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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-02 · 31 (2.8.1901) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Rr. 81 Ar. Vwch's Wochenschrift Sette 538 Belgrad. In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes bringen Sie eine Notiz, in der über die Eingabe eines Popen an den Metropoliten berichtet wird, in welcher der Geistliche ersucht, den Christen die Beschäftigung jüdischer Hebammen zu untersagen. Umsomehr halte ich es für meine Pflicht, die wahrhaft herzliche Collegialität der hiesigen Geistlichkeit zu betonen, die sie stets uns gegenüber bewiesen und das Wohlwollen der hiesigen Kirchenfürsten anzuerkennen, welches unserem gesammten Volke fortwährend zu theil wird. Auch Se. Majestät der König zeigt seine väterliche Fürsorge allen Unterthanen ohne Unterschied der Confession und unser Verhältniß zu den Behörden wie zu den andersgläubigen Mitbürgern ist, wie wir dankbar constatiren können, ein durchaus günstiges und friedliches. I. S a g h e r, Obercantor. Bukarest. (Excesse gegen Juden.) Die von dem Gutspächter Cutava in Dranceni mit Hilfe von über 20 Bauernburschen verübten Excesse gegen die dortigen Juden sind weit ernster gewesen, als wie die erste Meldung durchblicken ließ. Die Bauernburschen griffen die Juden mit Knüppeln und Feuerwaffen an, worauf diese sich verzweiflungsvoll vertheidigten. Der Zusammenstoß war so heftig, baß gleich zu Anfang auf beiden Seiten mehrere zu Boden geschlagen wurden. Zwei Juden sind den Verletzungen erlegen; außerdem zählt man auf beiden Seiten noch einige Schwerverletzte. Die Gendarmerie nahm zahlreiche Verhaftungen vor, da aber die Erregung unter der Bevölkerung anhält, wurde Militär requirirt. Der Präfect des Districtes Falciu General Catargiu ist in Bukarest eingetroffen, um den Minister des Innern über den Vorfall Bericht zu erstatten. Gegenwärtig herrscht in Dranceni wieder Ruhe. Bnenos-Ayres, 20. Juni. Die kopflose Auswanderung russischer Juden nach Argentinien, welche trotz wiederholter Warnungen immer noch fortdauert, hat in Buenos-Ayres geradezu »unhaltbare Zustände gezeitigt, welche das ganze argentinische Colonisationswerk zu gefährden drohen. Seit zwölf Monaten verging fast keine Woche, in welcher nicht einige Dutzend völlig mittelloser Juden hier landeten, und allein im März belief sich ihre Zahl sogar auf 800. Die Beamten der Jewish Golonisation Association in Argentinien vermögen für diese Unglücklichen nicht das Geringste zu thun, da auf den Colonien zu ihrem Empfange nichts vorbereitet ist. Es ist auch unmöglich, sie als Taglöhner zu beschäftigen, da die Leute thörichterweise gleich mit ihren Familien ankommen, die sie mit einem Taglohn von etwa 1 75 Mk. nicht ernähren können. Natürlich überlaufen die Einwanderer die Beamten der Jewish Golonisation Association derart, daß dieselben sich veranlaßt sahen, die Bureaux durch Polizei abzusperren. Indessen, wenn sie dadurch auch vor dem Drängen durch die Einwanderer selbst geschützt sind, so können sie sich doch vor der argentinischen Regierung nicht schützen, welche sie täglich anfragt, ob die Jewish Golonisation Association für die vielen Leute noch immer keine Beschäftigung habe. Die staatlichen Behörden würden den Leuten gern Land schenken, allein dazu müssen sie den Nachweis führen können, daß sie in der Lage sind, sich das zu diesem Lande gehörende todte und lebende Inventar anzuschaffen, eine Forderung, der die Beklagenswerthen, welche zwar mit zahlreicher Familie, aber ohne Pfennig in der Tasche sich auf die weite Reise begeben haben, unmöglich genügen können. Die Folgen beginnen bereits sich einzustellen. Wie die Tageszeitungen übereinstimmend melden, hat der Departementschef für das Einwandererwesen, Dr. Alsin a, dem Ackerbauminister vorgeschlagen, den ankommenden Juden die allen Immigranten vom Staate gewährte Begünstigung der freien Fahrt bis zum Orte der definitiven Niederlassung zu entziehen. Der Minister erklärte, keiner Maßregel seine Zustimmung zu ertheilendie darauf hinausläuft, auf dem Verwaltungswege das Gesetz zu verletzen, welches in Bezug auf die Einwanderer weder nach Religion, noch nach Race oder Nation fragt. Dr. Alsina ist derselbe Beamte, welcher vor 5 Jahren den Gouverneur von Entre Rios vor den Juden gewarnt hat, da dieselben „sich mit der Bevölkerung nicht vermischen wollen und durch ihre rapide Vermehrung sich in Entre Rios zu einer unabhängigen Macht