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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-30 · 35 (30.8.1901) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
35 (30.8.1901)
Date
1901-08-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 690 *to Bwm s WMrrnft'AM Nr. 85 humanitärer Vereine. Herr S ch w a r z wird in seinem menschenfreundlichen Wirken von.seiner liebensivürdigen Gattin Henriette unterstützt. I. L. . Wie«. Im Alter von 62 Jahren verschied vorige Woche in Ischl Generalstabsarzt i. R. Dr. Moriz Leon aus Raab, Ritter der Eisernen Krone, und am vorigen Donnerstag wurde derselbe vom Garnisonsspitale aus unter militärischem Cvnduct auf ärarischem Galawagen zur Erde bestattet. Von Seite der Cultusgemeinde erschienen als Vertreter kais. Rath Doctor Th. Lieben, ferner von der Chewra-Kadischa die Herren B. K a n i tz und A. B o n d i, P d l l a k rc. Dem Sarge folgte auch der greise Vater des Dahingeschiedenen, der das Unglück hatte, innerhalb eines kurzen Zeitraumes zwei so tüchtige Söhne und den Schwiegersohn scheiden zu sehen. Im Spitale und auf dem Centralfriedhose fungirte Obercantor Singer mit dem verstärkten Tempelchor und Oberrabbiner Dr. Güdemann widmete dem Verblichenen den wohlverdienten Nachruf, in welchem er das Pflichtgefühl und den echt religwsen, wie auch den Familiensinn des Verklärten besonders hervorhob, der gleichsam auf dem Felde der Ehre auf blankem, unbefleckten Schilde gefallen sei, als ein treuer, unentwegter Diener seines Gottes, seines Kaisers und seines Volkes, als Held und Herold der Wissenschaft, als Kämpfer gegen den inneren Feind der Menschheit, die ihm stets ein warmes Andenken bewahren wird. Möge die allgemeine Theilnahme den Gebeugten und Betrübten zum Tröste gereichen! — n. Wie«-Her«al8. Vorige Woche verschied der Kaufmann und Hausbesitzer Herr Abraham Josef Mandl im Alter von 74 Jahren. Der Verstorbene war 40 Jahre ein treues uno hochgeschätztes Mitglied der Cultusg«ueinbe Ottakring und hat sich durch seinen ehrenhaften Charakter und fein nur dem Wohle der Mitmenschen geweihtes Leben allgemeine Verehrung und Sympathien erworben. Die trefflichen Eigenschaften des Verstorbenen würdigte Herr Rabbiner Dr. Bach in einer ergreifenden Grabrede, der ein zahlreiches und theilnahmsvolles Publicum beiwohnte. Wie«. (Israelitisches Studentenheim.) Das von dem bekannten Pädagogen B. Nassau musterhaft geleitete, behördlich couceffionirte Knaben-Peusionat, Wien, 1L, Ezermnplatz 4, für Zöglinge aller öffentlichen Schulen steht zu Beginn des neuen Schuljahres in Verbindung mit der in seinem Hause befindlichen Privatschule für kaufmännische Lehrfächer unter Leitung des Herrn Karl Bardach, eines in allen Fächern der Handelsschule, sowohl theoretisch als auch praktisch erfahrenen Lehrers. Die Zöglinge genießen im Pensionate eine sorgfältige Erziehung, gewissenhafte Unterstützung in ihren Studien von tüchtigen Lehrern und strenge Aussicht -während jeder schulfreien Zeit. Moderne Sprachen und Musik werden daselbst besonders gepflegt. Wie«. (Spende.) Für den Abbrändler in St. Leollhard sind uns von Herrn Jacob Kann in Wien 10 Kronen zugekommen. Brün«. D i e n st j u b i l ä u m.) Samstag den 7. September l. I. feiert der Borbeter Herr Salomon L i e b e l sein fünfundzwauzigjähriges Dienstjubuäum als Cultusbeamter und II. Vorbeter im Bethausvereme Neulhorgaffe 1. Der Jubilar erfreut sich allgemeiner Sympathien. Brünn. (Stipendien für israelitische Lehramtskandidaten.) Das Curatorium des mährisch-jüdischen Laudesmaffafonbes beabsichtigt, Zöglingen von Lehrerbildungsanstalten, die sich gleichzeitig zu israelitischen Religionslehrern ausbüden wollen, Stipendien zu je 200 Kronen zu bewilligen gegen die Verpflichtung, nach Ablegung der Reifeprüfung und rhrer Ausbildung zu Religionslehrern sich als Lehrer an israelitischen Schulen in Mähren durch eine Reihe von Jahren verwenden zu taffen. Es werden daher Eltern und Vormünder von absolvirten Schülern der Bürgerschulen oder der Unterclassen von Mittelschulen, die das fünfzehnte Lebensjahr vollendet haben, hierauf mit dem Bemerken aufmerksam gemacht, daß solche Zöglinge Gelegenheit haben, sich gleichzeitig am israelitischen Proseminar in Brünn die für Reltgionsleyrer nöthigen Kenntniffe anzueignen. Praskoles b. Horowitz. Am 14. d. M. starb hier im 76. Lebensjahre Herr David Schwarz, durch mehr als vierzig Jahre Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde, die durch sein Hinscheiden