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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-13 · 37 (13.9.1901) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
37 (13.9.1901)
Date
1901-09-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife 612 Nr. 37 Vr. Vlortz's WordenschrM Religion. Der Staat hat den Schutz und die Förderung der Religion mit zur Aufgabe, er hat aber auch noch andere wesentliche Aufgaben. Wer das noch immer nicht bis auf die allerweitesten Schlußfolgerungen versteht, der wird es schließlich doch noch verstehen lernen müsse n. Solchen Bestrebungen aber, welche dahin gehen, alle Aufgaben des Staates zurückzudrängen, uni diesen für die einzige Aufgabe und überdies ausschließlich für eine einzige Religion, und sei es auchdie der Majorität, in Anspruch zu nehmen, könnten wir um des Staates, um der Menschheit und um uuseretwilleu keinen Erfolg wünschen, wir könnten sie auch von übergreifeuder Politik nicht freisprechen. Den Bestrebungen, welche ausgesprochen oder unausgesprochen dahingingen, Staat und Bevölkerung gegen die Grundbedingungen ihres eigenen Bestandes zu stimmen und die religiöse Treue anderer Coufessiouen zur Schmach und Zurücksetzung, zu Roth und Pein tausendfacher Art auszuscheiden, könnten wir keinen Erfolg wünschen, wir könnten sie aus Menschlichkeit, aus Vaterlandsliebe nicht segnen. Wir wollen es aber dahingestellt sein lassen, ob die geflügelten Worte, „Juden, Judeuknechte, Judenliberale, bankerotter Protestantismus" nur aus alter, noch nicht verlernter, übler Gewohnheit gefallen sind, oder ob sie aus dem mißlungenen ersten Kreuzzuge des Jesnitismus in Oesterreich und Frankreich, in Polna und Rennes für einen neuen zweiten Krcuzzug hinübergerettet wurden. Denn wir vermögen es absolut nicht zu fassen, was solche Schlagworte, die zum Schibolet der Verhetzung gemacht wurden, mit einer religiösen' Erhebung des Volksgeistes zu thun haben. Es war ja der Katholizismus auf der Tagesordnung und nicht das Jndenthum, und mit der „Los von Rom"-Bewegung steht ja das Judenthum sicher außerhalb jeder Verbindung. Am 14. September jedoch werden die I u d e u t a g e eröffnet, am 15. werden es niederschmetternde Posaunentöne auf allen Coutiuenten der Erde in die Welt Hinausrufen, daß die Kinder des Menschen- und Gottesfreundes Abrahanis sich um den einzigen, ewigen, unsichtbaren, allgegenwärtigen Gott des Himmels und der Erde schaaren. Am 23. September werden dre Juden sich versammeln zu einem Feste der Meuschenversöhuuug der gnadenreichen Sühne „für Alle, die Eingeborenen und die Fremdlinge." Aus Millionen Kehlen werden die wundervollsten, rührendsten und gedankenreinsten Hymnen zur Verherrlichung des Weltenschöpfcrs, der Gerechtigkeit, des göttlichen Erbarmens und der allgemeinen Versöhnung geu Himmel steigen. Tausende gottbegeisterte Prediger werden in allen Zungen reden, und welcher Richtung sie auch angehören mögen, des Einen sind wir im Vorhinein gewiß: d ein M nn d e keines Einzigen wird ein kränkendes Wort gegen irgendeineConfession, gegen irgend eine Nation oder ein Volk entfahren. Keiner wird gegen die Wissenschaft, Keiner gegen die Errungenschaften, gegen die geistige und moralische Entwicklung der Menschheit sprechen. Ein Gebet wird an diesen drei Judevtagen immer wiederkehren, mit dem Alles umfassenden Inhalte: „O Gott, gib heiliges Baugeu in jede Menschenbrust, daß Frevel, Uebermuth uud frivole Menschenschändung von der Erde schwiudeu." So werden diese drei Judentage ein wahres und erhebendes Bild dessen geben, was aufrichtiges Bestreben zur Erweckung und Erhebung der religiösen und moralischen Gefühle, ohne politische Nebenabsicht ist. Darum sind auch Gegendemonstrationen gegen unsere Judentage, und gar aus jüdischen Kreisen selbst nicht zu befürchten. Fast alle Juden mit nur wenigen Ausnahmen werden daran theilnehmen. Ein moralischer, vernünftiger