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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 602 Nr. 36 Dr. Bloch's WochensttzrW» in Berührung kamen, strömten zusammen, erfüllt von Bewunderung für die Werke des edlen Mannes, sie zeigten der Welt, daß wahres Verdienst eines Menschenfreundes und Segenspenders auch nach dem Tode seine gebührende Wirkung und Anerkennung finde und finden müsse. An der Feier nahmen außer den Mitgliedern der »Hohenauer israelitischen Unterstützungs- und Beerdigungsbruderschaft", die an dem Heimgegangenen einen tatkräftigen Förderer und stets opferfreudigen Helfer verliert, sämmtliche Bewohner des Ortes und fast alle Corporationen und Vereine theil, denen Herr Dr. Julius Strakosch im Leben nahe gestanden war. Den Ehrenplatz im Gotteshause nahmen die Mitglieder der Hohenauer Gemeindevertretung ein, an ihrer Spitze der Bice-Bürgermeister Herr Sima. Daran reihten sich die Mitglieder des Hohenauer Männergesang-Bereines, dessen langjähriges , treues Mitglied der Verblichene war, sämmtliche Beamte der Hohenauer Zuckerfabrik und Oeconomie, ferner Abordnungen der Hohenauer Fabriks- und Ortsfeuerwehr, der Bahnbeamten der Station Hohenau, des Hohenauer Gendarmerieposteus, der Lundenburger Zuckerfabrik, der Drösinger Petroleumraffinerie und der fürstlich Liechtenstein'schen Beamtenschaft. Die Feier wurde durch einen ergreifenden Choral und den 16. Psalm, den Herrn Obercantor Cohn und ein gemischter Chor aus Lundenburg in herzergreifenden Tönen vortrugen, eingeleitet. Hierauf feierte Herr Oberrabbinrr Dr. Groß aus Lundenburg in schwungvollen Worten die Verdienste des Verblichenen, der Allen ein Freund und Bedürftigen ein Wohlthäter gewesen war. Die großangelegte und tiefdurchdachte Rede, welche ein treffliches und genaues Lebensbild des Verblichenen, seiner hohen Tugenden und seiner zahllosen Wohlthaten als Mensch, als Bürger, als Großindustrieller, als Bürgermeister und als Jude bot, hatte die Zuhörer tief ergriffen. Hernach hielt Herr Bice-Bürgermeister Sima dem Verstorbenen einen warmen Nachruf und pries die Verdienste, die sich dieser um das Wohl der Gemeinde erworben. Ueberall, wo es galt, Noth zu lindern oder Wohlstand zu fördern, war der Heimgegangene der Erste, er, das wahre Vorbild eines Menschenfreundes, dem Alle nacheifern müssen und dessen Bild fich unauslöschlich in dem Herzen Aller eingeprägt. Darauf nahm der Hohenauer Männergesang-Verein mit einem tiefempfundenen Liede Abschied von dem Verstorbenen. Mit einem Schbrßgesange und einem Gebete für das Seelenheil des Dahingeschiedenen schloß die würdige Trauerandacht. Klagenfurt. Nur selten dringt eine Stimme über die Verhältnisse der alpenländischen Juden in die Oeffentlichkeit hinaus und das ist gut so, denn bekanntlich sind es immer die besseren Menschen, von denen man nicht spricht. Allein es kann auch der Beste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Und solch ein böser Nachbar sind die hier erscheinenden deutschnationalen »Freien Stimmen", das Organ des Abgeordneten Dobernig. Bon Zeit zu Zeit taucht in den Spalten dieses Blattes eine sogenannte „Judennotiz" auf, zumeist ohne jede äußere Veranlassung, nur um der doch so friedliebenden und toleranten einheimischen Bevölkerung des schönen Kärntnerlandes zu.zeigen, daß die Deutsche Bolkspartei in