Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 34 (23.8.1901)
- Date
- 1901-08-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 84 Dx. Blocht WoGensmrln, Teue 567 meist an die Oeffentlichkeit traten. Ein Abdruck daraus ist seine Schrift Jacob Mantino (Paris 1893). Gegen F. L. Kraus, dessen archäologischen Werke von Kaufmann wiederholt besprochen wurden, gelingt es Kaufmann, überzeugend zu beweisen, daß Manoello (Immanuel Romi) mit Dante befreundet war (R. d. E. J. XXXVI!, 252—258). Kaum hatte Neubauer die Chronik des Achimaaz von Oria, durch welche auf die italienischen Zustände des frühen Mittelalters ein merkwürdiges Licht fällt, veröffentlicht, schrieb Kaufmann alsbald, 1896, eine gründliche Abhandlung darüber* 2 3 4). und er traf Sorge, daß die Ergebniffe des neuen Fundes auch den Gelehrten eines anderen Faches zugänglich gemacht werden?) Hervorzuheben sind ferner seine ,6ontridulions ä l'histoire des Juifs en Italie“,3) eine Serie von fünf Artikeln. Für Frankreich, auf dessen Geschichte sich etwa 15 Artikel beziehen, ist von besonderer Wichtigkeit der Aufsatz: Une Haggada de la France septentrionale.4) Es war in den ärgsten Tagen der Dreysus-Affäire, als er „Zur Geschichte der Familie Dreyfus4' schrieb (Monatsschrift 1898, XLH, 424). Kaufmann erachtete es als ein nobile officium, auch für Ungarn, seine zweite Heimat, deren Geschichte von Auswärtigen ohnedies spärlich bebaut wird, die stattliche Zahl von 11 Aufsätzen geschichtlichen Inhalts zu schreiben, wobei noch bemerkt werden muß, daß die oben besprochenen historischen Werke, von Conegliano abgesehen, sich sämmtlich auch auf Ungarn beziehen.3) Andere Aufsätze beziehen sich auf Polen und Rußland, und wir hatten bereits Gelegenheit, zu bemerken, daß die große Seele Kaufmannes, weit entfernt, sich von den zurückgebliebenen Brüdern des slavischen Ostens abzuwenden, sich vielmehr mit voller Wärme für sie aufschloß. Nächst dem kommt Spanien mit circa 11 Nummern; die großen Gestallen der spanischen Glanzperiode, Juda Halevi, für den sich Kaufmann besonders intereffirte — hatte er doch die große Genugthuung, daß selbst die Kaiserin und Königin Elisabeth, diese hohe Verehrerin Heine's, das Vorbild ihres Lieblingsdichters in Kaufmann's Beschreibung kennen lernte — für Juda Halevi's historische Würdigung arbeitete Kaufmann unablässig, und dasselbe gilt, wie bereits gezeigt worden, von Salomon Jbn Gabirol und von Maimonides. Nicht nur Kaufmann allein, sondern die ganze jüdische Gelehrtenwelt empfand es als eine Ehrung, als Kaufmann aus Vorschlag des auch um die jüdische Geschichte wohlverdienten spanischen Gelehrten Fidel Fita im Jahre 1888 zugleich mit Dr. Kayserling und Isidor Loeb zum Mitglieds der spanischen Akademie der Wiffenschaften ernannt wurde. Wie mußte sich Kaufmann freuen, als durch die herrlichen Funde in der Geniza von Fostat für Egypten eine Reihe von Geschichtsquellen zum Vorschein kam! Wer hätte auch jene vergilbten und zerfetzten Fragmente beffer lesen und entziffern können, als eben Kaufmann, und so sehen wir ihn denn diese egyptischen Geschichtsquellen der Reihe nach bearbeiten und beleuchten^), so daß man in ihm allgemein den künftigen Geschichtsschreiber der egyptischen Judenheit sah. Wer weiß, ob er nicht der Geschichtsschreiber des ganzen Judenthums geworden wäre, wenn ihm nicht ein halbes, sondern ein ganzes Leben beschieden gewesen wäre!4) Noch ist ein Wort über England zu sagen. Abgesehen von mehreren kleineren Arbeiten über die Geschichte der Juden in England, war Kaufmann der glückliche Entdecker eines eigenen englischen Ritus vor der Expulsion, und er war es auch, der in Jacob b. Jehuda von London den größten Halachisten Englands '-Monatsschrift XL, 462—473. 496—809. 529—554. Auch im Sonderabdruck. ') Byzantinische Zeitschrift, 1897. 3) R. d. E. J. XX, 34. 4) I b. XXV, 65. 3) Sehr bedeutend ist die Schrift: Die Verheerung von Ungarisch-Brod durch den Kuruzzen-Ueberfall vom 14. Juli 1683, im Jahresbericht des Privat-Gymnasiums zu Ung.