Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 34 (23.8.1901)
- Date
- 1901-08-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 574 Ok. Bloch's WochrnfchrM Nr. 84 wobei besonders hervorzuheben ist die ausgezeichnete Leistung der beiden Damen Fräulein Emilie Jahoda und Fräulein Stefanie Pollak. Den Schluß bildete ein sehr animirtes Tanzkcänzchen. Temesvar. Die Installation des neugewählten Josefstädter Rabbiners Bernat Schück findet am 27. d. M. statt. Eine Deputation der Josefstädter Cultusgemeinde wird dem neugewählten Rabbiner bis nach Szeged entgegenfahren. Bei seiner Ankunft am Josefstädter Centralbahnhofe wird Rabbiner Schück vom Gemeind'Präses Schultheiß begrüßt werden, worauf derselbe dann in Begleitung der gesammten Gemeinde-Repräsentanz in den Tempel geleitet wird. Die Jnstallationsrede wird der Vater des neugewählten Rabbiners, der als Gelehrter bekannte Karczager Oberrabbiner M. Schück, halten. Berlin, 19. August. (Berichtigung.) Am Schluffe des leitenden Artikels der „Oesterreichischen Wochenschrift" Nr. 32 war Hirsch Hildesheimer als Gründer der „Jüdischen Presse" bezeichnet worden. Das ist nicht richtig. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer hat die „Jüdische Presse" im.Jahre 1883 käuflich erworben von Dr. S. Meyer, dem Herausgeber der „Deutschen Israelitischen Zeitung" und „Laubhütte" in Regensburg. Feuilleton. Der Unessane toket. Novelle von Babetta Fried in Prag. (Fortsetzung.) Xll. Der Büßer. Bereits ein halbes Jahr schon schmachtete Polansky hinter den Mauern der Heilanstalt, wohin er gebracht worden war. So oft es sein Berus, dem er sich mit Leib und Seele hingab, gestattete, besuchte David seinen Vater, ohne ein Zeichen der Besserung wahrzunehmen, ohne nur eine Spur des Erkennens zu bemerken; ob er zugegen war oder nicht, immer wieder murmelten die blassen Lippen in dem eingefallenen greisenhaften Antlitze das einzige vernehmbare Wort: „Nesekurneä". Immer inniger wurde' das Verhältniß David's zu seiner Verlobten, bei der er Ersatz zu finden glaubte für alles das, was ihm ein tückisches Schicksal geraubt hatte. Seine Pflegeeltern waren todt, sein Vater wahnsinnig, seine Mutter für ihn verloren, seitdem die Briefe zerrissen waren, in denen ihr Name und Wohnort ausgeschrieben gestanden. Ec selber hatte sich dies während des flüchtigen Borlesens nicht behalten. Me schriftlichen Versuche, sie aufzufinden, hatten sich als vergeblich erwiesen. Eine Reise nach Polen hätte vielleicht ein günstiges Resultat herbeigeführt. Aber nebst seiner Stellung an der Hofbühne, welche er jetzt, da er sich zu verheiraten gedachte, nicht riskiren wollte, fesselten ihn zwei starke Bande an die Residenzstadt: die Sorge um den kranken Vater und seine Liebe zu Laura. Eines Tages fuhr er wieder hinaus in die Heilanstalt, um den Vater zu sehen und sich von seinem Befinden zu überzeugen. Der Director kam ihm freundlich entgegen. Gut, daß Sie kommen, Herr Polansky! Ich wollte heute Abends an Sie schreiben und Sie hieherbitten. In dem Befinden Ihres Papa ist eine Veränderung eingetreten. Seine bisherige Apathie ist einer großen Unruhe gewichen und die Namen: David und Sarah, gewiß der Ihre und der Ihrer Frau Mutter, kommen zuweilen über seine Lippen. Also wäre Hoffnung vorhanden? rief David freudig bewegt aus. - Der Director zuckte die Achseln. Hoffnung, bei solch' körperlichem Verfalle? Wozu auch? Diese Gleichgiltigkeit empörte David. Der ideal veranlagte Künstler konnte freilich nicht wissen, daß der stete Umgang rmt Patienten solch trauriger Art das Gemüth des Direktors abgestumpft haben mußte und er Alles, was sich auf die Anstalt bezog, nur geschäftsmäßig behandelte. Der Director selbst führte David zum ärztlichen Leiter der Anstalt, welcher sich von ihm erbat, ihn zum Vater begleiten zu dürfen, um seine Beobachtungen angesichts der veränderten Sachlage anstellen zu können. Als die Herren eingetreten waren, streckte der fast zum Skelette abgemagerte Kranke dem Sohne die Hand entgegen und hauchte mit augenscheinlicher