Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 33 (16.8.1901)
- Date
- 1901-08-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 554 Dr-. Bloch's Wor^MschrifL Nr. 83 Diesem Uebelstande auf eine radikale Weise abzuhelfen und verhältnißmäßig schöne Waare zu liefern, welche den selbst rigorosesten Anforderungen des Käufers entsprechen, bildet die vornehinste Aufgabe, welche das ins Leben tretende Unternehmen seiner Thätigkeit zu stellen hat. In zweiter Linie mühte ein Vereinigungspunkt von Producenten und Verkäufern geschaffen werden, woselbst der Eine für sein Product den höchsten der Conjunctur entsprechenden Preis erzielen, der Andere jede gewünschte Gattung in beliebiger Quantität preiswürdig kaufen könnte; eine solche Centralstelle soll zwar die Intervention von Zwischenhändlern und Agenten durchaus nicht überflüssig machen und der Eßrogimhandel soll überhaupt auf einer reellen, seiner heiligen Bedeutung entsprechenden Basis betrieben werden. Ferner erlaube ich mir zu bemerken: Wenn wir für das materielle Wohl unserer in Palästina lebenden Brüder einstehen, so haben wir nur die reine Absicht, welche jeder gefühlvolle Mensch haben muß, den armen, strebsamen Geschäftsleuten im heiligen Lande helfend an die Hand zu gehen, keineswegs aber haben wir die Absicht, änderest Producenten (den Producenten aus Griechenland) jüdischer oder nichtjüdischer Confession zu schaden. Unsere thätige Menschenliebe muß allgemein sein, sie muß sich auf alle Menschen ohne Unterschied der Religion, des Standes und selbst auf unsere Feinde erstrecken So wie bei allen Geboten der Menschenliebe, Menschenachtung und Mensch.nverehrung in unserer heiligen Schrift (mosaischer und talmudischer Disciplin) kein Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden zu finden i st, ebensowenig darf in dieser Beziehung ein Unterschied gemacht werden; vor Gott sind alle Menschen gleich, er bestraft die Bösen und belohnt die Guten, gleichgiltig ob sie Juden oder Nichtjuden sind. Im Sinne unserer Talmudlehrer sind wir verpflichtet, die Armen der Nichtjuden zu ernähren, ihre Kranken zu besuchen und ihre Tobten zu begraben. (Talmud Gitin 61a.) Es ist klar und deutlich zu ersehen, daß der Aufruf, die Eßrogimproduction des heiligen Landes zu unterstützen, durchaus nicht beruht auf Haß gegen Andere, sondern daß er lediglich auf die im heiligen Lande herrschende finanzielle Nothlage zurückzuführen ist, welche die geldbedürstigen Producenten bemüßigt, ihre Waare uns zur heiligen Handlung zu empfehlen, welche auch wir allen Freunden Zions aufs Wärmste empfehlen. W i e n - I o s e f st a d t, 11. August 1901. Dr. Adolf Hahn, Rabbiner. Baden. Die von Herrn Dr. Alfred Berger, Mitglied des Wiener israelitischen Cultusvorstandes, bei Herrn Anton Schneider, Bicepräses der israelitischen Cultusgemeinde Baden, gegebene Anregung zur Errichtung eines jüdischen Gotteshauses in der H e i l a n st a l t A l l a n d wurde im biesigen Cultus- Ausschufse auf das Freudigste begrüßt. Infolge dessen haben sich am 7. August 1901 von Seite der israelitischen Cultusgemeinde Baden der Präses Herr Moriz L e i t n e r und der Bicepräses Herr Anton Schneider, welche Beide, so es gilt, eine jüdische Institution zu fördern, stets die ersten am Platze sind, in Begleitung des Herrn Dr. Alfred Berger in der Heilanstalt Alland eingefunden. Dort wurden die genannten Herren vom Herrn Verwalter und den leitenden Aerzten auf das Freundlichste empfangen und ihnen in der entgegenkommendsten Weise das für diesen Zweck schon