Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 31 (2.8.1901)
- Date
- 1901-08-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 520 Dr. Bloch's Wo^MsürrtfL «r. »1 Da der cantorale Functionär in jeder israelitischen Cultusgemeinde unentbehrlich ist und da es, besonders durch die in vielen Gemeinden nothwendige Verquickung des cantoralen Amtes mit dem des Religionslehrers, im Jntereffe der Cultusgemeinden liegt, ein durch bestimmten Studiengang für alle Functionen des vielseitigen Amtes möglichst ausgebildetes Material zu beschaffen, wird die Leitung der Organisation beauftragt, mit den Gemeinden und Gemeindeverbänden in Verbindung zu treten, um auf Kosten derselben an den bestehenden Rabbiner- und Lehrer-Seminaren Curse zur Heranbildung von Cantoren zu errichten, deren Absolventen die staatliche Anerkennung als Religionsdiener zu Theil werden soll. Es wird auch die Erwartung ausgesprochen, daß die Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus für den cantoralen Nachwuchs bedeutungsvoll und auch aus die Förderung der socialen und materiellen Lage des gesammten Cantoren-fiandes von wohlthätigem Einfluffe sein werde. Um einen möglichst zahlreichen Anschluß an die Organisation herbeizuführen und die Propagirung dieser Ideen in den weitesten Kreisen der Berufsgenossenschaft und der israelitischen Cultusgemeinden zu fördern, sind aus den Theilnehmern des Cantorentages Vertrauensmänner für die einzelne Bezirke und Länder zu wählen, deren Zahl durch die Leitung der Organisation jederzeit die nöthige Vermehrung erfahren kann. Der „Allgemeine Cantorentag" spricht den Wunsch aus, daß, angeregt durch die am Cantorentage in Wien theilnehmenden Vertreter der deutschen Berufsgenoffenschaft — auch im Deutschen Reiche eine derartige Organisation geschaffen werde, die Hand in Hand mit der in Wien gegründeten Organisation die Förderung der Interessen der gesammten Berufsgenossenschaft verfolge. Um den persönlichen Contact innerhalb der Berufsgenoffenschaft anzuregen und den Austausch der Ideen zu fördern, wird alle 2 Jahre, und zwar jedesmal in einer anderen Stadt, ein allgemeiner Cantorentag einberufen, und ist, um den Besuch leichter zu ermöglichen, zu diesem Behufs auf die Bildung eines Reisefonds Bedacht zu nehmen. Dienstag Früh wurden die Gräber Sulzer's, Goldstein's, Fischer's und Stern's corporativ besucht. Um 12 Uhr Mittags folgten sämmtliche Theilnehmer des Cantorentages einer Einladung des Curatoriums zum Besuche des jüdischen Museums, woselbst Herr Emil Jellinek die Herren namens des Curatoriums begrüßte und eine Begrüßunasdepesche des Präsidenten Baurath Stiaßny übermittelte. „Nur für Menschen!" Herr Redacteur! Unter diesem Schlagworte bringen Sie in der Nummer 30 Ihres geschätzten Blattes eine Notiz nach dem „Jüd. Volksbl.", bei welcher mich nur Ihr Standpunkt befremdet, daß Sie dieselbe als eine recht lehrreiche bezeichnen. Sonst pflegen Sie in Ihrem Urtheile reservirt zu sein, ehe Sie ein solches fällen. Daß Sie diesmal einer einfältigen, reclamesüchtigen Anklage Ihre Spalten öffnen, ist mehr als auffällig. Gestatten Sie mir nun, meine gerechten Bedenken auszusprechen, daß der betreffende Correspondent mit einem wirklichen Freimaurer gesprochen hat; es kann ja mitunter vielleicht geschehen. daß irgend welche Zufälligkeiten Jemandem Aufnahme in den Bund der Freimaurer schaffen, dessen geistiges Niveau nicht sehr hoch ist, — das sind seltene Ausnahmen - daß aber ein solcher Dummkopf Freimaurer ist, der da sagt: „Wir Freimaurer dürfen für Juden nichts thun, nur für Menschen", ist milde