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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-30 · 35 (30.8.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
35 (30.8.1901)
Date
1901-08-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 35 Sette 587 Dr. Bloch's Wochenschrift Wien, voeem Freimaurer! Ihr Cvrrespvndent. geehrter Herr Redacteur, hat recht: es gibt in Deutschland Logen, welche keinen Juden in ihrer Mitte haben; wenn aber erwogen wird, daß drei schwarze Kugeln einen Aufnahmsbewerber abweisen — wenn andererseits erwogen wird, welch weite Kreise der Antisemitismus in Deutschland verseucht hat, dann wird man diesen Thatumstand erklären können, entschuldigen nie! Drei Mitglieder einer Loge können diese Richtung einer Loge ausprägen, und diese drei sind eben Solche, die in ihrer maurischen Gesinnung so weit zurückgeblieben sind, daß sie den obersten Grundsatz der Freimaurerei: „Gleichheit aller Menschen" vor ihrem Gewissen verleugnen. Es gibt eben keine vollkommenen Menschen, keine vollkommenen Institutionen! Die Freimaurer der ganzen Welt haben diesen Standpunkt der drei preußischen Großlogen gebrandmarkt, allerdings ohne Erfolg! Erst der Geheime Rath Settegast, ein Mensch im edelsten Sinne des Wortes, hat diesen mittelalterlichen Standpunkt gebrochen und mit vollem Erfolg durch Schaffung einer vierten Großloge in Preußen in allen Gerichtsinstanzen vertreten. Heute sind die Mitglieder dieser neuen Logen in den alten ausgenommen, und der oberste Grundsatz der Freimaurerei: „Gleichheit aller Menschen", bleibt unabänderlich fest bestehen! Salzburg. Unter dem Schlagworte „Ein gefährlicher Bücheragent" bringt die amtliche „Salzburger Zeitung" folgende Notiz: „Ueber eine gestern Abends bei der Sicherheitswach- Expositur am Bahnhose erstattete Anzeige wurde vom Wachmann Hager ein jüdischer Bücheragent verhaftet, der, obwohl durch keinerlei Document zur Vertreibung von Büchern und Zeitschriften berechtigt, sich als solcher für eine Wiener Buchhandlungsfirmä in den Wohnungen einschlich und allein anwesende Frauenspersonen mit unsittlichen Anträgen auf's Aergste belästigte." Es ist im höchsten Grade befremdend, daß gerade das Organ der Landesregierung die Confeffion dieses Mannes hervorhebt, während bei den zahllosen abscheulichen Verbrechen, wie Blutschande, Nothzucht, von denen man in der alpenländischen Presse doch nicht allzu selten liest, niemals das christliche Gaubensbekenntniß der betreffenden Missethäter hervorhebt. Der Landespräsident möge hier betreffs dieser eines Amtsblattes gewiß nicht würdigen Berichterstattung Wandel schaffen. Zwittau (Mähren). Löbliche Redaction! Anläßlich des Beschlusses des Prager Magistrates, betreffend den alten Judenfriedhof in Prag, sei es mir gestattet, daran zu erinnern, daß die Demolirung dieser altehrwürdigen Stätte gar nicht mehr neu ist. In den Löliebot-Gebeteu zu Mincha des Versöhnungstages findet sich auch eine Selichot von R. Awigdor Caro, die mit den Worten beginnt: „Eth Kol hatlo’oh“. Dort werden u. A. auch geschildert die Verheerungen, die der Prager Pöbel auf demselben Friedhose, der jetzt demolirt werden sollte, angestiftet hatte. Die Gräber, heißt es dasebst, wurden aufgerissen, die Grabsteine zertrümmert, was im Schooße der Erde verborgen war, wurde ans Tageslicht gefördert und die Grabhügel wurden dem Erdboden gleich gemacht. Dieses geschah im Jahre 5149 nach Erschaffung der Welt, also am Ende des Passahfestes des Jahres 1389. Nun werden wir 512 Jahre später dasselbe Schauspiel wieder erleben. Diesmal wird aber die Demolirung des alten Judenfriedhofes nicht der Prager Pöbcl, sondern der löbliche Magistrat des „goldenen Mütterchens Prag" vornehmen. Jedenfalls ein bedeutender Fortschritt. vr. F. K. Kaisers Geburtstag in NaZic. Man schreibt uns von dort: Das Allerhöchste Geburtsfest Sr. k. u. k. apostolischen Majestät wurde heute besonders feierlich begangen Am Vorabende des Festes war unser Ort vom gräflichen Schlosse bis zur letzten Bauernhütte festlich beflaggt und illuminirt; beim ersten Pöllerschusse durchzogen die k. u. k. Militärcapellen des 78. und 16. Infanterie-Regiments unsere Straßen und Gassen mit klingendem Spiele. Am 18. d., 5 Uhr Früh, verkündeten Pöllerschüsse und Tagesreveille die festliche Bedeutung des heutigen Tages. Um 9 Uhr fand eine Feldmeffe in der hiesigen Franciskanerkirche statt, woran der Schloßherr, unser allverehrter Obergespan Dr. Theodor Graf Pejacsevi ch, sämmtliche