Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021422--11134-3035654
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 600 Bloch's WoüreNfchrtM Nr. 36 Synagoge geopfert werden sollten, da derartige Festlichkeiten kürzlich in Szegedin und Brassü von solchen Wütherichen gehört, respective das Volk aus diesem Anlasse zur Brutalität aufqehetzt wurde. Der Pöbel wollte auch in dieser Ortschaft hinter dem Fortschritte der Finsterniß nicht Zurückbleiben und hat den Photographen in solch' unmenschlicher.Art mißhandelt, daß er kaum aus der Rotte davon kam und nach Fogaras zurückgekehrt ist. Kraftlos schleppte er sich bis zur Wohnung des jüdischen Arztes Dr. L. Beim Arzte angelangt, bat er> denselben, ihm ein Visum repertum auszustellen. Der Arzt stellte ihm das gewünschte Document aus und er srug um die Taxe. „Bier Kronen" war die Antwort. „Das ist viel", erwiderte hierauf( der Photograph, „da ich doch eigentlich als Opfer für Ihre Glaubensgenossen fiel und für Ihre Glaubensgenossen leiden mußte". „O nein", antwortete der Arzt, „Sie fielen der Dummheit Ihrer Glaubensgenossen zum Opfer". Der „Schames". Ein Bild aus den Slichottagen Von Rabbiner Dr. Jakob Nacht, Focsani. Ich sehe ihn noch leibhaftig vor mir, diesen ehrwürdigen Greis, wie er in später Nachtstunde im Beth-hamidrasch beschäftigt ist. Seine emsige Thätigkeit und sein reges Wachen verrathen nichts von dem Schnee der Jahre, der auf seinem Rücken lastet. Es ist Beginn der Slichottage. Sie machen dem „Schames" viel zu schaffen. Er bewegt sich, wie einst der Hohepriester Aron, zwischen den Lebenden und Todten. Bald ist es der Friedhof, der ihn in Anspruch nimmt, da der Schames gewöhnlich den Besuchern der Familiengräber, das in den Slichottagen Usus ist, als Wegweiser dient Bald ist es das Beth- Hamidrasch, das seine Anwesenheit benöthigt. Das Beth Hamidrasch muß in den Slichottagen frühzeitig gesäubert, Licht für die Synagoge und die zahlreichen Besucher derselben besorgt werden. Letzteres ist besonders Aufgabe des Schames. Ihm sind traditionell die für die Synagoge gespendeten Lichter anvertraut, und er muß für die richtige Vertheilung derselben sorgen. Die Lichter werden gewöhnlich in den sogenannten „Schulchan" aufbewahrt, als sollte hiemit auf das Geisteslicht, das dem auf dem „Schulchan" verlesenen Wochenabschnitte aus der heiligen „Thora" entströmt, hingedeutet werden. „Denn ein Licht ist die Mizwah, eine Leuchte die Thora." (tik mim msö “o *0) Unser ehrwürdiger Greis weiß den Anforderungen, die die Slichottage an ihn stellen, gerecht zu werden. Er gönnt sich weder Ruhe noch Rast, solange im Beth-hamidrasch nicht Alles in Ordnung gebracht ist. Nachdem die Synagoge gelüftet, gesäubert und von reichlichem Lichte umstrahlt ist, macht sich unser Schames auf den Weg. Es ist späte Nacht. Tiefes undurchdringliches Dunkel herrscht, ringsum Todesstille, Alles schweigt. Und mitten durch die finsteren Gassen des Ghetto bewegt sich der Schames, ein ehrwürdiger Greis, dessen Gang sich wie ein geheimnißvolles Rauschen anhört und dessen silberweißer Bart wie das stille, bleiche Lächeln des Mondes von dem schwarzen Schleier der Nacht sich abhebt. Er wandert von Haus zu Haus, pocht an die Thüre und draußen wartend ruft er hinein in die dunklen Wohnungen der