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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-16 · 33 (16.8.1901) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
33 (16.8.1901)
Date
1901-08-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Vwch's wochensttzrifl. Seite 547 unverdaulich — Alles zu dem Zwecke, um nur das zionistische Recept der Auswanderung (aber utdjt nach Zion, sondern nach Marokko) als das einzig mögliche Heilmittel empfehlen zu können. Wohlan denn: Angenommen, aber nicht zugegeben, daß im Ghetto nicht nur ein bestimmter jüdischer gesellschaftlicher Typus, sondern auch ein physischer jüdischer Typus entstand — wobei die Frage naheliegt, warum sich nicht auch bei den streng abgeschlossenen Klosterbrüdern und Klosterfrauen solch ein besonderer Typus herausbildete, daß wir die Gesetze der Vererbung und des Atavismus nicht umgehen konnten, wie war dann eine Erscheinung möglich, die der Verfasser in folgenden Sätzen schildert: - „Heute freilich ist die junge Judengeneration, die außerhalb der Ghettos aufgewachsen und ganz in christlicher Weise erzogen worden ist, namentlich in England, Frankreich und Amerika, von den Christen gar nicht mehrzuunterscheiden. Noch eine, höchstens zwei Generationen hätten genügt, und das Judenthum von West- und Central-Europa wäre wie Zucker im Wasser mit den christlichen Völkern zerschmolzen und in sie aufgegangen. Doch das sollte nicht sein!" Warum sollte es nicht sein? Ist der „wissenschaftliche" Graf Coudenhove plötzlich ein Fatalist geworden? Erst bestand ein jüdischer Typus, dann bestand er nicht mehr, und jetzt besteht er wieder? Wo bleiben da Atavismus und Vererbung? Es ist nicht wahr, daß die Ghettojuden sich in der Kleidung von den Christen unterschieden. Wozu hatten sie dann zur Kenntlichmachung den gelben Fleck tragen müssen? Es ist nicht wahr, daß „das äußere Wesen eines Culturkreises sich nicht mit dem eines anderen vertauschen läßt." Unter den französischen Emigranten oder deren Nachkommen gibt es preußische Generäle, welche die preußische Schuldigkeit trotz ihren autochthonen Kameraden repräsentireu. Auch die folgenden Sätze sind durch und durch unwahr und könnten vom giftigsten Antisemiten geschrieben sein: „Die Juden zogen sich zunächst sehr schlecht und geschmacklos an, griffen begeistert zu den Cylinderhüten, der unglaublichsten Gestalt auch, sie kleideten sich so unmoralisch als nur möglich, ihre Bewegungen und Gesten, die zum langen Kaftan gut passen mochten, behielten sie beim Gehrock und Frack bei und übten dadurch einen widerwärtigen Eindruck auf ihre christlichen Mitbürger aus. Namentlich ist es die bei den Juden so oft vorkommende tänzelnde Bewegung der Füße, das Erheben der nach Außen gekehrten Handfläche mit ausgespreizten Fingern zur Schulterhöhe (!) und die vielfach gebeugte Haltung (!!) welche die Judogermanen aus der Fassung bringt." Der berühmte Palacky ging alltäglich in einem abgenützten Frack und Cylinder über den Prager Graben; die Caricatur des schlecht gekleideten deutschen Professors ist allgemein bekannt; Heinrich Laube sah man nie anders als mit einem rothen Regenschirm und in vorsintfluthlichem Havelock in der Praterallee; die Kleidung unserer Sportgigerln ist ebenso lächerlich als widerwärtig — aber von alledem wurde und wird kein Judogermane aus der Fassung gebracht, just der Gehrock und Frack, den die Juden anlegten, soll auf sie wie das rothe Tuch auf den Stier gewirkt haben! Aber es ist uns noch ein anderes Verfahren an dem edlen Grafen aufgefallen: Auf seiner Suche nach Materialien gelangte Graf Coudenhove auch in den Besitz der „Acten und Gutachten zum Processe Rohling-Bloch", die er gründlich benützt hat, ohne auch nur einmal die Quelle zu nennen. In den „Acten und Gutachten" findet sich eine Eingabe an das Wiener Landesgericht, in welcher zum Beweise dafür, daß sich in den theologischen Schriften des Christenthums vergangener Jahrhunderte zahlreiche Stellen vorfinden, welche