Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 32 (9.8.1901)
- Date
- 1901-08-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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. iari t fn'i iii ■ j hi iiiHiii ar riT- - SS USif^^r Bfc i Ifl »it. 82 Dx. Sloül^s iäWviüi^nJdii'ttt* Seite 541 Czernowitz. Hier starb die Oberrabbiners-Witwe Dine Igel im Alter von 62 Jahren. Das Leichenbegängmß fand am Sonntag den 4. d. M. um 4 Uhr Nachmittags statt. Jungbunzlau. (Rabbiner-Installation.) Diese Woche fand die feierliche Einsetzung des neugewählten Rabbiners Herrn Dr. M. Hoch in sein Amt statt. Am Dienstag wurde derselbe vom Gesammtvorstand, nachdem ihn eine Abordnung desselben von der Bahn abgeholt, im Eonferenzzimmer des israelitischen Schulgebäudes auf's Feierlichste empfangen und den einzelnen Vereinen vorgestellt. Vor demselben hatte die israelitische Schuljugend Aufstellung genommen und durch Ueberreichung eines prachtvollen Blumenstraußes seitens eines Schülers den Herrn Rabbiner in herzinniger Weise geehrt. Herr Rabbiner Dr. Hoch war von dieser spontanen Kundgebung fast zu Thränen gerührt, sagte Allen seinen innigsten Dank und versprach mit Hilfe Gottes und mit der Unterstützung, die er sich vom Vorstande erbat, um unentwegt das Wohl der Gemeinde zu erstreben, seine Pflicht nach jeder Richtung hin voll und ganz zu erfüllen, da er der großen Aufgabe sich bewußt ist, die seiner harrt. Samstag darauf war die Antrittsrede. Das in einen Blumenhain verwandelte Gotteshaus war von einem zahlreichen Publicum erfüllt, welches der formvollendeten Rede mit Andacht lauschte und der freudigen Genugthuung Ausdruck gab, durch die glückliche Acquisitiou eines solch talentvollen Redners und humanen Mannes den Rabbinatssitz der altehrwürdigen Gemeinde besetzt zu wissen. S. Brünn. (Auszeichnung.) Seine Majestät der Kaiser hat dem Landes-Sanitäts-Jnspector bei der Statthalterei in Brünn weä. vr. Salomon Spitzer den Titel eines Regierungsrathes verliehen. Diese kaiserliche Auszeichnung ist bei den zahlreichen Freunden und Verehrern Dr. Spitzer's allgemein sympathisch ausgenommen worden. Mähr.-Ostrau. In der jüngsten Ausschußsitzung der israelitischen Cultusgemeinde wurde über die provisorische Besetzung der durch die Beurlaubung des erkrankten Obercantors Adolf Türk offenen Stelle eines Obercantors berathen und beschlossen, Herrn Bernhard Klein aus Wien auf ein Jahr provisorisch als Obereantor anzustellen. Karlstadt. (Rabbiner-Installation.) Wie bereits von anderer Seite gemeldet, wählte die hiesige Cultusgemeinde Herrn Dr. Jacob Drobinsky, Rabbiner aus Salzburg, zu ihrem Prediger und Religionslehrer. Samstag den 3. August wurde nun -Se Ehrwürden feierlich installirt. Vor Beginn des Mussaf-Gottesdiennes versammelte sich die ganze Gemeinde im festlich decorirten Tempel, an dessen Pforte der Präses, Herr Sanitätsrath Dr. Friedrich Stern, geschmückt mit dem Franz Josef-Orden, an der Spitze der Repräsentanz, Herrn^Dr. Drobinsky erwartete. Als dieser erschien, erschollen brausende 2ivio-Rufe. Herr Dr. Stern, selbst ein eloquenter Redner, begrüßte Se. Ehrwürden zuerst in croatischer Sprache und setzte dann seine von H.rzinnigkeit getragene Rede deutsch fort. Mit jugendlichem Pathos drückte der illnstre greise Präses die Hoffnungen aus, die die Cultusgemeinde in die Amtsthätigkeit ihres neuen, mit Acclamation gewählten Rabbiners setze, und schloß mit dreimaligem „Zivio:i, in welches alle Anwesenden begeistert einstimmten. Nun beantwortete Herr Dr. Drobinsky in kurzen, aber packenden Worten die Begrüßung des Herrn Dr. Stern, worauf Se. Ehrwürden unter Orgelktängen auf seinen Sitz geleitet wurde. Während des Gottesdienstes bestieg Herr Dr. Drobinsky die Kanzel und hielt eine groß angelegte, meisterhafte Antrittsrede. Herr Dr. Drobinsky, der auch k. u. k. Feldprediger ist, bildet mit Recht eine Zierde der hiesigen Gemeinde, welche aber auch auf jener intellectuellen Höhe steht, um einen so ausgezeichneten und hochgelehrten Prediger gebührend würdigen zu können. Königgrätz. (Todesfall.) Montag den 29. Juli l. I. starb hier Frau Karoline K o h n, Gattin des hiesigen hochgeehrten Rabbiners Dr. Abraham K o h n, nach kaum zweitägiger Krankheit im Alter von 53 Jahren. Die Dahingeschiedene erfreute sich bei ihren Glaubensgenossen, sowie in den weitesten Kreisen der Gesammtbevölkerung der hiesigen Stadt und Umgebung der größten Beliebtheit. Das Leichenbegängmß fand am 31. Juli l. I. Nachmittags 4 Uhr statt und gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebung. Die Cultusgemeinde Königgrätz, die Chewra-Xadischa und der Frauenverein unterließen nichts, was zur Ehrung der leider so früh dahingeschiedenen