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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-16 · 33 (16.8.1901) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
33 (16.8.1901)
Date
1901-08-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 558 Dr. Bloch's Wychrnschrrl^ Nr. 33 und haben am Montag mit der Durchführung begonnen. Die Judenschaft in Chrzanow beabsichtigt — wie uns mitgetheilt wird — eine rituelle Badeanstalt einzurichten und glaubte sich hiezu eines größeren Beitrages von Seiten des Propinators versehen zu können. Da dies nicht zutraf, wurde eine allgemeine Bier* abstinenz verkündet und begonnen. Es dürfte interessant sein, wer länger aushalten wird, der Propinator oder die Abstinenten. Die Letzteren riskiren dabei allerdings viel weniger als der Propinationspächter. Saaz. Bei der vor Kurzem abgehaltenen Neuwahl in der israelitischen Beerdigungsbrüderschaft wurde der allgemein geachtete Herr Moriz Grünfelder neuerdings wiedergewählt. D. R. Prossnitz. (Todesfall.) Vorige Woche würde die Gemalin des Alt-Bürgermeisters der Proßnitzer Jsraeliten- Gemeinde, Frau Rosa T r i s ch e t, unter lebhafter Theilnahme der ganzen Stadt zu Grabe getragen. Dem schwergeprüften Gatten Herrn Dr. Albert T r i s ch e t sind aus den weitesten Kreisen Sympathie-Kundgebungen zugekommen. Die Dahingeschiedene soll, wie verlautet, namhafte Beträge zu humanitären Zwecken testirt haben, namentlich zum ewigen Gedächtniß an deren einzige, im blühenden Alter verstorbene Tochter, deren Verlust sie zeitlebens nicht zu verwinden vermochte und ihr schließlich das Herz zerbrach. E. B. Prossnitz. (Tragischer Todesfall.) Frau Carola Schneider, Gemalin des verehrten Proßnitzer Stadtarztes Herrn Dr. Leopold Schneider, wurde, als sie dem Leichenbegängnisse der ihr innig befreundet gewesenen Frau Rosa Trischet anwohnte, plötzlich vom Schlage gerührt und blieb auf der Stelle todt. Das tragische Geschick hat in der ganzen Gemeinde lebhafteste Theilnahme für den schwergeprüften Gatten und deffen Familie wachgerufen. Die Dahingeschiedene war eine zärtliche Gattin und aufopfernde Mutter. Die Erde sei ihr leicht, sie ruhe in Frieden! Wieliczka. Einen interessanten Vortrag hatten wir Gelegenheit in unserer Salinenstadt zu vernehmen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Templer aus Wien weilt nämlich in unserer Mitte und hat über Einladung des Vorstandes am vergangenen Samstag einen äußerst lehrreichen und formschönen Vortrag über „Selbsthilfe" gehalten. Das dichtgedrängte Publicum lauschte mit Spannung den Ausführungen des gelehrten Redners, der es meisterhaft verstand, alle den verschiedensten Classen und Geistesrichtungen angehörenden Zuhörer bis zum letzten Momentezu fesseln. Ungetheilter, lebhafter Beifall lohnte den Vortragenden. Prag. (Kaiserin Friedrich auf dem Prager jüdischen Friedhofe.) Seit langen Jahren wiro in Prag ein hartnäckiger Kampf um die möglichst unveränderte Erhaltung des alten jüdischen Friedhofes geführt. Dieser Kampf ist vorgestern zu Ungunsten des Gottesackers entschieden worden, indem das Prager Stadtverordneten-Collegium den Beschluß faßte, dem Friedhofe rund 2000 Quadratmeter der Assanirung zuliebe wegzunehmen. Bekanntlich gehört der alte jüdische Friedhof zu den größten Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt, und kein Fremder verabsäumt cs. dort einen Besuch machen. Es wird jetzt daran erinnert, daß auch die verstorbene Kaiserin Friedrich im Jahre 1673 den Friedhof besichtigte. Am 28. April kam sie in Begleitung des Kronprinzen FriedrichWilhelm. des nachmaligen Kaisers Friedrich, sowie des jetzigen deutschen Kaisers mit zahlreichem Gefolge unangemeldet auf den alten jüdischen Friedhof. Es wurde der eben im Rathhause anwesende Doctor Bendiener herbeigeholt, und unter dessen Führung besichtigten die hohen Herrschaften mit großem Interesse die alten Gräber und verweilten insbesondere bei der Grabstätte des Rabbi MordechaiMeisel, des Freundes des Astronomen Tycho de Brahe, und dem Grabe des Rabbi Löw. Sodann begaben sich die Herrschaften in die Altneu- Shnagoge, wo die Kconprincessin die zum Theile zweihundert bis dreihundert Jahre alten Paramente sorgfältig besah und wiederholt den Ausdruck „superbe" gebrauchte. Beim