Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-09 · 32 (9.8.1901) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
32 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021418--11065-3035581
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 32 dr° Bloch's WochenschrM Sette 535 Unglücke, das Tausende von Existenzen vernichtet, ein Spottlied darauf in Hunderten von Exemplaren abzusetzen. Nach diesem Beispiele hoffen wir, nächstens von Klein-Paris aus mit der Ankündigung. eines galoppirenden Schwindsuchtsgalopps oder einer „pudelnärrischen" Schiffsuntergangsquadrille erfreut zu werden " Das „Deutsche Volksblatt" vergißt, daß das Königreich Sachsen von der antisemitischen Race bewohnt wird. Das Princip des Ariers war und bleibt: „non ölet“. Die antisemitischen Deutschnationalen an der Bahre der Kaiserin Friedrich. In einem Artikel über den Tod der Kaiserin Friedrich schreibt die „Ostdeutsche Rundschau": „So wurde die englische Welfin, die sich gottlob nur kurze Zeit einer deutschen Kaiserkrone erfreute, zur gefährlichsten Hochverrätherin, die je in deutschen Landen ihr Unwesen trieb. Das verrückte Weib, das in Breslau mit einer Hacke nach dem deutschen Kaiser warf, und das nur durch seine notorische Geistesgestörtheit einer vernichtenden politischen Anklage entging, war nach der möglichen Tragweite ihrer That für das Glück und die Wohlfahrt des Deutschen Reiches geradezu ein Lämmlein im Vergleich mit der Ex -Kaiserin, die einen Bismarck nicht ansehen konnte, ohne Tbränen ohnmächtiger Wuth zu vergießen. Das seiner Größe und Selbstherrlichkeit bewußte deutsche Volk geleitet seinen Kaiser menschlich mitfühlend, aber mit dem nationalen Herzenswunsch zum Grabe seiner Mutter : „M ö g e «it§ keine Kaiserin Friedrich wiederkeh'ren!" Alle Urkunden. Ein Schriftstück, das für die Geschichte Alt-Berlins von bedeutendem Werth ist, wurde am vorigen Freitag bei Bauarbeiten in der Berliner Jüdenstraße in einer Art Grundstein gefunden. Das eigenartige, mit nach Mönchsschristart gemalten Buchstaben versehene Document besagt, daß die Häuser Nr. 46 bis 49 im XlV. Jahrhundert den „Jüdenhof" bildeten, und daß dieser Hof schon am Ende des XIII. Jahrhunderts zum verschließbaren Wohnsitz der Juden in Berlin eingerichtet war und sich dort eine Synagoge — jedenfalls die älteste in Berlin — befand. Als unter Ludwig dem Römer die Juden vertrieben wurden, verlor der Jüdenhof zwar seine Bestimmung, aber nicht seinen Namen. Im Jahre 1354 schenkte der genannte Fürst de» Hof dem Probste Wörner. der die daraus stehenden Häuser einzeln veräußerte. Als die Juden wieder Aufnahme fanden, aber der alte Jüdenhof ihnen nicht mehr eingeräumt werden konnte, legte man in der Nachbarschaft „im Gekhol an der Mauer" — ein andereres Judenquartier an. — Das Schriftstück, eine Pergamentrolle, enthält auch Nachrichten in hebräischen Lettern, die einem Sachverständigen zur Entzifferung übergeben worden sind. * * * Großes Interesse gewinnt seit Kurzem die vom Parlamentsmitqliede SirBenjamin Stone in der jüdisch-historischen Gesellschaft im letzten Winter gemachte Vorführung einer Reihe photographisch aufgenommener I n s ch r i f t e n aus der Zeit des Königs Heinrich 111.. welche über 600 Jahre alt sind und aus einer Zeit stammen, die lange vor der Vertreibung der Juden aus anderen Ländern zu rechnen ist. Mehr als 2000 dieser auf hartem Holze befindlichen Inschriften sind einstweilen in der bekannten Pix-Capelle in W e st m i n st e r aufbewahrt und werden jetzt von einer großen Gelehrten-Commission nach und nach untersucht und auf ihren geschichtlichen Grund studirt. Vier Blöcke bringen in gleichen hebräischen Schriftcharakteren eine den Juden auferlegte Geldschatzung von 20.000 Mark aus dem Jahre 1240. Die Entzifferung der in l a t e i n i s ch e r und hebräischer Sprache lautenden Inschriften ist folgende: 1. pa mit einer Schatzung von 20.000 Mark — Dieser Samuel besaß 1230 ein Haus in London, deffen er beraubt wurde, und wurde später zum Schatzungsmeister für die jüdische Gemeinde Londons ernannt. 2. trab>K 2 nana pDD'np pnL' Noch lange Jahrhunderte figurirt der Name Crespin in jüdischen Urkunden. 3. 2 pro® p brom» Ursul, Sohn des Sansun (oder Samsun) 20.000 Mark, war ein berühmter Jude in Hark, dem Aebte und Prioren so wie die ganze Abtei Fountains verschuldet waren. 