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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 698 Dr. BloÄr's WochrnMrrlft. Nr. 36 sollte die weiteste Verbreitung finden, so daß sie, wo auch immer, im kleinsten Städtchen oder Dorfe in Amerika oder Europa, eine Drscussion über das Judenthum sich entspinnt, zur Hand sei, um zu berathen und zu belehren. Mein Vorschlag ginge nun dahin, daß wohlhabende Juden Exemplare dieser Encyklopädie ankaufen, nicht sowohl für sich selber, als vielmehr zur Vertheilung unter die Bibliotheken jener Städte und Dörfer, denen die Mittel zur Anschaffung des Werkes fehlen. Eine trefflichere Anlage für das Judevthum kann wahrlich nicht gemacht werden. Ist einmal jede Bibliothek damit versehen, so gilt die Ausflucht nicht mehr,--das Judenthum sei schlecht vertreten in der Presse, auf Kanzel und Tribüne. — Wo die Dinge so verständlich liegen, muß in der That der Geist, der sie zu erfassen sich weigert, auf einem tiefen Niveau stehen. Ich vertraue darauf, daß meine Worte Beherzigung finden werden. Ich hege die Ueberzeugung, daß viele es als eine Ehre ansehen werden, einer Bibliothek ein solches Geschenk machen zu dürfen. Herr Andrew Carnegie hat ein edles Beispiel gegeben, indem er gegen 200 Bibliotheken in Europa und Amerika gegründet. Mögen die Juden dieses Beispiel nachahmen, daß in jeder Schule, in jedem Gotteshaus, in jeder Volksbibliothek ein Exemplar der Encyklopädie aufliege, um so zum Ruhme Israels, zur Verbreitung der Wahrheit und zur Wohlfahrt der Menschheit beizutragen. Vom Jahrmarkt des Leben». Die Cleriealeu nnd der Antisemitismus. In einer der letzten Nummern des „Vaterland" war folgendes „Eingesendet" zu lesen: Stimmen aus dem Publicum. Das „Deutsche Volksblatt" und der Olmützer Katholikentag! Geehrte Redaction! Im „Deutschen Volksblatt" vom 25. d. M. ist über den Olmützer Katholikentag eine Notiz enthalten, die den Stempel des rohesten gemeinsten Antisemitismus trägt. Der Erzbischof wird darin ein „Jude" geschimpft, der die Tactlosigkeit habe, den Organisator der katholischen Bevölkerung spielen zu wollen. Von der christlichen Bevölkerung sei es geschmacklos, einem „Juden" in religiösen Dingen zu folgen. Der ganze Katholikentag erscheine als lächerliche Farce, und es sollten Deutsche und Czechen fich für zu gut halten, bei einer solchen mitzuwirken. Nicht nur Unwissenheit und Frechheit sprechen aus diesen giftigen Worten, es ist auch die Abficht unverkennbar, die alldeutschen Concurrenten im Antisemitismus durch Bosheit zu übertreffen. Niemand dürste dem Schreiber den Preis streitig machen. Die Redaction sollte aber doch wiffen, daß solche giftige Ausfälle auf einen katholischen Bischof und die christliche Bevölkerung es dem katholischen Elerus und den Katholiken überhaupt unmöglich machen, das „Deutsche Volksblatt" als christliches Blatt anzuerkennen und zu unterstützen. Ich bitte hiermtt, dem allgemeinen Unwillen, den diese und ähnliche Notizen hervorgerufen. Ausdruck zu geben. Hochachtungsvoll F. O. fürsterzbischöfiicher geistlicher Rath. Darauf weiß nun das „Deutsche Volksblatt" nichts anderes zu erwidern, als indem es sagt: „einen „rohesten und gemeinsten Antisemitismus" und einen milden, gemäßigten, wie der Herr Consistorialrath zu glauben scheint, gibt es nicht, sondern nur einen Antisemitismus, der auch vor einem getauften Juden dann nicht Halt macht, wenn er auf dem Stuhle eines Erzbischofs sitzt. Diese Stellung haben wir immer eingenommen." Gegen den Judenstämmling Porz er u. A. hat aber das „Deutsche Volksblatt" nie Stellung genommen und es hat vor vielen anderen Dingen — Halt gemacht. Daß sich das clericale „Vaterland" enthält, im redacttonellen Theile gegen die Beschimpfung des Erzbischofs im .,Volksblatt"'zu protestiren, sondern es dem fürsterzbischöflichen geistlichen Rath F. O. überläßt, dem es seine