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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-27 · 39 (27.9.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
39 (27.9.1901)
Date
1901-09-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Bloches WochrnschrW Seite 647 hierbei auf Herrn Badnay und auf alle Jene, die bei der Prüfung des jüdischen Lehrers zugegen waren." *) Als Kazinczy 1786 sein Amt antrat, fand er in seinem Districte blos drei jüdische Schulen vor; drei Jahre später, als er die ihm zugetheilten 4 Unterinspectoren am 20. December 1789 mit einer solennen Rede in ihr Amt installirte, spricht er schon von 7 jüdischen Nationalschulen. * 2 3) Durch seinen Eifer hob sich die Gesammtzahl der Nationalschulen in seinem Districte von 79 auf 124, die Zahl der jüdischen insbesondere aber verdoppelte sich. Das Ideal Kazinczy's war zwar die von Ban Swieten geplante Simultanschule, und anfangs gelang es ihm auch, hie und da interconfessionelle Schulen zu errichten. Als er aber sah, daß die Absicht des von ihm hochgeschätzten Ban Swieten fast bei allen Confefsionen auf unüberwindlichen Widerstand stieß, verlegte er den Schwerpunkt seiner amtlichen Thätigkeit mehr darauf, innerhalb des Rahmens der einzelnen Confefsionen je mehr Nationalschulen zü errichten, um wenigstens in dieser Weise seine Absicht zu verwirklichen, welche er gelegentlich seines Amtsantrittes mit edlem Eifer faßte und auf die Erziehung der Landeskinder ohne Unterschied der Religion einwirken zu können. Er strebte aber auch dahin, das Berhältniß zwischen den verschiedenen Confefsionen freundschaftlicher und vertrauter zu gestalten. Dieses humane Princip ließ er nie aus dem Auge und stellte es auch den ihm untergeordneten Schulvisitatoren als Leitprincip ihrcr Amtsthätigkeit hin, als er gelegentlich ihrer Installation Folgendes zu ihnen sprach: „Ich Hache hier und dort in den Katholiken gegen Protestanten, in Protestanten gegen Katholiken, in Juden gegen Christen mehr Zutrauen, mehr brüderliche, menschliche, patriotische Gesinnungen erweckt?") Im Jahre 1789 ging Kazinczy abermals nach Wien, da er es für nothwendig erachtete, mit Ban Swieten zu sprechen und zu sehen, welches Beispiel die Wiener Schule gibt. Auch bei dieser Gelegenheit trachtete er mit den hervorragenden Männern der Wiener gebildeten Gesellschaft in Berührung zu kommen. Er suchte seine alten Freunde und Bekannten auf und knüpfte viele neuen Bekanntschaften. Indem er davon in seiner Autobiographie erzählt, erwähnt er wieder eines Juden, ohne dessen Namen zu nennen. Als er von Wien zurückkehrte, besuchte er in Preßburg seinen alten Freund den berühmten Schriftsteller Carl Döme, der Director des auf dem Schloßberge gelegenen Seminars war. Während des mit ihm geführten und an angeführtem Orte S. 125 citirten Gespräches sagte er ihm umer Anderem: „Gleichzeitig zeige ich Ihnen an, daß Sie dieser Tage ein Prager Jude besuchen wird, der Spinoza und Lessing besser als den Talmud kennt." Hier stehen wir abermals vor einem großen Fragezeichen. Wer mag wohl jener Jude gewesen sein, mit dem Kazinczy während seines diesmaliger! Wiener Aufenthaltes verkehrte und der schon in den damaligen Zeiten es wagte — man höre nur und staune! — in einem katholischen Geistlichen-Seminar einen Besuch zu machen? Am nächsten liegt der Gedanke, daß irgend ein gebildeter Jude behufs Uebertritt dahin gehen wollte, wie auch thatsächlich damals viele Juden zum Christenthume übertraten. Allein dagegen spricht der Umstand, daß der freisinnige reformirte Kazinczy bei einer Bekehrung zum katholischen Glauben kaum die Vermittlerrolle übernommen hätte, da Niemand die Convertiten mehr verachtete, als eben er. War er es doch, der sich kurz vorher in einem an ebendenselben Freund gerichteten Briefe über den Convertiten K. Andreas Bälyi4 5 *) folgendermaßen äußerte: „Der rechtschaffene Mann kann unter welcher Religion immer bestehen, und unter 100 Convertiten gibt es keinen einzigen, der entweder sich selbst, oder jene, zu denen er früher gehörte, oder gar alle Beide nicht betrügen würde?") Hingegen sprechen alle Anzeichen dafür, daß der in Rede stehende Jude niemand anderer als Herz Homberg war, der in ') Literaturgeschichtl. Mittheilungen, II. B. S. 529. -) Miskolcz, S.-A.-Ujhely, Hunsdorf, Szüntü, Szina, Mäd, Ungvär. 3) Rede bei der Einsetzung der königl. Nationalschul-Visitatoren des Kaschauer Literarbezirkes in ihr Amt, gehalten durch Franz v. Kazinczy als königl. Nationalschulen-Jnspector desselben Bezirkes am 20. September 1789. Kaschau bei Johann Josef Ellinger. 