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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-16 · 33 (16.8.1901) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
33 (16.8.1901)
Date
1901-08-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Rr. 83 Br. Vwch's Wochrnfchri^ Seite 557 der anwesenden christlichen Anwälte auf Seiten der jüdischen Minorität Übertritt. Was § 203 betrifft, so enthält er ein Mißtrauensvotum gegen die Anwaltskammer und einen Versuch, ihre Mitglieder zu bevormunden. Wenn die aus gebildeten und erfahrenen Männern bestehende Corporation der Rechtsanwälte einen jüdischen College» für würdig befinden sollte, ihn zu ihren Vorfitzenden zu wählen, so kann die Regierung doch nichts dagegen haben. Die aphoristische Auffassung der Motive, daß ein Jude nicht würdig ist, ein solches Ehrenamt zu bekleiden, gehört keineswegs zu den Axiomen, die erst gar nicht bewiesen zu werden brauchei'. Im Gegentheil sprechen gegen diese durch nichts bewiesene Behauptung sowohl das russische Gesetz wie das Gewohnheitsrecht. Wenn die Juden überhaupt Anwälte werden und auch im Vorstand der Anwaltskammer sitzen dürfen, so ist nicht einzusehen, weßhalb sie nicht einmal auch zu Vorsitzenden dieser Kammer sollen gewählt werden können. Warschau. (Bessere Aussichten.) Aus Lodz kommen günstige Nachrichten. Die von den Fabrikanten ausgesandten Reisenden haben in diesem Jahre ihren Auftraggebern riesige Bestellungen heimgebracht. Die Arbeiten für die Wintersaison sind im vollen Gange und im Jnseratentheile der Lodzer Localblätter werden von den Fabrikanten fortwährend Weber gesucht. Es geht also im Lodzer Jndustriebezirke wieder bergauf, nachdem die Conjuuctur daselbst, wie überhaupt im ganzen Königreiche Polen, jahrelang darniedergelegen hat. Einstweilen freilich übersteigt das Angebot von Arbeitskräften die Nachfrage noch ganz bedeutend und die Zahl der Arbeitslosen jüdischen Weder ist in Lodz sowohl wie auch in Bjalystock noch sehr groß; dennoch ist begründete Aussicht vorhanden, daß es Hunderten von jüdischen Webern, welche bis jetzt zum unfreiwilligen Müssiggang verurtheilt waren, gelingen wird, Arbeit und Brot zu finden. Leider können die Juden von einer günstigen Conjunctur lange nicht soviel Nutzen ziehen wie die Nichtjuden. Die christlichen Fabrikanten, die zumeist Deutsche sind, bevorzugen ihre christlich-germanischen Landsleute, während die jüdischen Fabrikanten aus falschverstandener „Parteilosigkeit" ihre nothleidenden Stammesgenossen nicht im Geringsten begünstigen. Diese Thoren ziehen es vor, an die Hunderte von jüdischen Arbeiter, A l m o s e n zu geben, statt ihnen das Geld auf ehrenvolle Weise m Form von Arbeitslöhnen auszuzahlen. Warschau. Die polnisch-jüdische Presse erinnert daran, daß Adolf Cohn, einer der populärsten Veteranen des polnischjüdischen Journalismus, in diesen Tagen das vierzigjährige Jubiläum seiner literarischen Thätigkeit vollendet hat. Seine ersten Beiträge erschienen in den Spalten der „lutrzenka", einem vormals m Warschau erschienenen Journale, das dem fortschrittlichen Theile des polnischen Judenthums gewidmet war. Als er an der Universität die Rechte studirt und promovirt hatte, war er der Hauptmitarbeiter der „Israelita", dem vielgelesenen freisinnigen Blatte des Landes. Sein Buch, „Die Gesetzgebung Moses" erschien in Krakau, während der Roman „Jüdisches Glück" in Warschau großes Aufsehen machte. Neben seiner aus dem Gebiete des jüdischen Lebens sich bewegenden Thätigkeit hatte Adolf Cohn sich an allen übrigen politischen Tagesfragen sehr lebhaft betheiligt, so in der „Gazetta Polska", in der „Pravda", „Klossy", und er war es, welcher das speciell juridische Blatt, den „PrzeZIad", begründete. Cohn ist auch als unermüdlicher, geschickter Uebersetzer aus der russischen und deutschen Literatur bekannt. Ins Polnische übersetzte er Tolstoi's berühmtes Buch „Was ist die Kunst?" Seit 1894 wirkt Cohn als einer der Secretäre der jüdischen Colonisationsgesellschaft in St. Petersburg. — In Odessa ist auf Anregung des Dr. Kranzfeld eine Gesellschaft zur Errichtung von Sanitätscolonien zusammengetreten, welche die Physische und moralische Erziehung der ärmsten Judenkinder der Stadt zur Aufgabe hat. Die Statuten dieser humanen Vereinigung sind vom Minister des Innern bereits sanctionirt und die Gesellschaft hat bereits ihre Thätigkeit begonnen. Vermischtes. Wien. (T r a u u n g.) Mittwoch den 21. August a. c., Nachmittags um 1 Uhr, findet in Sauerbrunn bei Wiener-Neustadt die Trauung des Fräulein Henny Schlesinger mit Herrn Bennö Schreiber statt. Wien. Der Bethausverein „Beth Hachneteth", UI., Untere Biaductgaffe 18, veranstaltet Sonntag den 18. d. Mts., 10 Uhr Vormittags, zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers einen Festgottesdienst, wobei der Bereinsrabbiner Herr Dr. Abelles die Festrede halten wird. Wien. Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät findet Sonntag den 18. August l. I. um 9 Uhr Vormittags in der Synagoge des Vereines „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. (Auszeichnung.) Dem Generalsecretär der Baron Hirsch'schen Colonisations-Gesellschaft in Paris, Professor Dr. Sigmund Sonnenfeld, wurde der Orden der französischen Ehrenlegion verliehen. Wien. Anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers findet Sonntag den 18. August l. I. um V28 Uhr Früh im Tempel, IX., Müllnergasse ein solenner Festgottesdienst statt. E. B. Wien. (Geschäfts-Jubiläum.) Herr Ignaz Schulhof, Chef der Schirmfabriksfirma Ignaz Schulhof L Co. in Wien und Prag, beging vorige Woche in Veldes am Wörthersee, wo derselbe zur Sommerfrische weilt, sein fünfundzwanzigjähriges Geschäfts-Jubiläum. Dem Jubilar gingen aus Jndustriellenkceisen und von zahlreichen Freunden und Bekannten Glückwünsche zu. namentlich von seinem Beamtenpersonale und seinen Arbeitern, denen Herr Schulhof ein sehr gewogener Principal und liebevoller, väterlicher Berather und Freund ist. Wien - Mariahilf. Samstag, 17. August d. I., 8 Uhr Vorm., findet im Tempel, VI., Schmalzhofgaffe 3, anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. (Spenden). Für die Abgebrannten in Neubidschow sind uns zugekommen: von Frau Elvira Trister, Agram X 20.—; Herrn und Frau Cäcilie Heister, Chrast, anstatt eines Kranzes für den Verstorbenen Friedrich Jetis X 10.—; Herrn Moses Pick, Lehrer d. z. Porlitz X 2.50; Herrn Jacob Kann, Wien X 15.—; Herrn Albert Winterberg, Wien, X 15. —; Herrn Ignatz Kantor, Wien X 2u.—; Herren Lazar Eppinger und Sohn, Blldapest X 100.—; Herrn Dr. Fuchs aus Vükovitz X 300.— als Resultat einer Sammlung bei einer Trauung in Trencsin. Baden. (F e st g 0 t t e s d i e n st.) Aus Anlaß des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers veranstaltet der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Baden Samstag den 17. d. im israelitischen Tempel einen solennen Festgottesdienst. Der Nestor der Cantoren, der berühmte Herr Baruch Sch 0 rr aus Lemberg, wurde vom Vorstand eingeladen, bei dieser patriotischen Feierlichkeit mitzuwirken. Brünn. Anläßlich des 80. Geburtstages Hieronymus Lorm's spendete ein stiller Verehrer des Dichters dem israelitischen Frauenvereine den Betrag von 50 X. Budapest. Vorigen Monat wurde Herr S a n d 0 r Fleischt, Inhaber der bestrenommirten alten Getreide-Export- Firma Samuel Fleisch!, zum dänischen Consul für Ungarn ernannt. Oberwähnter Herr Sandor geht in dem von seinen sel. Vater angebahnten Weg betreffs der Solidität und Rechtschaffenheit in allen Geschäftsangelegenheiten. Ec ist auch ein würdiger Nachfolger, seines sel. Vaters im Gemeindewesen, denn auch er gehört dem Ausschuß und Vorstand der Religionsgemeinde und Gtw^ra-Xadiseüa an; nicht minder nimmt er regen Antheil an allen jüdischen Instituten und Wohlthätigkeitsanstalten. Boschah. (Ungar n.) Am verflossenen „Sabbath- Nachamu" verschied hier unseres allbeliebten Vorstehers Herrn Jacob Berger's Tochter Gisela, gew. Oberrabbinecin von Sophia in Bulgarien, Gattin des ihr vor 6 Jahren im Tode vorangegangenen hochgelehrten Grand-Radvin von Bulgarien Herrn Dr. Moritz Grünwald und Enkelin des berühmten Oberrabbiners Josef Weiße s. A. in Waag-Neustadtl. Ein tückisches Herzleiden raffte die junge Witwe, die sich in ihrem Elternhause der sorgfältigsten Pflege erfreute, in ihrem 30. Jahre dahin. Sie war die zweite Gattin Dr. Grünwald's, dessen erste Frau Dorothea geb. Weiße als Rabbinerin vor 10 Jahren in Jungbunzlau starb. Möge den tiefbetrübten Eltern, den 6 unmündigen Waisen und trauernden Verwandten himmlischer Trost zutheil werden und das Andenken der Dahingeschiedenen gesegnet sein. M. A. Teschen. Die „Silefia" schreibt unter dem Schlagworte: „Ein Bierstrike in Chrzanow": Die jüdischen Gemeindemitglieder in Chrzanow haben als Demonstration gegen den dortigen Propinationsinhaber beschlossen, sich des Biergenuffes zu enthalten

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