Beweggrund ist nicht vorhanden, um sich davon fernzuhalteu. Die Forscher, die Denker,' die Beamten, die Lehrer der Wissenschaften, die Freigeister, die Socialpolitiker können sich ohne irgend ein politisches Bedenken zu diesen Judentagen einfiuden und sich zu ihren religiösen Stammesgenossen freimüthig bekennen. Wir. Juden sind anerkanntermaßen die einflußreichsten Lehrer der Religion für die Welt gewesen, so möge es unseren Judeutagen gelingen, noch eine Lehre in die Welt hineinzutragen : Keiner Religion, und wäre die Majorität ihrer Anhänger noch so groß, steht es an, vor die Stufen des Fürstenthrones oder die Regierung hinzutreten, um von Denen, die von Gottesgnaden durch Gesetz und Recht dazu eingesetzt sind, ihre Uuterthanen und deren Religionen zu schützen, zu verlangen: „Um unseretwillen thue wehe Diesen, setze Diese schmählich zurück, die zu schützen und zu schirmen Du berufen bist." Das Meson des Antisemitismus. Von Dr. Heinrich Graf Coudenhove. III?) Die Gerechtigkeit erfordert es, zu constatiren, daß der Verfasser die eventuelle Auswanderung der Juden als einen schweren Schaden für den betroffenen Staat sowohl, als für dessen christliche Bevölkerung ansieht. Er sagt darüber wörtlich: S. 428. Man soll nie vergessen, daß Oesterreich- Ungarn in dem Handelstalent von fast 2 Millionen Juden ein geistiges Capital besitzt,. welches zum Nutzen und zum Wohle des Staates zu verwenden ein Ziel der Regierung sein sollte. Wenn Oesterreich-Ungarn je wieder wachsen und blühen soll, so wird das nie durch Eroberungen geschehen können, sondern nur durch den Handel, für eine Entwicklung in dieser Richtung sind aber die Dienste, welche die Juden leisten können, unschätzbar. Varnhagen von Ense schreibt: „Diese stupiden, kleiugeistigen, selbstsüchtigen Widersacher der Juden! Wie viel Inden sind denn im Lande N. N., daß diese — Christen so große Furcht haben? — „Keine achthundert!" — So wenig, nur achthundert! sind dort? Ja, dann wuudert's mich nicht, daß die N. N. so dumm geblieben sind — die müßten sich expreß welche ausbitten, bannt mehr Gescheitheit ins Land käme!" Nichts hat mich auf meinen Reisen in Asien und Amerika so sehr betrübt, als der colossale Unterschied zwischen Oesterreich-Ungarn und anderen Großmächten. In Singapore, Bangkok, Hongkong, Ivkohama, Buenos-Aires, Wladiwostok, überall trifft mau wohlhabende Colonien gebildeter, deutscher Kaufleute. Sie besitzen elegante Clubs zum Zwecke geselliger Zusammenkünfte. Die Wohnung eines deutschen Kaufherrn in den genannten Städten erinnert an eine kleine Botschaft. Die jungen Commis speisen häufig mit dem Chef des Hauses, alle in Abendtoilette, mit Beobachtung der guten Manieren. Ein deutsches Handelshaus in jenen Städten macht wirklich einen außerordentlich guten Eindruck in jeder Beziehung. Oesterreichische Handelshäuser dieser Art fehlen dort ganz. Die wenigen anständigen Kaufleute österreichischer und ungarischer Nationalität sind natürlich Juden ihre Zahl ist aber so gering daß sie gar nicht in Betracht kommt. Oesterreich ist dem Namen nach unter der eingeborenen Bevölkerung unbekannt. In Colombo wollte ich einmal aufs österreichische Consulat fahren. Ich sagte dem Kutscher, so deutlich als ich nur konnte, Austria-Consulate. Er fuhr los, direct zu einer Agentie irgend einer australischen Bank oder sonstigen Gesellschaft. Das wiederholte sich zwei- bis dreimal, endlich frug mich der Kutscher „Hungarian Lloyd"? Als ich diese Frage bejahte, da fuhr er zum österreichischen Lloyd, wo ich endlich erfuhr, wo das Consulat ist! Etwas ganz Aehuliches geschah mir in Madras. Im Staate Mysore frugen mich einmal zwei gebildete Brahminen, die perfect englisch konnten, ob man in Oesterreich außer englisch noch eine andere Sprache spricht. Da der Name Oesterreich soganz Vergl. Nr.. ö2 und 33 der „Oesterr. Wochenschrift".

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