Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021422--11138-3035658
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 604 Nr. 36 Or. DlvEs WoüxettschrlfL) ist bekannt: ein kleiner, hagerer Mann mit ausgeprägt jüdischem Profil, sehr einfach und fast scheu in seinem Auftreten; das von einem spärlichen grauen Bart umrahmte Gesicht, durchleuchtet von einem Blick, zugleich durchdringend und überaus mild hinter den Brillengläsern. Sehr beliebt und aufrichtig verehrt nicht nur von den Angehörigen seiner Glaubensgemeinde, sondern von den Angehörigen aller Bekenntnisse, welche Gelgenheit hatten, an seiner seltenen Gelehrsamkeit sich zu ergötzen, seine hervorragende Beredsamkeit zu bewundern und zumal in diesem ganz ausgezeichneten Manne den Zauber einer Toleranz, einer Güte, eines Scharfsinnkennen zu lernen, deren Spuren jede Bethätigung dieser schönen (forciere der Rechtschaffenheit, des Patriotismus mrd der Arbeit an sich trägt. Deshalb darf Herr Zadoc Kahn nicht überrascht sein, daß er unter den Glückwunschschreiben, welche in die nie St Georges niederregnen, eine große Anzahl von Namen finden wird, deren Träger nicht seine Glaubensgenossen sind. Man weiß, daß Herr Zadoc Kahn namentlich innerhalb der hohen katholischen Geistlichkeit sehr aufrichtige Bewunderer besitzt. Kein Ordenskreuz konnte mit größerer Berechtigung verliehen werden/ New-Hork. Aus einem Bankett, das jüngst in New-Pork zu Ehren des um die Wissenschaft des Judenthums hochverdienten Dr. Singer veranstaltet worden war, kündigte der Gefeierte die Ausführung eines großen von ihm gehegten Planes an. Eine Universität für die Wissenschaft des Judenthums soll in New-Aork errichtet werden, die nicht etwa eine Rabbinerschule darstellen soll, sondern thatsächlich eine Universität ganz nach europäischem Muster. Nur die Wissenschaft des Judenthums soll in ihr gepflegt, nicht der jüdische Theologe für seinen Beruf ausgebildet werden. Drei Facultäten wird diese eigenartige Hochschule aufweisen, eine für jüdische Theologie, eine für jüdische Geschichte und die dritte für jüdische Literatur. Mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der an ihr studirenden Nationalitäten sollen die Docenten — es sind hauptsächlich deutsche Gelehrte in Aussicht genommen — in englischer, deutscher, russischer und hebräischer Sprache ihre Vorlesungen halten. Alles soll in großartigem Maßstabe beschafft werden, sowohl die räumliche wie die wissenschaftliche Ausstattung. Die Mittel zur. Gründung dieser Universität, die einzig in ihrer Art dastehen würde, haben einige reiche Juden Amerikas hergegeben, und schon Ende 1902 dürfte die neue Hochschule, falls sich nicht der Beschaffung geeigneter Lehrkräfte größere Schwierigkeiten entgegenstellen sollten, eröffnet werden. Im Anschülß an diese Mittheilung sei darauf aufmerksam gemacht, daß Dr. Singer in letzter Zeit viel genannt wurde als der Schöpfer der groß angelegten „Jewish Encyclopaedia“, deren erster Band erschienen ist. Dieses Werk stellt sich die Aufgabe, alles Wiffenswerthe über jüdische Geschichte, Literatur, Liturgie und dergl. zu bieten. Vermischtes. Wie». Der Präsident der Cultusgemeinde Herr kaiserl. Rath Kling er ist von seinem Erholungsurlaube zurückgekehrt und hat die Führung der Präsidialgeschäfte wieder übernommen. Wie», 3. September 1901. (Entbindung von Neujahrs-Gratulation.) Vom Herrn kaiserl. RathDr. Th. Lieben erhalten wir folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redacteur! Ich habe bereits im Vorjahre die Anregung gegeben, sich durch eine Spende für die Armen anläßlich der hohen Feiertage von den üblichen Wünschen zu entheben und erlaube ich mir diese Anregung unter gleichzeitigem Erlag von X 10 für Arme bei der israelitischen Cultusgemeinde heuer zu wiederholen, von der Voraussetzung ausgehend, daß Wohlthaten üben Jedermann mehr befriedigt, als die besten. Wünsche. Mit dem Ersuchen, diese Zeilen in Ihrem vielgelesenen Blatte aufnehmen zu wollen, zeichne ich hochachtungsvollst Dr. Theodor Lieben. Wie«. (Eingesendet.) Sehr geehrter Herr Redacteur! Ich bitte um Aufnahme folgender Zeilen: Auf einem Placat in den Straßen Wiens lese ich die Einladung zu der Einweihungsfeierlichkeit eines neuen Bethauses IX. Harmoniegasse 8, welche Sonntag, den 8 September stattfinden und bei der angeblich auch ich Mitwirken soll. Ich wünsche deswegen zu constatiren, daß dieses Placat ohne mein Vorwiffen und meine Zustimmung versaßt