4) Välyi war Professor an der Kaschauer Lehrerpräparandie und trat zum Katholicismus über. 5) Kazinczy levelezese, H. B. S. 126. jener Zeit schon als Jnspector der galizischen jüdischen Schulen wirkte, und als er ebenfalls im Jahre 1789 in Wien war ohne Zweifel trachtete, mit seinem früheren Bekannten und ungarischen Amtscollegen zusammenzukommen. Homberg war bekanntlich in Lieben, einer erst dieser Tage mit Prag einverleibten Vorstadt der Moldaumetropole, geboren und als Freund Mendelssohn's — später Erzieher seiner Kinder — Spinoza und Lessing sicherlich bester, oder zumindest ebenso als den Talmud kannte. Ziehen wir nun die Person Hombergs in Betracht und halten wir uns die Thatsache vor Augen, daß die Regierung gerade ihn am geeignetsten hielt, die Rabbiner philosophisch auszubilden4). so wird uns auch begreiflich erscheinen, was ihn zum Besuche eines katholischen Geistlichen-Seminars veranlassen konnte, das noch dazu in Preßburg, im Zion der ungarischen Juden, lag, wo er gleichzeitig Gelegenheit hatte, ins Herz des ungarischen Judenthums einen Einblick zu machen. * * * Mt den obigen Zeilen erschöpften wir aus den sich darbietenden Quellen noch nicht alle jene Daten, aus denen sich Kazinczy's sämmtliche Berührung mit dem Judenthume Nachweisen ließe. Namentlich befinden sich in seinen poetischen Werken einige Producte, die auf dem heiligen Boden der Bibel wurzeln. Und auch während seiner amtlichen Schulthätigkeit bot sich ihm auch noch anderweitige Gelegenheit dar, um auf die Bildung der im nordöstlichen Theile Ungarns wohnenden Juden sanften und heilsamen Druck auszuüben. Zweck dieser Studie war blos, von unserem Gesichtspunkte als Juden ein neues Streiflicht auf den allgemeinen Charakter jenes Mannes zu werfen, der als Apostel Ban Swieten's sich in den Dienst Kaiser Josefs stellend, sein Vaterland dennoch heiß liebte; der, obwohl im Bannkreise der Germanisation stehend, dennoch die belebende Kraft der Renaiffance der ungarischen Sprache in sich barg; und der in seiner mit tiefer Religiosität gepaarten Nächstenliebe dahin strebte, daß Jeder der Schätze der Wissenschaft theilhaftig werde und alle Landeskinder ohne Unterschied der Religion ins Gesammtwohl eingeschlossen werden. (Aus dem Jahrbuch 1899 der israelitisch-ungarischen Literaturgesellschaft.) Gin preußischer Oberpräftdialrath für die Pharisäer. *) Von Dr. H. E. Kaufmann, Rabbiner in Virovitica. Es gehört ein hoher Grad objectiven Forschens dazu, um den Muth zu haben, die Pharisäer gegen die Borwürfe, die ihnen die Evangelienverfaffer machen, in Schutz zu nehmen. Ein derartiger Versuch seitens eines Nichtjuden würde mit der heutzutage sehr wirkungsvollen Bemerkung zurückgewiesen werden: Ja. dieses Urtheil ist philosemitisch! Darauf muß es aller Wahrscheinlichkeit nach zurückzuführen sein, daß der katholische Gelehrte Dr. A. Maier •) von den Pharisäern sagt: Die praktischen Religionsvorschriften und sittlichen Grundsätze der Pharisäer müssen von Anfang als sehr achtungswerth angenommen werden und sie waren gewiß auch in ihrem Leben echte Vorbilder der Tugend. Aber allmählich wandten sie sich vom Geiste des göttlichen Wortes ab. legten in der Theorie und Praxis alles Gewicht auf bloße Äeußerlichkeiten und verwandelten den anfänglichen sittlichen Ernst in Scheinheiligkeit und Heuchelei, unter welcher Hochmuth, Lieblosigkeit. Unduldsamkeit, Habsucht und andere Laster verborgen waren. Forscht man jedoch nach der Quelle, aus der Maier dieses doppelte Urtheil, das er über die Pharisäer fällt, schöpfte, so ist man keinen Augenblick in Verlegenheit, sie angeben zu können. Das lobende Urtheil floß aus Josefus Flavius (LeUurn Judaecum II. 8,14). Das die Pharisäer vernichtende Urtheil ist auf verschiedene Stellen der Synoptiker und der paulinischen Briefe zurückzuführeu. Wir können allerdings von einem katholischen Theologen nicht verlangen, daß er dieQuelle des Evangeliums als eine nicht maßgebende 0 G. Wolf. Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität. S. 110. Homberg übte später als k. k. Schulrath auch wirklich großen Einfluß auf die moderne Ausbildung der jüdischen Lehrer und Rabbiner aus. *) Die Religion der Zukunft. Erster Theil: Das Christenthmn Christi und die Religion der Liebe. Von Th. Schnitze, Oberpräfidialrath a. D., III. Aufl., Frankfurt a. M. 1901. ') Encyklopädie der katholischen Theologie v. Wetzer-Welte. B. VIII., S. 388.

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