Befriedigung das Wort: „David" aus. Er hatte den Sohn erkannt. Gerührt beugte sich dieser über die knochige, fieberheiße Hand und führte sie ehrfurchtsvoll an seine Lippen. Wie geht's Dir, Papa, gut? frug David mit scheinbar gleichgiltiger Stimme. Verständnißvoll nickte der Kranke mit dem Kopfe. Grüß' mir mir Sarah, David! Sage ihr, daß ihr Fluch in Erfüllung gegangen ist, sie soll mir verzeihen, wie ich ihr längst vergeben habe. Und Du leb' wohl, David! und bleibe ein Jude, hörst Du?! Der vorsichtige Arzt mochte bemerken, daß für seinen Patienten es schon viel zu viel der Aufregung sei und zog. den ernst dreinblickenden jungen Mann, der nur schwach widerstrebte, mit sich fort. Ich komme Morgen wieder, sagte dieser beim Abschiede. Bitte, kommen Sie! antworteten der Arzt und der Director fast gleichzeitig. . . Bevor David anderen Tages versprochener Weise in die Heilanstalt fuhr, begab er sich zu seiner Laura. Ec mußte ja jetzt seine Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit verdoppeln, wenn er sie zum Verzichten auf ihren Lieblingswunsch, ihn zur Taufe zu bringen, veranlassen sollte. Schon als sein Fiaker vor dem Hause hielt, wo seine Geliebte wohnte, hatte er eine ungewöhnliche Geschäftigkeit darin bemerkt. Vor dem Hause stand ein Wagen, wie ihn die Spediteure zum Transportiren von Möbeln bei Übersiedlungen benützen und als David die Treppe hinaufgehen wollte, vertraten ihm vier Männer, die ein Clavier hinuntertrugen, den Weg. Ahnungslos stieg er die Treppe zum ersten Stock empor. Doch welcher Anblick bot sich ihm da? Alle auf den Gang mündenden Thüren der geräumigen Wohnung standen weit offen und drinnen hantirten mehrere Arbeiter, welche alles vorhandene Mobilar vom Platze rückten,. wo es nothwendig war, es zerlegten und den Trägern zum Hinunterschaffen übergaben. Was war aus den Räumen geworden, in ^denen er solch' unvergeßlich selige Stunden verlebt hatte? Ein unentwirrbares Chaos von diversen Gegenständen! Starr vor Schreck vermochte David nur die eine Frage aufzuwerfen: „Signora Fabini?" Ein alter, fast ganz kahlköpfiger Herr, der sich unter tiefen Bücklingen als der Trödler Lemberge aus dem Vororte Sechshaus vorstellte, gab ihm zur Antwort: „Die Signora, die hier gewohnt hat, ist heute Nacht mit einem vornehmen Engländer abgereist und hat mir die ganze Einrichtung ihrer Wohnung überlassen, wofür ich mich verpflichtet habe, ihre Schulden, von denen sie mir ein Verzeichniß übergeben, zu begleichen. Wenn Sie, mein Herr, wie ich vermuthe, ebenfalls ein Gläubiger dieser Dame sind und Ihr Name in diesem Berzeichniß steht, so wollen sie sich fteundlichst zur Ordnung dieser Angelegenheit in mein Geschäftslocal begeben, dessen Adresse Sie ans dieser Karte vorgezeichnet finden. Mechanisch steckte der betrogene Bräutigam die ihm vom Trödler gereichte Karte zu sich. Die Schuld, welche Laura Fabini ihm gegenüber trug, konnte dieser Trödler nicht begleichen, selbst wenn er sein ganzes Vermögen darauf verwendete. Gebrochen und verzweifelnd wankte David aus dem Hause, in welchem er bis vor Kurzem so glücklich gewesen. Von da aus fuhr er direct der Heilanstalt zu. Er wurde daselbst erwartet. In schonendster Weise theilte ihm der Director mit, daß kurz nach der Entfernung David's der Vater in einen ruhigen Schlaf verfiel, der für ihn ohne vorhergegangenen Todeskampf zum ewigen wurde. Der Director bemerkte hiebei, daß eine Heilung oder auch nur Besserung dessen Zustandes ausgeschlossen gewesen sei, daß daher diese Lösung die einzig wünschenswerthe gewesen sei. Unbeweglich, fast starr blieb David bei dieser Trauerbotschaft. Für seinen Vater war der Tod als Erlöser erschienen, das mußte er sich selber sagen, aber er selber stand da, losgelöst von Allem, was das Leben Theueres für ihn hatte, losgelöst von allen Banden der Liebe, losgelöst sogar von den, Banden der Pflicht. Es war ihm, als sollte er den Director und den Arzt der Anstalt, welche sich eben so überaus freundlich um ihn bemühten, um Aufnahme bei ihnen bitten. Was sollte er noch