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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-30 · 35 (30.8.1901) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
35 (30.8.1901)
Date
1901-08-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 578 Dr. Vwxtz's Wochrnschrlfr. Nr. d5^ Jtldell zum Abfalle bewegeu und sv dem Katholicismus einen numerrfchm Gewinn bringen. Die Rechnung klappte auch, es sind wirklich viele Juden chrem angestammren Glauben untreu geworden; und genau so rechnet heute der reichsdeutsche Protestantismus, der die „Los von Rom-Bewegung" durch active Beihilfe oder passive Duldung fördert. Die Verquickung des Glaubens mit politischen Bestrebungen ist niemals uud nirgends mehr sichtbar ln Erscheinung getreten als in der antisemitischen Bewegung, uud es erfüllt sich heute an den Clericalen das Wort oer Schrift: „Mit Dem Maße, mit dem Ihr messet, soll Euch wieber gemessen werden." Der Herr Abgeordnete S ch e i ch e r uub feine Gesinnungsgenossen werden nun doch wohl an das Priucip der Wiederoergetlung glauben müssen uud auch in diesem Principe einen ethischen Li-erth erkennen. In einer seiner Hetzreden erklärte der St. Pöltener Moralphilosoph: „Für uns gllt nicht das Gebot: „Aug' um Aug', Zahn um Zahn", für uns gilt der christliche Standpunkt". Ais dann spater eiumal der Abgeordnete Dr. Bloch zur Illustration der allumfassenden Humanität, die den Kern des Judeuthums bildet, die Thatsache anführte, daß das mosaische Gesetz selbst für die Arbeitsthiere den allwöchentlichen Ruhetag vorschreibe, indem er sagt: „Wir Juden haben vor Jahrtausenden den siebenten Ruhetag auch für die Arbeitsthiere eiugesührt, — da rief der Abgeordnete Scheicher dazwischen: „Das hat Gott gemacht, nicht Ihr l" Der Abgeordiiete Dr. Bloch repliurte hieraus: „Ja, was ist nun daun die Bibel? Ist sie ein Judeubuch oder ist sie göttlich? Ist sie jüdisch, so haben doch die Juden jenes humane Gesetz geniacht, ist sie göttlich, so ist auch der Grundsatz: „Aug' um Aug', Zahn uni Zahn" göttlich." Ja Wahrheit ist dieser Grundsatz nichts anoeces Äs eine weise Eiuschräukmig des menschlichen Racheempfindens zunächst aus das Mag des erlittenen llnrechts.Der große Seelenkeuner, den wir als den Stifter der juoischeu Religion verehren, wußte, daß das Gefühl der Rache riur zu leicht zu einem llebermaß der Vergeltung fortrechr, daß man nur zu leicht geneigt ist, für einen Schlag zwei zurückzugeben. Darum die genaue Abgrenzung des Ma^es der Wledervergeltuug in dem Grundsätze: „Aug' um Aug', Zahn um Zahn!" Wie uothweudlg eine solche Einschränkung war, beweisen ja heute noch unsere senoal-clericalen Cavaliere durch die Anschauung, daß eine wörtliche oder thärliche Insulte nur durch das Blut des Gegners gesühnt weröeu kann. Man frage doch die Herren Gras Thun, Gras Ledebur, Gras Herberstein, Fürst Lobkowitz, Graf Elary, Graf Kinsky, die auf den jüngsten Katholikentagen durch ihre Anwesenheit glänzten, ob sie aus dem christlichen Stanopuukie des Pater Schelcher stehen? Das mosaische Gesetz fügt aber noch das allgemeine Gebot hinzu: „Du sollst Dich nicht rächen/" Hier ist das Ziel der sittlichen Meufcheuerzlchuug gegeben, jegliches Racheverlaugen aus dem Herzen zu rügen. Das gilt für den Einzelnen, es gilt aber nicht für die Weltgeschichte, die das Weltgericht ist. Der Einzelne kann uud soll, so lehrt die jüdische Religion, das Verlangen nach Rache zähmen und dem Beleidiger verzeihen. Deshalb lehrt die Schrift: „Mein ist die Rache und die Vergeltung, spricht der Herr." Damit ist ausgesprochen, daß die Nemesis eine göttliche und die Wiedervergeltung der Geschichte unerbittlich und unentrinnbar ist. In der Geschichte gibt es eine Vergeltung für jedes Unrecht, für;ede Unmeuschlichkett, und diese historische Vergeltung wird grausam geübt nach dem Grundsätze: „Aug' um Aug', Zahn um Zahn j" Sie hat heute Diejenigen ereilt, die da schwiegen und lächelten, als ein wahnsinniger Fanatiker das chrisiltche Volk mit dem Rufe: „Die Juden sind keine Menschen!" wider uns aufstachelte. Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Cuiturgrschtchte der Menschheit- Von Dr. Adolph Kohut. (Payne'scher Verlag.) Es gab einen Moment, wo das Judenthum in seinen Grundfesten schwankie, zu jener Zell, als der Antisemilismus, deutschen Ursprungs, von Berlin nach Trsza-Eßiar sich ergoß, seine widerlichen Miasmen nach allen Richtungen ausftrömei>o. Da ergriff die Judenheit eine tiefe Erfchullelung, mchl ourch auswärtige Angriffe uud Bedrohungen, sondern von Innen. Die Juden Uesen haufenweise zum Tansdecken. Der Anufemmsmus jedoch, welcher den massenhaften Uevertriti verursachte, lrar ihm nun wirksam entgegen, indem er die Taufe mchl anerkannte und die zum Egristeulyum übergelretenen Juden auch weiterhin als Juden behandelte, versoigie, veeiulrächirgle. Es war Schade um Kosten und Strapazen! Nun hörte die Desertion aus, die Juoen ölieöea zu Hause und schloffen sich in ihrem Pferch enger an einander an. Der Judenhaß gebar die brüderliche Zusammengehörigkeit, dewlrkie vatz oas abhanden gekommene nationale Bewußlfein sich wieder sinne, daß der schwächliche JndlfferenNsmus zu emer energischen Defensive erstarke und daß das Volk unrer den Axrjchlagen sich verdichte. In der richngen Erkenntmß, daß jede noch so aufrichtige AssimUlrung vergevlich, daß die zuerst von der fcanzösifchen, spater von der Wiener Revolulion vorgelogenen Phrasen von Gleichheit und Brüderlichkeit evensowemg zur Wahryeit werden würden, wie die liberaten und humanen Bcstimmangen der Slaatsgrundges'ttze, schaarlen sich die Juoen um ihre Vergangenheit die giößcr und reicher ist als jene irgend eines Volles, oas da ievt und an deren Erdfchast die ganze Menschheit zehrt. Sie erinnerten sich ihrer großen Vorfahren, ihrer Welfen, Gelehrten, Märtyrer und Hüler des Giauvens, die halb vergessen in den Gräbern ruhen, welche von der jü0i>chen Pieml vcwachr werden, wie dies in den allen Friedhöfen zu Prag, Worms, Frankfuri und Düsseldorf, tn Krakau und Brvoy geschieht. In seinem in der Brandels'jchcn Ümvcrfal-Bibliothek erschienenen Büchlein „Der alle Prager Mische Friedhof" fuhrt uns Herr Dr. Ab. Koyut in warmer Empfindung durch eine Reche versunkener Gräber, in die man vor Jnyryunoerien Männer gebettet, weiche eine Zierde ihres Volkes waren. Wvhl nicht Männer von Blul und Eisen, die ui Schlachten Taufende von Menschenleben huistrecklen und sich ihren Besitz ai«elgnelen, sondern Männer, die auf der Bahn der Humanum, der Euilur und des Wissens ihrem Volte vorans'chrülen als Leuchten durch das Dunkel oer Zeiten. Namen, weiche einst im Jnoenlyume einen werttönendeu Klang hallen — Männer, welche einst als Pwnniere bahnbrechend ihre Glaubensuiib Leldelisgesayrlen führten, lebten wieder auf. Dr. Kvhnl, ein SchUemann auf dem Gebiete der jüdischen Literatur, hat sie aus verwllleriem Geftein yerausgegraden uno dem Leven gegeben. Eme Wiedererweckung. Ader Dr. Köhul blieb dabei Nicht stehen. Der Ailneusriedhos zu Prag umfaßt nicht die ganze jüdische Vergangenheit uno in seiner Umsrleoung ruhen nicht all, Berühmtheiten längst- und haidvergangeuer Z-ilen. Um diese zu vereinen, bedurfte es eines großen Werkes, wie es von dem Payne'schen Kunst- und Buchveriag yergeftellt wurde und reich ausgestallel m. Das Buch „Beruymle Männer und Frauen" ist eme Wallhalla, m der oie Büsten und Biographien öuu zahlreichen Personen, die im Judenihume gewirki yaoeu, ausgestellt find. Die meisten gehören oer Vergangenheit an, mitunter einer Vergangenheit, in der noch die Scheiterhaufen rauchten, oie Juden das gelbe Abzeichen christlicher Nächstenliebe irugeii uno man in die Ghetiomauern ruhige, zahme Menfchen emfchwß, aiS ob sie wilde Tyiere wären. Manche leben uno wirken noch, kämpfen und dulden an ihrem Levensadend. Es gehör! eme gewaltige Summe von Fleiß und Arbeuslust dazu, um all' diese Daten zusammen zu tragen, zu sichten, zu orbneti und zu einem Mosallvilde zu verarbeiten, oas uns jetzt aus zwei Rahmen entgegenvlickt. In dem Einen sehen wir die Tonkünstler von Weltruf, die das Jubenthum hervorgebracht. Die Co mp v nisten: Menbeissohn-Bartholby, Meyerveer, Offeubach, Halevy, MvszkowSkl, Goldmark, Brüll. — Die Virtuosen: Ernst, Joachim, Rcmenyl, Rubinstein, Wieniawski, Gusikow. — Die Schauspieler

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