Schlafenden mit feierlichem Tone: „Steht auf, Slichot". Die Mission des Slichoth-Schames erinnert mich an das Los 4>es jüdischen Volkes unter den Nationen. Wie der Schames, war auch Israel der Wecker der Völker und mit seiner Geistesfackel leuchtete es hinein in die Tiefen der Unwissenheit, in welche die anderen Stationen versunken waren. Wie der Schames, sorgte auch Israel dafür, daß in seinen Lehrhausern die geistige Lebenssonne mit all ihrem Feuer erstrahle, um die Kälte des Geistes-Winters, mit welcher die kleinen, elenden Kamine vergebens kämpfen, zu verscheuchen. Unerschütterlich hielt es an der Mission des Ltchtansteckens fest, zu allen Zeiten war es die Leuchte, in deren erwärmenden Strahl Unzählige sich gesonnt. Und als die Abendschatten des finstern Golus sich über Israel senkten, blieb es trotz unsäglichen Jammers und Elends, das es zu erdulden hatte, seiner heiligen Aufgabe treu. Jahrtausende wandert es durch die finstere Nacht des Exils, um, gleich dem Schames, die geistige Friedhofstille durch den belebenden Weckruf der Eultur zu unterbrechen und den unheilvollen Menschenhaß durch das versöhnende Wort: „Slichoth" zu tilgen. Jahrtau,ende pocht es an die Herzenspforten der in egyptische Finsterniß und geistigen Schlaf eingelullten Menschheit. „Steht auf, Slichoth, zündet Licht an", ruft es in die finsteren Kammern hinein. O möchte doch der ehrwürdige Greis nicht vergebens an der Thüre warten, möchte doch der milde, versöhnende Hauch des Slichotrufes das Eis des Bruderhasses zum Schmelzen bringen, möchte doch endlich die Menschheit aus ihrem Geistesschlafe erwachen und den wärmenden Lichtstrahlen jüdischer Geistesfreiheit ihre Herzenskammern aufthun, auf daß dem Weckruf des alten, ehrwürdigen Schames die Morgenröthe folge, wo der gewaltige Schofarton die Frühlingsbotschaft unserer nationalen Freiheit aus der Nacht des Golus in die Welt hinauspofaunt. Correspondenzen. E. ß. Wien. (Zum siebzig st e n Wiegenfeste Dr. Alfred Stern' s.) Herrn Dr. Alfred Stern, der derzeit in Aussee weilt, sind zu seinem siebzigsten Wiegenfeste aus allen Kreisen der Bevölkerung, — von Wien sowohl, als auch aus der Provinz und dem Auslande — überaus zahlreiche Kundgebungen wärmster Sympathie zugekommen, in Gestalt von Adressen, Telegrammen, poetischen Widmungen, Blumenspenden, Briefen u. f. w. Die Wiener israelitische Cultusgemeinde widmete eine vom Gesammt-Vorstande — mit dem Präsidenten kais. Rath K l i n g e r an der Spitze — gefertigte Adresse in prachtvoller, künstlerischer Ausstattung. Weiters liefen Adressen ein: Bon der Israelitischen Allianz in Wien, vom Oesterreichifchen israelitischen Gemeindebund, vom Bethausvorstande der Wiener israelitischen Cultusgemeinde und von den einzelnen Vorständen der Wiener Bethausvereine. Ferner Adressen aller bedeutenderen und zahlreicher kleinerer israelitischer Cultusgemeinde^ Oesterreichs, von den Vorständen aller Wiener und einer großen Zahl auswärtiger humanitärer und cultureller Vereine. Adreffen sandten ferner der politische Verein „Donauclub" in Wien, Doctor Nechansky namens des fortschrittlichen Parteiverbandes des Wiener Gemeinderathes, das Curatoriyzn der Israelitisch-theologlschen Hochschule, die Lese- und Redehalle jüdischer Hockschüler, die akademische