Abschiede sprach Dr, Bendiener den erlauchten Gästen den Dank für die der jüdischen Gemeinde durch die Besichtigung der altehrwürdigen Denkmäler erwiesene Ehre aus, worauf Kronprinz Friedrich Wilhelm Dr. Bendiener die Hand reichte und sagte: „Ich danke Ihnen, Herr Doctor, wenn Sie einmal nach Berlin kommen, wird es mich freuen, wenn Sie mich besuchen". Die Kronprinzessin fügte die Worte hinzu: „Ja wohl." Prag. Die „Ostdeutsche Rundschau" brachte jüngst die Meldung, daß in der Gemeinde. Schönwald ein Boycott gegen den dortigen jüdischen Arzt Dr. Grün Hut von der Bevölkerung eingeleitet wurde. Wie nunmehr mitgetheilt wird, beruhte jene Meldung auf Unwahrheit. Dr. Grünhut erfreut sich vielmehr des vollsten Vertrauens und der Gunst der Bevölkerung und war nur deshalb genöthigt, in Wickwitz Wohnung zu nehmen, weil er in Schönwald keine für einen Arzt passende Wohnung erhalten konnte. Marrenbad. Eine besondere Ehrung ist dem hier zum Curgebrauche weilenden Gemeinderathe von Mähr.-Ostrau, Herrn Max Straß mann, seitens der Marienbader Stadtgemeinde zu Theil geworden. Es ist nämlich Heuer das 25. Mal, daß Herr Straßmann den Curort ausgesucht hat. Aus diesem Anlasse fand sich eine Deputation der Stadtvertretung von Marienbad mit dem dortigen Bürgermeister an der Spitze bei Herrn Gemeinderath Straßmann ein, beglückwünschte ihn und überreichte ihm ein Diplom der Stadtgemeinde, sowie eine in Aquarellfarben künstlerisch ausgeführte und geschmackvoll ausgestattete Ansicht von Marienbad. Lnzern. Im hiesigen Cursaaltheater gastirte kürzlich Herr S. Tonnenberg aus Zürich (der, wie wir vernehmen, dortselbst als Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde thätig ist) und fand damit Gelegenheit, sich als ein ganz außergewöhnlich begabter Sänger zu erweisen, der voraussichtlich noch viel von sich reden machen wird. Der Künstler verfiigt über eine wunderschöne Varitonstimme von besonderem Umfang und Wohlklang, die er nach italienischer Schule überaus kunstvoll behandelt und ihr alle wünschbaren Vortragsnuancen zu entlocken versteht. Herr Tonnenberg hat hier mit Arien aus „Faust", „Maskenball" u. s. w. einen enthusiastischen Erfolg und mußte sich zu mehrfachen Zugaben entschließen; er wurde von seiner Gattin in'feinfühliger Weise accompagnirt. Der so begabte Sänger erweckte hier den lebhaften Wunsch, ihm bald am Podium wieder zu begegnen. K. Jassy. Ein hiesiges Blatt veröffentlicht folgende, merkwürdig klingende Nachricht: Der spanische Consul in London hat sich an die jüdische Auswanderungsgesellschaft gewendet und den Juden, die sich der Landwirthschaft widmen wollen, die weitgehendste Gastfreundschaft angeboten. Es werden den Auswanderern nicht nur Grund und Boden sowie die Arbeitswerkzeuge, sondern auch die Kosten für die Hin- und Rückreise, die Verpflegung für einen Monat unentgeltlich gewährt, damit sie Gelegenheit haben, sich von dem Werthe der ihnen gewährten Vortheile zu überzeugen. Melbourne. - Es wird allgemein interessiren, daß hier kürzlich zwei jüdische Militärs hohe Orden erhielten, und zwar: Oberstlieutnant Salomon für vierzig Jahre Dienstzeit und Major I. Daniels, der 22 Jahre im Dienste steht. Feuilleton. Der Unessane tokef. Novelle von Vabetta Fried in Prag. (Fortsetzung.) Zu Hause angelangt, wurde er von seinem Diener erwartet. Warum bist Du nicht schlafen gegangen, Franz, wozu brauchst Du bis tief in die Nacht hinein auf mich zu warten? .Ich mußte wohl, gnädiger Herr! Denn der Herr Papa will Sie noch heute sprechen. Darum mußte ich bis zu Ihrer Ankunft wach bleiben. Was ist's mit Papa, er ist doch nicht krank geworden? Nicht, daß ich's wüßte. Wenigstens klagte er über nichts. Ich habe ihn zu gewohnter Stunde zu Bette gebracht, doch nach einem zweistündigen Schlafe wurde er wach und trug mir auf. Sie gleich nach Ihrer Ankunft zu ihm zu führen. Ich habe ihm wohl Ihre Bestellung ausgerichtet, aber Alles umsonst, er will Sie noch heute sprechen. Das Heute ist eigentlich schon ein Morgen, meinte gut gelaunt David. Geh' nur schlafen Franz! Ich gehe zum Papa. Dieser saß bei des Sohnes Ankunft aufrecht im Bette, die Augen unverwandt auf die Thüre» gerichtet, durch welche David eingetreten war

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