Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 34 (23.8.1901)
- Date
- 1901-08-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 84 Dr. Vloch's »ochrnfthrlfl Seite 885 "iu-?7rn»iilr"i-n^rn-W--N-U,. Kronstadt herum, welches Kinder kaust, welches viele Leute gesehen haben wollen, und welches trotz alldem Niemand der Polizei näher bezeichnen kann; der Preis für ein Kind, sagt man, beträgt 5000 fl/ »Acht geben Eitern, die Sache ist nicht spaßhaft! Die Welt munkelt und munkelt über diesen Fall recht fatal; sie sagt: .... Ahasver ginge um". Vorgestern, den 12. d. verirrte sich ein fremder Jude aus Braila in jenes Stadtviertel und wurde beinahe todtgeschlagen. Er wollte angeblich einen größeren Knaben von 4—5 Jahren rauben. Des Kindes Eltern haben es rechtzeitig genug bemerkt, haben das Kind aus den Armen des Juden geriffen, den Juden selbst zu Boden geschlagen, und wenn nicht ein hiesiger Arzt ihn gerettet hätte, wäre er gelyncht worden. Man brachte den Mann zur Stadthauptmannschaft. Hunderte von Zeugen schwören bei Jesu Christi, daß der Jude das Kind rauben wollte. Vor der Stadthauptmannschaft entsteht ein Tumult, es rotten sich Rumänen und Sachsen zusammen und forderten die Herausgabe des »Blutsaugers". Ein Verhör beginnt und dauert fort, inzwischen rotten sich die Leute zusammen, schreien, daß die Polizei den Blutsauger durch die Hinterthüre hinauslasse, denn die Regierung hätte zu Wahlzwecken 400.000 Gulden bekommen, um zu erlauben, 99 Christenkinder straflos niedermetzeln zu dürfen; man drohte, den Tempel zu demoliren u. s. w. In der Nacht war im erwähnten Viertel wieder ein Tumult. Ein Jude mit schwarzem Bart, mit rothen Schnurrbart, griff einen Christenbuben von 10—11 Jahren rücklings an, drückte ihm den Brustkorb derartig zusammen, daß er zu athmen aufhörte und wollte ihm mittelst Maschine das Blut abzapfen, aber glücklicherweise gelang es dem Knaben mit Hilfe der heiligen Maria, die er in Nöthen anrief, mit heiler Haut zu entkommen, während der Jude verschwand. Der Tempel wird bewacht. Ruhestörungen sind nicht mehr. Es scheint das Ganze von Rumänien aus inscenirt worden zu sein. * * * Nachschrift: Die Blutgeschichte hat officiell aufgehört. Es hat sich herausgestellt, daß der Jude das Kind nicht einmal angesprochen hat. Er ging spazieren und die Rumänen überfielen ihn. Im Volke aber siedets und kochts. Es heißt sogar, daß das Kind entblutet gestorben ist. Zur religiösen Erziehung unserer Kinder. In der vorigen Nummer dieser geschätzten Zeitschrift lautete eine Briefkastennotiz folgendermaßen: » Man müßte eigentlich milder über die Antisemiten denken, wenn man sieht, wie wenig oft Juden von ihrer Religion und ihrer Geschichte wissen*. Worin aber liegt der eigentliche Grund, daß die Juden von ihrer Geschichte und ihrer Religion wenig oder gar nichts wiffen? Einerseits hierin, daß die jüdischen Frauen, die in der alten Zeit den Kindern die ersten religiösen Kenntnisse beizubringen pflegten, in der jetzigen Epoche, bei all dem Bestreben, ihre Kinder zu angesehenen Gliedern der Gesellschaft heranzubilden, infolge des religiösen Jndifferentismus sich um die religiöse Erziehung derselben sehr wenig oder gar nicht kümmern; anderseits aber hierin, daß der dem Kinde in der Schule zutheil werdende Religionsunterricht zu sehr mangelhaft sei, als daß er ihm einen vollständigen Begriff von der altehrwürdigen Religion seiner Väter, die für sie unsägliche Martern bestanden, beibrächte, und daher wächst es auf in religiöser Unwissenheit und um eines kleinen materiellen Bortheils willen ist es geneigt, zu einer anderen Religion überzutreten ohne Scrupel. Es muß wirklich tief betrüben, wenn man sieht, wie andere Völker auf ihre Religion so großes Gewicht legen und sich bestreben, ihre Kinder in wahrhaft religiösem Sinne zu erziehen, und wie wir unsere Religion vernachlässigen! E s d ü r f t e n daher unsereMänner trachten, dahinzuwirken, daß. derReligionsunterrichtindenSchulensich perfect ge st alten soll, und ihre Frauen anzuleiten, die Kinder religiös zu erziehen. M. H. David Kaufmann. 