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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-09 · 32 (9.8.1901) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
32 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Gelte 534 Vr. Bloch's Wochenfchrist» Nr. 82 ferner wird erzählt, daß über specielles Ersuchen dieses Officiers, der die Besorgniß geäußert hätte, daß Aufricht der Züchtigung bewaffnete Gegenwehr leisten könnte, ihm in den Lieutenants Paul P aik und Gudar v. Pels zwei Assi st enten beigegeben wurden, um die „Züchtigung" Au fr ich t's wirksam durchzuführen und eine etwaige Nothwehr mit der Waffe niederzuhalten. Gerade diese Darstellung bildet den Grund der größten Entrüstung. Man ist der Meinung, daß selbst nach militärischen Begriffen eine Jncorrectheit vorliege. daß nämlich der Ehrenrath die Muthlosigkeit des Lieutenants v. Strosse nicht unterstützen durste, und daß nach militärischer Anschauungsweise Lieutenant v. Strosse die „Züchtigung" A u fr i ch t's allein hätte durchführen müssen, ohne Rücksicht auf die Gefahr. der er sich dabei ausgesetzt hätte. Die Beistellung einer bewaffneten Assistenz liege ganz außerhalb der Befugnisse des Ehrenrathes und widerspreche vollständig den militärischen Begriffen von Ritterlichkeit. Jedenfalls wird die Untersuchung den wahren Thatbestand zu Tage fördern. lieber den Vorfall selbst ist noch zu erwähnen, daß die Officiere bereits durch mehrere Tage dem Aufricht aufgelauert haben. Augenzeugen berichten, daß, nachdem Lieutenant v. Strosse die Peitschenhiebe gegen Aufricht geführt hat, dieser mit einem Regenschirm den Officier ganz energisch schlug und ihn bis fast zur Mitte des Hauptplatzes vor sich hertrieb. Nun sei Aufricht von rü'ckw ärts vom Lieutenant v. Pel s angegriffen worden, worauf auch Lieutenant v. Strosse mit dem Säbel auf Aufricht losschlug^ Lieutenant Park kam nicht mehr dazu, den Säbel zu ziehen, da eine große Anzahl von A r b e i t e r n, die der muthigen Haltung Aufricht's lebhaft applaudirten, sich seiner anzunehmen begann. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat bereits die Untersuchung der Angelegenheit angeordnet. Die Familie Au fr ich t's wird den E i v i lp r o c e ß w e g gegen die Lieutenants v. Strosse und v. Pels betreten, um dollen materiellen Ersatz der Auslagen und des durch die dauernde Invalidität des Verwundeten verursachten Schadens zu erlangen. Die Aufregung der Stadt hat sich bisher nicht im mindesten gelegt, und man erwartet eine energische Erklärung des Gemeinderathes. In den belebten Straßen sind seit gestern nur wenig Officiere zu sehen. Das Ritualmordm'ärchen in Ungarn. Wie man aus Szegedin schreibt, wird in Alföld das Ritualmärchen zu Wahlmanöverzwecken eifrig in Colportage gesetzt und gegen die Juden, sowie gegen die angeblich mit ihnen verbündete, von. ihnen bezahlte Regierung gehetzt. Seit Monaten schon wird in die Bevölkerung das Gerücht getragen, daß die Regierung um ein Blutgeld von 70.000 Gulden den Juden die Erlaubnis ertheilt hübe, zur Weihe der in Szegedin im Baue begriffenen Synagoge das Blut von sechzehn reinen christlichen Jungfrauen zu benützen. Der Wahnsinn findet leider Gläubige, und da und dort regen sich schon, bis nun von den Behörden rasch und mit unglaublichem Erfolge unterdrückte Judenverfolgungen. In dem Dorfe Dorozsma ist kürzlich ein Hausirer fast erschlagen worden. Auch in Felegyhaza und Szabadka (Maria-Theresiopel) wurden schon Versuche gemacht, die jüdischen Kaufläden zu plündern. Ei« angeblicher Rilualmord i» der Türkei. Smyrna, im Juli. Bor einem Gerichtshöfe unter Vorsitz des Mustafa Red im Efendi fand hier der Proceß gegen 42 Personen statt, die angeklagt sind, an den Unruhen gegen die Israeliten theilgenommen zu haben, die in Symrna in der Osterzeit dieses Jahres aus Anlaß des angeblichen Verschwindens eines griechischen Knaben entstanden waren. Zehn Advocaten (Türken, Griechen und Armenier) übernahmen freiwillig die Bertheidigung der Angeklagten. Da einer derselben, Savo Pavlu, ein englischer Unterthan ist, wohnt auch der Dragoman des englischen Generalkonsulates, Herr Altintop, der Verhandlung bei. Der Anklage entnehmen wir, daß zur Osterzeit ein Kind verschwunden sei. Aus diesem Anlaffe hätten sich zahlreiche Personen bei der Pholinuskirche