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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-16 · 33 (16.8.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
33 (16.8.1901)
Date
1901-08-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 Sr» Sloch's WochrnfchrifL Sette 553 des Judenthums, durch seine Publikationen und Forschungen mittelbar auch für das Judenthum gewirkt hat. Damals war es auch, daß der erbitterte Lagarde aus dem Verbände der Loeiäte äes Etudes Juives austrat?) Bedauerlich ist es ferner, daß der durch seinen Kampf gegen den Aberglauben des Ritualblutmordes um das Judenthum recht verdiente Gelehrte, Professor H. L. Strack in Berlin, der durch seine Anzeige des Techen-chen Werkes im Theologischen Literaturblatt, 1885, Nr. 8, bei der Angelegenheit mitbetheiligt war, von Kaufmann ebenfalls angefeindet wurde, obzwar hiezu kein rechter Grund vorhanden war; in späteren Jahren unterhielt jedoch Kaufmann mit Strack dennoch normale Beziehungen und war er kurz vor seinem Tode sogar bereit, ihm ein werthvolles Manuscript des Talmud zur Benützung zu überlassen?) Diese literarische Fehde sollte nicht ohne Nutzen für die jüdische Literatur enden; aus Kaufmann's Veranlassung wurde über die von Zunz behandelten synagogalen Gedichte ein systematisches Verzeichniß angelegt und von der Zunz-Stiftung herausgegeben?) Kaufmann war weit entfernt davon, aus der jüdischen Wissenschaft ein Monopolium der Juden zu machen, vielmehr sah er es gerne, wenn sich Christen Mit jüdischen Disciplinen befaßten; nur unbefugte Eindringlinge wurden von ihm hart angefahren. Man mag die Leidenschaftlichkeit, mit der Kaufmann solche Kämpfe führte, zum Beispiel mit Adalbert Merx?) immerhin als zu übertrieben verurtheilen: eine Confession die freundschaftlichsten Beziehungen, und sehr oft kam er in die Lage, ihnen für geleistete Dienste Gegendienste zu leisten. Im Jahre 1897 arbeitete er sogar mit dem bekannten christlichen Theologen Alfred R e s ch zusammen an dem supponirten hebräischen Text der L o g i a Jesu * * 3 4 5 * *) eine Arbeit, deren Schwierigkeit ich als Augenzeuge, zu dem mich der Selige machte, bestärken kann. Der Enthusiasmus, mit welchem Kaufmann, noch in seiner Jugend, den das Judefithum verherrlichenden Roman der englischen Schriftstellerin George Eliot (1818-1880) begrüßte, ist für das warme Gefühl Kaufmann's ebenso ehrend, wie es für seinen regen Antheil an der belletristischen Literatur bezeichnend ist. °) Kaufmann durfte sich^ einiger Briefe erfreuen, die die geistvolle Schriftstellerin an ihn richtete, und sind diese - Briefe bereits veröffentlicht (George Eliot's Life, 1885, Band 111). Auch für den großen Hebraisten und Freund des Judenthums, Professor Franz Delitzsch, hatte er warm empfundene Worte der Erinnerung. ^) Nur das Unrecht mochte er nicht leiden, dazu war ihm das Juventhum zu gut und die Angreifer zu schlecht. Gegen den Vater der antisemitischen Partei in Deutschland, gegen Hofprediger Stöcker, verfaßte er eine geharnischte Epistel,8) und wurde ihm sein Kampf selbst im preußischen Reichstage übel vermerkt. Als 1884 im ungarischen Reichstag die ebensosehr lügnerische als böswillige Behauptung gewagt wurde, daß das Judenthum eine Geheimlehre habe, da es nicht ') Lagarde, M i t t h e i l u n g e n, II, 155. -) Laut freundlichen Mittheilungen des Herrn Professors H L Strack in Berlin. 3) A. Gestetner, anavan rrnaö. Berlin 1889. Dieses Werk war übrigens,wie Kaufmann berichtet (Paul de Lagarde (p. 24), schon int Jahre 1882 vorbereitet. So auch ‘rTtf rr.'-üK p. XI. 4) Merx, Documents de paleographie hebra'ique et arabe. Leyden 1894. Kaufmann schrieb darüber eine schonungslose Kritik in Monatsschrift! 895, XXXIX, 145—167, und er hatte die Genugthuung, daß ihm Professor Strack in der Forderung, daß christliche Gelehrte sich in der jüdischen Literatur besser Umsehen möchten, Recht gab; siehe Theologisches Literaturblatt 1896, XVII, 315. Mit Unrecht behauptet G. A. Kohut in seiner kleinen, dem Andenken Kaufmann's gewidmeten Schrift (S. 4), daß Merx ein getaufter Jude sei. 5) A. Resch, bie Sogin Jesu, Leipzig >8->8, siehe darüber R. d. E. I. XXXVIII. 155. Kaufmann's Ansichten über das letzte Abendmahl Christi (Monatsschrtft XXXVII, 393) hatte sich Resch schon frühe > im ganzen Umfange angeeignet; s. sein Werk: Außerkanonische Paralleltexte III, 616. °) George Eliot und das Judenthum in Monatsschrift 1876, XXVI, 172. 214. 255. - 6- 6 O r g e Eliot and J u d a i s m, an attempt to appreciate Daniel Deronda, translated by .7. W. Ferrier. London 1877. Auch die „Familienpapiere" erschienen englisch ') Jewish Quarterly Review II, 386. 