Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 31 (2.8.1901)
- Date
- 1901-08-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 584 Vr. Moch's Wochenschrift. Nr. 31 Wie». (Wahlen in der Pferdehändler- Genossenschaft.) Bei der vorige Woche abgehaltenen Generalversammlung wurden gewählt: Herr Julius Morgenstern zum Borstand-Stellvertreter, Herr Max S t ö ß l e r zum Borstandsmitgliede. Auch ein Zeichen der Zeit? Wien. Sonntag, 4. d. M., begeht Herr Jacob Moor sein 80. Geburtsfest. Aus seiner Heimat Wartberg nächst Preßburg kam er in jungen Jahren nach Wien, woselbst er das seinerzeit sich eines bekannten Rufes erfreuende Seidenwaarenhaus Jacob Moor & Co. gründete und lange Jahre als Chef der Firma.fungirte. Aber trotzdem ihm die geschäftlichen Verhältnisse sehr in Anspruch nahmen, war er sich seiner Religion und der Zugehörigkeit zu derselben stets bewußt und als äußeres Zeichen seiner Bestrebungen ist Moor seit mehr denn einem Menschenalter als Vorstandsmitglied der Chewra-Kadischa thätig, zugleich aber auch ein pflichtgetreues und angesehenes Mitglied des Bethausvorstandes der israelitischen Cultusgemeinde und sind nur sehr wenige Samstage und Festtage zu verzeichnen, an welchen Moor namentlich in den Bethäusern in des Wortes vollster Bedeutung nicht seine Schuldigkeit gethan hätte. Das Jubiläum wird wohl ein willkommener Anlaß sein, die allgemeinen Sympathien zum Ausdrucke gelangen zu lassen, deren sich Moor allenthalben erfreut. E. I. Wien. (Hochzeitsfeier.) Am 28. Juli fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Margarethe Weiß, Tochter des Herrn Gymnasial- und Religionsprofessors Doctor Adolf Weiß, mit Herrn Sigmund Mandl statt. Eine große Zahl von Hochz-itsgästen war erschienen, um den Brauteltern und dem Brautpaare ihre Glückwünsche darzubringen. Die Erschienenen gehören den besten Kreisen der Wiener Gesellschaft an. Insbesondere waren die Mittelschullehrer stark vertreten. Herr Gemeinderabbiner Dr. 'Gelbhaus hielt eine Trauungsrede, in welcher er den Brautvater als edlen Vater, idealen Pädagogen- Schriststeller und Gelehrten würdigte und ihn, sowie die durch ihren frommen Sinn sich auszeichnende Brautmutter der Braut als nachzuahmende Ideale vorfiihrte, wobei der Redner den Stand, dem der Erstere angehört, den des Religionslehrers als den verehxungswürdigsten in begeisterter Weise feierte. Die Rede machte auf alle Zuhörer eine sichtlich mächtige Wirkung. Der gesangliche Theil unter Leitung des Herrn Obercantors Kläger war schön und erhebend. Wie». Das Creditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte (r. G. m. b. H.), II., Leopoldsgasse 49, hat seine Thätigkeit begonnen und sind die Einreichungstage für Donnerstag, Freitag und Montag, Censurtag für Donnerstag und Cassatag für Freitag einer jeden Woche bestimmt. Zborötv. Bei der am 22. v. M. stattgefundenen constituirenden Sitzung des neuen Cultusrathes sind gewählt worden: Der langjährige Gemeindevorstand Herr Jacob K a tz zum Cultuspräsidenten, Herr Apotheker Adolf Rappaport zum Bicepräsidenten, die Herren Aron Mendel R i k o w e r, Hersch Pulver und Jacob Perlmutter zu Vorstandsmitgliedern. Die Wahl sämmtlicher Herren erfolgte einstimmig, und es ist zu hoffen, daß der neue Cultusrath segenbringend wirken wird. I. L. Zastawna. Bei der hier am 21. Juli stattgefundenen ersten Constituirung des neugewählten israelitischen Cultusrathes des Zastawnaer Gerichtsbezirkes wurde zum Präsidenten Herr Sigmund Weißglas in Zastawna und zum Bice-Präsidenten Herr Hirsch Horowitz, Gutspächter in Werenczanka, einstimmig gewählt. Baja. Hier starb plötzlich der emeritirte Prediger Rabbiner Dr. S. Rascher, der berühmte Kanzelredner und bedeutende Theologe. Die Leichenfeier gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung und galt sowohl dem Andenken des Verewigten, als der Erinnerung an den unvergeßlichen Vater des Heimgegangenen, der als Oberrabbiner ein Menschenalter hindurch in Baja gewirkt und gelehrt hat. Rercheuhall. Am 