ibrem Programm auch den Judenpunkt aufweist. Ein starkes Stück aber ist jedoch das Folgende: Im »Grazer Tagblatt" war eine Notiz enthalten, daß die Firma »Kästner & Oehler" sich mit der Absicht trage, hier in Klagenfurt ein großes Waarenhaus zu errichten. Flugs waren die »Freien Stimmen" bei der Hand, um unter den Titel »Drohende jüdische Concurrenz" folgenden Bericht vom Stapel zu lassen: »Was diese »Gründung" für unsere heimischen Geschäftsleute zu bedeuten hätte, würden dieselben bald — dann aber leider zu spät — einsehen lernen. Klagenfurt, sonst als stramme deutsche Stadt bekannt, hat es wahrlich nicht nöthig, sich ohneweiters den Einbruch eines der gefährlichsten Judenconcurrenten gefallen und einen der schönsten »Geschäftsposten" im Weichbilde der Stadt stillschweigend von Semiten vesetzen zu lassen. Wir haben in Klagenfurt ohnehin schon genug Vertreter der »interessanten Race" in mehreren Geschäftsbräuchen. Es wäre für das hiesige Handelsgremium eine der dankbarsten Aufgaben, in der Sache sofort entsprechende Schritte einzuleiten; auch in Villach, St. Veit wäre es im Interesse der einschlägigen Geschäftsbräuchen gelegen, sich um diese wichtige Angüegenheit zu bekümmern. Hoffentlich würden die Eigenthümer des Feldner'schen Hauses — falls der Verkauf des Hauses wirklich beabsichtigt feirr sollte — ein aus heimischen Geschäftsleuten gebildetes Consortium bevorzugen, damit die hiesige Handelswelt, welche unter den herrschenden Verhältnissen ohnehin nicht auf Rosen gebettet ist, nicht noch mehr der jüdischen Concurrenz ausgeliefert wird." — So die Notiz. Noch war aber die Druckerschwärze nicht ganz trocken, als das »Grazer Tagblatt" eine Berichtigung der Firma »Kästner & Oehler" veröffentlichte, wonach jene Mittheilung vom Ankäufe eines Hauses jeder thatsächlichen Grundlage entbehre. Die »Freien Stimmen" nahmen loyalerweise von dieser Berichtigung Notiz, konnten sich aber doch nicht folgenden Commentars enthalten: »Hoffentlich bleibt die Berichtigung auch wahr. Auf alle Fälle aber erscheint es dringend geboten, daß das hiesige Handelsgremium der jüdischen Einwanderung sein stetes Augenmerk zuwende." — Klingt dies nicht echt russisch? Nun, wenn Herr Abgeordneter Dobernig sich nach russischen Zuständen sehnt, dann versuche er es, in Rußland zu — caudidiren. Ihr Berichterstatter kann aber zum Schluffe seine Verwunderung nicht unterdrücken, daß Herr Abgeordneter Dobernig, der als besonnener, ruhig denkender Mann bekannt ist, solche Gehässigkeiten in seinem Blatte tolerirt. Dürrmaul, 27. August. Ein selten schönes Fest wurde am 25 d. M. von Seite unserer Cultusgemeinde abgehalten, und zwar das Einhundertjährige Jubiläum anläßlich des Bestandes unseres Tempels. Schon in den frühesten Morgenstunden zeigte der Fahnenschmuck des Tempels sowie die Beflaggung sämmtlicher jüdischer Häuser, daß in der Judengemeinde ein Freudentag angebrochen sein müsse. Emsig wurde gearbeitet, um den Vorplatz des Tempels durch Aufstellung eines Triumphbogens mit Guirlanden zu einem Festplatz zu gestalten. Ein herrlicher, wunderschöner Tag brachte Gäste aus Nah und Fern welche erschienen, um unser Freudenfest mitzufeiern. Bereits um halb 4 Uhr war das festlich beleuchtete Gotteshaus von einer mehrere 100 Personen zählenden Menge angefüllt. Nachdem um 4 Uhr Mah Towu von dem