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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-02 · 31 (2.8.1901) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
31 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite £16 Vr. Bloch's Woärrnfchr'rft. Nr. 31 sind die sogenannten Kindertaufen, es muß dies ausdrücklich betont werden, mitinbegriffen. Nur die Taufen von Kindern jüdischer Eltern gleich nach der Geburt werden nicht zu den Üebertritten gezählt. Aber gerade diese Art von Taufen kommt erfahrungsgemäß nur selten vor. Die Sache hat aber noch eine andere Seite. Wie bekannt, fällt seit Anfang des 18. Jahrhunderts fast immer die Hälfte aller Judentaufen in Deutschland auf Berlin. Wenn man annimmt, daß dieses Verhältniß auch heute noch zutrifft — und wir haben leider alle Veranlassung, dies nnzuneymen — so würde die deutsche Judenheit im Jahre 1960 nicht mehr als etwa 306 Seelen verloren haben. Nun sind wir zwar eine winzige Minorität den anderen Religionsbekenntniffeu gegenüber, aber Gott sei Dank doch stark genug, um diesen Verlust nicht nur ertragen zu können, sondern ihn überhaupt nicht zu verspüren, mag uns immerhin mit diesen dreihundert Seelen noch so viel „Intelligenz" und „Capital" verloren gegangen sein. (»Allg. Ztg. d. I.«) Was soll mit den unglücklichen Emigranten aus Rußland und Rumänien geschehen? Das ist gegenwärtig die wichtigste Frage, die die Oeffentllchkeit und vor Allem die großen Organisationen zu beschäftigen hat. Amerika will sie nicht mehr; ui Argentinien bilden sie eine Landplage. Wohin sollen sie nun gehen? Den ganzen Ernst der Situation zeigt uns folgender Bericht aus London: Die United Hebrew Charities von New-Jork hat vor einiger Zeit an den Vorsitzenden des Londoner Board of Guardians ein Schreiben gerichtet des Inhalts, das Board möge doch die Herübersendungen jüdischer Emigranten nach den Vereinigten Staaten einstellen Der Brief wurde in der Monatssitzung des Board vom 8. v. verlesen und hatte da die Wirkung eines Blitzes aus heiterm Himmel gehabt. Wie weit muß es schon gekommen sein, wenn selbst-die vereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsvereine von New-Iork keine Emigranten mehr haben wollen! Wohin sollen die Zebntausende von armen Glaubensgenossen, die jahrein jahraus gezwungen sind, sich eine neue Heimat zu suchen, denn hm, wenn ihnen selbst das gastfreie Amerika seine Thore verschließt? Trotzdem schlug der Vorsitzende des Board, Mr. Leonhard Cohen, vor, den vereinigten New-Uorker Vereinen die Erfüllung ihres seltsamen Wunsches ohneweiters zu versprechen. Der Vorschlag wurde jedoch allseitig bekämpft. Parlamentsmitglied Stuart M. Samuel schlug vor, die vereinigten Vereine um die Namhaftmachung derjenigen mittellosen Emigranten zu ersuchen, die das Board im letzten Jahre nach Amerika hinübergeschickt habe. Die Debatte wurde schließlich vertagt, um dem EmigrationscomitS des Board Gelegenheit zu geben, sich mit der sensationellen Angelegenheit eingehender zu befassen. Ein jüdischer Offieier. Die „Feldpost" vom 9. Juli bringt einen Artikel „Auf dem Friedhöfe zu Kissingen", welchem wir folgende Stelle entnehmen : „Wahrend der christliche Friedhof in Kissingen mehrere kostbare und schöne Denkmäler aufweisen kann, liegt der Friedhof der jüdischen Gemeinde öde und prunklos da. Er befindet sich südlich des Städtchens am Fuße der Bodenlauter Schloßruine, an der Stelle, wo am 10. Juli eine preußische Heeresabtheilung sich heimlich einen Uebergang über die Saale bahnte und, die Unachtsamkeit des Feindes benutzend, die feste Stellung der baierischen Armee umging und dieselbe so zum Welchen brachte. Auf diesem Friedhofe ruht der einzige jüdische Offieier, welcher in jenem Gefecht den Heldentod gestorben ist, der Lieutenant Michaelis. Das Denkmal, welches sem Grab ziert, besteht aus einem mächtigen Felsblock, welcher mit einem Helm gekrönt und von einem Kriegermantel zum Theil eingehüllt wird, und trägt zum Unterschied von den übrigen Grabsteinen folgende deutsche Inschrift: „Jacob Michaelis, Lieutenant im fünfzehnten und fünfundfünfzigsten preußischen Infanterie-Regiment, geboren am 13. Februar 1842 in Nieheim in Westfalen, kämpfte mit Auszeichnung im fchleswigholstein'schen Kriege vor Düppel und Alfen. Er wurde am 10. Juli 1866 tödtlich verwundet, als er nach Einnahme der Stadt Kissingen edelmüthig die Lazarethe vor Feindes- und Freundeswuth schützte. Ehre seinem Andenken! Friede seiner Asche!" Der große Judenfresser Dr. Sigl. Die „Münchener Correspondenz" meldet: Wie in einer Alimentationsklage gegen Dr. Sigl am Sonnabend vor einer Civilkammer des hiesigen Landgerichts constatirt wurde, schwebt gegen diesen ein Meineidsverfahren bei der Staatsanwaltschaft. Die betreffende