bezeichnet, erlogen. Ein solchen Ausspruch kann Ehren- Bergani, Stampiglien-Schneider, oder Syphon-Gregorig machen, — das sind anch Worte, die aus dem Schlamme dieser Herren stammen, — niemals aber ein Freimaurer! Der Freimaurer wirkt für die ganze Menschheit und für ihr Wohlergehen, er kennt keinen confeffionellen Unterschied, und fragt nie nach der Religion des Einzelnen, deren Ausübung Jedermanns eigene Sache ist. Der Freimaurer hilft überall nach seinen Kräften, jedem Bedrückten, und wenn er es nicht thut, dann ist er kein Freimaurer; in seinen Institutionen finden alle Leidenden und Dürftigen Aufnahme, ohne daß sie sich mit einem Glaubensbekenntniß zu legitimiren haben! Das ist der Grundsatz der Freimaurer, nicht aber die läppischen Bemerkungen jener Notiz. Sie selbst sind ja Mitglied des B. B., das auf fteimaurerischer Grundlage — aber confeffionell — in gleichem Geiste wirkt. Die B. B. schließen wohl alle Nichtjuden aus, in Fragen nach der Confeffion — niemals aber die Freimaurer. Hochachtungsvoll Ein wirklicher Freimaurer. Wien. Der Berichterstatter einer Chicagoer Zeitung hatte dieser Tage mit dem Zionistenführer Dr. Herzl eine Unterredung, in welcher dieser erklärte, er beabsichtige binnen Kurzem nach Amerika zu reisen, um dort dem politischen Zionismus neue Anhänger zu gewinnen. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich Dr. Herzl folgendermaßen: „Wer da meint, der türkische Sultan kenne nicht die Einzelheiten unseres Planes, der ist im Jrrthum, Als ich jüngst bei ihm war, erklärte er mir Folgendes: „Es wird mir angenehm sein, wenn ein Theil meines Landes den verfolgten und gedrückten Juden als Zufluchtsstätte dienen wird." „Den Charter, den Schutzbrief" — sagte Dr. Herzl weiter — „werden wir ohne Zweifel bekommen, zuvor müßten wir aber außer dem Gelde, daß sich in unserer Colonialbank befindet, noch 5 Millionen Dollars (ca. 20 Millionen Mark) haben. Wenn wir dann den Charter besitzen und der Versuch der Judenansiedlung in Palästina beginnt, dann werden wir 70 Millionen Dollars, also ca. 285 Millionen Mark benöthigen, und ich hoffe, daß unser Plan gelingen wird." Budapest. (Religiöse Toleranz.) Ein schönes Beispiel religiöser Toleranz bot in dieser Woche die Ortschaft O-Moravicza. Anläßlich des Begräbniffes einer Frau Moriz Holländer hielt, nachdem Rabbiner G o l d f a h n der Verblichenen einen warmen Nachruf gewidmet hatte, der reformirte Seelsorger Victor H e t e s s y eine ergreifende Trauerrede. Am Begräbnisse nahmen Bürger aller Confefsionen theil und sämmtliche Kirchen gl ocken erklangen während der Ceremonie. Prag. Die Volksoorschußcassa versendet nachstehende Semestral-Pilanz: Bilanz-Conlo. Activa: Barbestände K h Cassa. Postsparcassa. . . „ 1106.60 4517.35 Wechsel in Kronen. . K 132742.38 in Mark. . „ 520.05 133262.43 Inventar ........ 1675.23 Vorschüsse auf Effecten . . . 475.- Effecten-Commissiöns-Depot . . 828.— Debitoren.. 1508.64 142266.65 Passiva: Antheile . . . .. Spareinlagen.. 4^2"Zs Zinsen von Antheilen.. . Creditoren .. Reservefond. Gewinn-Vortrag vom Jahre 1900 . . K 160.12 Gewinn per Saldo.. 2873.95 K h 46020.- 87610.09 1223.21 3379.28 1000.- 3034.07 Gewinn- und Verlust-Conto. Soll: Spesen Gehalte.. . K 1638.- Miethe ......... 636.23 Inserate.„ 55.46 Drucksorten.„ 452.19 Diverse.„ 45.80 Porti.. . „ 172.61 Steuern und Gebühren.. Abschreibung vom Inventar .... Gewinn per Saldo. Haben: Zinsen .... Provision . . . Jnformationsspesen Beitrittsgebühren 142266.65 K h 3000.29 140.54 88.15 2873.95 6102.93 L h 2101.83 2081.82 186.28 1733 — 6102.93 Prag, am 30. Juni 1901.