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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Rr. 36 Vr« Blocht WvrftenschrNL» wird Herr Dr. Stern die Feier seines siebzigsten Geburtstages mit einer Reihe humanitärer Acte verbinden und namhafte Geldbeträge humanitären Zwecken zuwenden. Ein Nolhschrei der jüdischen Hausirer. Die in der „Oesterreichischen Wochenschrift" an die jüdischen Hausirer gerichtete Ermahnung ist von Erfolg begleitet gewesen. Sie haben sich in letzter Stunde dazu entschlossen, eine Massenpetition an das Herrenhaus zu richten, welchem in der Herbstsaison die Finalisirung der vom Abgeordnetenhause des österreichischen Reichsrathes zwischen Thür und Angel und mit ganz ungerechtfertigter Hast durchgepeitschten Gewerbenovelle obliegen wird Der erwähnten Petition an das Herrenhaus ist ein einbegleitendes Rundschreiben beigefügt, dem wir nachstehenden Passus entnehmen, der für die verzweifelte Lage der Betreffenden so recht bezeichnend ist. „In zwölfter Stunde!" Im Herbste wird das hohe Herrenhaus über die §§ 59 und 60 der Gewerbeordnung zu entscheiden haben. Tausende rechtlich arbeitender Familienväter sind in ihrer Existenz bedroht und werden dem Hunger oder dem Verbrechen in die Arme getrieben, wenn nicht in zwölfter Stunde die Annahme der bekannten Vorlage verhindert wird. Jeder, dem ein Rest von Menschlichkeit innewohnt, hat die Pflicht, das Seinige zur Hintanhaltung der Annahme zu thun. Ein Mittel hiezu ist eine Massenpetition an da- Herrenhaus." Es ist ein förmlicher Nothschrei, der sich dem gepreßten Herzen der jüdischen Hausirer entringt Sie ergreifen das letzte ihnen Erfolg verheißende Mittel, sich und ihre Familien vor Noth und Hunger zu bewahren. Die jüdischen Hausirer sind aber außer Stande, der einstürmenden Gewalt auch nur den geringsten Widerstand' entgegenzusetzen, wenn ihnen nicht von den an dem Hausirwesen direct betheiligten Interessenten Mithilfe geboten werden wird. Diese interessirten Kreise haben sich bisher unbegreiflicher Weise der Hausirerfrage gegenüber ganz gleichgiltig benommen. Zu diesen interessirten Kreisen zählen in erster Linie die Industriellen, deren in der Regel durch irgendwelche Umstände oder veränderte Moderichtung minderwerthig gewordene Fabrikate die jüdischen Hausirer in Vertrieb setzen und hiebei mit allem Fleiße und aller Anstrengung kaum des Lebens bescheidenste Nothdurst zu fristen im Stande sind. Pflicht und Schuldigkeit aller an dem Hausirwesen betheiligten Kreise ist es, mit allem Nachdruck und mit dem ihnen zu Gebote stehenden mächtigen Einfluß für die Hausirer einzustehen. Der Fatalismus und die stoische Gleichgiltigkeit, welche die Industriellen ihren dem Hausirerstande entstammenden .Kunden entgegenbringen, sind nicht zu rechtfertigen, und die damit offenbar verbundene Concession an die antisemitische Strömung wird sich bitter rächen. Es ist ja richtig, daß zunächst den jüdischen Hausirern durch die jüngste Gewerbenovelle der Garaus gemacht wird, allein es wird sich wohl bald zeigen, daß eine ganze Reihe von Industriezweigen, denen die jüdischen Hausirer Büttel- und Handlangerdienste leisten, die eigentlichen Leidtragenden sein werden. Die große Frage ist, wie sich das Herrenhaus zu dem gegen die jüdischen Hausirer geplanten Attentate verhalten wird. Wir haben uns bereits daran gewöhnt, in allen das Judenthum berührenden Angelegenheiten Hoffnungen und Erwartungen auf das Mindestmaß herabzustimmen Wenn wir diesmal dem Resultate der Berathung der Gewerbenovelle im Herrenhause weniger Pessimismus entgegenbringen, wenn wir sogar die berechtigte und zuversichtliche Hoffnung hegen, daß das Herrenhaus Anstand nehmen wird, über Tausende und Abertausende der Allerärmsten unter den armen Handeltreibenden den Stab zu brechen und deren Existenz zu vernichten, so werden wir daran durch die Haltung bestärkt, die eben dieses Herrenhaus gegenüber den arischen Blumenhändlern an den Tag gelegt hat. Auch die arischen Blumenhausirer sollten depossedirt und ihnen die Ausübung ihres Gewerbes nntersagt werden, — dagegen ist seitens unserer Pairs ein Veto Sette 601 eingelegt worden. Die Blumenhausirer aber sind nur ein kleines Häuflein im Vergleiche zu der Legion jüdischer Hausirer. Was für die arischen Blumenhausirer recht ist, muß auch