Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-26 · 30 (26.7.1901) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
30 (26.7.1901)
Date
1901-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021416--11029-3035543
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 80 Br. Oloch's Wochenschrift« Seite 501 1800 mit Karolina Stern, Tochter des Weinhändlers Samnel Heyum Stern. 4. Nathan Mayer zu London, 1777—1836, verheiratet mit Hama Cohen. 5. Jsabella, 1781 1861, getraut 1802 mit dem hiesigen Handelsmann Bernhard Juda Sichel. 6. Babette, 1784—1869, getraut 1808 mit dem Frankfurter Bankier Sigmund Leopold Beifus. 7. Calmann gen. Karl Mayer, später zu Neapel. 1788—1855, getraut 1818 mit Adelheid Herz aus Hamburg. 8. Julie, 1789—1815, getraut 1811 mit dem Bankier Mayer Levin Beifus. 9. Henriette, geboren 1791. 10. Jakob gen. James zu Paris, 1701-1868, getraut 1824 mit seiner Nichte Betty Freiin v. Rotschild. auf einen Esel und sagte den Leuten, er werde ihn nun in die genannte Anstalt bringen. So reiste er mit dem Vater ab. Im Walde ließ er ihn absteigen, um den mitgenommenen Imbiß zu verehren. Er berauschte den Alten, vergiftete ihn, stach ihm die Augen aus, um ihn unkenntlich zu machen, zerschmetterte ihm den Schädel mit einem Stein und warf die Leiche in die Schlucht. Einige Wochen später sagte er unter zahlreichen Thränen im Dorfe, sein Vater sei in der Irrenanstalt gestorben, und er hielt für dessen Seelenruhe ein Todtenamt ab. Kein einziger Mildernder Umstand konnte vom Vertheidiger vorgebracht werden. Goethe, die Juden und Chamberlain, nicht der englische Minister, sondern der Versasser des ebenso viel gerühmten als gern gekauften Buches „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" — mit diesen drei Parteien uns zu beschäftigen, schreibt Eugen Kalkschmidt in der von ihm redigirten Wochenschrift „Deutsche Heimath" (Heft 41), werden wir durch einen offenen Brief Chamberlain's in der „Tägl. Rundschau" veranlaßt, in dem der „geistvolle Vertreter des germanischen Culturideals" — als welcher Chamberlain in nationalen Kreisen gilt — sich darüber des Breiteren ausläßt, ob die Rumänen den Juden gewichtige bürgerliche Rechte zugestehen sollen oder nicht. Seine Antwort als solche wollen wir unerörtert lassen, sondern nur feststellen, daß Chamberlain u. A. auch Goethe citirt, und zwar für seine, Chamberlain's Zwecke entstellt citirt hat. Die betreffende Stelle lautet: bei Chamberlain: „. . . die Juden besitzen viele achtenswerthe Eigenschaften; ich habe seit meiner Jugend geschätzte Freunde unter ihnen besessen; ich könnte Ihnen ein ganzes Capitel schreiben über das, worin sie uns allen ein Muster zu sein verdienten; doch das muß jeder einsichtige und wissende Mann zugeben: sie sind jedes politischen Jnstinctes bar, überhaupt jedes Tactes. Daher durfte jener große, weise, den Juden von Jugend auf freundlich gesinnte Mann — Goethe - die Behauptung aufstellen: „Duldsamkeit gegen dieJuden bedroht die bürgerliche Verfassung." (Dichtung und Wahrheit 13. Buch.) bei Goethe: Es „. . . verbreitete sich der Humanismus, und Alles wetteiferte, auch in rechtlichen Verhältnissen höchst menschlich zu sein . . . Vergebens widersetzten sich Gilden und Körperschaften ... Die Duldsamkeit der Religionsparteien gegen einander ward nicht blos gelehrt, sondern ausgeübt, und mit einem noch größeren Einflüsse ward die bürgerliche