meines Artikels und erlaube mir an die Herren Antragsteller eine Frage zu richten und ihnen Thatsachen vorzuführen, welche Tödtung bei Thieren zum menschlichen Genüsse humaner ist, die der bisherigen Betäubung mit dem Schädeleinschlagen und dann das Abstechen, oder die des Schlichtens ohne vorherige Betäubung. Vor Allem frage ich die Herren, ob ein Kalb, Schaf, Ziege oder Schwein, ferner das Geflügel nicht dieselben Schmerzen bei der Tödtung fühlen, als der Ochs, Stier oder Büffel. Kalb, Schaf rc. werden unter Stechvieh rangirt, d. h. es wird ohne vorherige Betäubung manchesmal nur an einer Seite des Halses abgestochen, die andere Seite des Halses, wo auch die Hauptschlagadern liegen, bleibt intact, es kommt auch vor, daß bei einer solchen Tödtung Luft- und Speiseröhre unbeschädigt sind, daher ein solches Thier einen geringeren Blutverlust als beim Schächten hat und qualvoll setz: Leben aushaucht. Mögen sich die Herren überzeugen und sie werden finden, daß auch bei einem größeren gekeulten und dann abgestochenen Thiere. Luft- und Speiseröhre ganz, d. h. nicht durchschnitten sind.' Das hat auch seinen Grund, weil die Haut eines geschachteten Thieres billiger als die eines abgestochenen ist, weil die Haut bei einem rituell geschachteten Thiere quer ganz durchschnitten ist. Das ist aber nebensächlich. Ein Fleischer z. B., welcher mehrere Schweine auf einmal abzustechen hat» betäubt in der Regel diese, und weil selbe ungefeffelt sind, keine Zeit sich nininit, jedes Schwein halten zu müssen. Hingegen betäubt ein Privater ein Schwein nicht, angeblich, weil das Blut bei einer vorherigen Betäubung anstatt roth schwarz aus dem Körper gestockt entfließt und das Fleisch soll nicht so lange haltbar sein. Bei einem gekeulten und dann abgestochenen Thiere benützt der Fleischer den Vorgang, einen Strick an dem Vorderfuß des Thieres anzubringen, auf dieses zu steigen und das viele zurückbleibende Blut durch Treten mit den Füßen aus dem Körper sozusagen auszupumpen. Dieser Vorgang zeugt gewiß nicht von Humanität. Beim geschächteten Thiere ist dies nicht der Fall und nicht vonnöthen. Der Grund ist einleuchtend, lueil sowohl Luft- und Speiseröhre, wie auch alle Blutadern durch einmaliges Hinmnd Herziehen mit dem haarscharfen breiten und ohne Spitze befindlichen Schächtmesser blitzschnell geöffnet sind. Der Blutverlust ist sofort ein totaler und die Betäubung tritt sogleich ein, weil dem Gehirn momentan das Blut entzogen ist. Das ist Thatsache und läßt sich nicht aus der Welt schaffen. Wie sieht es mit dem Schlachten von Geflügel in nichtjüdischen Häusern aus? Dieses Geschäft besorgen die Köchin, Küchenma gd oder der Hausknecht. Diesen Vorgang anzusehen, spottet jeder Beschreibung. Mit einem gewöhnlichen Küchenmesser, welches jedem Zwecke dient, schartig, einer Säge gleich, wird das Messer zur Abwechslung noch an einem Pflasterstein geschärft und dann wird eine Weile hin- und hergefidelt. Dem armen Geschöpfe werden die Arterien nicht zerschnitten, sondern, wie es mit einem solchen Messer voll mit Scharten nicht anders geschehen kann, einfach zerrissen. Die Köchin läßt ihr Opfer los, es lebt noch, um dann noch zuckend mit brühendem Wasser zu begießen, um leichter gerupft zu werden, Gans und Ente werden oberhalb der Ohren mit einem schartigen Messer vom Leben zum Tode befördert, hingegen Tauben qualvoll die Lungenseltenwände eingedrückt, d. i. einfach Erstickungstod. Jeder unbefangene Mensch, und sei es der enragirteste Geschäftsantisemit, wird mir, wenn auch nicht öffentlich, zugeben müssen, daß diese Thatsachen ‘ auf vollster Wahrheit beruhen. Kehret, Ihr Herren, vor' Euerer eigenen Thüre, der Besen wird dort noch genug Arbeit zu verrichten haben. Lehret uns Juden keine Moraltheologie. Unsere Schächtgesetze sind nicht von heute oder von gestern sondern sind uns von nuferem Propheten Moses, (dessen zehn Gebote auch Ihr angenommen habet) am Berge Sinai übermittelt worden und welche wir trotz Inquisitionen und Scheiterhaufen vollauf beobachten und halten werden. Wir brauchen Euere Humanitäts-Predigten nicht, unsere Religion ist ans einer solchen Humanität aufgebaut. Erbarmen mit jedem Geschöpfe saugt der Jude schon mit der Muttermilch ein. In dieser Richtung braucht der Jude von anderer Seite keine Belehrungen, denn schon in der Bibel allein findet er die Lehren, daß ein Thier nicht gequält werden darf. Es ist den Herren nicht um die Schmerzen des Ochsen beim Schächten zu thun. Die Gründe hiezu sind zu durchsichtig, daher auch fadenscheinig. Wenn sich schon Euer Herr und Gebieter geäußert hat, daß es ihm egal ist, ob der Jude gehenkt oder geköpft wird, eine andere Größe und Talmundkenner wieder Schnßgeld auf' Juden beantragt hat und daß Juden keine Menschen sind, solchen Herren wird es doch darum nicht zu thmi sein, um sich der Ochsen so warm anzunehmen und ihnen aus Barmherzigkeit vor' dem rituellen Schächten vorerst die harten Ochsenschädeln einschlagen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit fällt mir eine Anekdote gewiß von einem Anhänger obiger Herren, welcher sich den Ausspruch leistete: „Der Jude ist kein Mensch", ein: Ein Feldwebel führt dem Hauptmann den Rapport vor: Herr Hauptmann, ich melde gehorsamst, daß der Rapport gestellt ist: 22 Mann, v Juden und - Zigeuner. S. B.