Militär- und Civilbehörden, die Gemeinderäthe und die Bevölkerung theilnahmen. Nach der Feldmesse fand ein solenner Festgvttesdienst im hiesigen israelitischen Cultustempel statt. Obergespan Dr. Theodor Graf Pejacsevich, die Generalität, die Stabs- und Oberofficiere, die Spitzen sämmtlicher Behörden und der Bürgerschaft wohnten auch diesem Festgottesdienste an. Rabbiner Winter hielt in begeisterten Worten die Festpredigt. Nach dem Festgottesdienste empfing Se. Hochgeboren unser illustrer Obergespan die homagialen Glückwünsche aller Deputationen durch den Bezirksvorstand Herrn Plato Mihalte v i ö verdolmetscht. Der Herr Obergespan war von der Loyalität der Bevölkerung sehr erfreut und veranlaßte, daß die homagialen Wünsche Allerhöchsten Ortes telegraphisch zur Kenntniß gebracht wurden. Um 1 Uhr Nachmittags fand im Cafinosaale ein Festbankett zu 80 Gedecken statt. An demselben nahmen Obergespan Dr. Theodor Graf Pejacsevich, die jungen Grafen, die Generäle und Stabsofficiere. die hiesigen Beamten und Bürger, die Geistlichkeit aller Confessionen, Corporationen rc. theil. Den Reigen der Toaste eröffnete unser illustre Obergespan und mit beredten Worten schilderte er die Bedeutung des Allerhöchsten Geburtsfestes. Es war kein Toast in herkömmlicher Weise, sondern eine tiefempfundene Kundgebung, eine vom Herzen kommende Huldigung für den geliebten König, eine großartige Sympathiekundgebung an das k. u. k. Militär und die Bürgerschaft und ein feuriger Gruß dem Baterlande. Nicht endenwolleude „Zivio" begleiteten den Schluß der zündenden Rede. Prag, am 26. August 1901. Minister Dr. Kaizl unk» die Juden. sOriginal-Bericht.j In den Nachrufen der cz ethischen Presse, welche diese der politischen Thätigkeit des plötzlich verstorbenen, ehemaligen Finanzministers Dr. Kaizl widmet, finden sich begreiflicherweise fast gar keine Mittheilungen von seinen theoretischen Ansichten über die Judenfrage, und noch weniger Nachrichten über seine praktischen Beziehungen zu den Juden während seiner parlamentarischen und ministeriellen Laufbahn. Die heutige czechische Presse ist nämlich, mit einigen wenigen Ausnahmen der social-demokratischen und realistischen Blätter, fast durchwegs judenfeindlich. Nur Dr. E n g e l' s Organ enthält eine andeutungsweise Erwähnung der unerschrockenen Energi e, mit welcher Kaizl oft ganz allein der populären antisemitischen Tages st römung entgegentrat. Diesbezüglich charakterisirt Dr. Engel seinen langjährigen politischen Kampfgenossen Kaizl folgendermaßen: „Diese seine gesunden und forts chrittlichen Anschauungen verfocht Kaizl stets mit Festigkeit und Energie, durchdrungen von dem Bewußtsein, auf diese Weise seinem Volke am besten zu nützen. Kaizl war kein Gefühlspolitiker. Kühler B e r st a n d. nüchterne Erwägung, scharfblickende Berechnung des erfahrenen Kenners aller realen Verhältnisse leiteten sein ganzes Thun. Er war kein Schmeichler des Bolkshaufens, er buhlte nicht um die Gunst der Massen und haschte nicht nach jener Popularität auf Kosten seiner Grundsätze, welche die politische Erziehung des Volkes verdirbt, indem sie seine Fehler beschönigt; im Gegentheile, offen hielt er seinem Volke die wahrgenommenen Gebrechen vor und zeigte zugleich dieWege zu ihrer Besserung an. — — Er wollte keinen Bortheil Preisgeben, welchen er für seine Nation für erreichbar hielt." Damit war Kaizl's Stellung zum Judenthum gegeben. Er sah in den JudenBöhmens ein werthvolle sElement zur Stärkung der politischen Stellung seiner Nation, wenn die unter den Czechen lebenden Juden für die czechische Sache gewonnen werden könnten. Er mißbilligte daher folgerichtig auch entschieden Alles, was im öffentlichenLeben geeignetwar, die Juden als solche zu verletzen und sie der czechischen Politik zu entfremden. Da konnte der sonst so kühle Redner, der Kaizl war, ungemein feurig werden, und er legte stets sichtlich Werth darauf, gerade bei solchen Anlässen überall gehört und unzweideutig verstanden zu werden. So bekämpfte er energisch die Verbrüderung der Jungczechen mit Schneider und Lueger im Wiener Parlamente durch eine schneidige Absage an den clericalen Antisemitismus, welche den meisten jungczechischen Abgeordneten sehr ungelegen kam, weil sie seit Schneide r's Ausstellungsfahrt nach Prag den Moment kaum erwarten konnten, um nur gegn die Juden loszugehen. Großes Aufsehen erregte auch K a i z l's entschiedenes Auftreten gegen

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