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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-23 · 34 (23.8.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
34 (23.8.1901)
Date
1901-08-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 34 Dr. Vwch's Wochenschrift» eite 575 draußen in der Welt, wo er Niemanden Hatte, den er liebte, wo Niemand mehr lebte, der auf ihn angewceseu war. Außerhalb jener grauen Mauern, da wohnte der Treubruch, da lauerte der Berrath, da vollzieht sich die Trennung von Braut und Bräutigam, da trennen sich Eltern und Kinder, Bruder und Schwester. Da auf einmal durchzuckte eine Erinnerung die verzweifelnde Seele des Verlassenen. So wie damals in Polen seine Mutter, als sie den Mann ihrer Liebe unwürdig befunden in Gott und Menschheit verzweifelnd sich an dem Worte „Blimele" aufrankte und frischen Lebensmuth erlangte, so war es die Erinnerung an Flora, die fast gänzlich vergessene Schwester, welche David in dieser furchtbaren Stunde aufrichtete, hin zu ihr! Diese reine keusche Seele soll diesem vergifteten Herzen Friede und Beruhigung bringen! Es wurde dem jungen Sänger nicht schwer, bald nach Beerdigung seines Vaters bei der Intendanz der Hofbühne, au der er angestellt war, einen längeren Urlaub zu erwirken. Die beiden erschütternden Fälle: die Flucht seiner Braut und der Tod seines Paters hätten schon genügenden Anlaß dazu geboten, wenn nicht sein verfallenes Aeußere selbst seine Vorgesetzten dazu vermocht hätte, den unglücklichen jungen Mann zu einer Erholungsreise zu veranlassen. Das Ziel dieser Reise war das böhmische Städtchen Neufeld. Zum drittenmale. feit er es an der Hand von Feibisch verlassen, um dann mit Polansky in die weite Welt hinaus zu ziehen, näherte er sich dem Orte, der das einzige Wesen der Welt barg, zu dem sich der Vereinsamte hingezogen fühlte. Nicht wie das letztemal, ein lebensfroher junger Künstler, schritt er heute di^ Gaffen der Judenstadt ab. Ein müder, jeder Hoffnung barer Wanderer war es, der an die Thüre, die zur Schlafstatt führte, anklopfte. Keine Antwort erscholl von innen. Er versuchte die Thüre zu öffnen. Sie war verschlossen. Ein kleines Mädchen ging eben vorüber und blieb stehen, um den Fremden mit neugierigen Blicken zu mustern. An dieses wendete sich David mit der Frage : Lebt Frau Cheile noch? I ja! lautete die Antwort. Wo ist sie? Nu wo soll sie jetzt sein? In Schul ist sie. In Schul, jetzt, in den ersten Nachmittagsstunden? Das ist ja sonderbar. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Die Inschriften des alten Friedhofes der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. Mit einer Einleitung von Dr. M. Horovitz, Rabbiner. Frankfurt a. M. I. Kauffmann 1901. 53 B. u. 768 S. Die Judengemeinde in Frankfurt a. M. nimmt in der Geschichte des Judenthums in Deutschland einen hervorragenden Rang ein, und der derzeitige gelehrte Rabbiner dieser Gemeinde, Dr. M. Horovitz, hat sich um die Aufhellung dieser Geschichte hervorragende Verdienste erworben. Seine interessanten Arbeiten über die Frankfurter Rabbinen und die jüdischen Aerzte in Frankfurt sind von bleibendem Werth. Nunmehr liefert er uns eine Grabsteinsammlung mit nahezu 6000 Inschriften von dem berühmten alten Frankfurter Friedhof, welche jedem jüdischen Geschichtsforscher eine willkommene Gabe sein wird. Diese Grabschriften erzählen in ihrer bescheidenen Kürze ein gutes Stück Culturgeschichte. Sie enthalten die genauen Lebensdaten zahlreicher berühmter Namensträger, bringen wichtige Beiträge zur Familienkunde vieler hervorragender Männer des Judenthums und berühmter jüdischer Familien. Neben einer Geschichte des alten Frankfurter Friedhofes enthält die Einleitung eine Geschichte des jüdischen Grabsteines und eine Statistik des Personalstandes der Frankfurter israelitischen Gemeinde, die bis 1241 zurückgeht; dann werden einzelne Inschriften eingehend behandelt, im Schlußcapitel werden, als Nachträge zu den Inschriften, vier Grabsteine besprochen, die jüngst beim Erweiterungsbau der Synagoge am Börneplatz unter Schult und Geröll gefunden wurden, und bei dieser Gelegenheit wird auch eine hochwichtige Grabschrift wiedergegeben, die noch an ihrer geheiligten Stätte sich befindet, die Grabschrift des Rabbi Nathan Adler s. A., die aber bei der Aufnahme der Inschriften übersehen wurde. An dem Buch haben viele Personen verdienstlichen Antheil, was der Herausgeber in dem Vorwort besonders betont: die Verwaltung der Frankfurter jüdiscaen Gemeinde, indem sie die Kosten