19. und 20. v. M. fand in den Bermann'schen Lokalitäten ein von dem bekannten Obercantor des polnischen Tempels in Wien Herrn M. S ch o r r geleiteter feierlicher Gottesdienst statt, dem ein äußerst zahlreiches Publicum beiwohnte. Die Borträg? des Herrn Obercantors fanden wie immer großen und enthusiastischen Beifall und der Dank der Nothleidenden, denen das Reinerträgniß gewidmet war, ist ihm gewiß. Den Zuhörern, die mit Andacht und außerordentlichem Kunstgenuß den musterhaften Vorträgen lauschten, werden die beiden Abende sicherlich in schöner und erhebender Erinnerung bleiben. E. B. Berlin. Der bekannte Orientalist Professor Dr. Moritz Steinschneider, ein gebürtiger Oesterreicher aus Proßnitz in Mähren, hat am Freitag den 26. Juli das vierundachtzig sie Seme st er seiner Vorlesungen an der Berliner Universität geschlossen. Diesen in den Annalen der Universitäten wohl vereinzelt dastehenden Fall wollten die derzeitigen Hörer und gewesenen Schüler des großen Gelehrten zu einer solennen Ovation benützen. Professor Steinschneider aber, bekannt durch seine puritanische Einfachheit und Bescheidenheit, lehnte alle Ehrungen entschieden ab. Den vielen Freunden und Verehrern Steinschneiders dürfte die Mittheilung willkommen sein, daß sich der Nestor der Orientalisten relativ körperlich wohlbefindet und sich einer phänomenalen Geistesfrische erfreut, die ihm ermöglicht, nach wie vor den Studien, Forschungen und publicistischen Arbeiten obzuliegen. Wir geben hiemit dem Wunsche aller gelehrten Kreise und Verehrer Ausdruck, der große Gelehrte möge sich ad multos et plurimo sannos voller körperlicher Kraft und ungetrübter geistiger Frische erfreuen. Breslau. (Vermählungsfeier.) Mittwoch den 7. August l. I. findet im Saale der Lessing-Loge, Agnesstraße 5, die Vermählungsfeier des Fräulein Margarethe B r a n n, Tochter des Herrn Professor Dr. M. Brann, mit Herrn Nathan Schwarz aus Essegg statt. Paris. Prof. Jules Oppert ist zum correspondirenden Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien ernannt worden. Der gefeierte Assyriologe ist nunmehr Mitglied sämmtlicher bestehenden Akademien. Kopenhagen. Herr Staatsrath I. Glückstadt, erster Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, ist mit dem russischen Stanislaus-Orden ausgezeichnet worden. Feuilleton. Der Unessane tokef. Novelle von Babetta Fried in Prag. X. Das Vermächtniß der Mutter. Das Buchenwäldchen in der Nähe der Stadt Neufeld hatte sich in der Zeit, welche zwischen der Abreise klein Davids mit Polansky und des Besuches Davids bei seiner kleinen Schwester lag, wenig verändert. Wenn man nach einer Abwesenheit von einigen Jahren einen Wald betritt, so bemerkt man nur an den jungen Anlagen eine wesentliche Veränderung. Die kleinen Bäumchen, welche uns Kindern selbst als Kinder erschienen, sind uns mit einemmale weit über den Kopf hinausgewachsen, so daß wir staunend zu den noch immer dünnen aber doch so hohen Bäumen hinaufblicken und uns zugestehen müssen, daß wir selber schon recht alt geworden sein müssen. Die mit uns gleichaltrigen Bäumchen sind groß geworden, wir selber alt und reif. Aber was sollte man an den alten Buchen bemerken? Daß sie inzwischen so und so viele Jahresringe angesetzt haben, das entzieht sich der Beobachtung des Menschen, das ist ein Vorgang, den Mutter Natur im Geheimen ungesehen von dem Blicke der Sterblichen unter dem Schutze der grauen Rinde vollzieht. Ob die Aeste eine Spanne weiter ihren Schatten verbreiten, als damals, wo wir zuletzt dort gesessen, wer vermöchte dies zu beurtheilen? Dieselbe Vogelgattung haust in dem wirthlichen Geäste der alten Bäume wie einst und es ist das gleiche Gezwitscher der jungen Brut, welches wir vernehmen. Am heutigen Nachmittage ist auch dieses Gezwitscher verstummt. Des Tages Hitze liegt lähmend auf allem Wesen. Nur vereinzelt flattern einige gelbe Schmetterlinge, sogenannte Buttervögel, in der Nähe des Erdbodens, als suchten sie Schutz vor dem Gewitter, dessen baldigen Ausbruch