vom Anfang an im Plan vorgesehene Local zugerwesen. Nachdem nun die nöthigen Bethauseinrichtungen und Utensilien bestellt sind, so dürfte schon gegen Ende dieses Monats die feierliche Einweihung dieser Gottesstätte durch das hiesige Rabbinat vorgenommen und der Gottesdienst an den kommenden hohen Feiertagen abgehalten werden. Diese Institution wird unter der Leitung der Badener israelitischen Cultusgemeinde stehen, und wäre es sehr zu wünschen, daß dieses religiöse und humane Werk bei den bekannten jüdischen Wohlthätern Anklang finden und von denselben gefördert werden möge. Wie 'jüdische Wohlthäter in St. Wolfgang und Ischl geehrt werden und deren Andenken bewahrt wird. Vorige Woche machte ich per Schiff einen Ausflug nach dem reizend gelegenen St. Wolfgang am gleichnamigen See. Das Dampfboot landete an dem schönsten Platze des lieblichen Marktes. Dieser Platz heißt „Alois P o l l a k - P l a tz", was meine Aufmerksamkeit in hohem Maße rege machte. Selbstverständlich mußte es mein Interesse besonders wachrufen, daß der schönste Marktplatz eines der bedeutendsten und bekanntesten Ausflugsorte des Salzkammergutes den derzeit nicht gebräuchlichen und onerosen Namen „A l o i s - P o l l a k" führt. Auf dem den Namen „Alois Pollak" tragenden Platze stand eine Gruppe Männer, von denen sofort zu erkennen war, daß sie einheimisch und der besseren Bevölkerungsclasse angehörig sind. Auf meine Frage nach dem Ourrleulam vitae des durch die Benennung des schönsten Sladttheiles Verewigten wurde mir von einem der Männer, der allein^ Anscheine nach zu den besser situirten Bürgern des Ortes zählt, nachstehender Bescheid, den ich nahezu gänzlich wortgetreu wiedergebe. „Herr Alois Pollak, Papierfabrikant im siebenten Bezirk, Myrthengasse in Wien, zählt zu den Besuchern Wolfgangs, die unsere Sommerfrische zu allererst beehrten. Herr Pollak war es, der die Eignung Wolfgangs zu einer Sommerfrische zu allererst erkannte und den guten Ruf unseres Marktes in die Welt trug. Mit einer Unermüdlichkeit, deren man sich nur von einem herzensguten Menschen, wie es Herr Pollak ist, versehen kann, hat derselbe für unsere Sommerfrische Propaganda gemacht und setzt dieselbe bis auf den heutigen Tag fort. Mit jedem neuen Jahr wuchs die Zahl der seßhaften Sommerfrischler, noch progressiver aber gestaltete sich die Zahl der Passanten. Des sichtbaren Aufschwungs, den Wolfgang während des letzten Vierteljahrhunderts genommen, der schönen Villen, die von auswärtigen Gästen auf unserem Territorium erbaut worden sind und nicht nur für uns, sondern für unser ganzes Land eine Zierde bilden, der grandiosen, mit allem Comfort und allen Anforderungen der Neuzeit ausgestatteten Hotels, die sich am Ufer befinden und weithin den See und die Landschaft beherrschen, können wir uns nur infolge der nie versiegenden Propaganda des Herrn Pollak erfreuen, von der wir mit Sicherheit voranssetzen könnten, daß sie uns mit jeder neuen Saison einen verstärkten Besuch seßhafter Sommerfrischler und eine erhöhte Frequenz von Ausflügler» bringen wird. Herr Pollak ist in wahrem Sinne des Wortes ein Wohlthäter unseres Ortes. Er beschenkt die Armen und Kranken der ganzen Umgebung. Als sich die Nothwendigkeit der Erbauung einer Volksschule herausstellte, spendete Herr P llak spontan einen verhältnißmäßig namhaften Geldbetrag, er sorgt für Bekleidung und Betheilung der armen Schulkinder mit Lehrmitteln. Als unsere Pfarrkirche dringend einer Renovirung bedurfte, war es wieder Herr Pollak, der zum größten Theile die Mittel hiezu