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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-23 · 34 (23.8.1901) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
34 (23.8.1901)
Date
1901-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 566 Dr. Vloch's WochrnfchrM. str. 34 Die von Kaufmann in Zeitschriften veröffentlichten wiffenschastlichen Aufsätze, von populären Aufsätzen abgesehen/) belaufen sich aus circa 300 Stück?) Nur die allerwenigsten können hier namentlich aufgeführt werden, obzwar mitunter recht bedeutende sich darunter finden; alle insgesammt aber gehören sie zu dem dauernden Stock der jüdischen Literatur. Bor mir liegt die merkwürdige Schrift Kaufmannes: A u s Heinrich Heine's Ahnensaal, Breslau 1896. Hier faßt Kaufmann selbst seine historischen Schriften wie folgt zusammen: Zur Geschichte Mischer Familien : 1. S a m s o n W e r t h e i m e r, der Oberbvffactor und Landesrabbiner (1658—1724), und seine Kinder (Trier 1888). 2. R. Jair, Chajim Bacharach (1638—1702) und seine Ahnen (Trier 1894) 3 * * 6 7 8). — Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien und Niederösterreich, ihre Vorgeschichte (1625—1670) und ihre Opfer (Wien 1888).*) — Urkundliches aus dem Leben Samson Wertheimer's (Wien 1892)?)Die Erstürmung Ofens und ihre Vorgeschichte nach dem Berichte Isaak Schul hof's (1650-1732).. Megillath Ofen (Trier 1895). °) — Dr. Israel Conegliano und seine Verdienste um die Republik Venedig bis nach dem Frieden von Carlowitz (Wien 1895)?) Hiezu reiht sich an die bereits genannte Schrift über Heinrich Heine, die dem Tone nach zwar für ein größeres, für die bezaubernde Erscheinung Heine's sich intereffirendes Publicum berechnet ist, die aber inhaltlich mit den ausgezählten Schriften desselben Charakters ist. Der Kenner merkt es übrigens sofort, daß alle diese sieben Schriften miteinander enge Zusammenhängen, denn nicht nur ist das Zeitalter, das sie behandeln, ungefähr dasselbe, sondern auch die Ereigniffe, die ihnen zu Grunde liegen, die Personen, die dabei zur Darstellung kommen, treten mit einander vielfach in Berührung und sind mit einander verschlungen. Wie denn anders wäre es möglich, daß sieben umfangreiche Schriften mit der Verarbeitung eines ungeheuren historischen Materials in der kurzen Spanne Zeit von acht Jahren erscheinen konnten? Daraus ergibt sich die Wahrnehmung, daß Kaufmann ein von ihm ins Auge gefaßtes Gebiet wissenschaftlicher Thätigkeit nach allen Richtungen genau studirte; sollte das vergangene Zeitalter sich für die Gegenwart zum lebendigen Bilde gestalten, so Mußte cs allseitig bearbeitet werden, gleichwie der Künstler vom Werke solange die Hand nicht abnimmt, solange es nicht zur künstlerischen Vollendung gediehen ist. Kaufmann war ein solcher Künstler, denn so erzählen, so anschaulich, so lebendig und wahr, ist nur bei künstlerischer Begabung möglich. Es ist schon oben bemerkt worden, daß unser Autor den Impuls zu seinen Untersuchungen über jüdiscke Familien infolge seiner ehelichen Verbindung mit der altoerühmten Familie Gomperz bekommen habe. Es ist dies nicht eine bloße Vermuthung, sondern wird von Kaufmann selbst in diesen Pragmatismus gebracht. Im Jahre 1887, also ein Jahr vor dem Beginne der Serie jener Geschichtswerke, gab er in Verbindung mit Josef Weises Rabbiner in Waag-Neustadtl in Ungarn, und auf Kosten seines Schwiegervaters Sigmund Gomperz, aus dem Nachlasse des Großvaters seiner Frau, des Lion, auf hebräisch Löw Gomperz, werthvolle Novellen termri) zum Pentateuch, zu anderen biblischen Büchern und auch zum Gebetritual heraus?) *) Er schrieb mehrere Auffätze in die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" in Berlin, in Dr. Bloch's «Oesterreichische Wochenschrift" in Wien (seine hier erschienene Arbeit über Mädchenerziehung: Wie heben wir den religiösen Sinn unserer Mädchen und Frauen, Trier 1893 — ist von dem berühmten Sinologen P. G. Möllendorf in Shanghai ins Englische übersetzt worden; es ist derselbe, der in der Monatsschrift über, das Land Sinim geschrieben, XXXVHI, 8. S. den Brief Möllendorf's im Anhänge), in Jewiih Cronicle, in Jewish Meffenger rc. *) In dem nützlichen Werke von M. Schwab: Repertoire des articles relatifs ä l’Histoire et ä la Litterature juives ... de 1783 ä 1898 sind zwar nur 259 Piöcen aufgeführt, doch sind in Schwab's Liste einige Piöccn übersehen worden, andere Aufsätze sind seitdem, seit 1898, erschienen. *) Ueber Bacharach s. auch Jewish Quarterly Review HI, 292, 485. — Die Kinder I. Eh. Bacharach's, Monatsschrift 1899, XLIII. 37. *) Im Jahresberichte der Landesrabbinerschule in Budapest. Auch in ungarischer Sprache. 5) Siehe vorangehende Note. •} Auch in dem Jahrbuch der israelitisch-ungarischen literarischen Gesellschaft, I, 63. 