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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-26 · 30 (26.7.1901) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
30 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 504 Vr. Bloch's WochenMMkL Nr. 80 dienst, den wir hier wahrnehmen, so sehr konnte sich Kaufmann von den entferntesten Gegenden seine Nachrichten und Daten verschaffen. Wollte ich all' die Verbindungen aufzählen, die Kaufmann für seine literarischen Arbeiten unterhielt, so müßte ich mit wenigen Ausnahmen die Namen all' jener Männer nennen, die sich in dem letzten halben Jahrhundert als die berufensten und eifrigsten Pfleger der jüdischen Wissenschaft bekundeten. Mit vielen dieser Männer stand Kaufmann in herzlichen persönlichen Beziehungen, mit anderen verband ihn jahrelange, erst durch den Tod unterbrochene, innige und selbstlose Freundschaft. Mehr als ich es zu thun vermöchte, wird diese Seite im Leben Kaufmann's durch die ungemein zahlreichen Briefe beleuchtet werden, die sich in seinem Nachlasse vorfinden, und mit deren für den Druck vorgenommenen Ordnung bereits begonnen wurde. Durch seine Vermögensumstände war Kaufmann in die Lage gesetzt, in einer Weise ein Mäcenenthum zu üben, wie sie einem jüdischen Gelehrten nur selten beschieden ist. Ungeheuere Summen gab er für theuere Bücher und seltene Manuscripte aus, so daß er sich eine Privatbibliothek anlegte, die selten ihres gleichen hat. Sein Arbeitszimmer war ihm Heiligthum und Schatzkammer zugleich; hier hatte er sich nicht blos dem Dienste der jüdischen Wissenschaft geweiht, sondern sich auch mit den Schätzen dieser Wissenschaft umgeben. Wie es von dem Typus des jüdischen Mäcenenthums, von Zebulun. heißt, daß er Schätze vom Meeresgründe hervorholte (Deut. XXXlll, 19), so war es auch Kaufmann gelungen, Schätze von unter dem Sande und von Jenseits des Meeres sich anzuschaffen. Er verschaffte sich Marco M o r t a r a's Bibliothek, und so hatte er besonders italienische und spanische alte Drucke zur Verfügung, die in dieser Menge selten im Privatbesitze zu finden sind. Für die Geschichte der jüdischen Kunst, die von Kaufmann bearbeitet wurde, lieferten ihm seine eigenen Manuscripte das beste Material, denn gar herrliche Illustrationen enthielten seine Gebetbücher und Naelizorim, seine Haggadas und Estherrollen. Ihn umwehte aus diesen Schriften nicht blos der Geist der alten Autoren, sondern oft sah er auch die Schristzüge ihrer leiblichen Hand^ aus den Autographien, die er sich zu verschaffen wußte. Diese Zeugen der Vergangenheit blieben bei. Kaufmann nicht stumm; er entlockte ihnen einen wunderbare Sprache, und sie sprachen ihm von. alter Herrlichkeit in Israel, von Kunst- und Schönheitssinn in ärmlichen Behausungen unter Druck und Jammer, wo man eine solche Aeußerrung des ewig Schönen im Menschen gar nicht vermuthet hätte; sie erzählten ihm von großen Personen, von heroischen Gestalten im Judenthum, von ihren Kämpfen, von ihren Leiden, von ihrer Frömmigkeit, von ihrer Gottesfurcht, von ihrer erstaunlichen Gelehrsamkeit; hier hatte Kaufmann die handgreiflichen Beweise von der Verknüpfung des jüdischen Wiffens mit dem allgemein menschlichen Wissen, von dem Antheil, den das Judenthum an der Entwicklung der Menschheit hat. Diese Wahrheiten verkündete Kaufmann in alle Welt hinaus; seine zahlreichen Aufsätze in den verschiedensten Zeitschriften und seine selbstständigen Werke sagen es zur Genüge.') Wie Alles in Kaufmann's Leben, hatten auch seine Reisen einen wissenschaftlichen Zweck. Außer der bereits erwähnten Reise nach Italien im Jahre 1877 ist seine Reise zur Weltausstellung in Paris 1878 bemerkenswerth; er hatte einen überaus herzlichen Empfang beim gewesenen Minister Adolf Cr6mieux und schloß mit Isidor Loeb, dem dereinstigen Redacteur der „Revue des Etudes Juives", innige Freundschaft.2) Damals legte er sich auch Notizen aus den handschriftlichen Schätzen des MusSe Nationale an. Sein Sommeraufenthalt in Scheveningen3 4) (1887) in der Nähe des Haags, trug ihm die werthvollen Daten ein über Barthold Dowe B u r m a n i a, dem Gesandten der Niederlande in Wien, dessen Bemühungen für die Juden anläßlich der ihnen unter Maria Theresia drohenden Austreibung aus Böh ren und Mähren, er in der Jubelschrift zu Professor Graetz' 70. Geburtstage beschrieb. Seine Reisen, die er in den Sommerferien zu machen pflegte, waren überhaupt nie ganz der Erholung gewidmet, sondern dienten ihm auch dazu, in Gemeindearchiven, ') Ich habe mir ein Verzeichniß der von Kaufmann als sein Besitz angegebenen Manuscripte angelegt und habe deren etliche fünfzig gezählt. -) Mittüeilungen seines Bruders I. Kaufmann. Hier erwähne ich auch seine Freundschaft mit dem verstorbenen Dr. Josef Perles in München; s. Kaufmann in Nahmer's