Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 32 (9.8.1901)
- Date
- 1901-08-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 640 Dr. Blvch's Wochenschrift: Nr. 33 Frau Oberhart, ihr Amt anzatreten. Jeden, der diese pflichttreue und tüchtige Lehrerin kennt, muß dieser Sieg doppelt freuen. Erstlich dem Verdienste seine Krone. Ferner handelt es sich da um die Sache der künftigen jüdischen Frauen unserer Stadt. Nachdem, was diese Lehrerin bis jetzt geleistet hat, ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß diese Schule eine Musteranstalt der Stadt werden wird. Möge es der Frau O. an der Spitze der größten städtischen Mädchenschule gelingen, die weibliche Jugend zu sich heraufzuziehen, dann wird auch die jüdische Lemberger Gemeinde einen wahren Sieg in ihrer Ernennung erfochten haben. Petersburg. (Senatse ntscheidung.) Der Gouverneur von Charkow ließ mehrere jüdische Zahntechniker aus der Stadt Charkow ausweisen. obgleich diese unzweifelhaft Handwerker sind. Sie haben aber das Verbrechen begangen, behufs ihrer weiteren Ausbildung an der dortigen Universität zahnärztliche Vorlesungen zu hören. Der Herr Gouverneur stellte sich nun dumm und benutzte diese Gelegenheit als willürmmenen Vorwand, ein Paar Juden mehr aus Charkow auszuweisen, da jüdische Handwerker außerhalb des Ansiedlungsrayons sich ausschließlich mit ihrem Handwerk zu befassen haben. Einer der Ausgewiesenen appellirte jedoch an den Senat, welcher dem Herrn Gouverneur mittheilte, daß kein jüdischer Handwerker deshalb ausgewiesen werden darf, weil er sich in seinem Handwerk zu vervollkommnen trachtet. Wer aber ersetzt nun den jüdischen Zahntechnikern den Schaden, den sie durch den groben Rechtsirrthum des Schubiak von Gouverneur erlitten haben? So lange der Senat die ruffischen Tschnowniks für den durch ihre Mechtsirrthümer* entstandenen Schäden nicht haftbar macht, werden sie alle Senatsentscheidungen hohnlachend in den Wind schlagen. Wien. (Trauung). Sonntag den 4. August, Nachmittags 2% Uhr, fand im Seitenstettentempel die Trauung des Herrn Martin Burchhardt mit Fräulein Elsa Maria Steiner, der Tochter des allverehrten Cultus-Gemeindevertreters Herrn Dr. Maximilian Steiner, unter großer Beteiligung befreundeter und kollegialer Kreise statt. Die langjährige, ausgezeichnete und hingebungsvolle gemeinnützige Thätigkeit des Brautvaters fand auch in den allgemein sympathischen Kundgebungen beredten Ausdruck, so wie das im Hellen Lichterglanze erstrahlende Gotteshaus einen herrlichen Anblick bot. Nach dem Einleitungsgesange Mab towu, durch Obercantor Singer innig und tiefempfunden vorgetragen und in der weitern Durch, führung vom Gesammtchore unter persönlicher Leitung Professor Sulzer's ausgezeichnet fortgesetzt, nahm Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann den heiligen Trauungsact vor und fand in seiner trefflichen Ansprache Gelegenheit, die Braut auf das patriarchalische Familienhaus ihrer Eltern hinzuweisen, aus welchem herrlichen Beispiele ihr die Richtung ihres neuzugründenden Hauses vorgezeichnet ist. Der Oberrabbiner sprach den Wunsch aus, im Anschluffe an den Wochenabschnitt, daß auch in das neue Haus der Segen Gottes einziehen möge. Wien. (Verlobung.) Frl. Hermine Hofbauer, Tochter des Herrn Bernhard Hofbauer, Chef der Firma Adolf & B. Hofbauer, hat sich mit Herrn Isidor Felsenburg, Mitchef der Firma M. & I. Felsenburg, verlobt. Wien. (Auszeichnung.) Se. Majestät der Kaiser hat dem Secretär der Wiener General-Agentschaft der „Riunione Adriatica di Sicurtä“, Herrn Sigmund Reich, taxfrei den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Die kaiserliche Auszeichnung wird bei den vielen Freunden Reich's lebhafte Befriedigung finden, namentlich in Berufskreisen, bei welchen derselbe als Fachschriststeller großes Ansehen genießt. Reich's Jahresberichte über das österreichische Affecuranzwesen zeichnen sich durch Objcctivität und Sachlichkeit aus, werden von der Handelskammer in den periodischen Publicationen regelmäßig benützt und find für jeden Fachmann von großem informativen und instructiven Werth. Wien. (Jubiläum.) Donn-rstag den 15. d. M. begeht der Tempel-Jnspector Herr Jacques Schnitzler das vierzigjährige Dienstjubiläum. Schnitzler, der derzeit im 68. Äbensjahre steht, hat am Beginne seiner der israelitischen Cultusgemeinde gewidmeten