Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-30 · 35 (30.8.1901) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
35 (30.8.1901)
Date
1901-08-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021421--11118-3035637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 35 Vr. Bloch s L^ochenschrist. Seite 585 der Landes - Rabbinerschule, nebst zahlr eichen Freunden und Schülern, die den theueren Tobten in die Ceremonienhalle des jüdischen Friedhofes geleiteten. Die Beerdigung fand am 11. Juli, 3 Uhr Nachmittags, statt und dauerte volle vier Stunden, denn es wurden elf Trauerreden gehalten. Die Collegen und Schüler des Verblichenen waren aus allen Gegenden des Landes, zumeist aus den Sommerfrischen, herbeigeeilt, um dem großen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Die erste Rede hielt Dr. Samuel Kohn, Rabbiner in Budapest, ein langjähriger Freund des Verblichenen. Im Namen der Familie sprach Dt. F. Rosenthal, Rabbiner in Breslau, der Schwager Kaufmann's?) Im Namen der Landes-Rabbinerschule sprach Professor Bacher, der ehemalige Studiengenosse und Amtsgenosse Kaufmann's. Es sprachen ferner Dr. M. Brann im Namen des Seminars zu Breslau, Prof. D. H. Müller im Namen des Wiener Seminars* 2 3 4 5 6). Dr. N. Steinhardt als Rabbiner der Geburtsgemeinde Kojetein, Rabbiner Dr. Dt. Klein aus Nagy-Becskerek im Namen der Leitungscommission der Landes-Rabbinerschule, Dr. A. Büchler, Rabbiner inIeszthely, im Namen der ehemaligen Schüler. Als Abgesandter der Gemeinde Wien, für deren Geschichte der Verstorbene soviel geleistet, und auch als Abgesandter, des jüdischen Museumvereines in Wien sprach Baurath Stiaßny. Am offenen Grabe sprachen noch Prof. I. Goldziher, den eine innige Freundschaft mit Kaufmann verknüpft hatte, und zuletzt Dr. Oppenheim aus Brünn, der Schwager Kaufmann's. Sie alle beweinten in Kaufmann den großen Gelehrten, den treuen Juden, den Lehrer und Freund?) Der Landes-Rabbinerschule wurden von Privaten und Körperschaften aller Weltgegenden Cvndolenzschreiben zugesandt. Auch die Tagesblätter des In- und Auslandes registrirten den Tod dieses seltenen Mannes und manche große Blätter ließen auch ausführliche Nekrologe schreiben. In der ganzen jüdischen Preffe wiederhallte die Todtenklage um den. Heimgegangenen, in Wochen- und Zeitschriften, in Kalendern und Jahrbüchern wurde sein Andenken in ergreifender Weise gefeiert. In der Landes-Rabbinerschule wurde am 16. October 1899 die Gedenkfeier abgehalten, bei welcher Profeffor L. Blau die Trauerrede hielt?) Die Schüler der Rabbinerschule betrauerten ihren großen Meister in einer Trauerfeier am 31. December 1899. Die Trauer war allenthalben eine große, tiefe, warm empfundene. Möchte doch allen Trauernden ein baldiger Trost werden! Noch ist ein Wort über die posthumen Schriften Kausmann's, von denen einige schon erwähnt worden, zu sagen. Im Juli-Heft der Jewish Quarterly Rewiew. einige Wochen nach Kaufmann's Tode, erschienen drei Arbeiten von ihm: Ueber ein Fragment einer sogenannten Megilla in Kairo; in der zweiten Arbeit wird die Legende von der Verbrennung Samuel ^artza's in geistreicher Weise aus der Interpretation seines Namens abgeleitet; die dritte handelt über Jedidja Rimini?) In Nr. 76 der Revue des Etudes Juives (XXXVIÜ) erschien von Kaufmann der intereffante Aufsatz: Les synagogues de Tolede; ferner Les inscriptions des tombeaux de Mardochee et d’Esther; L’autodafe des qua ante-cinq martyrs de Seville en 1501; Une nouvelle elegie sur R. Azriel Dayena; La defense de lire le Meor Enayim d’Azaria dei Rossi. In Nr. 77 finden sich wieder drei Artikel von Kaufmann, und zwar solche über Lettres de Scheschet b. Isaac b. Joseph Benveniste au prince Kalonymos et Levi de Narbonne, ferner überMenaehem Araria di Fano und über ein Gedicht des Moise Hayyim Luzzatto. Die elftere Arbeit findet erst in Nr. 78 ihren Abschluß. Die Monatsschrift, die in ihm den Mitredacteur verlor und die schon im Juli-Heft 1899 seinen Nekrolog brachte, hat noch von ihm den Aufsatz: Das Huldigungsgedicht Salomon ibn Gabirols für Samuel ha-Naigd;«) im September-Heft: Dr. Med. Vitalis ') Diese und Dr. Brann's Rede sind gedruckt in Brann's Jüdischer Hauskalender 1899. 2) D. H. Müller hat seitdem in einem besonderen Schriftchen Kaufmann's Andenken geehrt. Jahrbuch des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur, Berlin 1^00. 