1853-189». Bon Dr. Samuel Krauß in Budapest. IV. Nach Kaufmann dem Religionsphilosophen und dem Polemiker betrachten wir nunmehr Kaufmann den Historiker. Die Bearbeitung der jüdischen Geschichte ist wohl die stärkste Seite in Kaufmann's Leben, und staunend lassen wir an uns die große Reihe seiner historischen Arbeiten vorbeiziehen. Ein unsäglich trauriges Gefühl beschleicht uns. wenn wir bedenken, wie Vieles dieser im schönsten Mannesalter dahingeraffte Mann noch für die Geschichte hätte leisten können, da er schon in einem fast nur auf die Hälfte des gewöhnlichen Maßes gediehenen Leben soviel geleistet hat. War in der Bearbeitung der jüdischen Religionsphilosophie in erster Reihe philosophische Schulung und strenge Logik nothwendig, so ist auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte eine erstaunliche Belesenheit, die Auffindung neuer Quellen und die glückliche Lesung von Inschriften und Handschriften erforderlich, um in die dunkle Nacht der Vergangenheit hineinleuchten zu können. Staunend fragen wir uns, wie viel Memorbücher, wie viel Gemeindearchive, wie viel Grabsteine, Familienregister — und was das Wunderbarste — wie viel Approbationen von unscheinbaren Werken mitunter ziemlich obscurer Autoren mußte Kaufmann gelesen haben, um all' die minutiösen Daten seiner historischen Werke herauszufinden? Und welche Liebe mußte dieser Mann für das Judenthum hegen, wenn er vor solcher Mühe nicht zurück^chrak? Doch liegt ja in der zweiten Frage zugleich die Erklärung für die ungewöhnliche Erscheinung. Nur die wenigsten Arbeiten Kaufmann's liegen in selbstständigen Werken vor, der Mehrzahl nach find sie in der gesammten jüdisch-periodischen Literatur der Gegenwart zerstreut. Es gibt darunter kaum eine einzige Zeitschrift, die von Kaufmann nicht reichlich bedacht worden wäre; so verliert die Revue des Etudes Juives in ihm einen ihrer fleißigsten Mitarbeiter, denn fast eine jede Nummer dieser Revue war mit seinen Arbeiten geschmückt, ja oft enthielt sie deren, sogar mehrere, und sie enthielt sie sogar über seinen Tod hinaus, so sehr war der Mann arbeitsfroh und arbeitskräftig. Solange Berliners und Hoffmann's Magazin für die Wissenschaft des Judenthums existirte. war er auch dessen Mitarbeiter, ebenso bei der Monatss ch r i f t für die Wissenschaft des Judenthums, die er. nachdem sie einige Jahre eingegangen war, mit seinem Freunde Dr. M. Braun neu begründete (1892); seit dieser Zeit wurde sie erst recht die Trägerin seiner Arbeiten. Er arbeitete ferner in M. Roest's Israelitisch Letterbode in Amsterdam; oft suchte er mit seinen Arbeiten die Zeitschrift der deutschen m o rge n l ä n d i sch en Gesellschaft auf, in überaus segensreicher Weise auch die Jewish Quarterly Review in London; mit den Leitern und Herausgebern dieser Zeitschriften stand er zumeist auch in vertrauter Freundschaft. Andere Zeitschriften, in welchen Kaufmann's Arbeiten erschienen, wurden schon oder werden in der Folge gelegentlich genannt. Was aber hier besonders hervorgehoben werden soll, ist der Umstand, daß Kaufmann mit Vorliebe in die hebräischen Zeitschriften schrieb; er hatte einen schönen leichten hebräischen Styl, was bei dem durch und durch modern gebildeten Kaufmann der Erwähnung wohl werth ist. Als stylistisches Meisterstück, aber auch wegen des gediegenen Inhalts, sei hier seines Aufsatzes über die G e n iz a in Fostat (ran -n») gedacht. *) Die hebräischen Aufsätze trugen den Namen Kaufmann's weit in die östlichen Länder hinaus,* 2) in Länder, wo man modern jüdische Forschungen mit mehr Begeisterung annimmt. als man zu glauben gewöhnlich geneigt ist, nur müssen sie in der ihnen verständlichen hebräischen Sprache geschrieben sein. So ist es denn zweifellos, daß in dieser Literatur sein Andenken auf besondere Weise geehrt werden wird; schon jetzt ist ein historisches Werk, das über Kopl Theben von I. Lewinsohn (Warschau 1900), seinem Andenken gewidmet. *) In p6wn TL 2) Er schrieb in Friedmann-Weiß -na!?n rra; im t:öh 1898; in naxan 1886; in Harkavy's dthj epKö rc. Vgl. auch p:n (Berditschew 1898), erstes und zweites Heft; n»n “*o (Warschau 1901 posthum).