7) Siehe drittnächste Note. s) Weise starb hochbetagt 1892. *) zb ■nab zb Wien 1887. Im Titel Anspielung auf den Namen Löw er1?) des Autors. Außer im Werke selbst eingestreuten gelehrten Notizen schrieb Kaufmann noch ein Vorwort zu dem Werke, wobei er den Stammbaum der Familie Gomperz vom Ausgange des 16. Jahrhunderts an aufstellt und auch deren Verknüpfung mit Samson Wertheimer und dessen Familie wie auch mit anderen berühmten jüdischen Familien feststellt. „Diese Männer — spricht Kaufmann in der hebräisch geschriebenen Vorrede — sind es werth. daß ich nicht Plage, nicht Mühe scheute, bis ich die Bücher der betreffenden Gemeinden und die Landesarchive durchgesehen habe, und an allen Orten, wohin meine Hand reichte, geforscht habe, um die Geschichte dieser vornehmen und edlen Familien in Israel erzählen zu können, denn gar Mancher unter ihnen erhob das Horn unseres Volkes, und damit gezeigt werden könne, wie fromm ihr Lebenswandel war, und daß ein Geschlecht nach dem anderen die Traditionen der Väter aufrecht erhielt." Wer hätte die Geschichte der jüdischen Familien je von diesem Standpunkte betrachtet? Waren doch die Juden sammt und sonders nichts als Schacherer, tiefgebeugte, verunstaltete Gestalten einer traurig barbarischen Zeit! lind da sehen wir auf einmal ganze Dynastien von jüdischen Männern, in deren Hause neben Wohlhabenheit und fürstlicher Pracht2) gute Sitte und feine Bildung herrschte, Männer, die zum Throne der Fürsten Zutritt hatten und die eben darum für ihre bedrückten Brüder an die Stelle der Vorsehung traten. Neben den Familiengeschichten erwuchsen die Gemeindegeschichten von selbst, und so bilden diese geschichtlichen Arbeiten einen einheitlichen Cyclus, von welchem nur die mehr auf diplomatischen Urkunden sich aufbauende Geschichte Conegliano's. sich übhebt, zu der aber ihrerseits sich wiederum die diplomatische Rolle des holländischen Gesandten in Wien, des Barthold Dove Burmania, gesellt. 3) Es liegt in der Natur der Sache, daß solche Forschungen gewiffe Vorarbeiten und nachträgliche Funde mit sich bringen, die gleich Ranken an dem Baumstamm um die Hauptarbeit sich lagern. So haben wir eine Arbeit Kaufmann's über das Memorbuch der Klaussynagoge Zacharia Levi's aus Wien*); Geschichte der Wiener Exulanten von 16703); Grab-Inschriften von Wiener- Neustadt3), lauter Arbeiten, die zu dem Werke über die Vertreibung aus Wien gehören. Der Pseudo-Messias Sabbatai Cebi, der in der Biographie des Jair Chajim Bacharach eine große Rolle spielt, war für Kaufmann auch außerdem Gegenstand der Forschung; er veröffentlichte ein auf ihn bezügliches diplomatisches Aktenstück?) Noch bevor er Heinrich Heine's Ahnenreihe feststellte, hatte er schon an einem Nachkömmling des Eleazar Fleckeles zu beweisen gesucht, daß sich das Gesetz der Vererbung auch in Familieneigenschaften wirksam zeigt?) Und so könnten wir aus der großen Mannigfaltigkeit der Kaufmann'schen Arbeiten noch andere Arbeiten herausgreifen, die zu diesem Kreise gehören, wenn dadurch Kaufmann's Thätigkeit erschöpfend veranschaulicht werden könnte, was aber bei der Produktivität des Mannes nicht leicht ist. Ich selbst habe mir die geschichtlichen Arbeiten Kaufmann's nach den Ländern, gruppirt, auf die sie sich beziehen, und vielleicht hat es ein Interesse, wenn einmal diese Arbeiten, diedoch einst dem Gesammtkreise der jüdischen Geschichte zugesührt werden, in der angedeuteten Weise vor uns erscheinen. Nächst Deutschland, auf welches sich natürlich fast die meisten, der Zahl nach etwa 30, historischen Aufsätze Kaufmann's beziehen, erfreute sich Italien der Gaben aus Kaufmann's arbeitsamer Hand, wohl infolge des Umstandes, daß die Manuscripte in Kaufmann's Besitze zumeist aus diesem Lande stammten und sich darauf bezogen. Die meisten auf Italien bezüglichen Arbeiten, der Zahl nach etwa 40, sind in der Revue des Etuäes Juives erschienen, und diese Zeitschrift ist es, in welcher Kaufmann's Manuscripte zü- *) Ich hebe hervor die von Kaufmann selbst als' etwas Merkwürdiges bezeichnete Notiz, daß in Constantinopel ein zum MuhamedanismuS abgefallener Jude unter Anwendung von Pro v. XVI, 4 sich zum Beschützer der Juden aufwarf (S. 72). ^Urkundliches aus de m Leben Samson Werthei mer's, p. 96. 3) Ebenso das Vorwort zu den Memoiren der Glücke! von Hammeln, ein Werk, das noch genannt werden soll. *) Monatsschrift XVU, 289. ') Ibiä. XVII, 302. 6) R. d. E. J. XXX, 200. 7) R. d. E. J. XXXIV, 305. Es ist der Bericht des Gesandten der Republik Venedig in Constantinopel. Ibid. XXXVI, 256: La lutte de Xaftali Cohen contre Hayyoun. * 8) Der Stammbaum des R. Eleazar Fleckeles, eineAhnenprobeMoritzHartmann's;Monatsschrift XXXVII, 378. Kaufmann hat diese Arbeit auch als separate Schrift erscheinen lassen.

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