für die jüdischen Hausirer billig sein Wir leben der festen Ueberzeugung, daß das Herrenhaus die Einwilligung dazu versagen wird, Tausende und Abertausende Existenzen zu vernichten und deren wohlerworbene Rechte, sich und deren Angehörige in ehrlicher, rechtlicher Weise zu ernähren, durch einen mit parlamentarischen Mitteln drapirten Gewaltstreich zu escamotiren. Eduard Beer. Die Ofener Rabbinerwahl. Der von der Ofener israelitischen Gemeinderepräsentanz und dem Gesammtvorstande aufgestellte Rabbiner-Candiöat, der auch als ^Schriftsteller und Poet seinem Stande zur Zierde gereichende bisherige Rabbiner von Beßprim Dr. Arnold K i ß wurde seitens des Plenums der Gemeindemitglieder zum Rabbiner der Ofener israelitischen Religionsgemeinde gewählt. Ueber den Verlauf der Wahl, deren Resultat allenthalben mit lebhafter Befriedigung ausgenommen werden wird, meldet man uns Folgendes: „Die Wahl wurde im Gemeindesaale vorgenommen; der Wahlact wurde vom Präsidenten der Cultusgemeinde Doctor Isidor Szabolcsi mit einer Rede eröffnet, in welcher er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die heutige Wahl ihren Zweck nicht verfehlen und daß der langersehnte Frieden in der Gemeinde mit der Wahl des Candidaten Dr. Kiß für den verwaisten Seelsorgerposten wiederhergestellt werde. (Eljenrufe.) Die Abstimmung wurde um 9 Uhr Morgens eröffnet. Der Führer der Opposition Dr. Moriz Ernyei verlangte, daß der Wahl auch Vertrauensmänner beigezogen werden, welchen Antrag der Wahlleitungspräsident mit der Motivirung ablehnte, daß das Wahlcomittz von der Generalversammlung gewählt sei und es hier keine Parteien gebe, sondern einen Gemeindekörper, dessen Mitglieder das Recht haben, pro oder contra zu stimmen. Es entspann sich eine erregte Debatte. Max Danneberg und Max Bauer erklärten sich für den Antrag Dr. Ernyei's, und die Stimmung wurde so leidenschaftlich, daß der Wahlact unterbrochen und polizeiliche Intervention in Anspruch genommen werden mußte. Der anwesende Polizeiliche Vertreter Polizeiinspector Ludwig G e r s i ch forderte die Lärmmacher zum Berlaffen des Wahllocales auf, und nachdem dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wurde, schritten die Polizisten ein, woraus die oppositionellen Führer das Feld räumten. Hernach verlief der Wahlact ohne weitere nennenswerthe Störung. Bon 9 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends währte die Wahl. Das Resultat war, daß von 713 stimmberechtigten Wählern 510 von ihrem Stimmrechte Gebrauch gemacht hatten; 344 Stimmen entfielen auf den Beßprimer Rabbiner Dr. K i ß, 166 Wähler hatten gegen ihn gestimmt. Dr. Kiß erhielt daher über die vorschriftsmäßig nothwendige Zweidrittel-Majorität hinaus noch 12 Stimmen und wurde daher zum Rabbiner der Ofener israelitischen Religionsgemeinde erwählt. G«meindepräsident Dr. Szabolcsi verkündete das Wahlresultat, welches von den Anhängern Kiß' mit begeisterten Eljenrufen ausgenommen wurde. Sodann sprach Dr. Szabolcsi dem Wahlleitungscomitö, insbesondere dem Präsidenten desselben, Dr. Daniel P e c s i, seinen Dank aus, womit die Sitzung zu Ende war. Rabbiner Dr. Kiß wurde von dem Resultat der Wahl telegraphisch verständigt. Hohenau. Sonntag den 1. d. M. veranstaltete die .Hohenauer israelitische Unterstützungs- und Beerdigungsbruderschaft" auf Veranlassung der Herren Vorstandsmitglieder Dr. Leimdörfer und T.Daschö im israelitischen Tempel zu Hohenau einen Trauergottesdienst zum Andenken des verstorbenen Ehrenbürgers und Bürgermeisters von Hohenau, des hervorragenden Großindustriellen und Mitchefs der Hohenauer Zuckerfabrik, des Herrn D r. Ju l i u s S t r ak o s ch, der durch einen plötzlichen Tod aus der Mitte seiner Mitbürger gerissen wurde. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der durch jahrzehntelanges, uneigennütziges Wirken sich unvergängliche Verdienste um seine Untergebenen und um alle Bewohner unseres Heimatsortes erworben hat. Von der Beliebtheit und Werthschätzung, deren sich der Verblichene erfreute, legte die imposante Betheiligung an der Trauerfeier ein beredtes Zeugniß ab. Jung und Alt, seine Mitbürger und viele Freunde waren erschienen, um dem Dahingeschiedenen die. letzte Ehre zu erweisen, alle Jene, die mit ihm im Leben

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