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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-04 · 40 (4.10.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
40 (4.10.1901)
Date
1901-10-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 M. Bloch s Wochrnschrlf? Sette 663 Jnsolange den Juden trotz aller durch die Staatsgrundgesetze verbrieften Rechte der Antritt öffentlicher Aemter versagt ist, muß denselben zumindest gestattet sein, wie im Vormärz, demnach zur Zeit der finstersten Reaction, sich im Handel uneingeschränkt, ohne fesselnde, vexatorische Bestimmungen bethätigen zu können. Schon hat der Pauperismus in den weiten jüdischen Bevölkerungsschichten bedenkliche Dimensionen angenommen, und ungeachtet all' der vielen jüdischen Humanitätsvereine und der Wohlthätigkeit der besser situirten Juden, deren es verhältnißmäßig leider nur wenige gibt, ist man ganz außer Stande, auch nur das schreiendste Elend zu stillen. Wohin soll es erst führen, wenn den Juden untersagt oder erschwert werden soll, sich in ehrlicher und rechtschaffener Weise im Handel das Leben zu fristen. Dieser Nothschrei ist an die maßgebenden Factoren gerichtet, damit noch rechtzeitig die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden, das bevorstehende Unheil abzuwenden. Eduard Beer. Die „Juden" in dem deutschen Zolltarifentwurf. Am 28. Juli begrüßte die „Ostdeutsche Rundschau" in ihrem Leitartikel den deutschen Zolltarifentwurf mit großer Begeisterung. Nur die internationale Capitalistenpresse, schrieb sie, beurtheile den Entwurf mißgünstig, „weil diese Presse instinctiv Alles anfeindet, was die volkswirthschaftliche Erstarkung der bodenständigen Volksgruppen fördert, und der neue Tarisentwurf mit seinen erhöhten Getreidezöllen einen ausgiebigen Schutz der deutschen Landwirthschaft tatsächlich anstrebt." Am 4. August schrieb dieses Organ der Schönerianer: „Die Gegner des Entwurfes kämpften „im Dienste des internationalen Capitalismus gegen das darin mit der not tzwendigen Schärfe zum Ausdruck gelangte conservative Princip des Schutzes der Landwirthschaft." Gegen den Entwurf seien nur die „internationalen Kornjudm und die politischen Deutschfeinde." Wir erkennen den principiellen Schutz gegen den Vampyr der Aussaugung als berechtigt und nothwendig. Wir billigen ihn in Deutschland und fordern ihn für uns. Der deutsche Tarifentwurf ist der praktische Ausdruck eines großen Principienkampfes, der uns unter allen Umständen auf Seite der Gegner dieses internationalen Weltwuchers finden sollte." Nun veröffentlichten aber die „Egerer Nachrichten", das Hauptorgan der Alldeutschen in Böhmen, in Nummer 73 einen Artikel über „Das Cartell reichsdeutscher Junker", und da heißt cs: „Die Propaganda für den Schutzzoll ist ein Product der „wissenschaftlichen Theorie hebräischer Denk- und Gesinnungsart". Und eigentlich stecken hinter den Agrariern — die jüdischen Getreidehändler. An der durch den Zolltarif errichteten Mauer „wird sich das jüdische Speculantenthum auf Kosten jener Landwirthe die Tasche füllen, die durch des Staates weise Fürsorge vor gänzlicher Verarmung nicht gesichert erscheinen. Der österreichische Landwirth wird mit jüdischen Operationszügen zu rechnen haben, die auf seine Kosten das Getreide über die künstlichen Schranken ins Innere Deutschlands Hineintreiben." Der Antisemitismus hat auch die deutschnationalen Wählermassen derart vertrottelt, daß man ihnen allen Blödsinn bieten darf. Jüdischer „Kirchenhaß". Der römisch-katholische Pfarrer von Buch in, Stefan K o v ä c, richtet an den „Pester Lloyd" vom 25. September 1901 folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung.: „Vor etwa fünf Jahren übernahm Herr Wilhelm Guttmann de Gelse anläßlich des Ankaufes der Herrschaft Vuchin in Slavonien vom Grafen Jankowich das Patronat über unsere Pfarrkirche. In dieser kurzen Zeit gab uns Herr von Guttmann zahlreiche Beweise seiner väterlichen Fürsorge für unsere Pfarrkirche. Die Kirche stammt aus dem XIII. Jahrhundert und ist ein historisches Denkmal, welches sich eben nicht im besten Zustande befand. Da sorgte der verehrte Kirchenpatron in freigiebigster Weise für die Herstellung und Restaurirung unserer Kirche. Heuer ließ Herr von Guttmann an dieser Kirche sehr bedeutende bauliche Renovirungen durchführen; er ließ sie sozusagen vollständig ummauern und stellte zu diesem Zwecke das ganze Material und die technischen Kräfte bei. Die Thatsache, daß sich Herr v. Guttmann als Israelit in solch freigebiger Weise als Patron unserer