Jüd. Literaturblatt XXII', 67. s) Kaufmann erwähnt diesen Aufenthalt in der Vorrede zu Hellcr's Melodien pag. XVIII. in Friedhöfen und Memorbüchern zu forschen. Auf solchen Reisen geschah es, daß er mit hervorragenden Männern des Judenthums, mit A. E p st e i n, mit Dr. M. Güdeman n, mit Dr. I. Parges, Dr. G. Karpeles und Anderen zusammentraf und mit ihnen über jüdische Angelegenheiten einen Gedankenaustausch pflegte. Ersprießlich erwies sich ihm auch seine Verbindung mit Herrn Julius Goldschmidt, Vorsteher und Kaufmann in Worms, der ihm fortwährend die Schätze des Wormser Gemeindearchivs und Abklatsche von dortigen Grabsteinen zur Verfügung stellte. *) Aber auch ohne persönliche Bekanntschaft konnte er in den großen Bibliotheken ein ganzes Heer von strebsamen Menschen seinen Zwecken dienstbar machen, indem sie gegen reichliche Bezahlung und treffliche Anleitung sich willig den gewünschten Arbeiten Hingaben. Hierin liegt der Schlüssel des fast geheimnißartigen Erfolges von Kaufmann's Thätigkeit; es waren ihm Mittel und Wege zugänglich und bekannt, wie sie sich nur ein Mann verschaffen konnte, der durch seine Leutseligkeit und seinen persönlichen Zauber, wie nicht minder durch die Fähigkeit der Gegenleistung den Diensteifer anderer Menschen sich zu sichern wußte. Der Besitz an eigenen Handschriften, die er sich vorzugsweise durch Adelmann in Jerusalem erwarb, hätte für die Thätigkeit Kaufmann's bei Weitem nicht genügt, wenn nicht auch Andere ihm ihre Schätze anvertraut hätten, wie denn selbst die reichsten Geldopfer nicht zum Ziele geführt hätten, wenn sie nicht mit Freundlichkeit und großem persönlichen Zauber gepaart gewesen wären. Marco Mortara's schätzbare Bibliothek in Mantua hatte Kaufmann erst gegen Ende seines Lebens, 1895, angekauft; wie schwer das ging, wissen wir aus Kaufmann's eigener Aufzeichnung. Wo es galt, jüdische Zwecke zu fördern, war Kaufmann mit seinen reichen Geldmitteln gleich dabei. Nur wenige solcher Fälle, in denen wir Kaufmann als Wohlthäter erkennen können, vermag ich anzuführen; denn wer könnte die Bethätigungen eines hochsinnigen Herzens belauschen?^) Die meisten solcher Bethätigungen gelangen ja gar nicht an die Oeffentlichkeit, auch haben sie für die Oeffentlichkeit kein Interesse. Der Alliance lsra6lite Universelle gehörte er als ständiges Mitglied an; in der Pester Filiale der Alliance gehörte er zum leitenden Comit«. Er gehörte ferner zum leitenden Counts der Zunz-Stistung in Berlin, und. wahrscheinlich rührt es daher; daß er mitdem verdienstvollen Leiter dieser Stiftung, dem Sanitätsrath Doctor S. Neumann in Berlin, innig befreundet war. Kaum hatte Dr. A. B e r l i n e r in Berlin die Idee angeregt, daß der Nelcize-Nirdarniin-Berein, der sich die Herausgabe alter jüdischer Werke zur Aufgabe gemacht hat, von Neuem begründet werden möchte, hatte schon die Idee bei unserem Kaufmann gezündet, und er verfaßte einen vom 10. August 1884, dem 90. Geburtstage des Dr. L. Zunz, datirten schwungvollen und begeisterten Aufruf, der auch in der That zur Wiederbelebung des Vereines führte. Bis zu seinem Tode blieb er nun im Leitungscömits dieses Vereines, mit dessen Vorsitzenden, Herrn Dr. A. Berliner, er eine innige Freundschaft hielt. Einige der Editionen dieses Vereines tragen seinen Namen, andere enthalten von ihm Beiträge^), fast alle aber tragen die Spuren seines großen Geistes und seiner geübten Hand. Besonders hielt er darauf, daß jedes Jahr ein Sammelband von kleineren Schriften herausgegeben werde?) In der Reihe der Editionen dieses Vereines erschien von Kaufmann edirt: Minchath Kenaoth von Jechiel ben Samuel Pisa (Berlin 1898). Zum Andenken an seinen Lehrer und Gönner Dr. David R o s i n stiftete er für das Breslauer Seminar ein Legat von 4000 Kronen behufs Preisausschreibungen über ein wissenschaftliches Thema?) Reichlich unterstützte er sämmtliche gemeinnützige Institutionen seiner Vaterstadt Kojetein; anläßlich des siebzigjährigen Geburtstages seines Vaters (1892) schenkte er der Synagoge einen herrlichen ') Vgl. die Vorrede zu Ja'ir Chajjim Bacharach. 2) Vgl. die von Kaufmann in seinem Bacharach p. 116 publicirte Grabschrist des Jacob Kam: v'X->i vb ö'Wsk1? jnriv nip^an nie erfuhr man Etwas von den Almosen, die er den Armen gab. s) Beiträge in pp I, II, VI (ppö p 'N rroK> VII (Dpl& 2-QV2 p"p), zu d’-tid nbjü ed. Baumgarten, Berlin 1895. 4) Nach Mittheilungen Dr. A. Berliner's. b) Programm des Breslauer Seminars vom Jahre 1895 S. II. Ueber David Rosin schrieb Kaufmann in Rahmer's Jüdisches Literaturblatt XXII, 87. — Wie innig das Verhältniß Kaufmann's zu Rosin war, zeigt die schöne hebräische Widmung, in deren Begleitung Rosin sein Werk „Samuel.ben Meir" den 4. Juni 1882 zu Kaufmann's Geburtstag einsandte.

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