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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-13 · 37 (13.9.1901) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
37 (13.9.1901)
Date
1901-09-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 Vr. Vlve s Ä^vchenschrifl. Seite 618 Er war ganz uninteressant, ohne Streberfinn und ist in Folge dessen sein Lebtag arm gewesen. Aber sein Künstlerstübchen im sechsten Stock des Boulevardhanses war für sich eine Welt. Zettel liebte nur seine Kunst und seine Idylle, — wie seine Kunst eine Idylle war". Der jüdische Religionsunterricht in den Landgemeinden Böhmens. Löbliche Redaction! Mit Bezugnahme auf den vortrefflichen Artikel in Nr. 35 vom 30. August d. I., „Der jüdische Religionsunterricht in den Landgemeinden Böhmens", bitte ich Sie um Aufnahme folgender Zeilen, wofür ich Ihnen als Anhänger Ihres Blattes im Voraus danke: Leider liegt es mit dem Religionsunterrichte auf dem Flachlande schon so arg. daß die jüngere Generation dem Judentbume mehr und mehr entfremdet wird. Wohl wurden wiederholt in jüdischen Blättern und Zeitschriften treffliche Vorschläge zur Behebung dieser Uebelstände gemacht, allein zur Ausführung kam es selten. Die antisemitische Strömung hat es eben schon soweit gebracht, daß man auch die geringste Regung jüdischen Gefühles unterdrückt, um nur als „vollwerthig". zu gelten. Es wäre Sache der jüdischen Familien im Einzelnen wie jeder Gemeinde und des Gemeindebundes,-die Gründung von Bibelschulen zu fördern und durch populäre Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur, wie sie besonders in Deutschland gebalten werden, den alten Geist wieder wachzurufen, das jüdische Gefühl wieder zu erwecke» und so dem kranken Judentbum neue, verjüngende Kraft zu geben. Leider kann man -'s allgemein hören, daß eben nur die Art der Ertheilung des Religionsunterrichtes meist abschreckend wirkt, da sie zu sehr aus das Wissenschaftliche Rücksicht nimmt, auf das Gemüth zu wenig. Ist dieser Vorwurf der Mittelschule gemacht worden, so liegen weit größere Mängel beim Religionsunterrichte in der Volksschule vor. Man wird eben mebr und mehr die geschichtliche Seite des Unterrichtes sowie besonders die hebräische Sprache als Hauptmoment der Vorbereitung für den Gottesdienst zu pflegen haben. Ich würde also folgende Vorschläge den jüdischen Gemeinden empfehlen: 1. Gründung von Bibelschulen, wofür die Concession leicht zu erlangen ist. 2. Abhaltung von Borträgen über jüdische Geschichte upd Literatur sowie daran anschließende Discussion der Anwesenden. 3. Aufforderung an die Rabbinen Böhmens (durch die jüdischen Gemeinden), nach Tbunlichkeit besonders in den kleinern Orten von Zeit zu Zeit religiöse Borträge zu halten, wobei mehrere Gemeinden in einem zu bestimmenden Orte vereinigt werden. * '' 4. Rückstellung aller parteipolitischen Gegensätze, die die Einigkeit nur stören. In diesem Sinne, erlaube ich mir die Bemerkung des früheren Artikels noch dahin zu ergänzen, daß die Juden in ihrer Affimilationswutb, die ihnen nur Fußtritte oder höhnisches Achselzucken bringt, bis zur Selbstverleugnung schreiten. Mit der Auflösung der bewährten jüdischen Schulen war der erste Fehler geschehen, der die weiteren mit sich bringt. Leider ist der Gegensatz zwischen Arier und Semiten bisher nicht überbrückt worden, und bei aller Freundlichkeit und Aufmerksamkeit bleibt man doch nur der „Jnd". Wie überall in der Welt, ist auch der Jude in Böhmen der Prügelknabe aller Parteien. Wie immer er sein mag. man wirst ^ihm niedere Gesinnung vor — welche Niedrigkeit darin liegt! — man hält ihn jeder besseren Regung bar! Und dies in den besten bürgerlichen Kreisen! Angesichts so trauriger mittelalterlicher Hülsnerhetze sollten denn doch die führenden Geister einsehen, daß diese Straußpolitik in unfern eigenen wie der Gegner Augen wenig Ehre bringt und nur die Befestigung echt jüdischer Gesinnung, die Stärkung unseres Selbstbewußtseins sowie vor allem i>te Pflege unserer großen Geschichte und Literatur uns jene Achtung erringen können, die, jedem ehrlichen Manne kraft seiner Menschenwürde zukommt Gott sende uns allen ein solches Jahr, das dann der Anfang neuen Lichtes wäre! Das sei unsere lretibo w’chatimo tobo, unser aller Los für immer! Wolin, 4. September 1901. Dr. L. Hirsch. Die Blutlüge in Smyrna. Wir berichteten kürzlich über einen Proceß, der in Smyrna gegen 42 Personen stattfand, welche angeklagt waren, an den Unruhen gegen die Israeliten theilgenommen