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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 Vlvrtz"« WvchenMrist. Sette 603 an materiellen Mitteln abgesehen werden. Der Bericht des Cassiers, Religionslehrer D. Löwy, wurde dankend genehmigt. Dem gesammten Borstande wurde für seine Mühewaltung der Dank ausgesprochen. Derselbe wurde mittels Zurufes wiedergewählt und constituirte sich folgendermaßen: Obmann: Religionslehrer Springer, Prag; Obmann-Stellvertreter: Rabbiner Abeles, Kuttenberg; Caffier: Religionslehrer Löwy, Prag; Rechnungsführer: Direktor Schwager, Rabbiner Stein Radnitz; Rabbiner Hoch, Caslau. Nach Absendung einer Huldigungsdepesche an den Kaiser schloß der Vorsitzende mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser die Versammlung. Klattau. Am 18. August wurde in unserer Gemeinde der Geburtstag unseres geliebten Monarchen auf höchst feierliche Weise begangen. Im festlich geschmückten und strahlend beleuchteten Gotteshause versammelten sich am Vorabende fast sämmtliche Mitglieder der Cultusgemeinde zu einem solennen Gottesdienste, wobei Herr Rabbiner Dr. M. L. Wolf eine Höst gelungene Festrede hielt und der Obercantor Kornitzer wohleinstudirte Chöre zum Bortrage brachte. Der Gesammtvorstand, mit dem Präses Herrn Josef Treichlinger an der Spitze, war erschienen. Dem Gottesdienste wohnten der Herr Bezirkshauptmann I. Pacak, der Bürgermeister Dr. A. Maschek, Abordnungen des hier stationirten Dragonerregimentes, der Feuerwehr, der Scharfschützen, der Veteranen, der Lehrkörper, viele Bürger der Stadt und sonst viele Gäste bei. — Alle hiesigen Israeliten, die um das Heimatsrecht bei der Stadt ansuchten, wurden ohne Debatte ausgenommen. Wenn auch im Gesetze gelegen, so constatiren wir diese Thatsache um so freudiger, weil es in Böhmen noch viele verzopfte Gemeinden gibt, die den Israeliten bei jeder Gelegenheit Prügel vor die Füße werfen. — Die Chewra-Kadischa hat aufVeranlassung ihres Obmannes S. I. Krauskopf wieder einen Schritt nach vorwärts gethan. Es wurde das alte, hölzerne, häßliche Tbor zum Friedhofe durch ein neues, prachtvolles, eisernes ersetzt. Gewiß wird jeder Besucher des Gottesackers, wo wir ja unser Theuerstes und Liebstes zur ewigen Ruhe gebettet, dem Vereine für die geübte Pietät dankbar sein, denn die Verschönerung des „Feldes der ewigen Ruhe" beweist Pietät gegen die Tobten und ist' ein Achtungsbeweis gegen die Lebenden. — Die hiesige israelitische zweiclafsige Schule wurde während der sechswöchentlichen Ferien bedeutend erweitert, so.daß wir jetzt über zwei prachtvolle Schulzimmer verfügen, die wohl selten ein Lehrhaus aufzuweisen hat. Der Schulvorstand ließ es auch an sonstigen Einrichtungen nicht fehlen, denn er geht vom richtigen Standpunkte aus: Für Kinder ist eben „das Beste" gut genug. Die Einschreibung begann am 1. September und wurden 75 Schüler jüdischer Confession ausgenommen, in Anbetracht der Verhältnisse eine bedeutende Zahl. Der Lehrkörper besteht aus : Sr. Ehrwürden Dr. M. L. Wolf, Religionslehrer; M. Berka, Oberlehrer; A. Baum, Lehrer; Kornitzer, Gesangslehrer; Frl. Popper, Handarbeitslehrerin. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf einen höchst betrübenden Umstand Hinweisen. Fast alle Schüler, die hier von auswärts ausgenommen wurden und schon 10 bis 12 Jahre alt sind, haben von jüdischer Religion auch nicht eine blaffe Idee, sie können weder hebräisch lesen noch beten. Wie ich aus eigener Ueberzeugung weiß, gibt es in hiesiger Umgebung noch viele jüdische Kinder, die ganz ohne Religion aufwachsen. Theilweise liegt eS an der Indolenz der Eltern, theilweise in der Armuth derselben, indem sie sich keinen Religionslehrer halten können. Wohin soll dies aber führen? Die Antwort liegt sehr nahe. Wenn ich nicht irre, gibt es in Böhmen einen Verein „Gemeindebund" genannt, warum sieht dieser diesem Elende betreffs jüdischer Religion mit „offenem Auge" zu. Man möge doch „diesen Armen am religiöseil jüdischen Geiste Hilfe bringen, ehe es zu spät ist. Dann wird der alte Bund durch den bestehenden Gemeindebund wieder aufleben. Agram» den 29. August 1901. Am 27. d. M. feierte der Erzbischof Dr. Georg Pofiloviü in Agram sein 25jähriges Bischofs- , jubiläum. Aus diesem Anlasse gratulirte auch die Agramer Cul-! tusgemeinde durch ihren Präsidenten Herrn Josef Siebenschein | und ihren Bicepräsidenten Herrn Leo Hönigsberg. Auf die Anspräche des Ersteren, in welcher derselbe den Jubilar als echten Priester der Liebe, als edlen Menschen und als Zierde dieser Stadt feierte, erwiderte der Erzbischof: „Die Gerechtigkeit und Humanität dictiren mir stets Aeußerungen der Liebe und Duldsamkeit gegen Andersgläubige. Dieselben sind Ihnen