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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-13 · 37 (13.9.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
37 (13.9.1901)
Date
1901-09-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 37 Br- Bloch"? WochrnfchMk Seite 623 ihm getheilt hatte, so wie wenn er, Heller, seinesgleichen gewesen wäre. Der Umstand, daß er der Mitwisser von Davids Familiengeheimniß geworden, hatte das Band gewebt, welches ihn zu dem jungen Manne hingezogen. Im Lause der Jahre, die er theils auf. der Wanderschaft, theils bei Meistern in verschiedenen Städten des In- und Auslandes verbrachte, dachte er öfter an seinen Freund, den Opernsänger, wie er, sich brüstend, ihn vor seinen Kameraden nannte, und war nicht wenig neugierig, zu erfahren, ob er doch seine reiche Mutter aufgesucht hatte. Einstmal brachte ihm der Zufall ein Wiener Zeitungsblatt in die Hand, welches unter vielem Andern auch eine ausführliche Kritik über die künstlerische Leistung David Polansky's enthielt. Daraus ersah er, daß David seinem in der Erregung gefaßten Vorsatze, auf die Rechte eines Sohnes seiner Mutter zu verzichten, treu geblieben war. In Heller's guten Seele begann sich ein grenzenloses Mitleid mit der verlassenen Mutter zu regen, Mitteid auch mit dem verblendeten Sohne, der sich aus purem Eigensinn auf der Bühne plaget, anstatt ein reicher Haussohn, ein Millionenerbe zu werden. Dem findigen Kopfe des jungen leichlsiniligen Schneidergesellen, der eben wieder eines losen Streiches wegen von seinem Meister weggejagt worden war, kam die Idee, einmal auch auf eigene Faust Vorsehung zu spielen. Ein Naturforscher und ein Wandersmann geht niemals irre, sagte er sich; ich gehe nach Polen, Davids Mutter aufzusuchen und ihr von dem Aufenthalte des Sohnes Mittheilung zu machen. Da wird meine Belohnung mehr ausmachen, als ich während der Zeit, was ich zur Reise brauche, nnt Nadel und Scheere und Bügeleisen verdienen könnte. Gesagt, gethan! Als der Reisepaß nach Rußland beschafft war, was nicht wenig Zeit und Lauferei erforderte, wurden von Heller seine Siebensachen, die vielleicht nur aus fünf Dingen bestanden, ins Felleisen gepackt und die Spitze des Knotenstockes frisch beschlagen. So ausgerüstet, trat er seine Wanderung an. Wohl hatte sich der liebe Simon auf seiner Wanderschaft gegen Osten gar oft gewundert, daß es nach Warschau, seinem vorläufigen Reiseziele so weit sei, weiter als er sich überhaupt die Welt vorgestellt hatte. Aber das ersehnte Ziel war zu verlockend, als daß er auf halbem Wege umgekehrt wäre. Viel Hunger und Durst und allerlei Entbehrungen mußte das wackere Schneiderlein ertragen, ehe er die Mauern Warschaus erreichte. Die Schuhe fielen ihm fast von den Füßen, und wenn ihn nicht ein glücklicher Zufall mit einem Glaubensgenossen, einen ebenfalls wandernden Schustergesellen, zusammengefüyrt hätte, der aus collegialer Gefälligkeit sein defectes Schuhwerk Nachts in der Herberge schlecht und recht zusammengefllckt hatte, Heller wäre ganz barfuß in der alten Polenstadt angekommen. Es war ihm ein Leichtes geworden, bald nach seinem Einzüge in Warschau Näheres über Davids Mutter zu erfahren. Nicht so aufgeregt, wie es David mar, als ihm Heller die Briefe Sarahs vorgelesen,- hatte sich Heller Namen und Wohnort von Davids Mutter besser gemerkt als dieser, und sich beides andern Tages in sein schmieriges Notizbuch eingetragen. In der Herberge, in welcher er in Warschau eingekehrt war, zog er nun Erkundigungen ein. Da erfuhr er, daß der alte Koreff vor Kurzem gestorben sei, dessen Schwiegersohn, Herr Braun, jedoch dessen Unternehmung in weit vergrößertem Maßstabe unter der alten bewährten Firma weiter führe. Das Haus sei eines der hervorragendsten und wohlthätigsten in der ganzen Provinz und die noch immer schöne Frau Sarah habe ihr ganzes Leben Werken der Wohlthätigkeit geweiht. Namentlich wende sie ihre Aufmerksamkeit einem von ihr ins Leben gerufenen Institute zu, worin Waisenkinder erzogen und zu tüchtigen Menschen herangebildet werden. Auf seine Frage, ob diese edle Frau keine eigenen Kinder besitze, erhielt er die Antwort, daß ihre Ehe wohl viele Jahre kinderlos geblieben war, doch dann bekam sie ein Töchterchen, welches ein Wunder von Schönheit und Anmuth sei und den schönen Namen „Golde" führe. Nachdem sich Heller von seiner langen und beschwerlichen Wanderung etwas erholt hatte, mußte er trachten, auch seinen äußeren Menschen etwas herauszustaffiren. In solch' abgerissenem Anzuge und schlechtem Schuhwerke hätte er schwerlich die nothwendige geheime Unterredung mit der Frau des Hauses erlangt. Und wenn ihm dies auch gelungen wäre, wie hätte er erwarten können, daß sie seinen Worten Glauben geschenkt hätte, nachdem sein Aeußeres so wenig vertrauenswürdig aussah. Erst