3) Eine erschöpfende Darstellung von Professor David Kaufmann's Leichenbegängniß ist von nur in Dr. Bloch's „Oesterre'chische Wochenschrift", lb99, Nr. 29 erschienen. 4) Sie ist gedruckt in M. Zs. S z e m l e XVI, 305—310. 5) Fast zwei Jahre später erschienen daselbst die Aufsätze: Die Vertreibung der Marranen aus Venedig im Jahre 1550. und: Die Verbrennung der talmudischen Literatur in der Republik Venedig. 6) Gehört noch zum Kreis der Gabirol-Studien, von denen oben die Rede war. Felix; im October-Heft die Beweisführung, daß Saul, der Sohn R. Abraham Broda's, nicht aus dem Judenthum ausgetreten ist. Es sind das die drei Zeitschriften, in welchen vorzugsweise seine Arbeiten zu erscheinen pflegten; aber auch andere Zeitschriften enthalten noch einige posthume Artikel Kaufmann's; andere Aufsätze dürften noch aus den Redactions-Bureaus zum Vorschein kommen. Was im Nachlaß vorhanden ist, wird wohl ebenfalls seiner Bestimmung zugeführt werden, und so können wir noch einer Anzahl von Kaufmann's Schriften gewärtig sein. Der Tod, der so früh die Ernte gehalten, soll die Lebenden an der gottgefälligen Arbeit nicht hindern. Alles zu retten, was uns von dem theueren Todten geblieben ist. Zum ersten Sterbetage Kaufmann's hätte unter der Leitung Brann's und Rosenthal's ein Gedenkbuch erscheinen sollen; das ist aber erst zum zweiten Sterbetage geschehen. Da erst, aus der Schaar der Gelehrten, Freunde und Schüler, die zu dem Werke beisteuerten, sieht man, welch' hohen Ansehens sich der Verblichene erfreut hatte und wie schmerzlich die ganze literarische Welt sich von seinem Tode getroffen fühlt. Der Mekize-Nirdamim- Verein gedenkt einen Sammelband von Kaufmann's hebräischen Aufsätzen herauszugeben. Die Zunz-Stiftung wird wohl Sorge tragen, daß ein Theil seiner Correspondenz durch den Druck ver öffentlicht werde. Sein Bruder, Herr Ignatz Kaufmann, har schon mit der Sortirung seiner Jugendbriefe begonnen; andernahe Verwandte werden mit den anderen Briefen ein Gleiches thun. Die pietätvolle Nachwelt wird noch lange im Bannkreis? dieses seltenen Geistes stehen und sie wird nicht aufhören, Zeichen ihrer unwandelbaren Verehrung für ihn zu geben. Noch weiß man nicht, was mit seiner werthvollen Bücher- und Handschriftensammlung geschehen wird, aber wir können die Zuversicht hegen, daß auch damit eine Vorkehrung getroffen wird, durch welche das Andenken Kaufmann's in unverlöschlichen Zügen der Nachwelt erhalten bleibt?) Correspondenzen. Zum 70jährigen Jubiläum des Dr. Alfred Stern. Von einer Persönlichkeit, die namentlich in früheren Jahren Gelegenheit hatte, die Wirksamkeit des ausgezeichneten Mannes zu verfolgen, welcher an dem heutigen Tage seinen 70. Geburtstag feiert, erhalten wir nachstehende Zeilen. „Mit großem Jntereffe habe ich in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes den Artikel gelesen, in welchem Sie die geistige Physiognomie des Dr. Alfred Stern zeichneten und die Bedeutung dieses Mannes, der zu den hervorragendsten Gestalten unseres öffentlichen Lebens gehört, würdigten. Als überaus charakteristisch für die Eigenart des Dr. Alfred Stern möchte ich bei dieser Gelegenheit daran erinnern, unter welchen Umständen dieser Mann in den Cultusvorstand gewählt wurde, in welchem er sofort eine so große Rolle spielte. Dr. Alfred Stern hielt eines Tages — es war dies im Jahre 1887 — in einer jüdischen Wählerversammlung eine Rede, die Alles, nur keine Candidatenrede war, aber eine sensationelle Wirkung hervorrief. Die schmutzigen Wellen des Antisemitismus schlugen damals bereits laut vernehmbar an den Rechtsbau des Staates, — den sie seither gar arg untergruben — in erster Linie aber selbstverständlich die Juden bedrohend. Dr. Alfred Stern, der nicht nur zu den energischesten und unermüdlichsten, sondern auch zu den — ersten Bekämpfern des Antisemitismus zählte, führte in der erwähnten Rede insbesondere den Gedanken aus, daß es höchste Zeit für die Juden sei, mit der ängstlich-diplomatischen Vogelstrauß-Politik zu brechen und mit aller Offenheit und Entschiedenheit den Kampf aufzunehmen. Aus dieser Er wägung erhob Dr. Alfred Stern vor Allem die Forderung, daß der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeindc ‘) Die Bibliothek meines theueren Mannes, die jetzt katalogisirt und.geordnet wird, bleibt in meinem Besitz und wird spät.- Gelehrten auch zugänglich gemacht werden, was ich zur gefällm :: Notiz zu nehmen bitte. (Bemerkung der Frau Witwe Kaufmani

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.