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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-09 · 32 (9.8.1901) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
32 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 T9& etff« Mvchenftlzrift. Sette 53T durch die Festgabe zur Centennarfeier des Geburtstages I. L. Rapoport's^), wodurch er zu allen drei großen Begründern der modernen jüdischen Wissenschaft sich in literarische Beziehung setzte, vollgiltige Beweise davon gab, wie tief in seinem Herzen die Pietät wurzle, so wird man begreiflich finden, daß ein Angriff, der gegen den über Alles von ihm verehrten Zunz geführt wurde, von Kaufmann mit der größten Entschiedenheit zurückgewieseu wurde. (Fortsetzung folgt.) Torrespondenzen. Hieronymus Lorm zudessenachtzigstenGeburtstage. Freitag 9. d. M. begeht ein Fürst, wohl nicht dem allgemein üblichen Sinne nach, aber ein Dichterfürst in des Wortes vollster Bedeutung, Hieronymus Lorm. sein achtzigstes Geburtsfest. Wenn es je einem Sterblichen beschieden war, trotz seiner körperlichen Leiden und ausgewachsen ohne jede freudvolle Stunde seinen Mitmenschen durch die zahlreichen Schriften Belehrung, Unterhaltung und angenehmen Zeitvertreib zu bieten, so ist L o r m in erster Reihe zu nennen. Seine Lebensgeschichte ist eine Leidensgeschichte und bewundernd müssen wir aufblicken zu diesem gottbegnadeten, geistesfrischen Mann, den seit seiner Kindheit nur die finstere Nacht umhüllt und deffen Gehör ebenfalls ihm nicht zu Gebote steht. Zn der alten Judengemeinde Nikolsburg geboren, verdankt Landesmann es nur der aufopferndsten Mutterpflege, daß er nicht schon im zartesten Kindesalter vom Todesengel dahingerafft ward. Mit 6 Jahren wurde er in die Schule St. Anna zu Wien ausgenommen und nach Vollendung der Volksschule, welche er durchaus mit Vorzug absolvirte, trat er, 12 Jahre alt, in die hiesige polytechnische Schule ein, mußte dieselbe aber bald verlassen, da er plötzlich gelähmt wurde. Schon in den Jahren, die er dem Studium widmete, ließ es ihn nicht ruhen, auf literarischem Gebiete Erfolge zu erzielen und gehört er derzeit zu. den erstclassigen Lyrikern, Epikern, Kritikern und philosophischen Schriftstellern. Trotzdem Landesmann im Jahre 1836 vollständig erblindete und in Folge Krankheit auch nicht mehr das Gehör intact hatte, verfaßte er Gedichte und Novellen, von welchen anno 1880 eine Gesammtausgabe erschien und nun anläßlich des Jubiläums eine verbesserte Auflage veranstaltet wird. Die Novellen, deren es mehr denn 30 gibt, sind wahre Schätze der deutsch-jüdischen Literatur, die Gedichte hingegen documentiren die Schwermuth L o r m's, die wohl gerechtfertigt erscheint. Unt r den Erzählungen ist es namentlich die mohammedanische Faustsage, „Abdul" betitelt, die allein schon genügen würde, den geistreichen Dichter in allen Kreisen einzuführen (erschienen 1843). Im Jahre 1846 veröffentlichte Landesmann unter diesem Familiennamen das letzte Werk: „Wiener poetische Schwingen und Federn"; diese seinerzeit sensationell wirkende Schrift war gegen den allgewaltigen Kanzler Metternich gerichtet, und da ihm von Freundeskreisen nahegelegt wurde, daß er sich den Zorn dieses in hoher Gnade gestandenen Staatsministers zugezogen, flüchtete er nach Berlin und vertauschte seinen Familiennamen mit dem nunmehrigen Hieronymus Lorm. Nach dem Sturze Metternich's und nachdem wieder Ruhe in die aufgeregten Mafien einkehrte, kam er im April 1848 nach Wien zurück und verheiratete sich mit einer Schwester Berthold Auerbach's. mit welchem chm überhaupt eine intime Freundschaft verknüpfte. Die Schwäger lebtrn mehrere Jahre in Baden, 1873 nbersirdelte Lorm nach Dresden, um sich der Erziehung seiner Söhne widmen und hingeben zu können und seit 1893 ist Brünn der ständige Aufenthaltsort Lorm's, der sich nur durch ein von ihm selbst verfaßtes eigenartiges Fingersprachensystem verständlich machen kann. Die großen Verdienste Lorm's um die Literatur wrrden von einem Chronisten der späteren Zeit voll gewürdigt werden, für heute genüge nur, daß er sich einen Namen gemacht, der nicht nur von der Judenschaft Oesterreichs hochgeachtet ist, sondern auf dem ganzen Erdenrunde mit Verehrung genannt wird. Das ') Beilage zn Dr. Bloch's „Oesterreichische Wochenschrift", 18vo Es sind darin Arbeiten vou mehreren Gelehrten. Ueber Rapoport's Schriften