zu haben, die in Smyrna in der Osterzeit dieses Jahres aus Anlaß des angeblichen Verschwindens eines griechischen Knaben entstanden waren. Der Bericht des Commandanten Chefket B e y, der an der Spitze eines Bataillons entsendet wurde, um die Bolksmaffen zu zerstreuen, besagte, daß. als der Tumult seinen Höhepunkt erreicht hatte, pkötzlichdie Nachricht kam. derKnabe sei nicht von denJuden ermordet worden, sondern habe sich vor denMißhandlungen seinerMutterund seines Bruders geflüchtet und sei, als er die Folgen seiner Flucht erfuhr, freiwillig zurückgekehrt. Der angeblich ermordete Knabe Anesti Kostu erschien bei der ersten Verhandlung als Zeuge. Dieselbe wurde auf acht Tage vertagt, und am 17. v. M. fand nun, wie uns berichtet wird, unter Vorsitz des Präsidenten MustaphaNedim Bey die Schlußverhandlung statt. Zu derselben hatte sich eine zahlreiche Menge eingesunden. Der Gerichtshof sprach 29 Angeklagte frei und verurtheilte die restlichen dreizehn zu siebeneinhalb Monaten Gefängniß. Antisemitische Sentatitat in Karlsbad. Der Sicherheitswachmann als Nntersnchungsorgan. lieber die Auffehen erregende Affaire des in K a r l s b a d ohne jede Spur von rechtlicher Begründung durch einen Sicherheitswachmann der städtischen Polizei verhafteten Herrn Aron Friedmann aus Warschau erhalten wir von bestunterrichteter befreundeter Seite weitere ergänzende Mittheilungen, deren wesentlichen Inhalt wir folgen lassen. Bei der bekannten großen Zahl von Fällen verschiedenster Sittlichkeitsdelicte, welche beim Egerer Kreisgerichte zur Rechtsprechung und Aburtheilung gelangen, darunter auch solcher aus Karlsbad und Umgebung, ist es noch niemals vorgekommen, daß die halb- und ultra-radicalen deutschnationalen Blätter einen so riesigen Aufwand von faustgroßen Drucklettern zur ungeheueren Aufbauschung des angeblichen Schändungsfalles gleichsam vom Beginne an, noch vor abgeschlossener Untersuchung, sich geleistet hatten, wie es hier geschah. Durch die von der k. k. Staatsanwaltschaft Eger verfügte Einstellung des Verfahrens gegen den gänzlich unschuldigen F r i e d m a n n ist den Herrschaften freilich das Geschäft vorzeitig und gründlich verdorben worden. Die „Ostdeutsche Rundschau". „W acht an der Eger" und alle ihre rührigen Ableger und clericalen Concurrenten beklagen aber auch durch die sofortige Enthaftung Friedman n's einen empfindlichen Verlust an Gewinnst! Man muß nur diele ekelerregende Ausschrotung menschlicher Riedertrachtund abstoßenderVerkommenheit am Geschäftspulte gesehen haben, um zu begreifen, welche erbärmlichen Mittel diesen angeblichen Antieorruptionisten aller Schattirungen zu ihrem schändlichen Geldverdien st e dienen! Da wurden die in riesengroßen Lettern fettgedruckten Lüqenberichte, rotb und blau herausgestrichen, in den Auslagen der Schaufenster ausgebängt und an „K esinnungs"-gleiche um den üblichen Preis von 10 Heller, an F r e m d e jedoch, die sich für den Fall interesfirten mid die deutschnationale Fälscherei und Verlogenheit controliren wollten, um das Doppelte (20 Heller pro Nummer!) verkauft! Verfing dieser Kniff nicht mehr, so hieß es. ganz wie bei den fahrenden Komödianten, „noch dieses letzte Exemplar" sei nur mehr feil und indessen lief man nach rückwärts und holte eine Ladung weiterer „letzter" Nummern herein und log wieder, „n o ch Eines sei gefunden — bis der schamlose Profit dieser nichtswürdigen Manipulation voll eingestrichen war! Daß sich in Karlsbad ein von den Deutschnationalen (!!!) über alles Maß aufgelobter städtischer Polizist zum Untersuchunqsbeamten in einem Falle auffpielen durste, wo Ehre und Zukunft eines geachteten, allgemein aufs Günstigste beleumundeten, ehrenhaften und wohlhabenden, fremden Staatsbürgers handelte, das sichert der Karlsbader Untersuchungspflege in städtischer Polizei-Verwaltung ihren verdienten Ruhm bei allen — Antisemiten! ... Ohne der eingeleiteten Untersuchung irgendwie vorzugreifen, möchten wir nur ganz bescheiden die Frage aufwerfen, was so ungefähr geschehen wäre, wenn ein Amerikaner oder ein Engländer, Franzose, Russe oder Pole, oder gar ein Reichs deutscher, der schon sechs lahre zur Cur hieherkommt und ein Vermögen von über 100.000 fl. zur Curtax-Bemeffnnq anqemeldet hatte, plötzlich aus feinem Restaurant hinweg geholt und lediglich nach den „Vorerhebungen" eines städtischen Polizisten von diesem selbst verhaftet würde??-Das Erkenntniß des Egerer k. k. Str afgerichtes stellt

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