8) Ein Wort im Vertrauen an Herrn Stöcker, Berlin 1880. einmal Katechismen besitze, zog Kaufmann mit einer wirkungsvollen Flugschrift dagegen zu Felde. *) Kaufmann war also mehr als ein stiller Gelehrter, er war ein streitbarer Gelehrter. Er suchte den Kampf nicht, er trat aber davor nicht scheu zurück, wenn er ihm aufgedrängt wurde. Die Fehde mit Lagarde mußte in dem Gemüthe des friedfertigen Mannes noch lange Zeit vibriren, denn selbst nach einem Jahrzehnt kommt Kaufmann, als er die echten Melodien Heller's herausgab, -) nicht ohne Erregung darauf zu sprechen. Kaufmann suchte die Oeffentlichkeit eher auf, als daß er sich vor ihr verborgen hätte; nicht selten las man aus seiner Feder gediegene Aufsätze in den großen Tagesjournalen, „Pester Lloyd" in Budapest, „Neue Freie Presse" in Wien und in der Beilage zur „Allgemeinen Zeitung" in München, worin er das Judenthum bekannt und beliebt zu machen und Angriffe und Borurtheile abzuwenden suchte. Ergötzlich ist es, um nur ein Beispiel anzuführen, wie er unter dem langen Titel: Das 104. Blatt aus dem Register des Thvraschreibers von Jerusalem vom Jahre 27 mit der Meldung Jesu rc. (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung" 1897, S. 4-6, der Nummer 132) die Ungereimtheit eines christlichen Gelehrten zu nichte machte. Doch, es ist Zeit, daß wir zu den wichtigeren Arbeiten Kaufmann's zurückkehren, denn noch haben wir sie dem größeren Theile nach nicht kennen gelernt. (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Herr Emil Neufeld aus New-Aork. Der Delegirte der Stadt New-Hork, Emil Neufeld, der mit dem Aufträge nach Europa gekommen ist, die Beileidskundgebung New-Iorks anläßlich des Ablebens der Königin Elisabeth Sr. Majestät persönlich zu überbringen, weilt gegenwärtig in Budapest. Herr Neufeld bat um eine Audienz, die jedoch mit Rücksicht darauf, daß der König während seines Jschler Sejours Niemand empfängt, gegenwärtig nicht bewilligt werden konnte. Sobald Se. Majestät nach Wien zurückkehrt, wird der Delegirte von New-Jork in der Wiener Burg in Audienz empfangen werden. Wien. (Zu den Eßro g i m aus Palästina.) Mit wahrem Interesse las ich in Nr. 32 der hochgeschätzten „Oesterreichischen Wochenschrift" den Aufruf „Eßrogim aus Palästina" und wird mir in demselben aus der Seele gesprochen. Ich kann mich aber nicht enthalten, Folgendes (gehört von bedeutenden Eßrogimhändlern), der hochverehrten Redaction zur gefälligen Veröffentlichung mitzutheilen. Im Verlaufe der früheren Jahre haben die ungünstigen Verhältnisse auf diesen Artikel ihren schädlichen Einfluß ausgeübt. Die Auswahl in den Qualitäten soll angeblich eine mangelhafte und der Absatz soll deshalb ein sehr schwacher gewesen sein. Nach den Berichten des letzten Jahres besserte sich die Qualität und dadurch soll sich auch der Absatz gebessert haben, und wurde anfangs der größte Theil zu vollen, befriedigenden Preisen, theils an inländische, theils an ausländische Gemeinden abgesetzt. Durch die schlechten Preise in Griechenland fing der Absatz zu stocken an, und von da ab mußte man den Käufern im Preise Concessionen machen. Unter dieser schlechten Conjnnctur litten die Kolonisten in Palästina. Die Preise standen immer im Verhältnisse zu der günstigen oder ungünstigen Ernte; in einzelnen Fällen waren dieselben jedoch dadurch aus Griechenland günstiger, daß Händler Partien in schon s o r t i r t e m Zustande erhielten, um in der riesigen Arbeit beim Verkaufe nicht aufgehalten zu sein und ferner auch dadurch, daß, gemäß abgesandten Musters abgeschlossen, die Etzrvgiin direct aus Griechenland an die Kleinhändler expedirt und dem Großhändler viele Spesen erspart wurden. Dem Producenten soll es angeblich der weitaus überwiegenden Mehrheit nach, vermöge der in seiner Gegend obwaltenden Verhältnisse nicht möglich sein, seine producirte Waare in so sorgfältiger Pracht und durchaus mäßigen Preisen zu liefern, wie solche die Käufer zu fordern berechtigt oder doch gewohnt sind; hieraus resultiren bei Ablieferung der Eßrogim die unerquicklichsten Differenzen und mehr oder minder berechtigte Anstände, welche oft die Rückfälligkeit des abgeschlossenen Handels zur Folge haben, im besten Falle aber unter kostspieligen Concessionen seitens des Producenten und der Unzufriedenheit beider Parteien beendigt werden. ') Vocm jüdischen Katechismus, Budapest 1884. Dasselbe auch in ungarischer Sprache M. Zs. Szemle I. 119—127. (In derselben Zeitschrift folgt darauf ein Ausweis von 156 jüdischen Katechismen). Dasselbe auch Italienisch in d.r Zeitschrift M o s s 1884. -) Die echten hebräischen Melodien. Uebersetzungen von S. Heller. Trier 1893. Vorwort p. XVI.

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