mußte er trachten, sich anständige Kleidung zu verschaffen. Durch Bettel war dies hier nicht zu erreichen, das sah er alsbald ein. Hier war die Concurrenz auf diesem Felde gar zu groß, und wurden jedenfalls bedürftige Landsleute, deren es eine Unzahl gab, berücksichtigt. Er mußte Arbeit suchen. Diese fand er auch in einem bedeutenden Herrenconfectionsgeschäfte. Als er soviel verdient hatte, um sich bei einem Trödler einen abgetragenen, aber ihn gut kleidenden Anzug zu kaufen, machte er sich guf den Weg in das Städtchen, woselbst Frau Braun lebte. (Schluß folgt.) Briefkasten. Auf mehrere Anfragen: „The Jewish Encyclopedica“ wird abonnirt bei Funk & Wagnalis, Publistera, 30. Lat'ayette Place New-York. Dort ist auch der Preis zu erfahren. M. in Wien. In dem Gasthaus „Zum goldenen Schiff", Ecke Schottenring, wurde vor wenigen Tagen ein jüdischer Beamter ohne allen Anlaß von anwesenden Gästen beschimpft, ohne daß der Wirth oder seine Angestellten ein Wort des Tadels dafür hatten. L. Bon der Reise des preußischen Handelsministers Möller wird folgende ergötzliche Geschichte mitgetheilt. Der Minister Möller begibt sich auf Reisen nach Königsberg i. Pr., um Land und Leute kennen zu lernen. Unterwegs, um besser Gelegenheit dazu finden zu können, steigt er aus der ersten Classe in die 2. Classe und kommt alsbald in Unterhaltung mit seinem Mitreisenden. Nachdem er erfahren daß er ein Geschäftsreisender ist, fragt er ihn: „Für welches Geschäft reisen Sie denn?" — „Für Cohn und Stern!" — „Das ist wohl eine jüdische Firma?" — „Jawohl, aber höchst anständig! Darf ich mir die Frage erlauben, für wenn reisen Sie denn?" — „Für Kaiser und Reich", antwortete der Minister. — „Das sind wohl auch Juden?" sagt harmlos der Geschäftsreisende. — Tableau! K Zum Leibarzt des Fürsten von Bulgarien wurde Dr. Med. Hugo G r a e tz e r, bisher Assistenzarzt an der chirurgischen Universitätsklinik in Kiel, auf Empfehlung des Professors v. Esmarch ernannt. LZ. Der in Berlin lebende dänische Kammerrath Emil I. Jonas, der bekannte nordische Schriftsteller und Uebersetzer, wurde kürzlich von König Oskar von Schweden in dem Badeort Marstrand auf der Lustyacht „Drott" in Audienz empfangen, der dann eine Einladung zum Lunch folgte. N. iu I. Der König von Rumänien hat dem Rabbiner Dr. Beck in Bukarest den Orden des Stern von Rumänien verliehen. R. Dr. Oskar B i e von der technischen Hochschule zu Berlin- Charlottenburg, der zum Professor ernannt worden »st, ist 1864 zu Breslau geboren. Aichtarier. Daß in Mödling antisemitische Festveranstaltungen arrangirt werden, sollten allerdings die. jüdischen Sommergäste sich für die Zukunft wohl merken. Herr»» Dr. H. tn P. Sie finden es unbegreiflich, wie die Herren Curatoren der Baron Hirsch-Stiftung das Gelöbniß: an den Intentionen des Stifters unverbrüchlich festhalten zu wollen, „für sich und ihre Aachfolger" ablegen konnten! Man könne wohl, so meinen Sie, für sich einstehen, für sich ein Gelöbniß leisten, nicht aber für seine Nachfolger. — Auswendig und allgemein gesprochen, haben Sie gewiß Recht. Allein in unserem Falle liegen die Dinge anders. Die Curatoren der Baron Hirsch-Stiftung, welche das in Rede stehende Gelöbniß ablegten, sind die Erzeuger des künftigen Curatoriums, dieses wieder des folgenden u. s. w. Denn das Curatorium ergänzt sich immer durch Cooptation. Und da es das Gelöbniß für sich und seine Nachfolger ablegte, so wird es wohl immer solche Männer cooptiren, welche die sicherste Gewähr bieten, daß sie dem Gelöbniß treu bleiben. Es ist auch hienach verpflichtet, jedem neuen Curator dasselbe Gelöbniß abzunehmen, da es doch die Verantwortung für ihn übernommen. Das geschieht denn auch, wie uns versichert wird. Allerdings wäre es in so heiliger Sache unbedingt angezeigt, nicht eher einen Curator zu cooptiren, bis dieser in die Intentionen der Stiftung und in den Willen des verstorbenen Stifters, sowie in die Geschichte der Stiftung gründlich eingeweiht ist, damit er auch genau wisse, was er gelobe. Abcr vielleicht geschieht dies auch. Theobald Ußcnhcimer'jchc Hciratrausjtattiiiigs- Stiftaug. Es wird hiermit zur Kenntniß gebracht, daß aus den Zinsen obgenannter Stiftung drei Plätze'im Betrage von je 840 Kronen an arme israelitische Mädchen zur Verleihung gelangen. Die Bewerberinnen haben ihre mit einem Geburts-, Armuths- und Sittenzeugniffe und mit dem Nachweise ihres Brautstandes belegten Gesuche bis zum 30. September d. I. im Einreichungs-Protokolle der Wiener israelitischen Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, I. Stock), woselbst während der Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittags Gesuchsblanquette unentgeltlich zu beheben sind, zu überreichen. Wien, am 1. September 1901. Das Ätijtungs-Curatorium.

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