Verfassung bedroht, als man Duldsamkeit gegen die Juden mit Verstand. Scharfsinn und Kraft der gutmüthigen Zeit anzuempfehlen bemüht war." Also Chamberlain läßt Goethe „die Behauptung aufstellen" — folgt ein Citat, deffen Wortlaut — und ein allerdings bedeutsamer Wortlaut — durch Anführungszeichen („") gekennzeichnet wird. Bei Goethe ist von gar keiner ..Behauptung" die Rede, er gibt lediglich eine durchgehend objective Schilderung des öffentlichen Lebens, in Deutschland um 1775, und zwar in ganz anderer Satzform, als Chamberlain citirt, und, was ausschlaggebend ist, ganz offenkundig nicht in dem von Chamberlain hineinverlegten positiven Sinne. Es ist sehr bedauerlich, wie ein Mann von der glänzenden Darstellungsgabe Chamberlain's sich so weit vergeffen kann, daß er seine Sache durch derlei gefälschte Untergründe um Treu und Glauben bringt. Denn es ist dies nicht die erste — sagen wir: Unreinlichkeit, die er sich zu Schulden kommen ließ, sondern von fachkritischer Seite ist ihm — und unseres Wissens ohne Widerlegung — nachgewiesen worden, daß er als Beleg für seine zweifellos geistvollen Hypothesen so manche Thatsache angeführt hat, die er sich nach Bedarf zurechtstutzte in ebenderselben Manier, wie jetzt sein Goethecitat über die Juden. Wir werden also gut rhun, diesem Vertreter des germanischen Culturideals so lange mit skeptischer Vorsicht zu begegnen, bis er gelernt hat, daß wissenschaftlicher Ernst und irrlichternde Phantastik zwei weltverschiedene Dinge find. .Ein Priester als Vatermörder auf dem Schaffst. In Spanien ist vor einigen Tagen im Kerkerhof zu Granada der Geistliche Julian Ängnita, Pfarrer von Locubin, vermittels des Würgeisens hingerichtet worden. Alle von den Clericalen angewendeten Mittel, um den Scandal einer Priesterhinrichtung zu verhüten, sind fruchtlos geblieben. Die Königin-Regentin, der das Gnadengesuch unterbreitet worden war, hat sich geweigert, diesem Folge zu geben angesichts der widerlichen Einzelheiten des Falles. Der Pfarrer hat im Einvernehmen mit seiner Mutter seinen alten Vater ermordet, weil dieser in einem Proceß mit seinen Brüdern nachgeben wollte. Im Dorf verbreitete er das Gerücht, der Alte sei geistesgestört und müsse in eine Irrenanstalt gebracht werden. Eines Tages lud er den Alten Ein Generalprocurator über die Schwester» „zum Guten Hirten". Die unerhörte Ausbeutungsmethode des klösterlichen Riesenarbeitshauses, die durch den unlängst erwähnten Scandalproceß entlarvt wurde, erfuhr im weiteren Verlauf des Processes durch den Generalprocurator Coste folgende vernichtende Kritik: Maria Lecoanet ist keine Verlorene; sie hat nicht den mindesten Flecken an sich, und die Schwestern selbst haben ihr das beste Zeugniß gegeben. Sie ist arm und jetzt beinahe blind; sie verlangt die Anwendung des Rechtssatzes, daß man sich nicht auf Kosten anderer bereichern dürfe. Nach siebzehn Jahren schwerer Arbeit hat sie keinen Sou; sie hat außerdem ihre Gesundheit verloren in Folge von Ueberanstrengung und Mangel an Pflege. Die Anstalt hat beträchtliche Gewinne erzielt; sie errichtet Bauten und unterhält zu ihrer Protection einen Cardinal in Rom. Der eigentliche Zweck der Anstalten vom Gute» Hirten ist die Bekehrung und Besserung gefallener oder sittlich gefährdeter Frauen und Mädchen durch die Mittel des Glaubens, der Mildthätigkeit, der Liebe und der Seelenpflege. Das ist ein sehr schöner