Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 39 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 39 Wvchemrtzriy. Seite 361 daß solche Verbrechen bei Juden häufiger sind, oder gar, daß Deutsche überhaupt nicht so tief sinken können. Diese Meinung ist irrig. An den schwersten Sittlichkeitsverbrechen nehmen Juden im Berhältniß weniger theil als Christen, so bei Blutschande (7 von 3667 Fällen), widernatürlicher Unzucht (20 von 4162 Fällen), lieber die Unzucht mit Kindern werden in der amtlichen Statistik die Ziffern nicht getrennt angegeben, sondern gemeinsam mit den Ziffern für Nothzucht, Verleitung zum Beischlaf durch Täuschung rc. Jnsgesammt entfielen hier auf Juden 354 von 33.748 Bestrafungen. Man darf deshalb als sicher annehmen, daß an solchen Vergehungen Juden durchaus nicht stärker betheiligt sind, als die Bevölkerung überhaupt. Seither haben auch einige Fälle von Unzucht mit Kindern, bei denen es fich unzweifelhaft um arische Christen handelt, unliebsames Aussehen gemacht, so namentlich in Aachen, wo sich Freiherr von F. das Leben genommen hat, weil er wegen solcher Delicte schwere Strafe zu gewärtigen hatte. In Hannover waren (cf. „Berl. Tgbl." vom 14./8.) im August d. I 50 Sittlichkeitsverbrechen' anhängig, davon 2 gegen Officiere, die in der Eilenriede abgefaßt worden waren. Das „Tagebl." berichtet darin über die Verhandlung gegen zwei Hannoversche Lebemänner, die sich mit Kindern vergangen haben, unter der Spitzmarke: „Hannoversche Sternberg -Proceffe". Wie wir in einer früheren Nummer der „Mitth." an einer Reihe von Beispielen darlegten (S. 413, Jahrgang 1893), find Vergehungen mit Kindern bei Hausvätern von Besserungsanstalten und Waisenhäusern, Geistlichen rc. verhältnißmäßig häufig, da diese eben durch ihren Beruf häufig mit Kindern zusammen find. Ist doch im Mai d. I. von dem Kreisgericht in Leoben sogar ein Priester, Josef Kapf, verurtheilt worden, weil er mit vier Mädchen im Alter von 10—12 Jahren in der Sa cr ist ei sich schwere Unsittlichkeiten hatte zu Schulden kommen lassen. Der Landesausschutz der national-liberalen Partei Badens hat in einer am 15. September in Karlsruhe abgehaltenen Sitzung, die den Vorbereitungen zu den bevorstehenden Landtagswahlen gewidmet war, einen Wahlaufruf festgestellt, der u. A. die Bekämpfung des Antisemitismus fordert. Emden. Der „Verein für innere Medicin" plant im Anschluß an seine Anfangs October stattfindende Versammlung einen Ausflug nach den ostfriesischen Nordsee-Bädern Langenroog, Norderney, Borkum, Juist rc.. zu welchem dreihundert Aerzte ihre Theilnahme bereits zugesagt haben. Auf die Mittheilung, daß die jüdischen Aerzte aus Furcht, in B ork um als Juden Insulten ausgesetzt zu sein, ihre Anmeldungen zurückgezogen haben, ertheilte der Vorsitzende des Vereines, Herr Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Leyde n-Berlin, die telegraphische Weisung, daß der Besuch Borkums zu unterbleiben hat. Bukarest. Ganz 'im Gegensatz zu dem allenthalben auf moderne' Vorbilder und civilisirte Rechtsanschauungen fich stützenden rumänischen Gerichtsverfahren steht die als Ueberbleibsel der barbarischen Gerichtspflege des Mittelalters noch heute in Rumänien zulässige Eidesablegung „more judaico“. Noch heute ist der rumänische Civilrichter berechtigt, auf Verlangen einer Proceßpartei der zum israelitischen Glauben fich bekennenden anderen Partei die Leistung eines Schwures „nach jüdischem Brauch" aufzuerlegen. In diesem Falle werden dem zur Eidesleistung verhaltenen Israeliten die Fingernägel wie die einer Leiche beschnitten, hierauf werden an ihm die rituellen Waschungen vorgenommen und er sodann, mit dem Sterbehemd bekleidet, in die Synagoge geführt, wo er sich in einen vor dem Altar aufgestellten Sarg legen und die ihm vom Rabbiner vorgesagte Eidesformel nachsprechen muß. Da letztere ihrem Wesen nach aus einer Reihe furchtbarer Verwünschungen und Verfluchungen besteht, welche im Diesseits unv Jenseits am Schwörenden und an seiner ganzen Familie für den Fall in Erfüllung gehen sollen, als derselbe nicht die reine Wahrheit sagen sollte, so läßt sich leicht begreifen, daß diese Form der Eidesablegung in Verbindung mit den begleitenden Leichengebräuchen sowohl für den Schwörenden wie auch für dessen Angehörige überaus peinlich und aufregend sein mußte. Thatsächlich werden denn auch zahlreiche Fälle angeführt, in welchen der zur Beeidigung seiner Klage oder Aussage „more judaico“ aufgerufene Israelit lieber auf die Wahrung seiner guten Rechte verzichtet hat, als daß er sich der erwähnten Schwurablegung unterzogen hätte. Früher häufiger in Anwendung gebracht, ist nun zwar die Zuschiebung eines nach jüdischem Brauche zu leistenden Eides seit einer längeren Reihe von Jahren in Rumänien