des Werkes bestritt, Lehrer S. Unna, Alfred Geiger, Chaim Meir Horowitz, David Kaufmann« s. A., Rabbiner Löwenstein-Mosbach u. A. haben in der einen oder anderen Weise sich an der Herstellung rühmlich betheiligt. DieDeborah, eine deutsch-amerikanische Monatsschrift zurFörderung jüdischer Interessen in Gemeinde, Schuleund Haus. Neue Folge, Erster Jahrgang. Ein Verein jüdischer Schriftsteller hat die alte, im Jahre 1855 von S. M. Wiese begründete Wochenschrift „Deborah" in eine Monatsschrift umgewandelt und wird allem Anscheine nach viel Anklang mit dieser Erneuerung eines geschätzten Blattes finden. Das siebente Hell bringt viel und Werthvolles und läßt für die Zukunft Schönes hoffen. Der einleitende Auffatz, ein Literaturbericht von G. D e u t s ch, ist interessant und belehrend. S. H. Sonnenschein gibt klassische Texte aus Bibel lind Midrasch in moderner Fassung, jüdische Gedenktage für den Monat Juli sind emsig und reichhaltig zusammengestellt. Ein sehr hübscher Vortrag von Max Heller „Die Frau in der rabbinischen Literatur" schließt die Reihe der wiffenschaftlichen Aufsätze und nach einigen Notizen kommt die reine Belletristik in einer fesselnden Erzählung von Gotthard Deutsch zu ihrem Recht. Die „Deborah" wird sich auch in ihrer neuen Gestalt viel Freunde erwerben. Das ist jetzt schon zu sehen. x. Briefkasten. R. S. Wenden Sie sich an den „Gisela-Verein", Wien, I., Franz Josefs-Quai 1. Bernäth L. N. Auf unsere Umftage erhalten wir die Mittheilung, daß Blasebälge für den Schochet zum Aufblasen der Lunge ein gewisser Herr Friedrich Mulzer, Blasebalg- und Treibriemen- Fabrikant in Nürnberg, Wöhod (Deutschland), erzeugt, das Stück um etwa 36—40 Mark. Im Czernowitzer Schlachthause ist eine von Mulzer bezogene Maschine (Blasebalg) seit Jahren in Benützung und bewährt sich sehr gut 2. In feinem Werke: „Vom deutschen Geiste" sagt Professor v. Raumer: „Ohne allen Vergleich am wichtigsten unter den fremden Einflüssen, die das deutsche Volk erfahren hat, ist der von den Lewiten ausgegangene." K. in Wien. Unsere österreichischen Antisemiten begeistern sich für die Brotwucherer in Deutschland. Es ist die Freude am Volksbetrug. N. in Leipzig. Einer der gefährlichsten und böswilligsten antisemitischen Agitatoren, Bruno Kreutz, der viele Jahre hindurch, zuletzt als Geschäftsführer des Bundes der Landwirthe, in Sachsen sein hetzerisches Handwerk in geradezu gemeinschädlicher Weise getrieben hatte, ist am 8. d. M. von der Strafkammer in Halle a. S. wegen Unterschlagung und Untreue zu drei Jahren Gefängniß verurtheilt worden. M. in Wien. Der antisemitische Oberförster der umfangreichen Baron v. Eckardstein'schen Waldungen des Ritterguts Krojanten im Kreis Könitz (und der dazu gehörigen Vorwerke) Herr Paul Müller in Klausenau, ist plötzlich seines Amtes enthoben worden. I. St. in B. Ihr Bericht kam verspätet. L. Prag. Wie man uns mittheilt, fei der Redacteur des antisemitischen „PraLsky Kur-r" jüdischer Abstammung. I. W. Dr. V r a g a s s y. der in Ungarn als antisemitischer Reichsrathscandidat auftritt, ist identisch uüt dem gewesenen Chefarzt der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft, der sich hier seinerzeit durch seine skandalöse Amtsführung unmöglich machte. Allerdings seinen Befähigungsnachweis als Antisemit hatte der wackere Mann schon in Wien erbracht. M. S. Bleibtreu's Behauptung, der wegen Fälschungen und Deftaudationen verurtheilte Freiherr von Hammerstein, der zu den Führern der antisemitisch-clericalen Partei in Deutschland gehörte, sei jüdischer Abstammung, ist die Aufwärmung einer allen längst widerlegten Lüge. Leclor. Der jüngst verstorbene Prinz Henry von Orleans hat nicht nur den Major Esterhazy öffentlich auf die Wange geküßt, sondern auch der Jüdin P o r g e s. die mit ihrem „jüdischen" Gelde die orleanistische Propaganda unterstützte, die Hand geküßt. I. L—g. Der Hetzpriester in Kronstadt, der die Eltern von der Kanzel aus aufforderte, auf ihre Kinder Acht zu geben, da die Juden Blut zu ihrem Tempelbau brauchen, hat eine kleine Abwechslung in die blöde, Ritualmordhetze gebracht. Schließlich kann er ja auch beschwören, daß die Juden ebenso sicher zu Tempelbauten als zu Osterbroden Blut benöthigen. „Neugieriger". Der bekannte französische Schriftsteller und Theater-Director Jules C l a r e t i e ist in der That jüdischer Abstammung. I. M. Dr. Alfted Stern begeht die Feier feines siebzigsten Geburtstages im Kreise seiner Familie in Aussee.

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