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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-04 · 40 (4.10.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
40 (4.10.1901)
Date
1901-10-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40 Vr. BlM, $ Wochenschrift. •Seite H65 erfaßten Streben, daß sie ihn selbst auf seine Bahn zurücklenkten, als ihm eines Tages bange wurde, ob der Preis seiner Mühe entsprechen werde, und er sich dem Studium der Medici» zuwenden wollte. Nachdem er den Doctorgrad erlangt hatte (1827), lebte der junge Frankel in Pest, eine Anstellung als Rabbiner und Prediger erwartend, dürftig vom Erträgniß seiner Unterrichtsstunden, als ihm endlich das Glück lächeln zu wollen schien. Ein reicher PesterJude verpflichtete ihn unter äußerst günstigen Bedingungen als Erzieher für seine Söhne. Da erfuhr aber der gute Herr P., daß Frankel die halben Nächte über den Büchern verbringe und wurde ängstlich, daß ein ähnlicher Fleiß seine Söhne erfassen und ihre Gesundheit untergraben könnte und verweigerte Frankel die Anfnahwe in sein Haus. Dieser aber hatte in Erwartung der Anstellung seine Unterrichtsstudien, von denen er lebte, ausgegeben, und war nun in der äußersten Noth; energisch, wie er stets war, machte er sein Recht geltend und wurde wenigstens mit einer Entschädigungssumme abgesunden. Drei Jahre sammelte er für sich Schätze des Wissens in Pest und erwartete ruhig die jüdische Gemeinde, welche seinen Werth erkennen und ihn zu ihrem geistigen Führer erwählen würde. Da kam das Jahr 1830. Die furchtbare, damals noch unbekannte Cholera wüthete in Prag und die traurigen Berichte, von der Fama weit übertrieben, schreckten den in der Fremde weilenden Frankel. Die gräßliche Bangigkeit und der ausdrückliche Wunsch der Eltern riesen Frankel nach Prag zurück, wo man jedoch nicht Zeit und Muße hatte, sich seiner zu erfreuen. Bald wurde es in Prag wieder lebendiger uub heiterer und Frankel wurde zum Centrum des wissenschaftlichen Lebens in der Prager Judenstadt. Als im Jahre 1831 die Leitmeritzer Kreisrabbinerstelle vom Gubernium zu besetzen kam und über die Candidaten, öou denen namentlich der Lobositzer Localrabbiner und spätere Prager Oberjurist Samuel Freund sich eines großen Anhanges erfreute, nach einem Jahre keine Einigung erzielt werden konnte, meldete sich Frankel auf Veranlassung maßgebender Persönlichkeiten und wurde im April 1832 zum Leitmeritzer Kreisrabbiner mit dem Sitze in Teplitz gewählt. Der erste Rabbiner mit regelmäßig elastischer Vorbildung und anerkannt reichem jüdisch-theologischem Wissen saß auf einem Rabbinatsstuhle Böbmens. Leider fehlte es aber noch an einer Gemeinde, die Berständniß für einen solchen Mann hatte. Wenigstens war dies Teplitz nicht. Das Kreisrabdinat, eine mehr politisch-polizeiliche als aus dem religiösen Bedürfnisse hervorgegangene Institution. war bei den Gemeinden schon um dessentwillen unbeliebt, weil den Juden kein entscheidender Einfluß auf die Bestimmung der zu ernennenden Persönlichkeit zustand und weil die von der politischen Behörde eingehobenen Beiträge zum Gehalte des Kreisrabbiners als eine Judensteuer angesehen wurden. Frankel, der in Geldangelegenheiten stets feinfühlend und hochherzig vorgmg, empfand das materielle Band zwischen sich und den armen Landgemeinden so drückend, daß er sich fast vollkommen auf das Teplitzer Localrabbtnat zurückzog. Aber auch in diesem Verhältnisse gab es für den wegen seiner allseitigen Gelehrsamkeit überall mit der unbedingtesten Verehrung behandelten Mann Vieles, was ihn unbefriedigt ließ ja oft verstimmte. Seinem Bestreben, die äußere Seite des Gottesdienstes von den mittelalterlich vernachlässigten Auswüchsen zu befreien, fand kein Berständniß. Im Jahre 1832 bildete sich auf Veranlassung einer von der hochherzigen Frau L. Zdekauer, der Stammmutter der Barone Zdekauer-Wolf, in der „PragerZeitung" vom 1. März d. I. veröffentlichten Aufforderung in Prag eiu „Verein für geregelten Gottesdienst der Israeliten". An der Spitze des Ausschusses, dem 18 Mitglieder angehörten und der ein ökonomisches, liturgisches und technisches Comitß (zu letzterem gehörte Peter Beer und Dr. Wolfgang Wessely) eingesetzt hatte, stand L. v. Laemel als Director. Dieses Comite hatte offenbar, trotzdem einzelne Mitglieder eigenmächtig mit dem berühmten Gelehrten Dr. L. Znnz in Berlin in Verbindung getreten waren, die Absicht, den einzigen damals zur Uebernahme des Predigerpostens-an dem neuzubegründenden „Tempel" vollbefähigten Mann, Dr. Z. Frankel, nach Prag zu berufen. Als