nicht mehr vorgekommen. Daß es aber doch noch Richter im Lande gibt welche sich, sei es nun in Folge der eigenen Beschränktheit oder ihres antisemitischen Racenhaffes, kein Bedenken tragen, einen in irgend einem Civilproceffe vor ihnen erscheinenden Israeliten zur Ablegung des Schwures „more judaico“ zu verhalten, beweist ein kürzlich in Fokschani in der Moldau vorgekommener Fall dieser Artt Glücklicherweise war aber der zur Intervention bei der Eidesleistung aufgerufene Rabbiner Dr. Nacht aus Fokschani Mann genug, die ihm vom Richter zugemuthete Mitwirkung mit der Begründung abzulehnen, daß er als Vertreter des mosaischen Glaubens keine Ceremonie vornehmen könne, welche, mit dieser Religion in schroffstem Widerstand stehend, einen inhumanen und entwürdigenden Charakter besitzt. Der Vorfall wurde zur Kenntniß des Justizministers gebracht, und dieser soll auch bereits Schritte gethan haben, um das in Rede stehende Ueberbleibsel mittelalterlicher Gerichtsprocedur aus dem rumänischen Eivilrechtsverfahren endgiltig zu beseitigen. Conftantinopel, 10. August. (Griechen und Juden.) Seit Joachim lll. neuerlich den Patriarchatsstuhl bestiegen hat, hat das immer freundschaftliche Berhältniß zwischen Griechen und Juden geradezu einen intimen Charakter angenommen. Das zeigen zwei Vorgänge der letzten Zeit. Se. Heiligkeit besuchte den Vorort Hasköi, um Kirche und Schule einer Visitation zu unterziehen. Nachdem dies geschehen war, stattete er den im Hause des Jsak Franzes versammelten Rabbinern Haim Nassi, Sabetay und Mercado Levy einen Besuch ab. Auf eine Ansprache des Cultusvorstandes erwiderte der ökumenische Patriarch, daß er als wirklicher Adept der Religion Christi, welche die Nächstenliebe lehrt, nicht aufhören werde, den Gefühlen der Sympathie für die israelitische Gemeinde Ausdruck zu geben. (Qu’en veritable adepte de la religion du .Christ qui enseigne l’amour du pro chain, il ne cesserait pas de professer des sentiments de Sympathie pour la eommunaute israölite). Und als kürzlich der Karaiten-Rabbiner Hadschi Elie Awramoglu starb, da delegirte der Patriarch den Notabeln Tahirdschi als seinen Bertreter zum Leichenbegängniß des Rabbiners. Petersburg. (Ueber die Bergjuden am Kaukasus werden dem „Woschod" nachstehende interessante Daten mitgetheilt: In der Stadt Kuba des Gouvernements Baku leben unter 18.000 Einwohnern nicht weniger als 7000 Bergjuden, welche eine eigene jenseits der Kubinka gelegene Borstadt bewohnen. Die Reicheren unter ihnen betreiben einen schwunghaften Handel mit Teppichen, während die Masse Ackerbau treibt oder gegen den geringen Lohn von 20—30 Kopeken auf Taglohn geht. Die Juden von Kuba find daher sehr arm und leben völlig nach tartarischer Art in engen Hütten ohne jedes Möbelstück, wo fie zu 15 Personen in einem engen, dumpfen und düsteren Raume (die Hütte hat nämlich nur eine Dachlucke als Fenster) auf dem kahlen Boden essen, trinken und schlafen. Familiennamen besitzen die Juden von Kuba nicht, sondern bezeichnen fich durch Eigen- und Vatersnamen, dem fie das tartarische „Ogli", d. h. Sohn, hinzufügen. So heißt Simon Abraham Ogli: Simon, Sohn de- Abraham. Sie führen alle rein biblische Namen, die fie übrigens in unbarmherzigster Weise verdrehen. Mit der Außenwett sprechen fie tartarisch, während fie untereinander pharfisch reden. In religiöser Hinficht unterscheiden fie fich in nichts von den übrigen Juden. Sie kennen den Talmud, dessen Borschritten fie eifrig beobachten, und nur die Verbote des Rabbi Gerschon find ihnen fremd geblieben, daher huldigen fie noch der Vielweiberei. Ihre Töchter verheiraten fie schon im Alter von 12—13 Jahren, während die Männer erst im 30—35jährigen Mer heiraten. Aus diesem Grunde und weil ihnen die Scheidung sehr leicht gemacht ist, find, die Ehescheidungen unter ihnen sehr häufig. Ihr jüdisches Wissen ist sehr gering und ihr moralisch Niveau ziemlich tief gesunken. Viele von ihnen find der Trunksucht ergeben und selbst die Frauen sprechen oft der Flasch« zu. Auf Hochzetten und namentlich am Chanukka und Purim betrinken fie sich Alle bis zur Bewußtlosigkeit, worauf fie häufig ihre Dolche gegen einander spielen lassen. Auch im nüchternen Zustande machen die Juden von Kuba trotz aller Frömmigkett vom Dolche Gebrauch, wobei nicht selten Morde begangen werden. So haben die Juden von Kuba die schlechten Gewohnheiten der Europäer sowohl wie der Tartaren angenommen. Bon Ersteren haben fie die Trunksucht, von Letzteren den Mord gelernt, dagegen fehlt ihnen jeder Bildungsdrang, so daß selbst die Reichen unter ihnen nie ihre Söhne in ein Gymnasium schicken. In Kuba befinden sich 8 Synagogen, an deren Spitze ebensoviele Rabbiner stehen, von denen aber nur 3 imponirendere Kenntnisse des Talmuds besitzen.