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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-23 · 34 (23.8.1901) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
34 (23.8.1901)
Date
1901-08-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 67 2 Dr. Blvch's WochrnschriN» Rr. 34 jüdischen Künstler, dem Maler Leopold Güterbok, erzählt wird. Und zwar hat dies Ludwig Bamberger in seinen „Erinnerungen" gethan, wie wir seinerzeit berichtet haben. HUdesheim. Es hatte sich herausgestellt, daß auf dem hiesigen städtischen Schlachthofe der größte Theil der geschlachteten Thiere nach jüdischem Ritus getödtet, geschachtet werde, und zwar durchwegs von christlichen Schlächtern, die hier ein schwunghaftes Exportgeschäft mit Fleischwaaren betreiben und das Fleisch geschächteler Thier erfahrungsgemäß bester absetzen können, als das von auf andere Art geschlachteter Thiere. Dieses maffenhafte Schächten erschien nun dem Magistrat, besouders der Polizeidirection, unstatthaft in Anbetracht der geringen Anzahl jüdischer Einwohner — es kommen hier auf rund 43.000 Einwohner rund 500 Juden —, und er arbeitete ein Ortsstatut aus, wodurch das Schächten eingeschränkt werden sollte. Jndeffen waren in der jüngsten Sitzung die Mitglieder des Burgervorstehercollegs anderer Ansicht und lehnten das Statut mit großer Mehrheit ab. Es bleibt also vor der Hand auf dem hiesigen Schlachthofe bei der freien Wahl der Schlachtart. Paris. (Aus dem Testament Adolph deRothschild) veröffentlichen jetzt französische und englische Blätter einige Einzelheiten. Für die Armen der Stadt Paris wurden 1,000.000 Francs vermacht, welche der Testator seiner Witwe zur beliebigen Bertheilung überwiesen hat. Dieselbe bat von diesem Betrag 225.000 Francs für specielle jüdische Zwecke überwiesen, und zwar erhielt das jüdische Wohlthätigkeitscomitä zu Paris 100.000, eine jüdische Institution 25.000 und 5 weitere jüdische Institutionen je 20.000 Francs. Ferner soll in Paris eine deu Namen Adolph Charles de Rothschild tragende Augenklinik gegründet werde», welcher der Stifter eine jährliche Rente von l/4 Million vermacht bat. Endlich wurde 1/2 Million Francs für Geistliche aller Confestronen Hinterlasten. Die reichen Inden können nicht umhin, für die Geistlichen der anderen Confeffionen zu sorgen, obgleich diese von ihren eigenen Glaubensgenosten mit Pfründen und Einnahmen aller Art wahrlich reichlich genug versorgt werden, und obwohl es noch keinem reichen Christen je eingefallen ist, für die überall im Judenthum nothleidenden Rabbiner nur einen Pfennig zu vermachen. Die Witwe des Baron Adolph de Rothschild, zu deren Verfügung diese y2 Million ebenfalls gestellt wurde, trieb ihre Unparteilichkeit aber noch viel weiter. Sie überwies von dieser Summe dem jüdischen Consistorium 150.000. den protestantischen Geistlichen ebenfalls 150.000 und der steinreichen in Frankreich in Gold förmlich erstickenden katholischen Kirche 200.000 Francs. Selbst die .Times" bemerkt zu dieser sonderbaren Geldvergeudung: „Es ist leider wenig Hoffnung vorhanden, durch derartige Generosität den Antisemitismus zu überwinden, besten Nährmutter in Frankreich eben diese so reichlich beschenkte katholische Kirche ist". London. (Verbrüderung der Kymerer und der Hebräer.) Im Fürstenthmn Wales, dem Lande des Bardenthums, wo die Pflege der kymerischen Literatur, wenn auch nunmehr auf religiösem Gebiete, noch immer eine Stätte findet, fand gestern eine interessante Zeremonie statt. Der von der Nation zum Hauptbarden ernannte Gwilym Cowlyd nahm auf den Höhen der Walliser Berger, in den Schluchten des Snowdon, oberhalb Trefiw, zu Ehren des neuen Königs die Schwerterweihe vor. Bei dieser Gelegenheit sollte die bereits in der Bibel (?) vorausgesagte „Verbrüderung der Kymerer und der Hebräer" stattfindeu. Zwölf Männer beider Stämme sollen zu Aeltesten der Gemeinschaft ernannt und damit der „Einklang der britischen und jüdischen Nationen auf ewige Zeiten besiegelt werden." Neben dem Oberrabbiner Dr. Adler sollen die Rabbiner von Bangor, Leeds, Manchester und Liverpool, die Bischöfe von Bangor, St. Asaph, St. Davids, Lord Penrhhn, Earl Carringivn. Lord Newborough, Josef Chamberlain u. A. m. zur Wahl gestellt werden. Constantinopel, 10.August. (GrieckenundJuden.) Seit Joachim III. neuerlich den Patriarchatsstuhl bestiegen hat, hat das immer freundschaftliche Verhältnis zwischen Griechen und Juden geradezu einen intimen Charakter angenommen. Das zeigen zwei Vorgänge der letzten Zeit. Se. Heiligkeit besuchte den