einen schier unersetzlichen Verlust erleidet. War er doch der Begründer des hier bestehenden Kranken- und Friedhof- Vereines, welch letzterem er die Errichtung des Gottesackers dprch die Spendung eines bedeutenden Grundstückes ermöglichte. Bei allen Behörden, mit denen er in Folge seiner Stellung — auch die Mitbürger christlicher Confession beehrten ihn mit ihrem Vertrauen, indem er dirrch lange Jahre als Bürgermeister und später als erster Gemeinderath in ihrer Vertretung saß — zu thun hatte, erfreute er sich in Würdigung seiner trefflichen, dabei unaufdringlichen Eigenschaften der besten Werthschätzung. So ehrten seine Mitbürger nur sich selbst, wenn sie den hochgebildeten Mann — er verband mit einer bewundernswerthen Beherrschung des weiten talmudischen Gebietes ein bedeutendes profanes Wissen — als den Edelsten an ihre Spitze stellten. An seiner Bahre trauerten 4 Söhne und 2 Töchter, sämmtlich in hochgeachteter Stellung. Unter den Condolenzen, die in großer Anzahl von Nah und Fern kamen, befand sich auch eine solche vom commandirenden Oberst des 30. Infanterie- Regimentes im Namen des gesammten Officierscorps an den Sohn des Verstorbenen, den k. k. Oberlieutenant Josef Schwär z. Das Leichenbegängniß, an dem auch die christliche Gemeindevertretung, sowie christliche und jüdische Abordnungen sämmtlicher Nachbargemeinden theilnahmen, gestaltete sich durch großen Andrang aller Bevölkerungsschichten und Confeffionen zu einer imposanten Trauerkundgebung. Am offenen Grabe hielt der Bezirksrabbiner Herr Urbach einen ergreifenden, die vielen Verdienste des Verstorbenen um die Gemeinde würdigenden Nachruf. Wie selten einer hat der Dahingeschiedene seinem Volke, seiner Gemeinde, seiner Familie und seinem Namen, zur Ehre gereicht. Feuilleton. Der Unessane toket. Novelle von Babetta Fried in Prag. (Fortsetzung.) David ging fort und lenkte seine Schritte der Nosenbergschen Wohnung zu, machte aber unterwegs die Bemerkung, daß alles Leben in den sonst geräuschvollen Gassen wie ausgestorben lvar. Keine schwarzköpfigen Kinder tummelren sich wie gewöhnlich in den Gassen herum, keine Frau mit dem Elnkausskoroe am Arme schleuderte ihrer Wohnung zu. Alle Kaufläden waren, trotzdem es kein Savbath war. hermetisch geschlossen und die sogenannten Klatschvänkchen vor den meisten Hausthüren nicht wre sonst von ptauvernoen und strickenden Matronen besetzt, trotzdem daß die Herbstsonne noch recht sommerlich schien und zum Verweilen im Freien einlud. Das Leben und Wesen oreser Gemeinde in dem versteckten GebirgSstäotchen war David zu sehr ln Erinnerung geblieven, als daß diese ungewöhnliche «Stille, das Stagniren des gewohnten Verkehres ihm nicht ausgefallen wäre. Er ging hin bis zum Gäßchen, worin die alterryümliche Synagoge lag, vielleicht oaß er dort Frau Cheile antraf, welche nach Aussage des Mädchens hingegangen war. Ja, dort war es allerdings belebter. Alles Leven aus der Kille hatte sich heute daselbst concentrttt. Hier standen in malerischen Gruppen Männer, Frauen und Kinder umher. Die Männer, welche sich das ganze Jahr hindurch wenig aus dem Befinden ihrer Frauen gemacht hatten und eine etwaige Klage darüber mit einem gleichgiltigen Achselzucken, wenn nicht gar mit einem mürrischen: „Lass' mich in Ruy' J" beantworteten, die spielten sich heute aus die zärtlichen Ehegatten auf und ließen sich ihre Frauen aus der Weiberschul herunterrufen, um sich rheilnahmsvoll nach deren Befinden zu erku»idigen und sie zu fragen, wie ihnen das Fasten beyagte. Denn es war heule Jom Kipur, der Versöhnungslag. So manche Frau überließ das ganze Jahr hindurch ihre Kinder der Aussicht gar oft recht unverläßlicher Dienstboten, wenn sie ihre Zeit entweder dem Geschäfte oder auch minder nützlichen und ernsten Dingen zuwendete, aber an diesem Tage halte sie es nicht ausgehalien, wenn man ihr nicht die allerliebsten Sprößlinge vis vor die Schulthür gebracht hätte, wo die ganze Kille einestheils ihre mütterliche Zärtlichkeit, anderentheils die neuen, in der großen Stadt verfertigten Herbstkleidchen der lieben Kleinen bewundern könne. Auf diese Weise war der große Rasenplatz vor der Schul' zum belebten Rendezvous-Orte diverser Leute geworden, welche Nachmittags schon recht andachlsmüde waren. David mischte sich unter die dort stehenden, plaudernden und trotz des ernsten Tages mitunter lachenden und scherzenden Gruppen, in der Hoffnung, unter diesen Leuten Cheile anzu-

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