wohl bekannt. Wir müssen Alle glauben, daß uns re Religionsgesetze in Moses ihren Urheber haben, welchem sie von Gott eingegeben wurden." Kronstadt. (T e m p e l w e i h e.) Dieser Tage fand hier die Einweihung des von dem hauptstädtischen Architekten Leopold Baumhorn erbauten neuen israelitischen Cultustempels unter großen Festlichkeiten statt. Der Feier wohnten der Obergespan, der Gerichtspräsident und die bürgerlichen und militärischen Behörden bei. An der Feier wirkte der ungarische Gesangverein mit» welcher einige Lieder zu Gehör brachte. Die Festrede hielt Rabbiner R o s e n b a u m, der die ungarische patriotische Gesinnung der Kronstädter Israeliten hervorhob. Die Feier, welche die Bolgärßeger Rumänen durch antisemitische Hetzereien verhindern wollten, nahm einen ungestümen würdigen Verlauf. Hamburg, den 19. August. (Die Beerdigungsfeier für Herrn Ferdinand Seligmann) fand am Sonntag Vormittag unter reger Betheiligung weiterer Kreise im Hause des Verblichenen an der Alten Rabenstraße statt. Biele hervorragende Vertreter der Handels- und Finanzwelt unserer Stadt waren anwesend. Der Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde war durch die Herren Jos. Schünfeld und Alfred Levy vertreten, die Verwaltung des Tempelverbandes, der der Verblichene seit dem Jahre 1890 angehörte, war vollzählig erschienen, die Herren Prediger Dr. Leimdörfer und Dr. C. S e l i g m a n n. sowie die übrigen Beamten der Tempelgemeinde hatten sich gleichfalls eingesunden; auch die übrigen Gemeinde- Institutionen waren durch Delegirte vertreten. Der einfache Sarg war bedeckt mit Blumen und Kränzen» darunter ein schöner Kranz der Hamburger Handelskammer. Auch der „Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse", der „Verein der Spiritus-Interessenten", der Aufsichtsrath der „Brauerei Germania", die Malzfabrik Hamburg, die Loge „Emanuel" und andere Institutionen hatten Kränze am Sarge niedergelegt. — Der Tempelchor unter Leitung des Herrn ObercantorS M. Heule sang einen Chor, worauf Herr Prediger Dr. Leimdörfer die Trauerrede hielt, in der er den Lebensweg des Verblichenen schilderte, dessen Handlungen stets von dem Streben nach Recht und Gerechtigkeit geleitet worden seien. Mit der Gattin, dem einzigen hoffnungsvollen Sohn und den zahlreichen Freunden trauerten weite Kreise unserer Vaterstadt um den Verlust des verdienstvollen Mannes. Sein Andenken werde stets in hohen Ehren bleiben. — Nach einem weiteren Chorgesang wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und nach dem Israelitischen Friedhof in Ohlsdorf gebracht, wo Herr Prediger Dr. C. Seligmann dem Dahingeschiedenen im Namen des Vorstandes des Tempelverbandes noch einen tief empfundenen Nachruf widmete. Im Namen der Loge „Emanuel" sprach Herr Wilhelm Welzien noch herzliche Abschiedsworte. Nach einem ergreifenden Schlußgebet de- Herrn Dr. Leimdörfer am offenen Grabe wurden die irdischen Ueberreste der Erde übergeben. Bukarest. Die armen Juden der Hauptstadt haben an vier Orten Versammlungen abgehalten, um über die künftigen Auswanderungen nach Spanien und nach Transvaal zu oerathen. Wie bekannt» hat der spanische Consul in London der englischen Regierung mitgetheilt, daß die spanische Regierung geneigt sei, in Spanien die Juden aufzunehmen, die aus welchem Lande Europas immer auswandern. In den Versammlungen wurden ComitSs gewählt, um von den Behörden Spaniens und Transvaals Informationen über die Bedingungen einzuhoke», unter welchen die jüdischen Emigranten daselbst ausgenommen werden können. Constantinopel. (Ein jüdischer Divisionsgeneral.) Der Sultan hat den Bieeadmiral Dr. Jsaae Molho Pascha zum Divifionsgeneral ernannt. Der so Ausgezeichnete ist schon seit längerer Zeit Sanitätsinspector der kaiserlichen Marine und Präsident des jüdischen Confistoriums von Constantinopel. In der Verwaltung dieses Ehrenamtes, das er wiederholt inne gehabt, hat Dr. Jsaac Molho Pascha viele Beweise außergewöhnlicher Tüchtigkeit gegeben; manche in der Geschäftsführung des Großrabbinats eingeführte Reformen und Verbesserungen sind seiner Initiative zuzuschreiben. Sein Bruder ist der erste Dragoman im kaiserlichen Palast Daud Effendi Molho. Paris. Die gesammte anständige Presse gibt der Genugthuung über die Decorirung des Oberrabbiners Zadoe Kahn lebhaften Ausdruck und begleitet die betreffende Mittheilung mit Worten warmer Anerkennung der Person und der Wirksamkeit des Herrn Oberrabbiners. So z. B. der „Figaro": „Der Oberrabbiner von Frankreich verwaltet sein hohes, schwierige- Amt seit nunmehr elf Jahren gleich ausgezeichnet, wie zuvor das des Oberrabbiners von Paris. Die Phtzfiognomi

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