Rabbinersgattin beitragen konnte. Anwesend waren die Spitzen der hiesigen Behörden, die Geistlichkeit, die Mittelschul-Directoren und Professoren, Vertreter auswärtiger Cultusgemeinden, zahlreiche Verwandte und Freunde aus Böhmen und Mähren. Im Trauerhause und auf dem Friedhofe hielt der allseits geehrte, bekannte Rabbiner Dr. Carl Kohn aus Pribram, der älteste Sohn des hiesigen Rabbiners, die Trauerrede und würdigte in derselben die Verdienste der Verblichenen, die sie sich als Mitbegründerin und Vorsteherin des Frauenvereines, sowie als Mitglied anderer humanitärer Vereine in reichem Maße erwarb. Die cantoralen Functionen versah in würdiger Weise der Rabbiner und Cantor Grünberger aus Chlumetz. Den % Abendgottesdienst nach dem Begräbnisse — Minchak und Marriew — versah der zweite Sohn des Königgrätzer Rabbiners, Josef Kohn, Chormeister des Tempelgesangvereines Schir Zion aus Jglau, ebenfalls in erhebender Weise. Der trauernden Rabbinerfamilie Kohn kamen aus allen Gesellschaftskreisen der hiesigen Stadt, sowie von Nah und Fern viele Beileidsbezeugungen zu. Wer seine Lebensbahn so vollendet hat, wie die verblichene Rabbinersgattin, der hat nicht umsonst gelebt. Die Erinnerung an ein so wohlthätiges Leben lebt im Herzen der dankbaren Hinterbliebenen und der theilnehmenden Menschen weiter. Ehre ihrem Andenken! —m— Groß-Opatowitz. Herr Jules Gottlieb, Theater- Capellmeister ist mit nachstehendem Schreiben ausgezeichnet worden- Petersburg, 6/29. Juli 1901. Geehrter Herr! In Beantwortung Ihres Bittschreibens vom 20. Juni d. I. beehre ich mich, Ihnen im hohen Aufträge des Herrn Großfürsten Constantin Constantinowitsch von Rußland den Dank Seiner kaiserlichen Hoheit für die Widmung Ihres »Wiegenliedes" auszusprechen, welche Hochderselbe anzunehmen geruht. Mit vorzüglicher Hochachtung Herrn Jules Gottlieb P. Kuppen. Theater-C apellmeister. Kaltowih. Am 4. August fand hier die Trauung des beliebten Rechtsanwaltes Herrn Dr. Reich mit der reizenden Tochter des Herrn Procurrsten Riesenfeld, Fräulein Gertrud, statt. Die Elite unserer Stadt und Umgebung wohnte dem Feste bei, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Cohn an das Brautpaar eine geistvolle Ansprache hielt und der neue Obercantor Herr Singer, der am Sabbath hier sein Amt antrat, mit einem von ihm componirten Trauungsgesang die Zuhörer entzückte. F. Paris. Der Großrabbiner von Frankreich Herr Zadoc- K a h n wurde zum Officier der Ehrenlegion ernannt. Feuilleton. Der Unessane tokef. Novelle von Babetta Fried in Prag. XI. Die Versuchung. Müden Schrittes ging Polansky nach der Abendvorstellung seiner Wohnung zu, die er im zweiten Stocke eines eleganten Hauses der Kärntnerstraße gemeinsam mit David bewohnte. Seit der Abwesenheit seines Jungen, wie er aus alter Gewohnheit David noch immer nannte, fühlte er erst, wie ihm derselbe ans Herz gewachsen war. Das ruhelose Umherziehen, das endlose Haschen nach Ruhm und Geld hatte die beste Schaffens-, ja Lebenskraft in dem alten Musikanten gebrochen. Der karge Rest vormaliger Thatkcaft rankte sich verzweifelt an dem talentvollen jungen Manne empor, in welchen Polansky seine eigene entschwundene Jugend verkörpert fand, und als dieser fern weilte, brach Polansky widerstandsunfähig in sich selber zusammen. Er schlich leise und fast kraftlos die zwei Treppen zu seiner Wohnung empor, zog an der Thüre, die in sein Zimmer führte, den Schlüssel aus der Tasche seines Ueberziehers. um mit demselben die Thüre aufzuschließen. Doch stehe, diese war unverschlossen, und öffnete sich von selber bei der einfachen Berührung mit der Hand. Heller Lichtschein drang aus der geöffneten Thüre heraus. Erschrocken fuhr Polansky zurück. Er glaubte nicht anders, als daß Diebe seine Abwesenheit zu einem Einbruch in seine Wohnung benützt haben, und wollte schon nach der nebenan wohnenden Zimmervermietherin rufen. Jedoch eine wohlbekannte Stimme rief ihm entgegen: »Papa Polansky, ich bin es, der David!" »Grüß dich Gott! Bubi, das nenn' ich eine Ueberraschung." Mehr zu sagen, blieb dem Alten keine Zeit übrig, denn mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit warf sich David dem eintretenden Polansky um den Hals. »Papa, mein guter alter Papa", rief er ein um das andere Mal. »Nun gut, Bubi gut", stammelte der Alte ganz verlegen. Die beiden freuten sich des Wiedersehens wie zwei gleichaltrige Kameraden, die nach langer Trennung sich wieder begegnet haben. David begann zu erzählen, und als er in schonendster Weise des eigentlichen Verhältnisses, worin er zu Polansky stand, erwähnte, fand derselbe keine andern Worte, als: »Mein Kind! Mein Kind, ich wußte es wohl, warum ich mich von Anfang an so zu Dir hingezogen fühlte."