Zweck. Aber man muß von dieser idealen Höhe herabsteigen; man muß leben und leben lassen, und neben Religion und Gebet muß man Industrie und Handel treiben, muß Chokolade oder Ligueure fabriciren. Es hätte genügt, jedem Insassen ein Handwerk oder eine Arbeit zu lehren, die ihn ernähren könne Aber die Anstalt hat eine förmliche Weißzeugfabrik errichtet. Der Gewinn war nicht groß. Da verlegte sich die Anstalt auf Luxuswäsche und bildete darin sogar Specialitäten aus. Dann nahm sie nicht blos Gefallene auf, sondern arme verlassene Mädchen, die sie als Arbeiterinnen ohne Lohn verwendete. Diese bildeten schließlich die Mehrzahl, 74 gegen 21. Das ist bezeichnend. Die Anstalt hat keine Geschäftsstille und keinen Streik zu befürchten; die großen Pariser Waarenhäuser bezahlen die Specialitäten theuer, und die Anstalt hat bei einem Minimum von Risico ein Maximum von Profit. Die Anstalten zum Guten Hirten beschäftigen jetzt in der ganzen Welt insgesammt 47.000 Arbeiterinnen, die sie nur zu nähren und zu beherbergen brauchen. Statt den Elenden und Unglücklichen Liebe zu erweisen, macht die Anstalt ein ausgezeichnetes Geschäft. Fräulein Lecoanet arbeitete in einem niedrigen und feuchten Saal. Als sie krank wurde, gab man ihr keine Medicamente. weil sie zu theuer waren. An der Nahrung allein, dem verdorbenen Speck, den schlechten und ungenügenden Gemüsen konnte sie sich nicht erholen. Als sie kränker wurde, holte man den Arzt, aber was er verordnete, wurde nicht ausgeführt. Der Generalprocurator schließt, daß genügende Gründe vorliegen, ein eigene gerichtliche Untersuchung zu veranstalten, da die bisher vorgenommenen Enqueten nur administrativer Natur waren und für die Justiz keine genügend zuverläffige Unterlage böten. Saphir und die Antisemiten. Saphir, der mit den scharfen Pfeilen seines Witzes und der ätzenden Lauge seiner Satyre den Narrheiten, Verkehrtheiten und Borurtheilen seiner Zeit unheilbare Wunden schlug, und dem seine Gegner nicht anders beizukommen wußten, als daß fie ihn einen „Juden" nannten — damit glaubten fie ihn genügend abgethan — hat folgende ergötzliche Charakteristik eines Judenfeindes gegeben: „Der gütige Himmel hat jedem Geschöpfe seine Waffen, jedem Pflänzchen seine Eigenschaft und jedem Menschen seine eigenthümliche Seite verliehen, von welcher er sich liebenswürdig und geltend machen kann. Von der Milbe bis zum Mammuth, von dem Mop, der an der Wand kriecht, bis zur herrlichen Ceder, von dem Cretin bis zum Sokrates ist kein Wesen auf der Stufenleiter der Schöpfung ganz reizenlblößt, ganz uninteressant, ganz unbemerkenswerth. Sehen wir z. B. jenen Herrn 3£. an, er ist fade, abgeschmackt, roh, hirnlos, langweilig, ignorant und arrogant. Er ist so unbedeutend, daß der liebe Tod einstens große Mühe haben wird, ihn herauszufinden, und daß er bei der Wiederauferstehung gewiß liegen bleibt, ohne daß es die liebe Vorsehung bemerken wird. Allein auch diesem Menschen, dieser personificirten Null, hat die gütige Allbarmherzigkeit Gottes eine Seite gegeben, von welcher er sich barmherzig machen kann, er ist nämlich ein — Judenfeind. Auf eine wohlfeilere Weise kann ein charakterloser Mensch nicht zu einem Charakter kommen. Man fragt sich in Gesellschaft: Wer ist denn dies Schattenspiel von einem Menschen? Ist er ein Gelehrter? nein! Ist er ein Dichter? nein! Ist er ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.