Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-26 · 30 (26.7.1901) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
30 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021416--11037-3035551
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

i^Nr. 30 Dr. Bloch's WwLlrnfchriN. Seite 509 die angesehenen Wiener Kaufleute, respective Fabrikanten Nathan Schern und Richard Schütter. Eilte Schwester der Verstorbenen ist die Gattin des Hofrathes S. Rttter v. Hahn. Das Letchenbegängniß gestaltete sich zu einer imposanten Traueruno Betteldskundgebung und nach vleteu Hunderten zähten die Coudolenzen, die den Hinterhtiebenen aus allen Kreisen zugekommen sind. Friede oer Asche der Verblichenen, Eyre iyrem Andenken! Mistelbach. Zum sechsten Male wurde der Gründer und gegenwärtige Cuuusoorsteyer unserer Gemeinde, Herr Ludwig Avetes, zum Vertreter des israelitischen Religionsunterrichtes ln den Bezirksfchulraty Mistelbach als Mitglied ernannt. Herr Abeles, welcher es von jeher verstand, durch sein biederes aber energisches Auftreten sich die Achtung aller Mitbürger trotz der hochgeyenden Fturhen des Antisemitismus zu erringen und auch zu erhalten, faßte stets seine Ausgabe ais Vertreter Der Juden voll und ganz auf. Seiner zielbewuglen unv ausoauerndeii Vertretung ist es zu danken, daß seinerzeit über seine Anregung im Bezirksschulcathe die Errichtung von Religionsstalivnen vewilligt und vom Bezlrksschulsoud remuilerirr wurden, so daß unserer Gemeinde ein Tyeu der fast unerschwinglicheil Kosten des Religionsunterrichtes avgenommen wurde. Neubidfchow. (Eine B r a n d k a t a st r o p h e.) Aus Neubivschow wlrv uns gemeldet: Gestern RachmUtags brach un hiesigen Juoenvierlel cm Feuer aus, das fürlsundzwuuzlg Hauser sammr den Havseligkeileu oer Bewohner vermchlele. Die Enrsteyungsursache ist noch unbekannt. Ungefähr fünfzig Arbeuersamilien sind oboachlos nno würben m schulen unv Gasthausern untergevrachl. Eine Hilfsaction wurde eiiigelettet. E. ß. Prag. (Verlobung.) Fräulein Tvlli S o b o t k a, Tochter des Grotzinouftriellen und geweseilen Abgeordneren Herrn Jvses S o v o t k a tu Prag, har sich mit Herrn MUÜr. Richard Schick in Prag verlobt. Sambor. An der von der hohen k. k. Statthalterei consessionirten zweiclassigen'Handelsschule des S. Weinberg in Sambor (Galizien), sand Sonntag den 7. Juli a. c. die Abgangsprüfung der Zöglinge des zweuen Jahrganges dieser Schule statt. Zahlreiche Gäste, den höchsten Kreisen angeyörend, darunter die Herren: Odercommtssar der Bezirkshauptmannschaft Dr. Zygmund Leuczewskl, Gymnaftaloirector Dr. F. Tomaszewskl, Director der Lehrerdttdungsansratt Herr Krotochwila, die Herren Gymnasiaiprofessoren Berger uiid Mandel, der Bicebürgermeister und Eultuspräsident Landesadvocat Herr Dr. Josef Steuermann, ferner Landesadvocat Herr Dr. Josef Serrackl und noch viele andere Herren Beamten und Kausieute waren anwesend und nahmen regen Antheil an den exakten Antworten sänimtlicher geprüfter Schüler. Die Anwesenden waren voll des größten Lobes über die Leistungen der Schüler im Wechselunv Handelsrecht, Buchhaltung, Korrespondenz, Eomptoirarbetten, Geographie uud Waarenkunde. Besonders gefielen die von den Schülern ausgestellten kalligraphischen Arbeiten. Man sah ^es den sicheren und treffenden Antworten der Schüler an, daß der Director und die acht Lehrer der Anstalt sich redlich Mühe gegeben haben, die jungen LeMe zu einem intelligenten und tüchtig ausgebildelen kaufmännischen Nachwuchs heranzuvilden. Am Schlüsse der drei Stunden bauernden Prüfung hielten die Schüler Ehaim Bänder aus Drohobycz und Withetm Sußmann aus Laka — ersterer m polnischer, letzterer in deutscher Sprache — formvollendete Avschiedsreoen, durch dte sie dem Director und Lehrkörper für deren uneigennützige und gewissenhafte Arbeit dankten und versprachen als Pionniere des Handels nicht allein dieier Schule, sondern besonders der jüdischen Kaufmannschaft Galiziens Ehre zu machen. Gymnasialdirector Herr Dr. F. Lomaszewski anerkannle in einer gediegenen Rede die Leistungen der Schule und zu den Absolventen gewendet forderte er dieselven auf, als Jünger des Handels, nnd Schüler einer galizifchen Handelsschule zu zeigen, daß Bildung und commercielles Wissen auch in Galizien zu erlangen sei, wobei er die Absolventen aufforberle, nach jeder Richtung hin den ihnen ertheilten Lehren und als künftige Kaufleute dem jüdischen Handelsstande Galiziens Ehre zu machen. Nach Bertyeilung der Zeugnisse verließen die Gäste, vom Gesehenen und Gehörten höchst zufrieden, die Schule. Kattowitz. In unserer neuen Synagoge, die durch ihre Pracht mit Recht zu den schönsten Gotteshäusern Deutschlands gezählt wird, ist die Obercantorstelle