auszuwachsen drohen." Vermischtes. Wien. Der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Herr kaiserl. Rath K l i n g e r hat einen mehrwöchentlichen Erholungsurlaub angetreten. Die Leitung der Präfidialgeschäfte während dieser Zeit hat der Bice-Präfident Herr Dr. Gustav K o h n übernommen. Wien. (Baruch S ch o r r.) Wir haben in der letzten Nummer der Anwesenheit des Nestors und Meisters der Chasanim, Baruch Schorr aus Lemberg, gedacht, lieber Veranstaltung seines trefflichen Schülers, des Herrn Cantor Schleifer, hatte derselbe am 30. v. M. vor einer geladenen, zahlreichen Abendgesellschaft im großen Saale der Restauration Herlinger XIV., Schwendergaffe 1, einzelne seiner herrlichen liturgischen Compositionen zum Bortrag gebracht. Dieselben gehören zu den schönsten und kostbarsten Perlen des jüdisch-nationalen Synagogengesanges. Wer diese aus dem israelitischen Bolksgeiste quellenden Melodien vernimmt, wird von der Originalität der Macht und Schönheit derselben in den Tiefen seiner Seele ergriffen. Es ist das Siegel echter Religiosität, das denselben aufgedrückt ist. Eine Reihe solcher herrlicher Gesänge wurde vorgetragen und jeder derselben brachte eine Wirkung hervor, wie sie nur eine elementare Gewalt zu üben im Stande ist. Der erste Psalm der Hallet, welcher die Einleitung bildete, ist eine rauschende Hymne Zions, welche jubelnd und jauchzend zum Himmel emporsteigt. Die Kidduscha versetzt die Zuhörer durch die süßen und mystischen Töne in das Reich der Seraphim und Ofanim. Geradezu erschütternd wirkte das Gebet für das Seelenheil der jüdischen Märtyrer, die ihr Leben hingegeben haben für ihr Volk, für ihren Glauben und die Heiligung des göttlichen Namens. Die Versammelten lauschten mit weihevoller Inbrunst diesen Weisen und gaben ihrer Begeisterung rückhaltlos Ausdruck. Herr Obercantor Schorr, eine ehrwürdige, sympathische Erscheinung und unstreitig der größte der jetzt lebenden Cantoren, erinnert vielfach an den unvergeßlichen Prediger Iellinek. Er gehört zweifellos zu jenen klassischen Chasanim aller Zeiten. Es war rührend zu sehen, wie berühmte und mit Recht vielbewunderte Cantoren neidlos vor diesem gottbegnadeten Meister das Haupt beugten, ihm die Hände küßten. Jede einzelne der zum Vortrag gebrachten Compositionen war in ihrer Art elastisch, würdig, den herrlichsten Meisterleistungen der liturgischen Musik aller Völker an die Seite gestellt zu werden. Herr Obercantor Schorr ist ein großer Kenner der rabbinischen Literatur, Berfaffer von zwei theologischen Werken. Bon mancher Seite wurde gegen diese Veranstaltung der Einwand geltend gemacht, ob es denn angemeffen sei, in einem privaten Local, vor einer Tischgesellschaft religiöse Gesänge zum Bortrag zu bringen und anzuhören. Dieser Einwand kann nur vollständiger Unkenntniß der jüdischen Tradition und der jüdischen Lebensauffassung entspringen. Die rabbinischen Vorschriften gestatten nicht nur solche Vorträge, sondern machen sie bei Gesellschafts Mahlzeiten geradezu zur Pflicht. Wenn Drei bei einem Mahle zusammen fitzen, ohne daß das Gotteswort dabei vernommen wird, so gleicht das einem Todtenmahl, sagt die Mischnah. Wird aber das Gotteswort bei einem Festmahl vernommen, so gleicht die Tafel dem Tische des Herrn. Seit ältester Zeit ist es jüdische Sitte, bei jedem Festmahl Piecen aus dem Sabbath- und Festritual vorzutragen. Die Borträge des Altmeisters der Cantoren wirkten erhebend auf alle Theilnehmer der Gesellschaft, denen zum erstenmale eine Ahnung von dem Wesen, der Eigenart und der Größe der jüdischen Musik aufging, sie entfeffelten Beifallsstürme unter den hingeriffenen und enthufiasmirten Zuhörern. Einzelne Opernsänger, welche im Saale anwesend waren, wetteiferten mit den übrigen Mitgliedern der Gesellschaft in enthusiastischen Beifallskundgebungen und Huldigungen für den genialen Meister. Unter den Anwesenden bemerkte man mehrere Rabbinen, zahlreiche Wiener und fremde Cantoren, Vorstandsmitglieder verschiedener orthodoxer und anderer Bethaus-Bereine. Wien. (Verleihung des Adelsstandes) Der Kaiser hat dem Großindustriellen Ignaz Eisler den Adelsstand mit dem Ehrenworte „Edler" und dem Prädicat „Terramare" verliehen. Wien. . (Neuer Professor.) Se. Majestät der Kaiser hat dem außerordentlichen Professor an der Prager Universität Dr. Victor Schiffner zum außerordentlichen Professor der Botanik an der Universität in Wien ernannt.

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