Thätigkert noch in subalterner Stellung, und namentlich seit 1870 als Jnspector fungirend, sich durch seinen Eifer in dem erwählten Berufe nicht nur die vollste Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erworben, sondern auch die Hochachtung der zahlreichen Parteien errungen, mit denen er vermöge seines Postens regen Umgang hat, und gilt den Untergebenen als seltenes Beispiel in puneto Hingebung an den Dienst. In der Reihe der Jnspectvren ist Schnitzler der dritte und als besondere Curiosität sei bemerkt, daß beim Dienstantritt Schnitzler's das Bethaus, welches nunmehr in prachtvoller elektrischer Beleuchtung erstrahlt, nur durch Kerzenlicht erhellt war. Wien. (T r a u u n g.) Donnerstag den 15. August l. I. findet die Trauung des Fräulein Olga Prager mit Herrn Bernhard Barber statt. Wien. Aus Ischl wird uns berichtet: Baron M. W a l d b e r g ist heute Abends an den Folgen einer Lungenentzündung im Älter von 69 Jahren gestorben. Er war ein gebürtiger Oesterreicher und hatte in Rumänien ein bedeutendes Vermögen erworben. Der Heimgegangene, ein Bruder des Rabbiners ins Jaroslau, war ein bedeutender Talmudist, Verfasser eines sehr interessanten und geistreichen Werkes über den Talmud, welches Zeugniß bietet sowohl von seinem hohen Scharfsinn. als auch von seinen tiefen und umfaffenden Kenntnissen. Baron Waldberg hinterläßt drei Söbne, von denen einer Professor der Literaturgeschichte in Heidelberg, ein zweiter Librettist und der dritte mit der Tochter des Großindustriellen Kubinsky des Miteigenthümers des Theaters an der Wien, verheiratet ist Wien-Döbling, den 4.. August. Die Leichenfeier der verewigten Frau Sofie Abeles geb. Strakosch, Gattin des ihr im October 1895 im Tode vorausgegangenen Herrn Heinrich Abeles, gestaltete sich zu einem erhebenden Acte spontaner Theilnahme und wahrhaft sympathischer Herzlichkeit, deren sich die treffliche Frau im Leben zu erfreuen hatte. Lange vor Beginn der Feierlichkeit hatte sich eine imposante Schaar von Anverwandten. Freunden und Bekannten im Trauerhause, Döbling, Hofzeile 20 eingefunden, um der theuren Verblichenen die letzte Ehre zu bezeugen. Wir bemerkten außer den Söhnen und der einzigen Tochter Frau Regine Schütz u. A. Herrn Dr. Adolf Ritter v. Nassau sammt Frau Gemahlin, Herrn Fabrikanten Wilhelm Freyberg sammt Frau Gemahlin, Herrn Engel v. Janosi, Herrn Redakteur E i s e n b e r g. Herrn Bezirksarzt Dr. Carl Kohn, Herrn Kaufmann sammt Frau Gemahlin, Herrn Schütz, Dr. H i r s ch l, Dr. Hersch, Herrn F a n t l mit dem Gesammtvorstande des Vereines Lbesed sebel eines ete.. Präcise 11 Uhr stimmte Obercantor Singer, assistirt von den ersten Cantoren Petersilka, Silbermann und den combinirten Chören der Vororte, den Trauerpsalm an. Der Sarg wurde gehoben und inmittender zahlreichen Anwesenden durch den Hof des Familiensitzes zum vierspännigen Galawagen getragen, worauf der imposante Zug zur letzten Ruhestätte der Verblichenen auf dem Döblinger Ortsfriedbofe sich verfüate. Hier angelangt, wurde der Sarg in die schwarzdrapirte Ceremonienhalle getragen und alsbald war die Halle von den Anwesenden überfüllt, worauf Obercantor Singer das Todtengebet mächtig ergreifend vortrug und Oberrabbiner Dr. Güdemann, anschließend an die Textworte kleeti nos§ati lochem hajom es habrocho, ba§ seltene segensreiche Leben der theuren Verblichenen in ihrer Eigenschaft als Gattin. Mutter und Wohlthäterin in farbenprächtigen Worte» schilderte und den Heimgang der edlen Frau mit dem Schlußsätze apostrophirte. daß das Wirken der edlen Heimgegangenen noch über das Grab hinaus sich als segensreich an ihren geliebten Kindern erweisen werde. Unter Recitation der üblichen Trauergebete wurde der Sarg sodann zu Grabe gebettet, worauf die Söhne das usuelle Kaddischgebet verrichteten. Die wahrhaft ergreifende Todtenfeier machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Möge die so früh dahingeschiedene edle Frau ausruhen von den Mühseligkeiten des Lebens. Friede ihrer Asche! Krems a. d. Donau. Samstag den 10. August d. I. feiert Norbert Schick, der Sohn unseres Cultusvorstehers Herrn Julius Schick, seine Confirmation.^ Datschih. Sonntag den 11. August 1901 findet die Trauung des Frl. Bertha Pollak, Tochter des Herrn Vorstehers Leopold Pollak, mit Herrn Moriz Wäldler aus Wien um 4 Uhr Nachmittags im israelitischen Tempel statt.