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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-13 · 37 (13.9.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
37 (13.9.1901)
Date
1901-09-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 618 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 37 großer Theil der Wiener Lehrerschaft noch nicht in den christlichsocialen Sumpf hineingerathen ist und die Schule nicht noch schlechter ist, als sie bereits durch die christlich-socialen Protectionskinder wurde. Hätten wir beherzte, wirklich freisinnige Männer, sie würden diesem schamlosen Treiben gar leicht ein Ende machen. Versammeln müßten sie sich, um nicht nur gegen diese Mißwirthschaft lauten Protest zu erheben, sondern auch zur Selbsthilfe zu schreiten. Nach den Principien des freiheitlichen Schulgesetzes vom 25. Mai 1868, R.-G.-B!. Nr. 48, würden sie aus Eigenem eine Schule ins Leben rufen. Und diese Schule würde Schule machen. In Hellen Haufen kämen Kinder herangeströmt und einer solchen Schule würden bald mehrere Nachfolgen. Ja, selbst Antisemiten wären überglücklich, ihre Kinder in einer solchen Schule unterzubringen, da auch die Antisemiten ihre Kinder lieben; denn gerade diese, d. h., die Antisemiten kennen am besten die geringe Qualität der antisemitischen Lehrer. Nun haben sich bisher die Freisinnigen nicht gerührt, sie werden sich auchnicht rühren. Und wie in vielen Fällen ist auch hier der Jude auf sich allein angewiesen. Die Juden Wiens müssen also allein zur Selbsthilfe schreiten! Sie müssen für eine Schule aufkommen, welcher die mit Recht besorgten Eltern ihre Kinder anvertrauen können. Allerdings gibt es viele freisinnige Juden, die nervös werden, wenn sie von einer Judenschule nur hören. Gut. Wer will denn diese zwingen, ihre Kinder der proponirten Schule zuzuschicken? Mögen diese der Sache nur fein fernebleiben. Allein, den nach Tausenden zählenden jüdischen Eltern muß die Gelegenheit geboten werden, ihre Kinder einer solchen Schule anzuvertrauen. zu der sie auch Vertrauen fassen können. Ueberdies wird dem Freisinne durch die fragliche Schöpfung nicht ein Haar gekrümmt. Diesbezüglich sei nur auf unsere evangelischen Mitbürger verwiesen. Diese sind ebenso freisinnig wie viele unserer Glaubensgenossen und doch haben sie ihre vorzüglich geleiteten evangelischen Schulen, obwohl viele evangelische Kinder die städttschen Schulen besuchen und evangelische Lehrer an städtischen Schulen angestellt sind. Thatsächlich ist es noch Niemanden eingefallen, den Freisinn der Evangelischen wegen des Bestandes der evangelischen Schulen anzuzweifeln. Anbelangend die materielle Erhaltung der anzustrebenden Schule, so sei wieder auf die kleine türkisch-israelitische Gemeinde verwiesen. Dieselbe ist im Besitze ihrer eigenen Schule, II., Novaragasse 27, welche bekanntlich ausgezeichnet geleitet wird und deren vortreffliche Leistungen sowohl von Schulbehörden als auch von den Eltern des Oeftereu anerkannt wurden. Was der kleinen türkischen Gemeinde, was dem evangelischen Kirchenrathe möglich ist, muß auch der Judenschaft möglich sein. Jedoch ist keine Zeit zu verlieren. Denn wo es sich uni das Wohl der Kinder handelt, da muß sofort ans Werk geschritten werden. Ein durch viele Jahre an den Wiener Schulen wirkender Lehrer. Verein zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischer Brustleidender auf dem Lande. Wien, 12. September. In der Nummer 17 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 26. April d. I. haben wir an die Glaubensgenossen den warmen Appell gerichtet, dem „Vereine zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischer Brustleidender auf dem Lande" nach jeder Richtung hin moralische und physische Förderung angedeihen zu lassen und hiebei der Erwartung Raum gegeben, daß dieser Appell nicht erfolglos verhallen, sondern fruchtbaren Boden finden werde. Wir haben dargethan, daß von der Tuberculose alljährlich Hunderte und Aberhunderte Glaubensgenossen hingerafft werden, insbesonders diejenigen aus den unbemittelten Bevölkerungsclaffen, die "ber materiellen Mittel entbehren, sich einer systematischen Cur zu unterziehen und den Sommer über einer rationellen Pflege in guter Landlust entrathen müssen. Alljährlich wendet sich eine große Zahl der ärmsten unserer armen Glaubensgenossen an den Verein. Allein nur ein kleiner Theil derselben kann Berücksichtigung finden, weil die vorhandenen Mittel hiezu nicht ausreichen. Auch im heurigen Frühjahre sind viele Hunderte und Aoerhunderte Gesuche eiugelaufen von unglücklichen Kranken, bei deren Untersuchung sich herausstellte, daß alle ausnahmslos eine Berücksichtigung unbedingt erheischen, allein nur die relativ geringe Zahl von 107 Brustleidenden konnte in Pflege übernommen werden, während viele Hunderte von Gesuchstellern schweren Herzens abgewiesen werden