zur Verfügung stellte. Unsere Gemeinde ist arm, daher ganz außer Stande, Herrn Pollak alle seine Wohlthaten und sein humanitäres Wirken Anders zu vergelten, als daß wir ihm unsere vollste Dankbarkeit bezeugen und ihm unsere aufrichtigste Anhänglichkeit und Liebe an den Tag legen. Dies geschieht nicht nur von Denjenigen, die sich von ihm direkter Wohlthaten erfreuen, sondern von Jung und Alt, Groß und Klein und der Bevölkerung der ganzen Umgebung. Im Hinblick auf all' die humanitäre Wirksamkeit hat die Gemeindevertretung schon vor Jahren beschlossen, Herrn Pollak zum Ehrenbürger zu ernennen und den schönsten Marktplatz und die älteste Straße St. Wolfgangs „Alois Pollak-Platz" respective „Alois Pollak-Straße" zu benennen. Unser Aller Gebet ist, daß unser Wohlthäter lange leben und daß es ihm Wohlergehen möge, zur Freude seiner Angehörigen und zum Glücke St. Wolfgangs, dessen Blüthe und Emporkommen ihm zu verdanken ist." Von dieser Epistel, in urwüchsiger Manier vorgebracht, förmlich erbaut, hielt ich im Orte weiter Umschau und hörte allenthalben bestätigen, daß mein Gewährsmann die vox populi zum richtigen Ausdrucke gebracht hatte. Es dürfte sich wohl die Frage aufwerfen, wie es in der antisemitischen Aera gut möglich ist, daß einem Juden in so aufrichtiger und spontaner Weise hohe Ehren und ungeheuchelte Anhänglichkeit zum Ausdrucke gebracht werden. Die Antwort ist nicht schwer zugeben. St. Wolfgäng ist wohl ein Markt von strenggläubiger, gut katholischer Bevölkerung; aber es ist bisher von der modernen antisemitischen Seuche noch verschont geblieben. Der verpestete Luftzug ans Wien ist noch nicht bis dahin gedrungen. 'Nun ein pendant en miniature. In Ischl wirkte vor vielen Jahren, als es noch kaum begonnen hatte, den Namen einer Sommerfrische zu führen, ein Namensbruder des Herrn Alois Pollak, nämlich Herr Med. Dr. Pollak als Badearzt. Nebst Dr. Wirer und Dr. Götz, deren unendliche Verdienste um die Gründung Ischls als Curort und Sommerfrische unvergessen bleiben werden, war es Med. Dr Pollak, der viel dazu beigetragen hat, Ischl zu dem Emporium zu erheben, das es derzeit ist, und ihm die internationale Bedeutung zu geben, die es jetzt besitzt. In dankbarer Würdigung dieser Verdienste hat vor vielen Jahren die Gemeind Vertretung beschlossen, einen Waldpromenadeplatz mit „Dr. Pollak-Platz" zu benennen und durch eine Aufschrifttafel kenntlich zu machen. Diese Aufschrifttafel ist unerklärlicher und unbegreiflicher Weise seir einigen Jahren, unbekannt wohin, verschwunden. Ein Enkel dieses Med. Dr. Pollak hat nun gelegentlich seines diesjährigen Aufenthaltes in Ischl wegen dieser einen Mangel an Pietät und Dankbarkeit zeigenden Rücksichtslosigkeit competenten Orts Vorstellungen gemacht und sich erbötig erklärt, die etwa entstehenden Kosten der Neuanbringung einer Gedenktafel aus Eigenem zu bestreiten. Auf die diesfalls erstattete Eingabe ist bisher eine Erledigung nicht erfolgt, und man darf auf dieselbe wohl sehr gespannt sein. Eduard Beer. Czernowitz. (Heldenmuth eines Jünglings.) Vor einigen Tagen badete im Pruth bei Ludi-Horecza ein zehnjähriger Knabe Namens Vetter mit seinen Eltern. Plötzlich ergriff den Knaben eine mächtige Welle und führte ihn in einen ungeheuren Strudel. Trotz Schreien und Bitten der Eltern wagte Niemand von den Badenden, sich in das Wasser zu stürzen, um den, Knaben zu retten. Schon sank der Knabe unter und die Panik der Eltern und der Zuschauer war eine gräßliche. In dieser höchsten Noth tauchte ein Jüngling, namens Osias Deutsch,