Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 37 (13.9.1901)
- Date
- 1901-09-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 37 dr. MvW# Wochenschrift. Seite 619 bört und den Pfleglingen volle Gesundung beschieden werde. Diese Ansprache machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck, Biele konnten ihre Rührung nicht bemeistern. Rabbiner Reich dankte auch der Anstaltsleitung für ihr Entgegenkommen, den Vorständen der Wiener und Badener Cultusgemeinde für ihre Verdienste um das Zustandekommen des gottgefälligen Werkes und mit dem Gebete für Se. Majestät dem Kaiser und dem Minchagebete, schloß diese schöne Feier. Sowohl die Ansprache des Oberrabbiner Dr. Güdemann sowie die Weiherede des Ew. Rabbiner Herrn Wilhelm Reich, machten auf die vielen Gäste beider Confessionen einen mächtigen Eindruck. Auf jedem Antlitze konnte man den Ausdruck der Befriedigung ob dieser Feierlichkeit lesen und hat dieselbe in diesem Kreise nicht unwesentlich zur Hebung des jüdischen Ansehens beigetragen/ Director Dr. von Weißmayer führte dann die Gäste in den geräumigen Speisesaal, wo ein Thee servirt wurde. Der Präses Herr Moriz L e i t n e r meldete dem Director, daß die Badener israelitische Cultusgemeinde der Heilanstalt mit einem jährlichen Beitrage von 50 Kronen als Mitglied beitrete, was dieser dankend entgegennahm. Nachdem die Gäste sich in das aufliegende Gedenkbuch eingeschrieben und sich vom Director und den Aerzten verabschiedeten, erfolgte die Abfahrt mit dem befriedigenden Bewußtsein, daß hier ein gutes Werk gestiftet wurde. I. Graz. Die jüngste Correspondenz aus Klagenfurt war uns Allen aus der Seele geschrieben. Hier sei noch ein Pröbchen angeführt, mit welch' gefährlichen Waffen die „Freien Stimmen" kämpfen, mit Waffen, die sich gegen das Blatt selbst richten können. Befinden sich da in der letzten Nummer — ganz unabsichtlich natürlich — zwei Notizen nach einander, die mit den Schlagworten „Verhetzt" und „Betrunken" beginnen. In der erstgenannten Notiz heißt es: „Verhetzt scheinen jetzt in Klagenfurt von Seite der Romgeistlichkeit die Dienstboten zu werden. Es ereignen sich in Dienstvermittlungs-Bureaus wiederholt Fälle, daß jüngere und ältere Mädchen sich weigern, bei Protestanten in Dienst zu gehen, denn „sie wollen nur bei Christen dienen, die Protestanten aber" — meinen die Verhetzten — „seien keine Christen". Die gewiffenlosen Hetzer, welche den armen, unwiffenden Mädchen vorlügen, daß die evangelischen Christen keine Christen seien, verdienten exemplarisch gestraft zu werden. Leider aber dürften diese Verhetzungen unter dem „Siegel des Beichtgeheimnisses" vor sich gehen." Die naheliegende Nutzanwendung möge sich Jedermann selbst machen. Wer aber erinnert sich dabei nicht an die Hetze des sattsam bekannten Schneider gegen Wiener Dienstmädchen, die in jüdischen Häusern Plätze fanden! — Nun zur zweiten Notiz. Dieselbe lautet: „Betrunkene in großer Zahl machen bei hellichtem Tage die Straßen unserer Stadt unsicher und bilden ein nicht empfehlenswerthes „Anschauungs-Unterrichts-Object" für die Jugend. Es sollte denn doch von der städtischen Sicherheitswache, die allerdings bei ihrer geringen Zahl dienstlich überlastet ist, strenger darauf gesehen werden, daß diese bekannten Alkoholiker möglichst unter Ausschluß der Oeffentlichkeit sich ausnüchtern. Eigentlich aber wäre es Pflicht des Staates, diese Gewohnheitstrinker zur Arbeit und zu einem geregelten Lebenswandel anzuhalten. Es thut einem das Herz weh, wenn man sehen muß, welche Verheerungen der Fusel bei noch jungen und äußerst kräftigen Burschen anrichtet." — Gott sei uns gnädig, wenn besagter Fusel in einer jüdischen Branntweinschänke an die jungen Burschen verzapft worden wäre, da wären die „Freien Stimmen" gleich mit einem Donnerwetter bei der Hand gewesen. Nun gibt es zum allergrößten Glück im ganzen Kärntnerlande keinen einzigen semitischen Branntweinschänker, und so können sich die jungen und äußerst kräftigen Burschen noch weiter mit arischem Schnaps besaufen. Budapest. (Die Blutlüge unddieBluthetzer.) Wie man uns aus Budapest mittheilt, hat die ungarische Regierung sich entschlossen, gegen die systematische Bethörung des Volkes durch die Verbreitung des Blutmärchens ernstlich aufzutreten und der gemeinen Brunnenvergiftung der politischen Marodeure ein Ziel zu setzen. So hat denn der Ministerpräsident in seiner Eigenschaft als Minister des Innern an die Verwaltungsbehörden im Königreiche Ungarn eine Verordnung gerichtet, in welcher strenge aufgetragen wird, die Verbreiter des Blutmärchens auszuforschen und zur Verantwortung zu ziehen. Transdanubischer Rabbinerverein. Dieser Verein hielt unter der Betheiligung von siebzehn Rabbinen in Szombathely seine IV. Generalversammlung ab, welcher ein Gottesdienst vorausging. Der Komäromer Oberrabbiner Dr. Schnitzer hielt eine wirkungsvolle Rede. Dr. Samuel Engel begrüßte die Versammlung im Namen der Religionsgemeinde und des Vorstandes von Szombathely. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Präsident wurde: Dr. Schnitzer, Komärom; Bicepräsidenten: Dr. Steinherz. Szekesfehörvär, und Dr. Perls, Pecs; Cassier: Dr. Herczog, KaposvL'; Controlore: Dr. Pollak, Sopron, Dr. Löwy, Nagy-Atad, und Dr.Kiß.BeszprSm. Den Hauptgegenstand der Berathung bildete die Beistellung von Lehrbüchern auf Grund des Studier planes des Rabbinervereins. Bon den eingelangten Concurrenzarbeiten wurde nur ein von em. Präparandie-Profkssor Ignatz Füredi übersetztes Gebetbuch angenommen. Die Mitglieder des Vereines wurden aufgefordert, Lehrbücher für den Religionsunterricht zu versoffen, ferner wurde die Unterrichtssection damit betraut, für die Verfassung solcher Lehrbücher zu sorgen. Rabbiner Dr. Singer-Tapolcza hielt in Anwesenheit eines zahlreichen Publicums einen Vortrag über die Zukunft des Judenthums. Es wurde beschlossen, dem Schmerze über das Ableben Emil Makai's im Protokoll Ausdruck zu verleihen und an die Familie Makai ein Condolenztelegramm zu richten. Rabbiner Dr. Löwy-Nagy-Atad legte ein Memorandum in Angelegenheit der Errichtung eines jüdischen Pensionsvereines vor. Effegg. (Jnstallationsfeier.) Am 4. d. M. fand die Jnstallationsfeier des neugewählten Oberrabbiners Herrn Doctor Simon Ungar in höchst würdiger Weise statt. Dr. Simon Ungar, welchem eine Abordnung des Cultusvorstandes unter Führung des Borsteher-Stellvertreters Herrn Bäla Springer bis Villany entgegengefahren war, traf mit dem Aalbdreiuhrzuge in Begleitung seiner Gemahlin und einiger Repräsentanten seiner bisherigen Gemeinde, den Herren Rechtsanwälten Dr. Kornel Leopold, D>. Bela Pirnitzer, sowie seines Amtscollegen aus Bonyhad, Herrn Dr. R o s e n t h a l, in Effegg ein und wurde am Bahnhofe von dem Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Dr. Hugo Spitzer an der Tete des gesammten Cultusvorstandes von Effegg-Oberstadt und Unterstadt und einer großen Anzahl von Gemeindemitgliedern empfangen und in warmen Worten begrüßt. Nachdem der Herr Oberrabbiner für die freundlichen Worte gedankt hatte, wurde in mehreren Equipagen die Fahrt zum Gemeindehause angetreten. Dort hatte die Schuljugend mit der Fahne Aufstellung genommen, welche den Herrn Oberrabbiner mit lautem „Zivio" begrüßte. Im Innern des Hauses hielt ein Knabe eine Ansprache an denselben und die kleine Jertha S t a dler eine solche an die Gemahlin des Oberhirten, wobei ihr auch ein prachtvolles Bouquet überreicht wurde. Inzwischen hatte sich das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. In den ersten Bänken sahen wir: König!. Rath Bürgermeister Grass, königl. Finanzdirector G l a d, Militärpfarrer P r e m e r n, Lic. Pfarrer P i n d o r, Officiere und Beamte der hiesigen Garnison, Betriebsleiter R a d o, Post- und Telegrapheninspector Popovic, die Schulinspectoren Oreäkovie und Anschau, Stadthauptmann G a y e r, Senator Dr. H r a b a l l. den israelitischen Frauenverein unter Führung der Präsidentin Frau Friederike Bauer. Obergespan Graf Pejacsevich, Divisionär FML. S ch e i n e r, Bicegespan v. Chavrak und der Stadtpfarrer päpstl. Protonotar H o r v a t hatten ihr Ausbleiben in herzlichen, Oberrabbiner und Gemeinde beglückwünschenden Schreiben mit dienstlichen Abhaltungen entschuldigt. Die Galerien waren mit Damenpublicum dicht besetzt. Pünktlich um 4 Uhr betrat Oberrabbiner Dr. Simon Ungar, von einer Deputation eingeholt, die Schwelle des. Gotteshauses, wo ihn Dr. Hugo Spitzer mit der Cultusvorstchung empfing, ihm den silbernen Schlüssel zur Bundeslade überreichte und ihn. aufforderte, dem Glauben ein treuer Schützer und den Gemeindemitgliedern ein treuer Lehrer, Führer und Berather zu sein. Die Begrüßungsansprache, welche auf alle Zuhörer mächtigen Eindruck übte, endete mit dem Wunsche: „Mögen Euere Ehrwürden mit Kraft und Milde, mit Weisheit und wahrer Frömmigkeit, mit Ausdauer und mit Geduld Ihr erhabenes Ziel verfolgen, möge es Ihnen gelingen, aus unserer Gemeinde eine wahre Pflegestätte echt jüdischen Geistes zu machen, unsere Jugend heranzuziehen zu treuen Anhängern des Judenthums, in deren Herzen die Furcht-Gottes, die Liebe zu Thron und Vaterland, dre Hingebung für alle erhabenen Ziele und Zwecke der gesammten Menschheit zu erwecken und zu erhalten". Geleitet