mußten. Aber auch diesen 107 Tuberculos-Kranken war man außer Stande, in einer eigenen Anstalt ein Heim zu bieten, in welchem es allein möglich gewesen wäre, denselben eine Pflege angedeihen zu lassen, wie es die vorgeschriebene Hygiene erfordert und Sache der Menschlichkeit ist. Der Verein hat nach wie vor zu dem Surrogat die Zuflucht nehmen müssen, die brustkranken Glaubensgenossen in Rornau in externer Pflege unterzubringen. RoZnau ist bekanntlich sett Jahrhunderten ein wegen seiner vorzüglichen Lage und seinen guten Höhenverhältnissen und der daselbst producirten Molke ein ärztlicherseits bestens empfohlener klimatischer Curort. Das Streben des Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischer Brustleidender auf dem Lande geht aber dahin, sich mit dieser externen Unterbringung allein, die ja nur. immer eine Halbheit ist, nicht zu begnügen. Seit den 31 Jahren seines Bestandes geht das eifrige Bestreben des genannten Vereines dahin, ein eigenes Asyl zu gründen und den Patienten eine auf der Höhe der sanitären Forschung stehende Behandlung zu widmen. Es ist tief bedauernswerth, daß demselben noch immer nicht hiezu die relativ nicht bedeutenden Mittel zugeflossen sind. Wir besitzen mit Glücksgütern gesegnete Glaubensgenossen genügend, diederNothlage des Vereines abzuhelfen in der Lage und im Stande wären. Es erfordert nnr die kleine Summe von 2000, respective von 4000 fl. behufs Stiftung eines Freiplatzes für eine Curperiode, respective für eine ganze Cursaison. Der Name des Stifters wäre sodann für immer in den Annalen des Vereines verewigt und eine in Erz gegossene Tafel im Ehrensaale der Anstalt würde für immer das Andenken des Stifters bewahren. Wenn diese Nummer der .,Oesterreichifchen Wochenschrift" in die Oeffentlichkeit gelangt, werden gleichzeitig die hohen Feiertage beginnen. Es ist nicht nur die Zeit der Buße, sondern, einer geheiligten Tradition gemäß, auch die Zeit zur Uebung von Humanitären und Wohlthätigkeitsacten. Mögen sich unsere von dem Allmächtigen mit Glücksgütern gesegneten Glaubensgenossen des Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischer Brustleidender auf dem Lande erinnern. Möge Jeder nach Kräften sein Scherflein beitragen, damit diesem Vereine, die Mittel geboten werden, seinen höheren Zielen und edlen Zwecken gerecht werden zu können. Das Bewußtsein, für Tausende und Tausende brustleidender Glaubensgenossen Rettung und Hilfe gebracht zu haben, wird der schönste Lohn sein für ihre humanitäre That. Alle Diejenigen aber, die in der Lage sein werden, in dem zu erbauenden Asyle sich Heilung zu verschaffen, werden den hochherzigen Spendern tausendfachen Dank wissen. Eduard Beer. Baden. Wie wir bereits gemeldet, war es verschiedenen Anregungen gelungen, die menschenfreundlichen Gründer der Heilanstalt All and zu bestimmen, wie' für die christliche auch für die jüdische Confession ein Local für die Gottesandacht in einem capellenartigen Raume zu reserviren, dessen Einweihung nunmehr Montag den 9. d. M., 4 Uhr Nachmittags, erfolgte. Eine kleine, aber sehr würdige Gemeinde war zu derselben versammelt. Als Vertreter der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, die die Einrichtungsstücke widmete, waren HerrOberrabbinerDoctor Güdemann und Herr Dr. Alfred Berger, Ersterer in Begleitung seiner Gattin Frau Jda Güdemann, anwesend. Die israelit. Cultusgemeinde Baden, unter deren Leitung diese Gottesstätte von nun ab stehen wird, war durch den Rabbiner Herrn Wilhelm Reich, den Präses Herrn Moriz L e i t n e r, den Bicepräses Herrn Anton Schneider, die Beiräthe Salomon Klauber und Doctor Emil Raab, die Cultusausschußmitglieder Dr. Josef Schwarz, Moriz Daniel und Hermann Flaschner vertreten. In der Anstalt wurden die Ankommenden von dem für die Anstalt mit Leib und Seele sich hingebenden Director, Regierungsrath Dr. v. Weißmayer, mit seinem ärztlichen Stabe in feierlicher und liebenswürdiger Weise empfangen und nach einem kurzen Rundgange durch das prachtvolle und nt großem Style angelegte Gebäude in die Andachtsstätte geführt. Dort war nebst den jüdischen Patienten ein beträchtlicher Theil der christlichen Pfleglinge versammelt, um diesem Weiheacte beizuwohnen. Und wahrlich, erhebend und bewegend wirkte er auf die Gemüther aller Anwesenden.. Die Einweihung begann mit einem von Cantor Herrn Jakob Schäfer stimmungsvoll vorgetragenen „Ma-tow u", worauf Herr Oberrabbiner Dr. G^üdemann mit einer kurzen, formvollendeten Ansprache das „dl e r - T a m i d“ anzündete, indem er in geistreichen Worten das Licht als. Symbol der Nächstenliebe feierte, welche in dieser Heilanstalt seine schönste Bethätigung gefunden. Hierauf hielt Rabbiner W. Reich die Weiherede, welche in dem warmempfundenen Wunsch gipfelte, es mögen die Gebete der Kranken an dieser Andachtsstätte er-

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