Studentenverbindung „Lib a n onia", Dr. Vo gl er namens des Vollzugsausschusses der deutsch-fortschrittlichen Partei, die Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums, der Böhmisch-israelitische Gemeindebund, der Beamtenkörper der Wiener israelitischen Cultusgemeinde mit dem Secretär kais. Rath Dr. L i e b e n an der Spitze, der Oesterreichisch-ungarische Cantorenverein durch den Präsidenten Obercantor Singer, der Wiener Schriftstellerverein „Concordia" durch den Präsidenten Edgar v. Spiegel rc. Es gratulirten die Rabbiner Güdemann, Schmiedl, Wolf, Bach, Gelbhaus. Löwy, Taglicht, Meyersohn, Landesschulrath Friedmann-Linz, Kisch-Prag, Lector Friedmann, Unger-Jglau, Ungerleider-Berlin persönlich, Grunwald-Hamburg und Josef Wohlstein namens der nördlichst Europas gelegenen israelitischen Cultusgemeinde Malmö rc. Telegramme und Correspondenzen sandten: die Herausgeber der „Neuen Freien Presse" Bacher und Benedict. Dr. Th. Herzl, Herrenhausmitglied Lobmeyer, Bezirksvorstand Niebauer, die Abgeordneten Auspitz, Rappaport, Kolffcher, Wrabetz, Noske, Straucher, Byk, Vogler. Pipes-Poralynski und v. Lindheim, sowie die Gemeinderäthe Orel, Helbig, Reisch, v. Goldschmidt, Mittler, Zifferer; die Profefforen Rosenblatt, Oser, Eduard Sueß, Karl König, Fournier, v. Weilen, Gärtner, Benedikt; Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Dr. I. S. Bloch, Baron Landau-Berlin, Compositeur Ignaz Brüll und Frau, Architekt Fleischer, Moriz Karpeles, Baron Alb. Rothschild, Baronin Königswarter, D. Ritter von Gutmann, Sophie von Gutmann, Jda von Gutmann-Wodianer (mit prachtvoller Blumenspende), Obercantoc Guttmann, die Zeitungsherausgeber Lichtblau und Scharf, Dr. Frauenberger, Baurath Stiaßny, Blindeninstituts-Directvr Heller, Taubstummeninstituts - Director Brunner, kaiserl. Rath Ruzicka, Med. Dr. Wahrmann, Vicepräsident Eduard Reik, Wilhelm und Moriz Kuffner, Emilie von Gernerth, Regierungsrath Dr. Steger, Ottilie Bondi, Oberst Alexander Ritter von Aist, H. Gerhardus, Dr. Rudolf Fenz, Director Paul Hammerschlag, Hofrath von Hahn. Dr. Bendiner (Prag), Dr. Herzberg- Fränkel, kaiserl. Rath Anninger, der Präsident der Wiener Advocatenkammer v. Feistmantel und Vicepräsident Dr. Zucker nebst einer überaus großen Zahl von Advocaten u. s. w. Bon Deputationen, die zur Gratulation erschienen waren, sind zu erwähnen: der Rector der Israelitisch-theologischen Facultät Dr. Schwarz und Professor Dr. Büchler, Adolf Stiaßny namens des Wiener Bethausvorstandes, die Herren S. Heit und Kauders nebst mehreren Vorstandsmitgliedern namens sämmtlicher Wiener israelitischen Cultus- und Wohlthätigkeitsvereine,RedacteurHahn namens der in Aussee weilenden Glaubensgenossen. Unter den Gratulationen befindet sich eine lange Reihe von guten und gutgemeinten Gedichten. Es liefen ferner zahlreiche Blumenspenden ein, die den Salon des Jubilars in einen Blumenhain verwandelten. Die Familienmitglieder veranstalteten zu Ehren des Jubilars ein intimes Fest, das mit musikalischen und deklamatorischen Vorträgen seinen Abschluß fand. Selbstverständlich kann das Berzeichniß der Gratulanten und der eingelaufenen Gratulationen keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen. In gewohnter Weise

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.