Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 30 (26.7.1901)
- Date
- 1901-07-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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S«te 608 Br» Blockes Wvchrnft^rM Nr. 30 Trades die Anfrage, ob es ihm bekannt sei, daß im letzten Jahre die fremde Bevölkerung Englands um 14.000 zugenommen habe, daß in diesem Jahre die Zahl der Rumänen um 800, der Italiener um 30 und der Russen und Polen um 25 Percent gewachsen ist. Ob ihm ferner die Thatsache bekannt sei, daß 19.535 von diesen Fremden in einer solchen Verfassung waren, daß sie vom jüdischen Board ok guardians und von den Vereinigten ComitöS für russische Juden, und 2015, darunter 1100 Russen und Polen, von der Londoner Armencommission unterstützt werden mußten? Gedenkt die Regierung Sr. Majestät in Anbetracht der unter der eigenen armen Bevölkerung in Süd- und Ost- London herrschenden Wohnungsnoth sich mit der Materie zu befaßen? Mr. Gerald Balfour: die im ersten Theil der Anfrage angegebene Zahl ist annähernd richtig, obgleich es durchaus unbewiesen ist. daß alle die Fremden sich in London niedergelasien haben. Die zweite Ziffer (19.535) bezeichnet die Zahl aller im Laufe des Jahres unterstützten Personen, fremder sowohl wie einheimischer. Die Zahl der Frewden, welche im Jahre 1900 in ganz England Unterstützung empfangen haben, überstieg nicht 4000. In London betrug diese 2015, die Hälfte von diesen Leuten haben jedoch ärztliche Hilfe erhalten. Dann waren sehr viele unter den Unterstützten, die bereits seit vielen Jahren in England leben. Ich bin in Bezug auf gesetzliche Maßregeln nicht in der Lage, irgend welche Zusagen zu machen. New-Pork. (Segen der Auswanderung.) Die in New-Iork ansässigen Juden aus Elisabethgrad haben auf die Nachricht von der in Südrußland herrschenden Hungersnoth unter sich eine Colleete veranstaltet, welcke den Betrag von 1000 Rubel ergeben, hat. Das Geld wurde von den ehemaligen Elisabethgradern dem Kronrabbiner ihrer früheren Gemeinde, dem Ingenieur Temkin, zur Verfügung gestellt. Immer von Neuem stellt es sich heraus, welcher enorme Segen durch die Förderung des Emigrattonswesens gestiftet wird. Die großen Summen, welche 1890/91 für die Auswanderung russischer Juden nach Amerika verausgabt wurden, waren kein Almosen, sondern eine vorzügliche Capitalsanlage gewesen, welche jetzt dem gesammten Judenthum reichliche Zinsen trägt. Wie». (C a n t o r e n t a g.) Montag den 29. und Dienstag den 30. d. M. findet in Wien ein vom „Oesterr.-Ungar. Cantorenverein" einberufener allgemeiner Cantorentag statt, zu welchem bereits viele Anmeldungen aus Oesterreich-Ungarn und dem Auslande vorliegen. Versammlungsort: Religionsschule der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenslettengasse 4, 2. Stock. Wien. (Auszeichnung.) Der durch sein verdienstvolles philanthropisches Wirken bekannte Armenrath im II. Bezirke. Herr Josef P o! l a k, Chef der Firma Pollak & Neuron, ist vom Fürsten von Bulgarien durch die Verheihung des Civil-Verdienstordens ausgezeichnet worden. Wien. (Trauung.) Sonntag den 4. August um halb 3 Uhr Nachmittags findet im Tempel der Seitenstettengasie die Trauung des Fräulein Elsa Steiner, Tochter des Cultusvertreters Herrn Dr. Maximilian Stein er, mit Herrn Martin B urchardt aus Berlin statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 28. Juli um 1/22 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel I., Seitenstettengasie, die Trauung des Fräulein Irma Grünwald, Tochter des Herrn Ignaz Grünwald, Promristen der Firma M. & I. Mandl in Wien, mit Herrn Albert Quittner statt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 28. Juli l. I. findet die Trauung des Fräulein Louise Kohn, Tochter der Frau Charlotte Kohn, mit Herrn MUDr. Gustav Götzl statt. Wien. (Bar-Mizwahfeier.) Am verflossenen Samstag fand im Leopoldstädter Tempel die Confirmation des Gymnasiasten Kurt B a ch r i ch, eines Sohnes des in der hiesigen Gemeinde hochangesehenen Herrn Adolf Bachrich. Mitchefs der bekannten Firma Adolf und Eduard Bachrich, in feierlicher Weise bei Anwesenheit eines überaus zahlreichen Auditoriums 1*1 att. Nachdem Herr Obercantor G u t t m a n n mit herrlicher Sttmme das M-Zedeberaeli vorgetragen, richtete der Religionslehrer der hiesigen Cultusgemeinde. Herr Wilhelm B r e u e r, an den Confirmanden eine geistreiche Ansprache, in welcher er denselben