und veröffentlicht wurde und daß es meine Absicht nicht ist, an dieser Feierlichkeit theilzunehmen. Ohne mich in ein Weiteres einzulassen, zeichne ich hochachtungsvoll Obercantor Guttmann. Wien. (Verlobung.) Herr Josef A. F r i e d m a n n, Kaufmann, Sohn Sr. Ehrw. Rabbiner N. Friedmann, Wien, verlobte sich Sonntag den 1. d. M. mit Fräulein Julie Link aus Nagy-Tapolcsany. Wien. (Trauung.) Sonntag den 8. September l. I., 725 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel I., Seitenstettengasse 4, die Trauung des Fräulein Hedwig Jelinek mit Herrn Wilhelm T e l t s ch, einem Sohne des allgemein geachteten Religionslehrers der Wiener israelitischen Cultusgemeinde Herrn Franz T e l t s ch, statt. Wien. (Der fünfte Zionistencongreß.) Das zionistische Actionscomitö hat den fünften Congreß für die Tage vom 26. bis 29. December 1901 nach Basel einberufen. Wien. (Tefilas-Hanorim.) Der kaum erst ein Jahr bestehende Verein findet in allen Kreisen der israelitischen Bevölkerung Wiens den besten Anklang. In Folge eines in diesem Blatte erschienenen Aufrufes traten sehr viele Mitglieder diesem Vereine bei, darunter die hochangesehensten Männer Wiens. Unter Anderem spendete das Bankhaus Rothschild einen Betrag von 300 X, der durch seine überaus humanitäre Gesinnung allbekannte Herr Salo Kohn 100 X und die löbliche Cultusgemeinde Wiens 300 X. In Folge dieser und noch weiterer Spenden ist der Verein in der Lage, bereits zu den kommenden hohen Feiertagen einen feierlichen und unentgeltlichen Gottesdienst für die Schüler der Mittel- und Gewerbeschulen Wiens, und zwar sowohl für Knaben, als auch für Mädchen unbemittelter Eltern, im Sitzungssaale des jüdischen Volks-Vereines, ll., Leopoldsgasse Nr. 49, abzuhalten und können die auf Namen lautenden Karten vom 8. September angefangen im obigen Vereinslocale Vormittags von 9—12 Uhr und Nachmittags von 3—6 Uhr abgeholt werden. Weitere Auskünfte wegen Beitritts zu diesem Vereine werden sowohl von dem Obmanne, Herrn I. Gollerstepper, II., Stefaniestraße 3, als auch von dem Schriftführer, Herrn Dr. Alexander Kohn, Hof- und Gerichtsadvocat in Wien, I., Wollzeile 5, jederzeit ertheilt. Wien. (Spende n.) Für den Abgebrannten in St. Leonhard sind uns von Herrn Cafetier Herzog in Wien X 2.— von Herrn S. Haas in Jungbunzlau X 4.—, von N. I. W X 6.— zugekommen. Wien-Weißgärber. Ueber Ansuchen des Simmeringer Tempelvereines hat der Vorstand des Bethausvereines „Beth- Hachnateth“, III., Untere Viaductgasse 19 dem Bereinsrabbiner Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Armin A b e l e s die Erlaubniß ertheilt, am ersten Neujahrstage im Simmeringer Bethause eine Gastpredigt abzuhalten. Wien. Im Bethause „Marpe Lanefesch", II., Glockengasse 4, werden die Sitze täglich von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr im Vereinslocale vermiethet. Wien. (Mädchen - Unter st ützungs - Verein.) An den Privatschulen dieses Humanitären Vereines beginnt das neue Schuljahr Mitte September d. I. Der Unterricht wird durchwegs unentgeltlich ertheilt. Die Einschreibungen finden statt: für die Fortbildungsschule : Donnerstag 12. Sept., 10 Uhr Vorm. „ „ Arbeitsschulen Montag 16. „ 9 „ „ „ den Handels-Lehrcurs „ 16. „ 3 „ Nachm. Zur Aufnahme zulässig sind arme israelitische Mädchen, welche das 14. (für den Handels - Lehrcurs und die Fachschule für Kleidermachen das 15.) Lebensjahr bereits zurückgelegt haben. Bewerberinnen haben sich unter Beibringung ihres Geburts- und Schulentlassungs - Zeugnisses in Begleitung ihrer Eltern oder Obsorger zu melden in der S ch u l k a n z l e i: II., Kaiser Josefs-Straße 32. Wien. (Der Gipfel „jüdischer Frechh.eit".) Unter dem Titel „Der Jude Tugendsam" berichtete das „Deutsche Volksblatt" über mehrere Schandthaten des Hernalser Trödlers Ferdinand Tugendsam. Dieser feine Herr, der verheiratet ist, hat nämlich ein minderjähriges Mädchen mißbraucht und obendrein mit einer ekelhaften Krankheit angesteckt Nun stellt sich nachträglich heraus, daß der „Jude Tugendsam" in seiner jüdischen Frechheit noch viel weiter gegangen ist, als das „Deutsche Bolksblatt" es ahnte. Dieser freche Jude trieb seine Schamlosigkeit so weit, daß er es wagte, als C h r i st auf die Welt zu kommen, dann später ein eifriger Parteigänger des Herrn Bergani und schließlich christlichsocialer Armenrath in Hernals wurde. Ist das nicht der Gipfel jüdischer Frechheit?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.