nach langer Pause wieder besetzt worben. Der junge Cantor Simon Singer, ein Sohn des allverehrten Wiener Obercantors, wurde am 3. Sabbath der Sephirah zum Probevortrage berufen und hatte durch seine phänomenale Stimme, wie durch seinen Bortrag einen derartigen Erfolg, daß er am Samstag Abends in außerordentlicher Sitzung einstimmig gewählt wurde; über Einladung des Vorstandes fungirte Herr Singer unter allgemein großer Anerkennung bereits am Wochenfeste und tritt somit am 1. August die Stelle hier an. Feuilleton. Der Unessane tokef. Novelle von Babetta Fried in Prag. IX. Der alte Schnorrer. Wieder saß Cheile allein in der großen Stube der Schlafstatt. War der Wandertrieb bei den armen Juden erloschen? Hatten sich deren Verhältnisse so weit gebessert, daß sie t^rcn Lebensunterhalt in oer Heimat fanden, entweder durch Arbeit aufvrachten oder daselbst erbettelten? Oder war der berühmte jüdische Wohlthätigkettssinn und die an orientalische Gebräuche mahnende Gastfreundschaft in der Neuselder Gemeinde verschwunden, ,o daß es sich den Schnorrer» nicht verlohnte, daselbst wie früher vorzusprechen? Das ist unentschieden! Thatsache aber ist es, datz die Schlafstatt in Neufeld jetzt sehr schwach besucht war; nur hie und da traf ein wandernder Handwerksvurfcye, ein alter Schnorrer ein, Weiber nur höchst selten, ganze Familien fast niemals. Wenn Frau Cheile nicht in besseren Jahren einige Ersparnisse zurückgelegt hätte und obendrein von manchen vermögenden Frauen auf schonende Weise unterstützt worden wäre — von dem Ertrage der Schlafstatt hätte sie jetzt nicht leben hätte davon kaum ihren Bedarf an Beleuchtungs und Beyeizungsmaterial erschwingen können. Und eine warme Stube mutzte Cheile haben, daran hatte sie sich die Jahre her gewöhnt. Mumienhaft zusammengeschrumpft, wie die sonst stailiiche Fcau jetzt war, mußte sie recht viele Wärme von Außen ihrem blutleeren Körper zusühren. So saß sie auch heute in die großen Stube in oer Näye des großen braunen Kachelofens i i oesseu Royre es zischte und brodelte, da das Scholet1) für den morgigen Sabbaty feiner Vollendung entgegenreifte. Cheile saß müde bei dem Ofen, die Hände in den Schoß gelegt, und bekämpfte mühsam den sie überwälugenden Schlummer. Da pochte es an oer Thüre, und als dieselbe geöffnet wurde, kam ein liebliches, etwa 16jährtges Mädchen m die Stube. Dasselbe war von bezaubernoem Liebreiz. Nicht sehr groß, war ihre noch nicht vollends entwickelte Figur so schmiegsam und biegsam, als sei sie aus Gummi verfertigt. Auf einem weißen Harfe ruht ein Köpfchen von solchem Ebenmaße, daß es einen« Maler ooer Bildhauer zum Modell hätte bienen können. Das schwarze krause Haar ueß sich nur widerwillig in regelrechie Zöpfe flechten und einzelne rebellische Löckchen fielen über die lveitze graue Stirne herab und gaben dem ganzen Gesichte einen gar neckischen Ausdruck. Die lachenden Augen unter den schöageschwungenen Brauen waren von einem so intensiven Blau, wie es sonst nur bei Blondinen vorzukommen pflegt. CheUes Gesicht nahm beim Anblick des schönen Mädchens eine freundliche, ja fast glückstrahlende Miene an. „Willkommen, Flora! Wie kommst Du daher am Freitag Vormittag?" „Ich war, wie ich es jeden Freitag Früh thue, draußen am guleti Ort, um am Grabe der Mutter Menuohe neehoen-) zu fugen. Die Frau Rosenberg erlaubt es mir. Als ich nach Hause kam, sagte die Frau zu mir: „Flora, leg' den Mantel nicht ab uiid geh' gleich zur Tante, und bring ihr ein Stück voll oer Dorte zum Kosten, die wir gestern gemacht haben." Und die Köchin gab mir auch ein Stückl Zunge mit polnischer Sauce, die sie zum Nachtmahl für heute bereuet hat, weil Sie das so gerne essen." „Das wohl, mein Kind! Wie aber darfst Du von der Köchin etwas für mich annehmen? Was würde die Frau Rosenoerg sagen, wenn sie oas wüßte? „Der wäre es auch recht", meinte Flora, „sie hält ja große Stücke aus Sie, liebe Tante! Aber sie braucht es ttotzdeu« nicht zu wissen, denn die Köchin hat mir nur meine eigene Portton gegeben. Wissen Sie. ich esse das nicht gerne! Dies Letztere wenigstens war eine Lüge; denn Flora aß ganz gerne Rindszunge mit polnischer Sauce, sie verzichtete abec freiwillig auf diesen Genuß, weil sie wußte, daß es die Lieblingsspeise der Tcuite ist, welche sie sich jedoch aus Eigenem nicht bieten konnte. „Also vergelts Gott, Floraleben! Ich laß der Frau Rosenberg danken und der Köchin auch. Sag' Ihr, daß sie fein kochen kann, es schmeckt Alles gut von ihr. Sie soll mich morgen Nachmittag besuchen, ich werde ihr mit Brotäpfeln und Putschalky') ') Das für Sabbath vorbereitete Gemüse. *) Das Gebet für Rühe. 3) Hart gesottene Erbsen mtt Salz und Pfeffer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.