Kirche bewährt, dient ihm zur besonderen Ehre. Ich und meine ganze Pfarre betrachten uns stets dem edlen Gutsherrn gegenüber als zu großem Danke verpflichtet. Herr v. Guttmann ist aber auch sonst in unserem reizend gelegenen Marktflcckchen sehr beliebt. Man muß auch gestehen, daß er die Liebe und Anhänglichkeit in vollem Maße verdient, da er. und überhaupt seine ganze Familie, es versteht, sich Menschenherzen zu erobern.. Im Frühling nächsten Jahres wird die Herrschaft eine Industriebahn errichten lassen. Dieselbe wird höchstwahrscheinlich sehr viel zu dem Emporblühen unseres netten Ortes beitragen. Vuchin, 21. September. Stefan Kovs«, römisch-katholischer Pfarrer." Zur Naturgeschichte des Ritualmordes. Aus St. Pölten wird uns gemeldet: Unter dem Titel „Hilsner in Tulln" erschien vor Kurzem in antisemitischen Blättern eine Notiz, in welcher der Kaufmann Emil H o f f e r beschuldigt wurde, auf der Fahrt von Klosterneuburg nach Tulln der 15jährigen Anna Jaroschawa Gewalt angethan und ihr sodann eine Geldbörse mit dem Inhalte von 10 Gulden entriffen zu haben. Die volle Unwahrheit dieser Angaben stellte sich bereits bei der vom Bezirksgerichte Tulln gepflogenen Untersuchung heraus. Gestern hatte sich nun AnnaIarösch a w cr vor einem Erkenntnißsenate des hiesigen Kreisgerichtes wegen Verleumdung und Irreführung der Behörden zu verantworten. Sie g e st a n d, die Beschuldigung gegen Hoffer nur zu dem Zwecke erdichtet zu haben, um demselben das zur Heimreise nach Böhmen benöthigte Geld zu erpressen. Anna Iaroschawa wurde mit Rücksicht auf ihr jugendliches Alter zu einem Jahre schweren Kerkers verurtheilt. Der Sultan und der Zionismus. Wie der „Jewish Chronicle" aus Constantinopel gemeldet wird, sollen in jüngster Zeit im Mdiz Kiosk verschiedene Personen in zionistischen Angelegenheiten empfangen worden sein und soll Dr. Herzl angefragt haben, ob seine persönliche Anwesenheit in Constantinopel zur Leitung von Verhandlungen erwünscht wäre. Schon lange bevor Dr. Herzl vom türkischen Sultan empfangen worden, hatten die Führer der Zionisten ausgerechnet, daß zur Erreichung der ersten Erfolge für den Zionismus die Summe von zwei Millionen Pfund Sterling erforderlich wäre. Der Gegensatz zwischen der Erfahrung und der Macht der Zionisten mit der des verstorbenen Baron Moritz von Hirsch muß jedem näheren Beobachter in die Augen fallen. Jenem erfahrenen Geschäftsmann waren zwei Millionen Pfund Sterling keine unerreichbare Summe; er hat für -bic jüdischen Zwecke oft in einzelnen Posten so viel Geld hergegeben. Den Gang der türkischen Politik auf Haupt- und Nebenwegen hat selten Jemand so genau gekannt wie er. Und doch hat er es vorgezogen, seine Millionen in der Neuen Welt anzulegen, denn er war der Meinung, daß aus Verhandlungen am Goldenen Horn nichts Gutes zu erwarten stand. Sollte das Urtbeil von Dr. Herzl über die Möglichkeit eines Erfolges zuverlässiger sein, als das des Mannes, der die ersten großen Eisenbahnen im ottomanischen Reich gebaut hat? Sehen wir einmal die Situation der hohen Pforte etwas näher an: Der Beherrscher des türkischen Reiches ist ein Souverän von seltener Macht und Thätigkeit unter den orientalischen Potentaten, doch seine Umgebung ist naturgemäß dieselbe wie bei anderen orientalischen Despoten sonst und jetzt. Ein von Odalisken bevölkerter, von Eunuchen und Janitscharen bewachter Palast ist immer eine Brutstätte von Argwohn und Jntriguen. Bald hört man von Deportationen aus dem Serail, bald von einer Emeute unter den Köchen. Man erinnert sich des tragischen Schicksals des Vorgängers Seiner Majestät des Sultans Wdul Hamid, der mit der Scheere seiner Favoritin umgebracht worden ist. Persönlicher Ehrgeiz, Eifersucht, Feindseligkeiten unter den mächtigen Untergebenen des Herrschers haben in solcher Umgebung mehr Macht, als man anderwärts sich vorstellen kann. Selbstverständlich gibt es hier einflußreiche Persönlichkeiten, denen große Geldsummen sehr erwünscht find; doch ist nicht anzunehmen, daß der Sultan selbst aus irgend einem Grund von seinem Princip abgehen würde, das einer Vergrößerung seiner Macht, nicht einer Verringerung gilt. Selbst wenn es vom staatsmännischen Standpunkte rathsam erscheinen sollte, Palästina aus der direkten Herrschaft der Türkei zu entlassen und in einen tributpflichtigen Staat unter.der Regierung einer zionistischen Republik umzuwandeln, so würde dieser Gedanke bei Abdul Hamid ebenso wenig Anklang finden, wie bei einem seiner Bor-

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