Religionslehrer Herrn Bernard Engl recitirt, wurde von Sr. Ehrwürdeu Herrn Rabbiner Hermann Weiner aus Kuttenplan das ewige Licht, welches infolge der Renovirung des Tempels mehrere Wochen nicht gebrannt, neu entzündet. Nach Beendigung des Minchagebetes hielt Se. Ehrwürden eine in jeder Beziehung gediegene Festpredigt, und wird nur allgemein bedauert, daß dieselbe nicht stenographirt und in Druck gelegt werden kann. Als Gäste waren erschienen: Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Goldberger aus Marienbad, die Herren Eultusvorsteher Hermann H o r o w i tz und Wilhelm L ö w y aus Königswart, Herr Jur. Doctor Steiner aus Marienbad, Herr Restaurateur S. Löwenthal u. A. m. Glückwunschschreiben und Telegramme sandten die Cultusgemeinden Teplitz, Eger, Kuttenplan und Falkenau a. E. Aber auch die Bevölkerung christlicher Religion nahm einen regen freudigen Antheil an unserem schönen Feste, und es erschienen zur Feier dieses Tages der löbliche Militär-Veteranen-Verein mit der Fahne und der löbliche Feuerwehr - Verein, welche Seiner Ehrwürden dem Herrn Rabbiner ein Ehrenspalier bildeten, ferner Herr Oberlehrer Josef Wenig, Gemeinderath Herr Thomas Müller, Herr Oberlehrer Huska und Lehrer Wenig aus Neudorf, sowie eine große Zahl Anderer, so daß die Räume unseres Gotteshauses, bis auf den letzten Platz vollgefüllt waren. Allgemeine Anerkennung fand der neu gelegte Terazzofußboden des renovirten Gotteshauses. Das am Abende arrangirte Tanzkränzchen war sehr stark besucht, nahm einen sehr animirten Verlauf und erfreuten sich die Erschienenen bis in die frühesten Morgenstunden des Tanzvergnügens. Bei diesem Anlasse zeigte es sich wiederum, daß der Antisemitismus bei uns keinen festen Fuß fassen konnte, und mögen wir auch fernerhin von dieser Pest verschont bleiben. Prag. Der israelitische Landeslehrerverein in Böhmen hielt jüngst unter Vorsitz des Obmannes Religionslehrer Springer die 28. ordentliche Generalversammlung ab. Dem Tätigkeitsberichte — erstattet durch den Schriftführer Rabbiner Freund, Bodenbach — ist zu entnehmen, daß der Ausschuß jederzeit bemüht war, das Interesse der Mitglieder zu wahren und die Lage der israelitischen Lehrerschaft zu heben. Auf Antrag des Ausschusses wurde eine Resolution angenommen, in der auf den Mangel an pädagogisch gebildeten Lehrkräften hingewiesen wird und die Cultusgemeinden, sowie alle Corporationen. welche die Förderung jüdischer Angelegenheiten zum Ziele haben, aufgefordert werden, durch Bildungsanstalten für israelitische Religionslehrer und durch Hebung und Sicherung der materiellen Lage derselben der mangelhaften Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichtes oder dem gänzlichen Entfallen desselben zu steuern. Ferner wird das Fehlen eines einigenden Bandes der Cultusgemeinden, sowie der Mangel einer Oberbehörde zur gemeinsamen Vertretung des Judenthums bedauert und wird die Hoffnung nach baldiger Errichtung dieser nothwendigen Institution ausgesprochen. Der Ausschuß wird von der Generalversammlung ermächtigt, die nöthigen Schritte einzuleiten, daß die in dem Gesetzentwürfe für Pensionirung von Privatbeamten geltenden Bestimmungen sich auch auf israelitische Lehrer erstrecken. Bon der Herausgabe der Jugendzeitschrift muß derzeit wegen Mangels

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