zusammengerottet, um das Judenquartier anzugreifen. Die einen begannen Sturm zu läuten, während die anderen die Equipage des Metropoliten aufhielten und denselben beschimpften, weil er sich nicht an ihre Spitze stellen wollte. Die Angeklagten leugnen eine Schuld; sie hätten sich an den Zusammenrottungen nicht betheiligt und wären nur durch Zufall verhaftet worden. Der Bericht des Commandanten Chefket B e y. der an der Spitze eines Bataillons entsendet wurde, um die Volksmaffen zu zerstreuen, besagt, daß, als der Tumult seinen Höhepunkt erreicht hatte, plötzlich die Nachricht kam, der Knabe sei nicht von den Juden ermordet worden, sondern habe sich vor den Mißhandlungen seiner Mutter und seines Bruders geflüchtet und sei, als er erfahren, welche Folgen seine Flucht habe, freiwillig zurückgekehrt. Die Volksmenge hätte sich dann sofort mit Hochrufen auf den Sultan zerstreut. Der angeblich ermordete Knabe A n e st i K o st u erscheint als Zeuge. Er ist 14 Jahre alt und Lehrling im Hause Tenopulos. Er gibt an, daß ein gewisser Wilhelm einen Brief voller Anklagen gegen ihn an seinen Chef geschrieben habe. Er hätte sich gefürchtet, vor ihm zu erscheinen und hätte sich zu Fuß nach dem Dorfe Burla begeben. Dort habe er von einem gewissen Halepa erfahren, welche Folgen seine Flucht habe und er sei deshalb zurückgekehrt. Die als Zeugen vorgeladenen Polizisten schildern ziemlich übereinstimmend die Vorgänge, wollen aber in den Angeklagten die Ruhestörer nicht erkennen. Die Verhandlung wurde für 8 Tage vertagt. Die Devise der arischen Kaffeler Trebertrocknnngs- Gesellschaft. Man schreibt aus Kassel: Beim Eintritt in das Vestibüle des Kaffeler Geschäftshauses der Actiengesellschaft für Trebertrocknung fällt das Auge unwillkürlich aus die über dem Zifferblatt einer Wanduhr angebrachten Worte: Im Kopfe die Klarheit, Im Munde die Wahrheit, Im Herzen die Treue, Und nimmermehr Reue!!! Eine schönere Devise für den Kaffeler Trebertrocknungsschwindel kann man sich wohl kaum denken. Christlich im Wandel. Aus Oberhausen wird geschrieben: In der traurigen Angelegenheit des so rasch berühmt gewordenen Gerhard Terlinden, der mit großen Summen sich betrügerisch davon gemacht hat, möchte ich Ihnen doch eine bezeichnende Thatsache mittheilen. Es hing in seinem Pridatbureau ein Email-Schild mit der Aufschrift: „Ehrlich im Handel, Christlich im Wandel!" Es ist dies das Privatbureau, in dem der stellvertretende Stadtverordneten-Borsteher die zahllosen Betrügereien sich ausgedacht hat, mit denen er eine Legion von Banken, Kaufleuten und Industriellen zu täuschen verstand. Das Terlinden'sche Schild erinnert lebhaft an die Privatcapelle im Garten des Commercienraths Sonden! Daß Herr Terlinden nicht »ehrlich im Handel" gewesen, haben Biele zu ihrem. Schaden erfahren. Ob er „christlich im Wandel" gewesen, entzieht sich unserer Beurtheilung. Antisemitische Rare. In Agram ist der Antisemitenführer, Redacteur des dortigen Antisemitenorgans, Dr. Tresic zu zwei Monaten strengen Arrests verurtheilt worden, weil er die Lehrerin Srkulj erst verführt \j und dann zum Selbstmord getrieben. In den Urtheilsgründen v heißt es, daß Tresic von seiner Geliebten namhafte Geldgeschenke annahm. — So sind sie Alle, Alle ohne Ausnahme. Verhaftungen in Könitz. In Könitz sind neuerdings mehrere Verhaftungen wegen der Synagogenbrandstiftung vorgenommen worden. Auch den Anstiftern zu dem Verbrechen soll man auf der Spur sein. Es wäre merkwürdig, wenn es dahin käme. Die antisemitischen Mörder, Brandstifter oder sonstigen Verbrecher haben in Könitz zu viele Gönner und Eideshelfer. Antisemitische Raee im Königreich Sachsen. Das „Deutsche Volksblatt" vom 7. August enttüstet sich über folgende Meldung: „Wie die „Fr. Ztg/ meldet, empfiehlt die Firma Otto Weber in Leipzig in einem Rundschreiben einen bei ihr erschienenen „Leipziger Bankkrachwalzer", der angeblich „überall gesungen und getanzt" werde und von dem sich „mit Leichtigkeit Hunderte von Exemplaren absetzen lassen". Während' Vorgänge gleich denen in Leipzig allenthalben wie eine Art Elementarereigniß beklagt und mit ernstester Theilnahme bettachtet werden, findet sich in der großen „Seestadt" selbst ein Unternehmer, der bloS bedacht ist, bei einem

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