-Brod (1894); daselbe auch in Monatsschrift 1893, XXXVII, 270. ®) Vgl. seine Abhandlung über das Wort spbnn in dem hebräischen Sirach, Monatsschrift 1897, XLI, 2 37. Ibid. XLI, 503, schreibt er über den angeblichen Nagid Mordechai, einen Jrrthum Neubauer's berichtigend. Andere diesbezügliche Abhandlungen find in Jewish Quarterly Review erschienen. ') G. A. Kohut schreibt, daß Kaufmann in Verbindung mit Alex. Kohut, H. Brody, M. Schreiner und M. Steinschneider ein neuhebräisches Wörterbuch geplant habe; seiner Witwe und feinen Freunden, die ich befragte, ist davon nichts bekannt. erkannte?) Kaufmann war auch Mitglied der englisch-jüdischen historischen Gesellschaft und arbeitete in deren Publikationen; so erschien im HI. Bande der Transactions": R. Zebi Aschkenazi und seine Familie in London. Noch aber bleibt zum ewigen Ruhmestitel des Historikers Kaufmann zu erwähnen, daß er zwei Werke herausgab, welche unerschöpfliche Fundgruben für die Geschichte der deutschen Juden bilden werden. 1892 gab er aus dem Nachlaße Simon Hock's die Epithaphien des alten jüdischen Friedhofes in Prag heraus?) 1892 veröffentlichte er die besonders für die innere Geschichte der deutschen Juden wichtigen Memoiren der Glücke! von Hameln?) Die Vorrede, die Kaufmann zu dem Werke Hock's geschrieben, ist neben der Wärme des Gefühls, die daraus athmet, zugleich ein Muster des schönen Styls, dem unter Kaufmann's Schriften die Vorrede zu Heller's Melodien am ähnlichsten ist. Im engen Anschluß an die staunenswerthen Leistungen Kaufmann's auf historischem Gebiete stehen seine Kenntniffe der hebräischen Bibliographie. Eine unendliche Kenntniß von Büchern und Autoren ist für solche Leistungen erforderlich, hatte doch Kaufmann selbst aus den den hebräischen Werken vorgedrucklen Approbationen eine Fülle historischen Materials herausgefunden. Kein einziges zusammenhängendes bibliographisches Werk verewigt diese seine Kenntniffe, aber einzelne Aufsätze bezeugen sie zur Genüge?) und selbst ein Gelehrter wie Moritz Steinschneider konnte sich bei. Kaufmann sehr oft Raths holen. Es darf hiebei auch bemerkt werden, daß Kaufmann zu den Begründern der von H. Brody neu begründeten „Hebräischen Bibliographie'' gehörte?) (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Der Geburtstag des Kaisers. Alljährlich, wenn der Kalender das Datum 18. August aufweist, das einen Tag bezeichnet, der in allen Gauen unseres weiten Vaterlandes als Festtag gefeiert wird, versammeln sich in den Gotteshäusern die immer und jederzeit dynastisch gesinnten und patriotisch fühlenden Angehörigen unserer Religionsgemeinschaft, um in zum Himmel gerichteten Gebeten ihren Gefühlen Ausdruck zu geben und um die weitere Gesundheit unseres erhabenen Monarchen zu flehen. In der Reihe der Synagogen nimmt naturgemäß der T e m p e l in der Seitenstettengasse den ersten Rang ein, in welchem sich denn auch am Morgen des 18. August zahlreiche Andächtige einfanden, um dem Festgottesdienste anzuwohnen, der mit der trefflichen Wiedergabe des großenFestpsalmes, unter Leitung des Obercantors Singer *) The Etz Chajim of Jacob B. Jehuda of London, and the history of his manuscript, Jewish Quarterly Review, V, 356—374. Er schreibt bei dieser Gelegenheit: „We are wituess today df a spiritual resurrection. Original records and Halachic citations, history and literature, reciprocally aid each other. Disconnected members reunite and acquire life; the shadows begin to speak, like the souls of the dead in Homer in the nether world, when they have tasted blood.“ Die Geniza von Fostat war damals noch nicht entdeckt; wir haben gesehen, wie Kaufmann erst dieser Entdeckung sich so recht gefreut hat. 2) atna p*p mnaw». Die Familien Prags, nach den Epitaphien des alten jüdischen Friedhofs in Prag. Preßburg 1892. 3) Die Memoiren der Glücke! von Hameln (1645-1719). Frankfurt a. M. 1896. Daraus: Die Sprache der Memoiren Glückels von Hameln von M. Grunwald in Mitt. der Gesellfch für j. Volkskunde, Heft VII. 4) liebet Steinschneider's Katalog der Handschriften in München, 2. Auflage, schrieb Kaufmann einen reichhaltigen Aufsatz in der Monatsschrift 1898, XLII, 94. — Ein Jahrzehnt vorher erschien: Inventaire des Livres formant la bibliotheque de Benedict Spinoza, publie d’apres un document inedit . . ♦ par A. J. Servaas van Rovijen. Notes de la main de M. le Dr. David Kaufmann, Professeur ä Budapest. La Haye 1888. ^Zeitschrift für Hebräische Bibliographie von Dr. H. Brody. Berlin 1896—1899. Heft 1. S. 2 ist Kaufmann als hervorragender Mitarbeiter genannt. Mit Brody war Kaufmann infolge Brody's Arbeiten über die jüdische Poesie des Mittelalters befreundet. Heft 1, S. 22 schrieb Kaufmann Echogedichte Der Ausdruck, den Kaufmann zuerst anwandte, bezeichnet solche Lieder, in denen das Schlußwort jeder Verszeile, wie die vom Echo zurückgeworfene Antwort auf das vorletzte Wort des Verses, sich anhört. — Eine Elegie S. Rocca's (ib. II, 99). — Isaak ibn al-Auräni (ib. H, 188).