4. N'Mv. lateinisch mit Manassero de Jarun wiedergegeben mit dem gleichen Geldbeträge, wie oben. Diese in Holz geschnittenen Urkunden eröffnen ein neues Blatt zur Geschichte der Juden im Mittelalter und werden wir darüber noch gelegentlich Weiteres berichten. David Kaufmann. 1852 — 1899. Von Dr. Samuel Krauß in Budapest. m. Die wissenschaftliche Thätigkeit Kaufmann's umfaßt solch' weite Gebiete und ist derartig mannigfaltig, daß sie im Rahmen einer Biographie kaum zu einer übersichtlichen Darstellung, geschweige denn zu einer eingehenderen Würdigung gelangen kann. Mit Ausnahme des biblischen Alterthums*), des Talmud und Midrasch?) und des jüdischen Hellenismus* * 3 4) sind von ihm alle Disciplinen der ungeheuer großen jüdischen Literatur bearbeitet und mit Schriften dauernden Werthes bereichert worden. Aber auch diejenigen Gebiete, die ihm keine literarische Bearbeitung verdanken, waren ihm in weitgehendstem Maße bekannt und lagen vor seinem weit ausfpähenden Blick offen da. Mußte er doch z. B. die Philosophie eines Philo schon als die erste Erscheinungsform der jüdischen Religionsvbilosovbie von Grund aus kennen, auch wenn er sich philologisch ihr nicht nahte. Und welche Vertrautheit athmet eines seiner letzten Werke, die Studien über Jbn Gabirol. mit der claffisch-griechischen Philosophie! Ja. die Religionsphilosophie wurde von Kaufmann zu allererst ins Auge gefaßt, als wollte er durch die Darstellung der Grundwahrheiten des Judenthums, die Grundwahrheit seiner eigenen Seele, die unübertroffene Liebe zum Judenthum uns enthüllen. Zwei der wichtigsten Arbeiten Kaufmann's fallen noch in seine Studienjahre in Breslau. Die Theologie des B a ch j a Jbn P a k u d a. die von der Akademie in Wien publicirt wurde, ist zwar 1874 erschienen, dock ist die Geschichte der Attributenlebre in der jüdischen Religionsphilösophie des Mittelalters von Saadja bis Maimüni. welche erst 1877 in Gotha erschien, der Entstehung nach älter. Selbst die Art und Weise, wie dieses große Werk im Druck erscheinen konnte, ist für Kaufmann bezeichnend: Der Vorsitz»nde seines Doctor-Examens in Leipzig. Bruns, der gelehrte Profeffor, gewann ihn so lieb, daß auf sein schwerwiegendes Wort hin sich für Kaufmann's Werk alsbald ein Verleger fand. Es ist dies das dem Umfange und der Bedeutung nach wichtigste Werk Kaufmann's. Als wollte er sich mit diesem Werke eine Bahn durch die Wildniß des Lebens brechen, in solcher Fülle der Kraft zeigt sich hier der junge Gelehrte. In der Tbat trutz ihm dieses Werk den Profefforenposten in Budapest ein. Eine berufenere Stimme*). als es die memige ist. zählt dieses Werk zu den bedeutendsten in der modernen jüdischen Literatur. Namentlich glückte es dem jungen Berfaffer. den Zusammenhang zwischen der jüdischen und der arabischen Religionsphilosophie in nicht geahnter Weise ausfindig zu machen3). Das ') Hieher gehört außer seiner oben erwähnten, ungedruckten Dissertation seine Arbeit in Rahmer's Jüdischen Literaturblatt VI, 7, über R’eem (Din) in der Bibel; lieber das Hohelied, 1 d. VI. 67, 71. lieber den Ausdruck -rrta in Deut. XXIII, 19. bespricht Kaufmann M. Zs. Szemle III, 107. die Abhandlungen von I. Derenbourg in R. d. E. I. II. 126. von I. Halevy ib. III. 200 und von S. Reinach in Revue areh^ologique 1884, p. 129. a) Erwähnung verdienen seine Anzeigen von: Bonsset. Der Antichrist in der Ueberlieferung des Judenthums, in Monatsschrift, XD, 134. — O. Bardenhewer, Biblische Studien, ib. 188. — Katzenelson, Die notm ale und pathologische Anatomie des Talmuds, ib. XU, 378. 3) Ein Uebersetzungsfehler bei den Synoptikern, Monatsschrift, 1893, XXXVII, 393. lieber Deismann's B i b e l - Studien. I., siehe die Anzeige in Monatsschrift, XD, 41. — Ueber H. Bloch, Die Quellen des Josephus Flavins, siehe Jüdisches Literaturblatt, IX, 56. — B.ernay's, Gesammelte Abhandlungen, siehe Revue des Etudes Juives, XI, 311. — Eine schöne Abhandlung über den Eselcultus. womit man die Juden beschuldigte, siehe in M. Zs. Szemle, III. 327. 4) Prof. I. Goldziher in Budapest mündlich. 3) Vgl. auch Juda Halewi p. 26: „Die Leuchte der mohammedanischen Theologie, . . . Abu Hamid Al-G a z z a I i, . . . ist (es), dessen Gedanken uns bei ihm begegnen." — Die Abhängigkeit Juda Halewi's von Gazzüli beweist Kaufmann in der A t t r ibutenlehre, p. 119—140. — Die „Attributenlehre" ist seinen Eltern, Leopold und Rosa Kaufmann gewidmet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.