Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 40 (4.10.1901)
- Date
- 1901-10-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 666 Br. Bloch's Wochenschrift« Nr. 40 Andere zieren das Jnhaltsverzeichniß dieser stets in ernstem und vornehmen Style gehaltenen Zeitschriften. Einem in dieser »Monatsschrift" (1852) veröffentlichten vortrefflichen Aufsatze über »Gründung und Wesen jüdischtheologischer Seminarien" hatte es Frankel zu verdanken, daß das Curatorium der Frankel'schen Stiftungen in Breslau, das im Testamente des reichen Wohlthäters seiner Glaubensgenossen, Commercienrath Jonas Frankel, beauftragt war, ein Seminar zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern aus dem fast eine Million Thaler betragenden Nachlaffe zu begründen, in Fränkel den geeigneten Mann erkannte, der die erste jüdischtheologische Hochschule im deutschen Sprachgebiete begründen und leiten sollte. »Das Curatorium berief", wie er selbst berichtet, »den Berfaffer jenes Artikels, den Mann, dessen hervorragende Eigenschaften in seltener Vereinigung ihn zum Leiter einer solchen Anstalt sozusagen prädestiniren mußten, an dessen Festigkeit und opferfähiger Hingebung nicht gezweifelt werden konnte; — und der königlich sächsische Oberrabbiner von Dresden und Leipzig, der den Ruf an die Gemeinde von Berlin vor Jahren ausgeschlagen hatte, nahm unsere Vacation als Director des Seminars in Breslau an". Ihm wurde die Auswahl der Männer, die mit ihm zu wirken hatten, überlaffen (Bernays, Graetz, Joel, Zuckermann). Nun erblühte Frankel eine Thätigkeit, zu der er wirklich prädestinirt war. Das jüdisch-theologische Seminar in Breslau mit seiner wissenschaftlich mustergiltigen und doch religiös-conservativen Richtung wurde die Bildungsstätte der Rabbiner für die großen Gemeinden deutscher Zunge und weit ins Ausland hinein. Zu Lebzeiten Frankel's besuchten das Seminar 160 Schüler aus Deutschland, 85 aus Oesterreich-Ungarn, 12 aus Rußland, je 3 aus England, den Niederlanden und Amerika, je 1 aus Dänemark, Schweden und Rumänien. Bon den aus dem Seminar zu Lebzeiten Frankel's hervorgegangenen Rabbinern wirken 16 in Oesterreich-Ungarn, 3 in England, 1 in Rußland, 1 in Dänemark, 4 in Nordamerika, 1 in der Schweiz, 1 in Luxemburg, alle übrigen in Deutschland, darunter in den Hauptstädten Berlin, Wien, Prag, Budapest, München, Carlsruhe, Aachen, Augsburg, Braunschweig, Breslau, Bukarest, Hannover, Köln, Kopenhagen, Manchester, Nürnberg, Ofen, Oldenburg, Petersburg, Worms, Zürich. Die später gegründeten Rabbiner-Seminare in Budapest, Berlin und Wien erklärten bei ihrer Gründung ausdrücklich, Tochteranstalten des Breslauer Seminars zu sein. Bon den stets als epochemachend angesehenen großen Werken Frankel's seien außer den oben schon erwähnten genannt: .Hodegetica im Mischnam" und Einleitung in den jerusalemischen Talmud", beide in hebräischer Sprache, »Die Eidesleistung der Juden", »Der gerichtliche Beweis nach mosaisch-talmudischem Rechte" u. A. m. Der siebzigjährige Geburtstag Frankel's brachte ihm Huldigungen aus allen Theilen der Welt und bildete einen schönen Abschluß seines segensreichen Wirkens. Persönlich erschienen mit Glückwünschen u. A. der Dichter Ludwig August Frankel als Abgesandter Wiens, Professor Kaempf aus Prag. Der Kaiser von Oesterreich ernannte ihn zum kaiserlichen Rath, der König von Preußen und König von Sachsen verliehen ihm Orden. Er starb in Breslau nach wenigen Tagen schweren Leidens am 13. Februar 1875, seine letzten Worte waren der Segensspruch beim Sabbathausgang: »Gelobt sei Gott, der das Licht geschaffen hat." Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Cuttusvorstandes vom 25. September 1901, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klruger. Beginn 5 Uhr Nachmittags. Der Präsident eröffnet diese erste Plenarsitzung nach den Sommerferien mit der Begrüßung der erschienenen Herren und gibt der Beftiedigung Ausdruck, das Collegium zu neuer Arbeit wieder zahlreich versammelt zu sehen. Der Vorsitzende theilt zunächst mit, daß sich das Vertreter- Collegium soeben in einer außerordentlichen Nachmittagssitzung unter Zuziehung des Oberrabbiners Herrn Dr. Güdemann mit einer Angelegenheit beschäftigt habe, von welcher die Herren Vorsteher schon aus Zeitungsnotizen Kenntniß haben dürsten, denen zufolge der Wiener Stadtrath demnächst mit Anträgen, betreffend das. Schlachten der Thiere, sich befassen werde, deren Details jedoch gegenwärtig nicht bekannt sind. Im Sinne der Beschlüsse des Vertreter-Collegiums werde es sich das Präsidium angelegen sein lassen, in dieser für das Judenthum und die Gemeinde eminent wichtigen Frage alle erforderlichen und entsprechenden Schritte zu unternehmen. Die Versammlung nimmt diese Mittheilung zustimmend zur Kenntniß. Aus dem Einlaufe werden bekanntgegeben die seit der letztstattgefundenen Plenarsitzung eingelangten Spenden, und zwar von: Herrn Carl Rieß für verschiedene Wohlthätigkeits-' Anstalten.K 2000.— Herrn Friedrich Reicher für verschiedene Wohlthätigkeits-Jnstitute.. 1000.— den Erben nach Herrn Philipp Bondy für Arme » 1000.— Frau Lina Hellmann für hilfsbedürftige Glaubensgenoflen .» 1000.— Herrn Eduard Langfelder, zum Andenken an seinen sel. Schwiegervater Herrn Adolf Kohn für Bibel- und Talmudschüler.. 600.— Herrn Isidor Mautner, anläßlich des Ablebens seines Vaters des Herrn Jsaac Mautner, für Arme. 500.— Herrn Leopold Pollack für 4—6 verarmte, mit Kindern gesegnete Familien, zu vertheilen nach dem Vorschlag der Armenanstalt durch den Präsidenten der Cultusgemeinde. 400.— Herrn Arnold Fröhlich für verschiedene Wohlthätigkeits-Jnstitute .. 200.— Herrn Moriz Edlen von Kuffner für Arme des XVI. und XVll. Bezirkes. 200.— Chewra-Kadischa des XVI. und XVII. Bezirkes für Arme dieser Bezirke.» 200.— Frau Amalie Nirenstein für das Siechenhaus . . „ 200.— Herrn Josef Siebenschein für das Waisenhaus . . » 200.— Frau Hermine Lion für wohlthätige Zwecke . . ,, 200.— Herrn Dr. Alfred Stern für Arme. 100.— Herrn Dr. Leo Meller für das Siechenhaus . . 100.— Frau Lourse Hechter für wohlthätige Institute . . » 76.— Herrn Hans Maendel, Cafetier, für Arme des II. Gemeindebezirkes. 50.— Herrn Sigmund Tonello für das israelitische Altersversorgungshaus . 40.— Frau Nanette Schey für das israelitische Blinden- Jnstitut.. » 30.— Herrn Jakob und Fran Janka Karpeles für wohlthätige Zwecke.. 30.— Herrn Dr. Max Weißmann für Arme . ... „ 20.— Frau Sarah von Stern für die israelitische Kinderbewahr-Anstalt ... 20.— Frau Cäeilie Adler, anstatt eines Kranzes auf den Sarg des verstorbenen Porträt-Malers Eduard Kräutler, für das Siechenhaus.. 20.— Herrn Wilhelm Freistadt für das israelitische Altersversorgungshaus .. 15.— Herrn kaiserl. Rath Dr. Theodor Lieben für Arme als Enthebung von den Neujahrsgratulationen .. 10.— Herren Wulkan und Neubrunn für Arme, als Enthebung von den Neujahrsgratulationen . . » 10.— Herrn Bela Frank für Arme ... 10 — Herrn Arnold Lastner für das Blinden-Jnstitut . » 10.— Herrn Jacques Ritter für Bethauszwecke ...» 8.— N. N. für Arme.1 Dollar Herrn Theodor Glaser, Utensilien für das israelitische Altersversorgungshaus Herrn I. M. Feiglstock, Naturalien für das israelitische Altersversorgungshaus Sammelspenden im Tempel im XV. Bezirke für Arme. K 198.— Sammelspenden im Tempel im II. Bezirke für verschiedene Wohlthätigkeits-Anstalten. ... „ 268.35 Den Spendern wird der Dank votirt. Weiters befinden sich im Einlaufe unter Anderem: Der Statthalterei-Erlaß, mit welchem der Bericht über die in der Plenarsitzung vom 20. Juni 1901 stattgefundenen Neuwahlen