Verhandlung wurde bis nach den Ferien vertagt. — Herr Dr. Sigl ist ein Leuchte des Antisemitismus mrd fand trotz seiner Preußenfreflerei in den Augen der „Kreuzzeitung" Gnade und aller seiner Sünden Vergebung. Zum Leipziger Bankkrach. Die „Kreuzzeitung" schreibt zu den bisherigen finanziellen Katastrophen in Deutschland: „Wir können .... nur wiederholen, was wir schon so und so oft betont haben: es ist vollständig von der Hand zu weisen, bei derartigen Vorkommnissen, wie sie jüngst in Leipzig, Dresden, Werdau, u. s. w. zu verzeichnen gewesen sind, bei denen gewissenloses, verbrecherisches Handeln über Hunderte, ja Tausende schweres Unheil gebracht hat, die politische St llung der Schuldigen gewissermaßen als straferschwerend ins Feld zu führen. Das große Publicum kehrt sich in der Regel sehr wenig daran, wie „Nam' und Art" dessen ist, bei dem cs hofft, leicht und schnell Geld zu verdienen. Etwas weniger Speculation und Gewinnsucht seitens des großen Publicums dürfte von vorneherein Manipulationen Vorbeugen, die von Anfang an auf die mitunter kaum glaubliche Leichtgläubigkeit des Publicums basirt sind. Andererseits wird die Mahnung aufgefrischt, daß wer Geld anzulegen hat, sich nicht durch die Aussicht auf hohe Dividende fangen, sondern sich mit einem niedrigeren, aber sicheren Zinserträgmß beftiedigen lassen möge. Gute Rentenpapiere haben wir in genügender Auswahl." Diese Ausführungen sind tadellos: — ganz unsere Ansicht. Aber was wäre wohl geschehen, wenn an der Spitze der zusammengebrochenen Banken und Jndustrieunternehmungen überwiegend Juden gestanden hätten? Und natürlich kann es auch unter den Juden Elemente geben, die genau so frivol und moralisch verlumpt sind, wie jene Direktoren und Aufsichtsräthe, die jetzt hinter Schloß und Riegel sitzen. Dann wären jene Gesinnungen, die auch die „Kreuzzeitung" groß zu ziehen und zu vertreten sich angelegen sein läßt, in einer wilden Judenhetze losgebrochen, und die gesammte antisemitisch-conservative Presse hätte es sich sehr wohl angelegen sein lassen, nach „Nam' und Art" zu fragen. Pfarrer Deckert. Von diesem großem Anticorruptionisten und Judenfeind, dem wüthenden „Vorkämpfer gegen das mobile Großkapital", berichtet die „Arbeiterzeitung": Mehr als eine Viertelmillion Kronen hat der bekannte Pfarrer Deckert hinterlaffen, der Verfasser des „Vaterunsers in der Judennoth". Man sieht, die Judennoth war für ihn einträglich. Man bekommt einen Begriff davon, was erst ein herrschender jüdischer Hausirer ins Verdienen bringen muß, wenn ein verfolgter katholischer Priester eine Viertelmillion hinterläßt — das muß in die Milliarden gehen! Aber das hinterlassene Capital selbst ist nicht das Merkwürdigste. Interessant ist, woraus es sich zusammensetzt. Das „Deutsche Volksblatt" gibt folgenden Jnventurausweis: Werthvapiere 240.915 Kronen, Haus 41.010 Kronen, Baarschaft 492 Kronen, Pretiosen 1761 Kronen, Bücher 1000 Kronen, zusammen 285.178 Kronen. Mehr als 84 Percent des hinterlassenen Vermögens besteht aus Werthpapieren! Nicht Distel und Dornen also trägt die Arbeit im „Weingarten des Herrn", auf den Weinstöcken reifen — Actien und Schuldverschreibungen, und der über die jüdischen Ausbeuter zeternde Pfarrherr schneidet mit der Weinscheere viermal des Jahres Coupons ab! Welcher Ernst wohnt den Leuten inne, welche gegen das mobile Großkapital wettern und ihre Schränke mit demselben mobilen Großkapital füllen? Aktien und Schuldverschreibungen kauft man bekanntlich nicht auf dem Grünz-ugmarkt, sondern an der Börse. Hinter, dem Börsianer, der den Kaftan abgelegt hat, um auf der Börse zu kaufen und verkaufen, taucht da plötzlich der Gottesmann auf, der den alten Kaftan unter dem modernen Namen Kutte als Ehrenkleid trägt, und dem Börsenmann Aufträge gibt, zu kaufen und zu verkaufen. Wahrscheinlich hat irgend einer aus Kolomea den Pfarrer von Weinhaus bei einer „Transaktion" vor Jahren tüchtig hineingelegt unv ihn veranlaßt, seinen Aerger aus der Kanzel und durch das „Vaterunser in der Judennoth" Luft zu machen. Diese 240.915 Kronen mobilen Großkapitals beweisen, daß in dem Heldenstreit zwische Kutte und Kaftan die Kutte siegreich geblieben ist. Schade, daß es Deckert nicht früher eingefallen ist, durch eine weitere Transaktion seine Wertpapiere zu verkaufen und den Erlös in Häusern oder Grundstücken anzulegen. Dann wäre der Mann aus einem Vertreter des internationalen mobilen Großkapitals in einen Vertreter des ehrlichen Haus- und Grundbesitzes verwandelt. Arische Justiz. Aufsehen macht in Gurahomora ein in Suczawa gefälltes Berufungsurtheil. Eine Frau Samarkiewicz geht mit ihrem Köter auf den Markt. Der Hund ohne Maulkorb schnappt nach einem

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