u. A. auf die wichtigste Pflicht aufmerksam machte, die heutzutage ein Israelit zu erfüllen habe. Herrn Bachrich kamen anläßlich dieses Festes aus den besten Kreisen der hiesigen Gesellschaft zahlreiche Glückwünsche zu. Wien. (Isaak Mautner.) Sonntag den 21. d. M. ist in Nachod Herr Isaak Mautner, Inhaber der Textilfirma Isaak Mautner u. Sohn, im 78. Lebensjahre verstorben. Der Verblichene war einer der hervorragendsten Industriellen der Textilbranche. Fast sämmtliche Zweige der 2>xtil-Jnduftrie, die Baumwoll-, Leinen-, Seiden-, Halbwoll- und Schafwollwaaren- Weberei, die Färberei und Bleiche, sowie die Appretur wurden in den Fabriken des Unternehmens betrieben. Der Verstorbene ist der Begründer der Firma, die im Jahre 1848 durch Errichtung einer Fabrik in Nachod ins Leben gerufen wurde. Im Nachoder Etablissement wurden Anfangs Baumwolle und Leinen auf Han^stühlen gewoben und Waaren aus Baumwolle und Leinengarnen in rohem und auch gebleichtem Zustande verarbeitet. Durch Herrn Mautner wurde in Nachod die Baumwollweberei überhaupt eingeführt. Er errichtete daselbst später — im Jahre 1857 — auch eine kleine Appreturanstatt, zu welcher im Jahre 1863 die erste Garnfärberei und Bleiche trat, die allmälig eine bedeutende Ausdehnung gewann. Damals wurde auch mit der Erzeugung buntgewebter und gefärbter Waaren aus Baumwolle und Leinengarnen begonnen. Im Jahre 1867 wurde die Erzeugung bunter Waaren bedeutend erweitert; zu jener Zeit trat auch der spätere Mit-Cbef. Isidor Mautner, in das Unternehmen ein. Im Jahre 1868 erbaute die Firma ihre erste mechanische Weberei in Schumburg bei Tannwald in Böhmen, die zu Beginn mit 114 Webstühlen betrieben und allmälig auf mehr als 1100 Stühle vergrößert wurde. Zwölf Jahre später ließ Herr Mautner in Nachod gleichfalls eine mechanische Weberei erbauen. Im Jahre 1893 erfolgte die Umwandlung der der Firma gehörigen Holzschleiferei in Trattenbach in Niederösterreich in eine mechanische Weberei. Man kann die Zahl der Webstühle der Firma in ihren österreichischen Fabriken auf mehr als 2000 schätzen. Das Eentral-Bureau befindet sich in Wien, Niederlagen bestehen in Prag. Budapest und Triest. Der Mit-Chef Herr Isidor Mautner schuf im Vereine mit feinen Schwägern im Jahre 1881 die Nachoder Baumwollspinnerei Wärndorfer, Benedikt, Mautner, die sich durch Ankauf der Günselsdorfer Spinnerei zu einem der größten Unternehmen Oesterreichs entwickelte. Herr Isaak Mautner war Ritter des Franz Joseph- Ordens, Besitzer des goldenen Berdienstkreuzes mit der Krone und Ehrenbürger von Schumburg. Wien. An den jüngsten drei Sabbathen fungirte der gottbegnadete und bestbekannte Cantor Baruch S ch o r r aus Lemberg im Betlocale „Mikdasch meat“, das die Zahl der Besucher, namentlich das letzte Mal, kaum fassen konnte. Bon den hiesigen Collegen des Nestors und Meisters der Chasanim erschienen I. Cantor Fuchs, Schiller, Pekarnik und viele Andere. Es ist nicht so sehr die kraftvolle Stimme, die uns zur Bewunderung dieses seltenen Mannes hinreißt, — der bereits die biblische Altersgrenze überschritt, als vielmehr die innige verständnißvolle Diction, die im hohen Grade geeignet ist, religiöse Empfindungen auszulösen und uns durch den schwungvollen Vortrag zu begeistern, wie der glänzende Compositeur jede einzelne Partie beherrscht und den Gesammtchor, ein Männerquartett und zwei wunderbare Sopranstimmen dirigirt, so daß man unwillkürlich an die herrlichen Levitenchöre im Beth-Hamidrasch gemahnt wird. Zu den hohen Feiertagen sollte Herrn Schorr hier zur Function Gelegenheit geboten werden. Wien. (Todesfall.) In der vergangenen Woche ist hier nach langem, schweren Leiden Frau Auguste Kuffler, geb. Aufricht, im 53. Lebensjahre gestorben. Die Verblichene, die Gattin des allgemein geachteten Kaufmannes Herrn Leopold Kuffler, war eine durch besondere Gaben des Geistes und des Herzens ausgezeichnete Dame, und die Nachricht von ihrem Hinscheiden hat in den weitesten Kreisen die lebhafteste Theilnahme geweckt. Frau Auguste Kuffler war eine tiefreligiöse Natur und hatte stets eine offene Hand für die Armen und Bedrückten. An der Bahre der trefflichen, leider viel zu früh verschiedenen Frau trauern nebst dem tiefgebeugten Gatten, drei Töchter und vier Söhne, sowie der große Freundeskreis des Hauses Kuffler. Einer der Schwiegersöhne ist der Redakteur des „Fremden-Blatt", Regierungsrath Wilhelm Neumann, die beiden anderen sind