Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 36 (6.9.1901)
- Date
- 1901-09-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite «05 »u. 36 Sx. Olock's WockrnschrtrL- Jungbunzlau. Bei den am 1. August hier stattgefundeneu Vorstandswahlen der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurden gewählt: Herr Jur.-Dr. Ed. Steinreich zum Cultusvorsicher, der Großkaufmann Herr Berthold Kornfeld zu dessen Stellvertreter, die Herren Ferd. Kraus und Isidor Seid»er zu Tempelvorstehern, ferner Herr Friedr. Eisler zum Cassier und Herr Eduard Fuchs zum Schriftführer, endlich die Herren K o b l e r und Hugo Heller zu Beisitzern. EB. Brünn. (Todesfall.) Die Brunner Gemeinde hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Vorige Woche verschied in Edlach, wo er zur Sommerfrische weilte, Herr Simon Strakosch, Gesellschafter der weltbekannten Tuchfirma Salomon Strakosch u. Söhne, 66 Jahre alt, nach langwierigem Leiden. Der Verblichene war als Großindustrieller sowohl als auch als Gemeindemitglied hochangesehen und allgemein beliebt. ZeUgniß von dessen Popularität gibt wohl zur Genüge, daß er eine ganze Reihe von Ehrenstellen länger als eine Generation hindurch bekleidete. In allen den Brünner Industriezweig betreffenden Fragen galt Strakosch als Autorität ersten Ranges und deren Interessen widmete er sein ganzes Können und seine hervorragende fachmännische Befähigung. Sein Andenkeu wird dauernd und die Lücke, die er hinterläßt, schwer auszufülleu sein. Brünn. Bor einigen Tagen fand in dem Vororte Königsfeld ein vom Brünner Vereine jüdischer Handelsangestellter „Emunah" veranstaltetes Gartenfest statt. Plötzlich kamen etwa 60 czechisch-nationale Burschen herbei und begehrten, ohne eine Eintrittskarte zu besitzen, Einlaß in den Garten. Als sie mit ihrem Begehren abgewiesen wurden, kam es zwischen einem Comitömitgliede und einem Burschen zu thätlichen Beleidigungen, worauf die Anhänger des Letzteren mit Gewalt in den Garten eindringen wollten. Bezirkscommissär Micza, welcher von der hiesigen Bezirkshauptmannschaft als Regierungs- Vertreter zu dem Feste delegirt war. ertheilte der Gendarmerie den Auftrag zum Einschreiten. Die czechischen Eindringlinge wurden zurückgedrängt und acht von ihnen wegen Auflaufes angehalten. Dieselben wurden nach Constatirung der Identität auf freiem Fuß belassen und von dem Vorfälle die Brünner Staatsanwaltschaft in Kenntniß gesetzt. Brelrtz. Der Rabbiner oer Biala-Lipniker Gemeinde Herr Dr. Nathan Glaser mit seiner Familie ist durch den Tod seiner Gemahlin in tiefe Trauer versetzt worden. Auch in den israelitischen und christlichen Kreisen beider Städte begegnet die leidtragende Familie allgemeiner herzlicher Theilnahme. Prag. Herr Joseph Kraus, staatlich geprüfter Lehrer für deutsche und czechische Volksschulen in Kosolup-Tuschkau, wurde von der Bezirkshauptmannschaft in Mies als Rabbiner für die vereinigten Cultusgemeinden Kosolup und Tuschkau bestätigt und vom Landesschulrathe in Prag als öffentlicher Religionslehrer für die deutschen Volksschulen in Tuschkau, Kosolup und Aujezd bestellt. Saaz. Aus China zurückgekehrt ist der hierorts ansässige Herr Norbert Grünfelder aus Bayreuth in Baiern. Als Soldat hat er den Krieg im deutschen Heere mitgemacht, wurde in der Schlacht verwundet und ist nach erfolgter Genesung wohlbehalten zurückgekehrt. Seine Eltern haben aus diesem Anlässe für den Tempel einen kostbaren Vorhang gespendet, der junge Mann wurde zur Thora gerufen, sprach ein Dankgebet für seine Errettung und wurde von sämmtlichen Gemeindemitgliedern herzlichst beglückwünscht. Damboritz, 27. August. Am 25. August d. I. veranstaltete die Studentenschaft von Dambokitz ein Wohlthätigkeitsfest zu Gunsten des Brünner israelitischen Freitischvereines. Das abwechslungsreiche Programm, das von dem Herrn stuä. mocl. Hugo Dukes als Leiter des Arrangements zusammengestellt war, fand bei dem zahlreich erschienenen Publicum allgemeinen Beifall. Der erste Theil des Unterhaltungsabends wurde in lobenswerther Weise durch Vorführung zweier lustiger, amüsanter Einacter und des zweiten Actes der „Räuber" ausgefüllt. Letzterer übte einen nachhaltigen Eindruck auf alle Gäste aus, da alle Darsteller bemüht waren, sich den schwierigen Rollen eines „Franz Moor", eines „alten Moor" rc. gewachsen zu zeigen. Ganz besondere Leistungen hatten aufzuweisen die Herren stad. med. Hugo Dukes (Franz), Ernst K o l l e k (alter Moor), Emil K o l l e k (Hermann). Auch Fräulein Josefine Mahner (Amalia), verdient Anerkennung. Die nun folgenden Possen,. „Der gebildete