Spalten doch nicht verweigern kann, den Gassenjungen der „Unwissenheit und Frechheit" zu zeihen und die Absicht, „die alldeutschen Concurrenren im Antisemitismus durch Bosheit zu übertreffen", also den gemeinen Geschäftsantisemitismus nach Gebühr zu kennzeichnen, zeigt, daß der Clericalismus den antisemitischen Hetzern nicht unangenehm werden will, daß er sogar zu Gunsten dieser Bundesgenossen auf alle seine Principien verzichtet. Der Antisemitismus, der auf dem Racenprincip fußt, ist dem Katholicismus direct entgegengesetzt und schließt ihn geradezu aus. Die Missionen in Afrika un^ China wären ein Unsinn, wenn die Race einen Unterschied im Glaubensbekenntniß machte, und der ganzen Lehrthätigkeit der Kirche wäre der Boden entzogen. Im Momente, in welchem der in den Schoß der Kirche Aufgenommene aufhört, ein Gleicher zu sein mit allen übrigen Gläubigen, verschwindet der katholische Grundgedanke. Ebenso hört aber die Kirche auf, eine universelle zu sein, wenn die Nationalität als ein scheidendes Element in dieselbe eingeführt wird, weil dann unvermeidlich die Nationalkirchen die Stelle der allgemeinen einnehmen müssen. Allein man verspricht sich noch immer von der antisemitischen Hetze große politische Vortheile. Die Zersetzung der Gesellschaft durch den Antisemitismus wurde in Oesterreich, wie in Frankreich, in Ungarn und in Deutschland nur zu dem Zwecke inscenirt, damit die liberale Partei gestürzt und dem Clericalismus der Weg geebnet werde, von dem er eine Zeit lang verdrängt war. Und es handelte sich dabei nicht etwa um die „idealen Güter", die man angeblich „dem Volke wiedergeben wollte", sondern xurs et siwxltz um die Wiedererlangung der politischen Macht, die Herrschaft' über den Staat, die Durchdringung aller Functionen mit dem priesterlichen Elemente, um das Wiederaufleben des Concordates. Und dazu bot sich der Antisemitismus als geeignetes Werkzeug dar. Der Cardinalstaatssecretär Rampolla wäre nicht der kluge Jesuit, wenn er den Werth dieses Mittels nicht begriffen hätte, und eben daraus erklärt sich am besten die Verbreitung des Antisemitismus selbst in jenen Ländern, wo es nur äußerst wenig Juden gibt. Wäre der Sieg auch nur auf einem Punkte errungen worden, so würde man des Wertzeugs sofort sich entledigt haben, das ja den Wurzeln des Katholicismus selbst gefährlich werden kann. Da jedoch auf gar keinem Punkte der Erde das angestrebte Ziel erreicht wurde — ja vielmehr hie und da gerade die entgegengesetzte Wirkung provocirt worden ist, wie in Spanien und Frankreich — so bleibt die Verbindung noch aufrecht und das „Vaterland" wird nach wie vor vorn antisemittsch, hinten katholisch sein. Die Verrohung der Bevölkerung. Es scheint, als ob man im antisemitisch-clericalen Lager von einem Gefühle der Bangigkeit überwältigt wäre, da man dort jetzt mit einer gewissen Beharrlichkeit und Absichtlichkeit über die „Verrohung der Wiener Bevölkerung" Klage führt. Dem antisemitischen Moniteur hat sich das clericale Hauptblatt angeschlossen und singt, allerdings in einer anderen Tonart, denselben Text. In gar beweglichen Worten und mit Anführung erschreckender Details wird über die Verwilderung eines Theiles der Bevölkerung Beschwerde erhoben. Der Zustand und der Charakter der Bewohner wird in den schwärzesten Farben geschildert, und man muß sich fast verwundern, daß eigentlich von dieser „verrohten Bevölkerung" nicht noch viel ärgere Schandthaten berichtet werden, als bisher in diesen beiden Blättern angeführt worden sind. Die Rollen sind übrigens sehr fein vertheilt. Das Antisemitenblatt schiebt die Schuld der „Neuschule" in die Schuhe, das clericale Blatt bezichtigt die Socialdemokratte als die Urheber der Verrohung.; Welche Bewandtniß es mit den Anklagen gegen die „Neuschule" hat, haben wir in einer früheren Nummer schon

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