jene Moral predigen, wie sie von den Judenfeinden dem Talmud fälschlich angedichtet werden, die Uebersetzung von 45 solchen Stellen verlangt wird. Aus dieser Eingabe Dr. Bloch's an das Wiener Landesgericht hat Graf Coudenhove einen Auszug von nahezu sechs Seiten (393—399) benützt, ohne die Quelle anzugeben. Das ist sonst schwerlich gestattet. Wir haben uns eingehend mit dem Buche des Grafen Coudenhove befaßt, weil es nach verschiedenen Richtungen hin ein wirklich bedeutendes Werk ist. Wir haben seine Schwächen nicht verhehlt und seine guten Seiten gebührend hervorgehoben. Um der letzteren willen seien die ersteren verziehen, wenn wir gleich besorgen, daß sie großen Schaden stiften und die menschenfreundlichen Absichten des Verfassers in das Gegentheil verwandeln werden. Graf Coudenhove hat die Wahrheit gesucht, aber die letzten Capitel beweisen, daß er sie nicht gefunden hat. Wir setzen aber in seine Unbefangenheit das Vertrauen, daß er der störenden Einflüsse Herr werden und sich durch die Widersprüche, deren sein Buch so viele und so grelle aufweist, zu voller Klarheit durchringen wird. Diese Wahrheit und Klarheit hat ein Standesgenosse des Verfassers, Graf Nicolaus Bethlen, schon vor 31 Jahren in einer Polemik gegen eine clericale Wiener Zeitung ausgesprochen, die Graf Coudenhove zustimmend citirt. Graf Bethlen sagte: „Die Juden sind durch ihr Talent und ihre Thätigkeit ein bedeutender Factor der Civilisation geworden ... Auf welches Gebiet desöffentlichen Lebens wir auch sehen, überall finden wir dieJuden emsigarbeiten undgegen den alten Geist der Finsterniß im Kriege begriffen. M ehr Jud en mehrLicht!" Nach dieser Richtung und nach dieser allein liegt die Lösung der Judenfrage und mit ihr der Fortschritt aller Staaten und Völker! Vom Jahrmarkt des Leben». Zur Lage i» Böhme». (Original-Bericht der „Oesterreichischen Wochenschrift".) Prag, 6. August 1901. Der Präsident des jungczechischen Landtagsabgeordneten- Clubs Herr Dr. Emanuel Engel behandelt in der jüngsten Nummer seines Organes „Hlasy od Blancka“ vom 4. d. M. die bekannten deutschnationalen Demonstrationen in Karlsbad gegen das Concert der „Sloranskä Beseda“ und He späteren Excesse gegen den Pilsener Gesangsverein „Hlahol“ dortselbst in einem längeren Artikel, dessen sehr intereffante Ausführungen allenthalben gewürdigt zu werden verdienen. Unter dem Titel „Die Verhältnisse in Böhmen" sagt Dr. Engel über die Ursachen und Wirkungen der Krawalle in Karlsbad und Pilsen unter Anderem Folgendes: „Alle ernsteren Kreise der Karlsbader Einwohnerschaft verurtheilen die verübten Rohheiten entschieden, leider aber zumeist nur — unter vier Augen!" „Homo homini lupus“,*) sagt schon das alte lateinische Sprichwort und wir begreifen es schließlich, daß manche weniger gebildete Menschen — weniger gebildet deshalb, weil ihnen die Bildung des Herzens fehlt, obgleich sie Doctoren und Professoren sind — in einseitiger Auffassung ihrer nationalen Pflichten absolut ungerecht gegen das natürliche Recht Anderer werden. Aber was sollen wir dazu sagen, daß auch die anständigsten Mitglieder der Bürgerschaft ganz kleinlaut dazu schweigen, und in der Oeffentlichkeit auch nicht ein Wörtchen der Mißbilligung und Rüge für solche Erscheinungen finden und daß auch die Local-Preffe (von Karlsbad), welche doch für u nparteiisch gelten will, gegen ihre eigene wirkliche Ueberzeugung einzig und allein aus rein zufälligen tactischeu Gründen Allem, was hier gegen Recht, ja sogar gegen den einfachsten gesellschaftlichen Anstand verübt wurde, auch nachträglich guasi ihr „Placet" ertheilt?! Und damit find wir bei der eigentlichen Ursache unserer Abhandlung angelangt: Bei der unmoralischenAengstlichkeir und Furchtsamkeit, bei der wahrer Männer unwürdigenUnterdrückung seiner eigenen, besseren Ueberzeugung, bei der kleinmüthigen Capitularion vor der a n- *) Der Mensch ist dem Menschen gegenüber das Raubthier.

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