am 12. Februar 1835. den letzten Geburtstag Kaiser F.anz die „Altschul", die älteste Synagoge Prags, dem Vereine in feierlicher Weise vom Magistrat übergeben wurde, wurde die „Widmungsfeierlichkeit" durch die vom Leitmeritzer Kreisrabbiner Z. Frankel gehaltene „Widmungsrede" verherrlicht. Die Anwesenheit geistlicher und weltlicher Behö.den bis hinaus zum Oberstburggrafen Cbotek (dem Großvater der Fürstin v. Hohenberg) und die begeisternde Ansprache des gelehrten und als strenggläubig bekannten Frankel gaben der Sache die Sanction. Zu einer Berufung Franke?» zum Prediger des Prager Tempels kam es nicht, wahrscheinlich, weil Frankel die tristen Verhältnisse der Prager jüdischen Verhältnisse zu sehr kannte, um da ein segens- und wirkungsvolles Schaffen voraussetzen zu können. Aber seine Predigt, die nie gedruckt wurde und doch in der Tradition sortlebt, machte einen gewaltigen Eindruck und der Referent der „B o h e m i a" (vom 15. Februar) erkannte mit fast prophetischem Geiste die Bedeutung dieses Mannes, wie sein Referat über die Musikaufführung zweier israelitischer Knaben in der Normalschule (Namens Hock und Schulhof) auch in diesen Kindern die zukünftigen Großmeister der Kunst ahnte. Dr. Frankel kehrte nach wenigen Tagen nach Teplitz zurück und nahm dort, angeregt durch das Prager Beispiel, die Civilisirung der gottesdienstlichen Aeußerlichkeiten in Angriff. Aber schon der erste Schritt zeigte ihm, wie wenig reif der gedrückte Sinn der Israeliten auf dem Lande für derartige, roemi auch noch so unschuldige Reformen fei. Am ersten Freitagabende, au welchen die Gemeinde die aögeänderten Syuagogeusitze ohne Klapppulte wahrnahm, entstand ein wahrer Aufruhr gegen den Kreisrabbiner, und mau ging im blinden Fanatismus sogar so weit, ihn in feiner Wohnung mit Steinen zu bedrohen. Am anderen Tage hielt er zwar vornehm-ruhig feine Predigt, forderte aber seine Entlassung aus dem Amte und ii.chm die ihm bereits früher angebotene Stellung eines Oberer ibbiners der sächsischen Juden und Rabbiners von Dresden unter der Bedingung an, daß seine Anstellung eine behördliche s in müsse. Segensreich wirkte Franke! in Dresden, wohin er sich 1836 begab, um nie wieder in Oesterreich ein Amt anzunehmen, i'iiit) nicht, als ihm nach dem Tode Rappoport's das Prager Oberrabbinat in der ehrendsten Weise ang boten wurde. Mit der größten persönlichen Leutseligkeit kam der Cultusmirrister und selbst der König den Bestrebungen Frankel's entgegen, und mancherlei Verbesserung der Stellung der sächsischen Juden, namentlich in der Eidesleistung, Freizügigkeit u. s. tu., wurde über Intervention Frankel's herbeigeführt. Der gelehrte König Johann (als Philaletes, der bekannte Uebersetzer Dante's) nahm an Frankel's Person und an seinen wissenschaftlichen Arbeiten den regsten Antheil. - Als König Johann einst in Prag weilte und im Fremdenbuche des alten israelitischen Friedhofes den damals noch nicht sehr bekannten Namen des Dichters Dr. Ludwig Aug. Frankl las. sagte er zu dem ihn führenden Vorsteher: „Das ist doch nicht unser Frankel; der. heißt Zacharias". In Deutschland fand Frankel endlich Muße, der damals von Rappoport, Erter und Znnz nenbegründeten jüdischen Wissenschaft sein reiches Wissen und seinen Hellen Geist zu leihen. Aus seinem kritischen Erfassen der alten Uebersetzungeu der Bibel entstanden die als elastisch anerkannten Werke „Einfluß der palästinensischen Exegese auf die alexandrinische Hermeneutik", seine „Vorstudien zur Septuaginta", seine „Palästinensische und alexandrinische Schriftforschung". Die von ihm begründete „Zeitschrift für die religiösen Interessen" (Leipzig, 1844, 45 und 46) und seine „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" (Breslau, 1851 — 68) wurden der Sammelplatz oller ernsten jüdischen Forscher ans dem Gebiete ihres Schriftthums und ihrer Geschichte. Die großen bahnbrechenden Forschungen wurden da veröfientlicht, Namen wie Michael Sachs, Landau, Steinheim. Rappoport, F. Lebrecht, I. Reggio, Kirchenrath Mayer, Simion, Steinschneider, Aub, Hmckfelo. Graetz. Senior Sachs, B. Beer, Selig Cassel (als Paulus Cassel später der bekannte Prediger an der Christuskirche in Berlin), R. Kirchheim, Kaempf. Zuckermann, Netter, M. Wiener, I. Wiesner, Joöl, Lewysohn, S. Brann, Kayierling. Saalschutz, Perles.^G. Wolf, Güdemann, Fceudeuthal. Albert Cohn, I. Horowitz, o. Munk, Vogelstein, I. Fürst, Carmoly, Herzfeld, Saenger, Doppenheim, Levy, Dukes, Jastrow, Schmiedl, Zomber, Adler, Buchholz und unzählige

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