Hausknecht" von Kadisch und „Der Eckensteher Nante im Verhör", in denen sich insbesondere die Damen Frl. Bertha Z a i t s ch e k und Frl. Elvira Fröhlich ihre Lorbeer» holten, versetzten das Publicum in jene lustige Stimmung, die zu dem anschließenden Tanzkränzchen nöthig war. Bald nach Schluß der Theatervorstellung walzten die Paare leichten Fußes durch den Saal. Während der Pausen thaten sich die Gäste im Buffet gütlich, welches die hiesigen Damen in bereitwilligster, liebenswürdiger Weise zur Verfügung stellten. Insbesondere verdienen hiefür die Damen: Frau Fani Huber, Frau Therese K o l l e f, Frau Louise Zaitschek, Frau Jetty Dukes, Frau Therese Schiller, Frau Julie Mahner und Frau Rosalia Schiller besten Dank, wie auch die Buffetdamen Frl. Gisela Schiller und Frl. Ottilie Dukes. Die sehr animirte Unterhaltung dauerte bis in die frühen Morgenstunden und nur mit schwerem Herzen verließen Herren wie Damen den Tanzboden. Noch lange werden die Bewohner unseres Städtchens mit Freuden an diesen herrlichen Tag denken. Das Reinerträgniß ist ein recht beträchtliches und insbesondere den Ueberzahlungen der Gäste an der Caffa zu verdanken. Berlin. Herr Professor Josef Sulzer in Wien hat Herrn Obercantor Friedmann das Bild seines Vaters als Zeichen der Dankbarkeit für die am Grabe des unvergeßlichen Meisters geübte Pietät eingesendet. Vom Vorstände der Wiener Cultusgemeinde erhielt Obercantor Fciedmann die Mlttheilung.- daß dessen cantorales Werk „Lebir liseh’laumau" der Bibliothek der Cultusgemeinde „als ein werthvolles Stück" einverleibt wurde. Frankfurt a. M. Dem schwedischen Generalconsul Herrn I. B a e r ist das Ritterkreuz I. Classe des oldenburgischen Haus¬ und Verdienstordens verliehen worden. Homburg v. d. H. H'rr Oberrabbiner Dr. Adler- London hielt sich einige Tage zum Besuche seiner Schwester hier auf. Als König Eduard ihn am Brunnen bemerkte, kam er auf den Herrn Oberrabbiner zu und begrüßte ihn mit den Worten: „How do you do, Chief-Rabbi? J am very glad to see you“. (Wie geht es Ihnen, Herr Oberrabbiner? Ich bin sehr erfreut, Sie zu sehen.) Mühlheim a. R. Das Stadtverordneten-Collegium bewilligte der hiesigen jüdischen Gemeinde ein Darlehen von 60.000 Mark zum Bau einer neuen Synagoge. Kairo. Der Director im Finanzministerium Harary B e y, ein streng gesetzestreuer Jude, ist vom Khedive zum Range eines Pascha erhoben worden. Mainz. Gelegentlich der im vergangenen Jahre hier stattgefundenen Gutenbergfeier wurde nach Muster der Goethe- und Shakespeare - Gesellschaften eine Gutenberg - Gesellschaft nebst Gutenberg-Museum gegründet. Nunmehr wurde von der Stadtverordneten-Versammlung Buchdruckerei-Director Oscar Lehmann, Redacteur des „Israelit", zum wissenschaftlichen Beirath für das Muftum und zum Vorstandsmitglied der Gutenberg- Gesellschaft gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder bestehen aus den Herren Geheimen Regierungsrath Freiherr von Gagern, Provinzial-Director, Oberbürgermeister Dr. Gaßner, Landgerichtspräsident Dr. Bockenheimer und Geheimen Rath Bibliothekar Dziazko, Göttingen. — Herr Lehmann ist auch Vorsitzender des Vereines der Mainzer Buchdruckerei-Befitzer und hat aus fachschriststellerischem Gebiete schon manch schöne Arbeit geliefert. Cincinnati, 16. August 1901. Geehrte Redaction! Zu der Streitfrage über die Statthaftigkeit der Leichenverbrennung erlauben Sie mir wohl die Bemerkung, daß diese Frage von dem gegenwärtigen greisen Oberrabbiner vor« Jerusalem, Jakob Saul Elyaschar, in seiner Sammlung von Entscheidungen, ntstf» Jerusalem, 12. Februar 1892 anläßlich einer Anftage des Chacham von Bukarest, M. A. Zurmani, behandelt ist. Es ist wohl überflüssig, hinzuzufügen, daß beide Herren sich entschieden gegen die Statthastigkeit der Leichenverbrennung aussprechen. Ergebenst G. Deutsch. FeuMetoll. Der Unessane tokel. Novelle von Babetta Fried in Prag. XIII. Die Geschwister. Die beiden Herren verließen gemeinschaftlich die Synagoge und begaben sich in ein am Ende der Gasse gelegenes Haus, woselbst sie' von einer freundlichen, etwas corpulenten Dame empfangen wurden. In dem gastfreien Hause mochte es nichts Auffallendes, weil nichts Seltenes sein, daß der Hausherr ftemde Gäste mit heimbrachte, denn die nicht mehr junge, aber trotz ihres Embonpoints noch immer anmuthige Hausfrau zeigte keinerlei Erstaunen, sondern reichte ihre Hand dem fremden Ankömmling zum Willkomm entgegen, auf welche derselbe einen Kuß hauchte. Er hatte die Dame erkannt, die ihm entgegengekommen und auch das Haus, in welches er eingetreten: das Rosenberg'sche und Frau Amalia.