schrieb Kaufmann auch in Rahmer's Jüd. Literaturblatt XIX, 93.101 Jubiläum des achtzigsten Wiegenfestes, das zu erreichen nur Wenigen vom Schicksal gegönnt ist, wird sich wohl zu einem Feste gestalten, an welchem alle Freunde der Wiffenschaft regsten Antheil nehmen werden. Mögen ihui noch Jahre beschieden sein, der Menschheit zu Nutz und Frommen zu schaffen! Die Verdienste L o r m's werden von der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" in Wien durch Abschickung einer in herzlichen Worten abgefaßten Beglückwünschungsadrefse gewürdigt, ferner veranstaltet die Gesellschaft zu Ehren L o r m's einen ihm gewidmeten Vortragsabend zu Beginn der Herbstsaisou und endlich gelangt in dem nächsten Jahrbuche der Stadt Wien ein Essay über Lorm zur Veröffentlichung. E. I. Wien. (Allgemeiner C a n t o r e n t a g.) Der Vormittag des zweiten Tages der Cantorenversammlung war dem Besuche der Gräber Meister Sulzer's, Goldstein's, Fifcher's und Stern's gewidmet. Punkt 9 Uhr versammelten sich die Festcheilnehmer in der Seitenstettengaffe und begaben sich in den, von dem wohllöblichen Borstande der Cultusgemeinde freundlichst zur Berfügnng gestellten Wagen nach dem Centralfriedhofe. Dort angelangt, wurden die Cantvren zum Grabe Professor Salomon Sulzer's geleitet, woselbst Präses Obercantor Singer folgende Ansprache hielt: Meine geehrten Herren College»! Ein tiefernster und bedeutungsvoller Moment ist es, der uns hier an der Ruhestätte eines Mannes versammelt, deffen für uns jüdische Cantoren geradezu weltbewegende Bedeutung ich Ihnen nicht zu schildern brauche. Allüberall, wo in der großen Welt ein jüdisches Gotteshaus mit modern-gesanglicher Einrichsich erhebt, ist der Name Salomon S u l z e r's ruhmvoll gekannt, der, selbst eine Lichtgestalt modern-künstlerischen.Synagogengesanges, in den finsteren Zeiten des Stürmens und der Verwirrung mit der hellstahlenden Fackel seiner Kunst und seines Geistes das Dunkel erhellte und als Pfadfinder einer Richtung für jetzt und kommende Geschlechter allgemeine Verehrung und Hochschätzung sich eroberte. Ich will es nicht versuchen, das erhabene Bild des von uns Allen hochverehrten Meisters und Lehrers darzustellen; denn, so tief ich auch den Pinsel in helle Farben tauchen möchte, der Glanz der Farben verblaßt vor der Bedeutung des Namens, der hier in den harten Stein eingegraben erscheint. — Nur auf einen Punkt möchte ich in dieser Stunde Hinweisen, der so voll und ganz zu den Geschehniffen dieser Tage paßt und es vollauf verdient, für alle Zeiten festgehalten zu werden. Als wir vor mehr als zwanzig Jahren daran gingen, eine cantorale Bereinigung zu gründen, da warst Du es. hochverehrter, unsterblicher Meister, der uns mit Rath und That zur Seite standest und uns die denkwürdigen Worte zuriefst: „Scholem, scholom loroehok welakossa“, und diese Worte ruft Ihnen, verehrte Herren, der verklärte Geist Salomon S u l z e r's auch in diesem Momente entgegen, da Unerfahrenheit und Streberthum, die Brandfackel des Zwistes in unsere kaum angebahnte Vereinigung werfen möchte. Höret, verehrte Collegen, nicht auf die falsche Stimme falscher Propheten, sondern neiget Euer Ohr der Wahrheit und Rechtmäßigkeit zu. Der verklärte Geist Salomon Sulzer's weilt noch heute in unserer Mitte und wird uns Kraft und Muth verleihen, in seinem Sinne für unsere leidenden Collegen nach wie vor zu kämpfen und mit Gottes Hilfe zum Siege zu gelangen. Ich neige in Verehrung und Demuth mein Haupt und ersuche Herrn Collegen F r i e d m a n n, das Seelengebet vorzutragen. „Nur für Menschen." Geehrter Herr! Seit einer Reihe von Jahren bin ich ein eifriger Leser Ihrer geschätzten Wochenschrift, allein ich habe selten eine treffendere Bemerkung als jene in der Notiz „Nur für Menschen" gefunden. Es ist vollkommen richtig, was der Schreiber jener Zeilen über wirkliche Freimaurer sagte, und ich bin ihm dafür dankbar, daß er die Gesinnungen, welche alle wirklichen Freimaurer beseelen, zum Ausdrucke brachte. Auch ein wirklicher Freimaurer. Wien. (Israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien.) Diese Anstalt erstattete den MI. Jahresbericht, welcher das Schuljahr 1900/1901 zum Gegenstände Hat und dem wir Folgendes entnehmen: Die Osias H. »Schorr'sche Berlaffenschaftsabhandlung wurde beendet und es gelangten

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