Vorort Hasköi, um Kirche und Schule einer Visitation zu unterziehen. Nachdem dies geschehen war, stattete er den im Hause des Jsak Franzes versammelten Rabbinern Haim Naffi, Sabetay und Mercado Levy einen Besuch ab. Auf eine Ansprache des Cultusvorstandes erwiderte der ökumenische Patriarch, daß er als wirklicher Adept der Religion Christi, welche die Nächstenliebe l hrt, nicht aufhören werde, den Gefühlen der Sympathie für die israelitische Gemeinde Ausdruck zu geben. (Qu’en väritable adepte de la religion du Christ qui enseigne l’amour du prochain, il ne cesserait pas de professer des sentiments de Sympathie pour la communaute israölite.) Und als kürzlich der Karaiten- Rabbiner Hadschi Elie Awramoglu starb, da delegirte der Patriarch den Notabeln Tahirdschi als seinen Vertreter zum Leichenbegängniß des Rabbiners. („Nachrichten aus dem Orient.") Vermischtes. Wien. (Trauung.) Sonntag den 25. d. M., um 2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, IL, Tempelgaste, die Trauung von Fräulein Bertha Mensch, Tochter des Herrn Jacob Mensch, Armenrath des H. Bezirkes, mit Herrn Jacques Braun st ein statt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Bertha Singer, Tochter des Herrn Adolf Singer, hat sich mit Herrn Nathan P o l l a k verlobt. EB. Wien. (Neuer Hofrath.) Seine Majestät der Kaiser hat dem Evidenzhaltungs-Director Herrn Abraham Broch den Titel und Charakter eines Hofrathes verliehen. Hofrath Broch hat eine mehr als vierzigjährige Thätigkeit als Katasterbeamter hinter sich und wurde wegen seines höchst verdienstlichen Wirkens wiederholt belobt > und ausgezeichnet, er ist auch Ritter der Eisernen Krone u. s. w. Hofrath Broch ist der Sohn eines verstorbenen Vorbeters in Proßnitz in Mähren, der ein bekannter Mathematiker und Algebraist gewesen ist, besten Talente in erhöhtem Maße auf seinem Sohne übergegangen sind. Wien. Am 12. d. M. ist hier Herr Robert Brüll, Generaldirectionsrath im Eisenbahnministerium, im 59. Lebensjahre verschieden-. Der Verstorbene war bis zur Verstaatlichung der Lemberg-Czernowitzerbahn Chef des finanziellen Departements derselben und wurde sodann in das gleiche Departement des Elsenbahnministeriums übernommen. Er war durch seinen Pflichteifer und seine trefflichen Charaktereigenschaften allgemein bekannt. Der Verstorbene hinterläßt eine Frau und fünf Kinder. Generaldirectionsrath Brüll war ein Bruder des Regierungsrathes Richard Brüll des Eisenbahnministeriums und des Ober- Jnspectors M. Brüll der Nordwestbahn. Das Leichenbegängniß hat am 15. d. M. vom Trauerhause (IX. Liechtensteinstraße 59) stattgefunden. Außer den Hinterbliebenen und den persönlichen Freunden des Verstorbenen hatten sich im Trauerhause Geheimrath Sectionschef Dr. Rudolf W r b a, Ministerialrath Zdenko Ritter v. Forst»er, Director Emanuel Zifferer, Bankdirector Isidor Kanitz, viele hohe Beamte der Staatsbahnen, sowie der Nordwestbahn eingefunden. Nachdem Obereantor Singer die üblichen Trauergesänge zum Vortrage gebracht, wurde der Sarg auf den Centralfriedhof überführt. Hier widmete Rabbiner Dr. S ch m i e d l dem Andenken des Verblichenen anerkennende Worte, worauf die Beisetzung im eigenen Grabe erfolgte. Wien. Am 18. August wurde in der Israelitischen Versorgungs-Anstalt das Geburtsfest Sr. Majestät unseres geliebten Kaisers in solenner Weise gefeiert. Unser allgemein beliebter und strebsamer Cantor Herr Kurzweil trug durch seine gediegenen Vorträge Vieles dazu bei, um die andächtige Versammlung zur Begeisterung zu erheben. Wien. Ad vocem Freimaurer! Während eines mehrmonatlichen Aufenthaltes in Stuttgart, wo ich auch 1893 einer großen Wahlversammlung zur Anhörung des antisemitischen Candidaten Nubling, Redacteur der „Ulmer Schnellpost", zufällig beiwohnte und durch meine Gegenrede in Sachen des Talmud dessen Fiasko beschleunigte — nach mir kam erst Banquier Gumpel von Heilbronn zu Worte, den man Anfangs gar nicht sprechen lasten wollte — hatte ich Gelegenheit, zwei Richtungen der Freimaurer kennen zu lernen. Mit dem Meister vom Stuhl der einen, ein älterer Oberst, verkehrte ich sogar zuweilen und gab er mir eine von ihm verfaßte Broschüre gegen den Antisemitismus, die andere Richtung, die ihre Abende separat veranstaltet, nimmt principiell keine Juden auf. Wien. (Gegen den Tempelbau in Döbling.) Der Wiener Stadtrath hat beschlossen, gegen die Entscheidung der Baudeputation für Wien, betreffend die Baubewilligung für eine Synagoge in der Gebhartgaste in Döbling,

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